Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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Ute Sdiillinger-Häfele

Florentinius Quintianus hatte als Soldat der cohors XXIIII voluntariorum angehört
und war in ihr zum cornicularius praefecti, d. h. zu einer Art Ordonnanz oder Schreiber
des Präfekten aufgestiegen3). Als Veteran hat er dann — wohl an dem Wohnsitz, den
er nach seiner Entlassung gewählt hatte — diesen Altar errichtet.
Die cohors XXIIII voluntariorum (civium Romanorum) kennen wir auch aus anderen
Inschriften. In flavischer Zeit in Heidelberg-Neuenheim stationiert, war sie — eventuell
nach einem Aufenthalt bei St. Leon (Ldkrs. Heidelberg) oder Waldorf — nach der Er-
richtung des Main-Neckar-Limes in das Kastell Benningen gekommen. Als später der
Limes vom Neckar in die Linie Miltenberg—Lorch vorgeschoben wurde, wurde die
coh. XXIIII vol. nach Murrhardt, in das entsprechende Kastell der neuen Linie verlegt.
Den Fall des Limes hat sie offenbar nicht überdauert4).
Für die Datierung unserer Inschrift ergibt sich aus der Dislokationsgeschichte dieser
Kohorte leider nichts, da der Dedikant den Altar erst als Veteran gesetzt hat. Als
solcher brauchte er aber nicht mehr in der Umgebung des Kastells geblieben zu sein5).
Eigentümlichkeiten der Schrift, wie die mehrfachen Ligaturen, die Schreibung e für ae,
die Form des F sowie das Fehlen des Pränomens, sprechen jedoch dafür, die Inschrift
jedenfalls nicht vor dem zweiten Jahrhundert anzusetzen.
Daß auf dieser neugefundenen Inschrift ein Präfekt einer Voluntarierkohorte genannt
wird, bietet Gelegenheit, eine in der Literatur mehrfach vertretene irrtümliche Behaup-
tung zu korrigieren. E. Ritterling hat es als spezifisches Merkmal der Voluntarier-
kohorten angesehen, daß sie „bekanntlich ausnahmslos von tribuni militum befehligt
wurden“6). Diese Behauptung ist später — mit oder ohne Einschränkung — verschiedent-
lich wiederholt worden7), und E. Stein mag deswegen gezögert haben, in der Inschrift
CIL XIII 8824 (Zeit des Septimius Severus,; coh. XV vol.) das PRE als pr(a)e(fecto)
zu lesen8). Daß es sich hier aber um einen Präfekten handeln muß, zeigt außer der
Stettfelder Inschrift auch noch eine andere aus Garduna (Annee epigr. 1940, 176; Zeit
des Antoninus Pius; coh. VIII vol.) mit der Angabe M. Caec[i]lio Africano praefecto
sowie die Weihung eines Präfekten derselben 8. Voluntarierkohorte in Afrika9).

3) Vgl. dazu den Artikel cornicularius von Fiebiger RE 4,1, Sp. 1603/04. Belege für die
cornicularii der verschiedenen Offiziere bei A. v. Domaszewski, Die Rangordnung des
römischen Heeres, Bonner Jahrb, 117, 1908.
Um den cornicularius des Tribunen einer Voluntarierkohorte handelt es sich vielleicht bei
der Inschrift CIL XIII 7743.
4) Vgl. dazu E. Stein, Die kaiserlichen Beamten und Truppenkörper im römischen Deutschland
unter dem Prinzipat, Wien (1932) 228.
5) Vgl. CIL XIII 11678a, die Inschrift eines Veteranen dieser Kohorte, die in Schweig-
hausen im Elsaß gefunden worden ist.
6) E. Ritterling, Zur römischen Legionsgeschichte am Rhein, Westdt. Zeitschr. für Gesch. und
Kunst XII, 1893, 239.
7) Lengle, Artikel tribunus RE II. Reihe 12, Sp. 2437; Enßlin, Artikel praefectus, RE 22,2
Sp. 1278; E. Stein a. a. O. S. 226; K. Kraft, Zur Rekrutierung der Alen und Kohorten an
Rhein und Donau (1951) 92, 99 u. 193.
8) a. a. O. S. 227.
8) Erwähnt in den Comptes rendus de l’Academie des Inscriptions et Beiles Lettres 1947, 96.
Diese beiden Zitate verdanke ich einem freundlichen Hinweis von Herrn Professor Nessel-
hauf.
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