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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0102

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Gerhard Fingerlin

Funde aus Frauengräbern:
Variationsreicher noch als bei den Männern erscheinen die Inventare der neun sicheren
Frauengräber, denen die Funde aus dem zerstörten Grab 2 anzufügen sind. Die „Grund-
ausstattung“ ist ziemlich einheitlich: Halsketten mit durchschnittlich fünfzehn Perlen
enthalten mit Ausnahme der ungestörten Bestattung Nr. 16 alle Gräber; vier Frauen
besaßen zusätzlich eine zweite Kette, die immer in Beckengegend gefunden wurde (zur
Deutung vgl. die Kommentare zu Grab 7 und 12 im Fundkatalog). Messer und Kamm
sind je viermal vertreten, ebenso einfache Eisenschnallen, während sich das Vorkommen
der Schilddornschnallen aus Silber oder Bronze (Taf. 31, 10; 32, 5) — wie übrigens auch
der Kämme mit verziertem Einschlagfutteral (Taf. 31,11; 32,13) — auf die beiden
reichen Frauengräber 7 und 12 beschränkt. Das Fehlen entsprechender Dinge in dem
nicht weniger gut ausgestatteten Grab 1 dürfte auf Beraubung der Brustgegend zu-
rückzuführen sein.
Auch bei einer größeren Zahl von Gräbern würde es nicht verwundern, daß unter den
verhältnismäßig reichen Beigaben keine Bügelfibel vertreten ist. Diese vor allem im
fränkischen Rheinland geläufige Form erscheint auf alamannischem Gebiet weniger
häufig als die almandinbelegte Scheibenfibel, die aus Binningen bisher in drei Exem-
plaren vorliegt.
Dem heute im Museum Allerheiligen in Schaffhausen befindlichen Exemplar (Taf.
40, 5) 26) — dem einzig erhaltenen Fund aus den vor dem Krieg zerstörten Gräbern —
steht eine Fibel aus Sindelfingen nahe27), deren rosettenartige Grundform wie die
linksläufigen Filigranhaken“ im vertieften Mittelfeld gut vergleichbar sind, ohne daß
dabei an Werkstattzusammenhänge gedacht werden müßte. Das gleiche Gräberfeld
liefert auch für die große, zweizonige Scheibe (Taf. 31,2) aus Grab 12 eine Parallele,
bei der zwar das Mittelfeld mit Almandinen belegt ist28), die aber nach Größe und
Flächengliederung nicht allzuweit von unserem Binninger Stück abgerückt werden darf.
Mehr Ähnlichkeit im Aufbau zeigt dagegen eine aus Sirnau (Grab 72) 29) stammende
Fibel: Hier gliedern drei Halbbögen das mit kleinen Drahtringen flächendeckend be-
legte, leicht gewölbte Mittelstück. Allerdings ist in diesem Fall die Zahl der Randzellen
erheblich geringer (achtzehn gegenüber zweiundzwanzig). Reicher gegliederte und sorg-
fältiger gearbeitete Stücke finden sich im Rheinland30); sie können als Vorlagen der
vermutlich in Süddeutschland gefertigten, qualitativ unterlegenen Typen gelten.
Für die zweite Brosche aus Grab 12 (Taf. 31, 1) ist aus der Literatur keine Parallele be-
kannt. Allenfalls lassen sich die ähnlich geformten Filigranschleifen einer Rosettenfibel
aus Köln-Müngersdorf vergleichen 31), die zwischen den Armen eines almandingefüllten
26) Beschreibung nach F. Garscha, Südbaden, 12: Silberne Almandinscheibenfibel (Dm. 3,2 cm)
mit linkswendiger, hakenförmiger Verzierung aus doppeltem Kerbdraht im Mittelrund.
27) W. Veeck, Die Alamannen in Württemberg (1931), Taf. 26, A4 (im folgenden abgekürzt:
Veeck, Alamannen).
28) Veeck, Alamannen, 206, Taf. 26, A 3.
20) Fundber. aus Schwaben, NF. IX, 1938, 138, Taf. XXXVII, 2.
30) z. B. Alzey, AuHV. III, Heft V, Taf. 6, 6.
31) F. Fremersdorf, Das fränkische Gräberfeld von Köln-Müngersdorf (1955), Taf. 90, 18 (im
folgenden abgekürzt: Fremersdorf, Müngersdorf).
 
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