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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0105

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Das alamannisdie Gräberfeld von Binningen im Hegau, Ldkrs. Konstanz

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kugel (Taf. 28, 3) (Grab 1), die zweimal vorkommenden Bärenzähne (Taf. 31, 5; 32, 12)
(Grab 7 und 12) und die Miniaturgeräte (Taf. 34, 9—12) (Grab 21) würde zweifellos
am Wesentlichen vorbeigehen. Das schon angedeutete Stichwort „Amulett“ gibt zwar
nur eine sehr allgemeine Einordnung, doch ist beim Stand unserer Kenntnis der mit
diesen Dingen verknüpften Vorstellungen eine präzisere Formulierung nicht möglich40).
Während Bergkristallkugeln41) und Bärenzähne ziemlich häufig begegnen, lassen sich für
die Miniaturgeräte nur wenige Beispiele aus merowingischem Bereich anführen. Von
insgesamt sieben Anhängern einer Bronzekette aus Mülheim (Ldkrs. Koblenz)42) lassen
sich wenigstens vier mit Sicherheit als Nachbildungen von Waffen oder Geräten an-
sprechen. Unverkennbar ist eine langstielige Axt, weniger überzeugend scheint die von
A. Günter vorgeschlagene Deutung der anderen Stücke als Imitationen von Spatha,
Sax und Lanze; eher kommen als Vorlagen Gebrauchsgeräte, wie Messer u. ä., in Frage.
Wichtig ist in unserem Zusammenhang, daß ein Gebrauch dieser „Werkzeuge“ hier
ebenso ausgeschlossen ist wie bei einem entsprechenden Gehänge aus Wettolsheim43), wo
beispielsweise das Schälchen eines Bronzelöffels mit einem Drahtring unmittelbar an der
Kette befestigt ist.
Wie oben schon betont, schließen diese Feststellungen gelegentlich praktischen Gebrauch
einzelner Stücke nicht aus. So kann die an der eisernen Stangenkette von Singen (Taf.
38, 7) (Grab 74) angebrachte Bronzepinzette nur als „echtes“ Gerät verstanden werden,
ebenso ein Eisenschlüssel (vgl. Grab 12), der zusammen mit Resten eiserner Stabglieder
und andern nicht bestimmbaren Anhängern in Schwarzrheindorf gefunden wurde44).
Wenn sich auch für die weitere Interpretation der „Amulettanhänger“ aus den Ver-
gleichsfunden keine unmittelbaren Anhaltspunkte ergeben, sollen doch die hier zitier-
ten Beispiele andeuten, in welche Zusammenhänge die keineswegs singulären Binninger
Befunde eingeordnet werden müssen.
Metallbeschläge von Wadenbinden und Schuhriemen fanden sich nur in einem Grab (21).
Der schon vor der Untersuchung gestörte, mit zwei Riemenzungen (Taf. 34, 13—14),
einem zugehörigen Rechteckbeschläg und einer Schuhschnalle (Taf. 34, 17) (?) sicher un-
vollständige Befund gibt keinerlei Aufschluß über die ehemalige Tragweise45 * *). Funktio-
nell entsprechende Riemenzungen, soweit beobachtet immer in Gegend der Knie oder
Unterschenkel, sind auf alamannisch-bajuwarischem Gebiet ziemlich häufig48). Die

40) Eine andere Gattung dieser Amulettanhänger (Cypraea tigris) bespricht Th. Voigt in Jahres-
sehr. Halle, 1952, 171 ff. Vgl. J. Werner, Beiträge zur Archäologie des Attilareiches (1956), 36.
41) Ein nach der Form der Befestigungsbänder und der Filigranauflage gut vergleichbares Stück
stammt aus einem reichen Frauengrab von Alzey (Rheinland-Pfalz), dessen Inventar aller-
dings nicht völlig gesichert ist. H. Rupp, Die Herkunft der Zelleneinlage (1937), Taf. XXX, 8.
42) Germania 17, 1933, 206.
43) Anz. f. Elsäss. Altkde. XVIII, 1927, 74, Taf. XIII, 13.
44) G. Behrens, Katalog des Römisch-Germanischen Zentralmuseums zu Mainz Nr. 13: Mero-
wingerzeit (1947), 10, Abb. 27, 4.
45) Zudem ist die Beschreibung der Fundlage nicht ausreichend. Die Grabzeichnung bringt ledig¬
lich den Umriß der zwischen den Unterschenkeln gefundenen Riemenzunge Nr. 13.
4B) Vgl. die Zusammenstellung der Preßblech-Riemenzungen durch H. Bott in Germania 23,
1939, 43 ff.
Zur Rekonstruktion der Tragweise siehe Werner, Mindelheim, 16.

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