Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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Neue alamannische Grabfunde aus Singen a. H., Ldkrs. Konstanz

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Auf dem Unterkörper, dicht oberhalb der Schere (Nr. 9), zusammen mit organischen Resten
(vom Ausgräber als Tasche gedeutet):
2. Eiserner Tragbügel (vom Sax?) mit zwei flachen, am Rand gezähnten Silbernieten (Sn 58/55:
75), eines mit zerbrochenem Nietstift; verbunden durch einen schwach gewölbten Eisenbügel,
dessen Enden flach ausgehämmert sind; Dm. Niet 0,9 cm, L. Bügel 2,5 cm (Taf. 39, 7).
Innen am rechten Ellbogen lag eine Schnalle mit drei kleinen Riemenbeschlägen, die unmittelbar
hinter dem Verschluß auf dem Gürtel befestigt waren: nebeneinander die beiden runden Bronze-
knöpfe (Nr. 4), dahinter die kreuzförmige Heftel (Nr. 5). Da weitere Beschläge fehlen, läßt sich
nicht sicher entscheiden, wie der Gürtel beigegeben wurde; vermutlich war er umgeschnallt.
3. Ovale Bronzeschnalle (Sn 58/54: 75) mit kräftig profiliertem Schilddorn, für ca. 2,0 cm brei-
ten Gürtel; L. 2,5 cm, Br. 3,8 cm (Taf. 39, 4).
4. Zwei halbkugelige Bronzeniete (Sn 58/54: 75), hohl, beide Stifte abgebrochen; Dm. 1,2 cm
(Taf. 39, 5).
5. Kreuzförmige Bronzeheftel (Sn 58/54: 75) mit 0,8 cm langem Heftsteg; Dm. 1,1 cm (Taf.
39, 6).
Außen neben dem linken Ellbogen lag eine Tasche oder ein Beutel aus organischem Material, der
Waage und Gewicht enthielt (Nr. 7—8). Vom Verschluß dieses Behälters stammt eine kleine
Rechteckschnalle (Nr. 6), die außen neben der Waage gefunden wurde; Stoff- oder Lederreste
ließen sich nicht nachweisen.
6. Kleine rechteckige Silberschnalle (Sn 58/51: 75) von flach-vierkantigem Querschnitt; L. 1,3 cm,
Br. 1,7 cm (Taf. 39, 8).
Waagbalken parallel zur Körperachse:
7. Gleicharmige Bronzewaage (Sn 58/52: 75), stark beschädigt und ergänzt. Erhalten: Waag-
balken mit profilierten Endstücken (nach der Präparation nicht mehr erkennbar) und Frag-
mente von zwei flach gewölbten Schälchen aus dünnem Bronzeblech; in einer Endöse Reste
eines kleinen Ringchens aus Bronzedraht; L. des mehrfach zerbrochenen Waagbalkens (er-
gänzt) 14,4 cm, Dm. der Schälchen 4,4 cm (Taf. 39, 11).
Dicht unterhalb der Waage:
8. Quadratisches Bronzegewicht (Sn 58/53:75) von 27,2 g. Auf der Vorderseite, von einem
schmalen Blattkranz eingefaßt, ein kleines lateinisches Kreuz, darunter „N“ und „E“. Kreuz
und Buchstaben sind tief mit dem Stichel eingegraben und von dünnen Gravurlinien gerahmt;
Kantenl. 2,0 cm (Taf. 39, 9 und 41, 3).
Auf dem Unterkörper und in Beckengegend fanden sich mehrere Objekte dicht nebeneinander,
vom Ausgräber (St. Unser) als Inhalt einer Tasche gedeutet (vgl. Nr. 2):
9. Eisenschere (Sn 58/56: 75; L. 14,4 cm (Taf. 39,10).
Dicht unterhalb der Schere:
10. Längliches Eisenstück, vermutlich Messer; fehlt.
11. Unbestimmbares Bronzefragment (Sn 58/55: 75).
12. Unbestimmbare Eisenfragmente (Sn 58/55: 75).
Grab 76: Frau, Brustgegend gestört.
Umriß rechteckig; L. 2,05 m, Br. 0,90 m, T. 1,10 m.
Bestattung in gestreckter Rückenlage; Schädel zerdrückt, Rippen und Wirbel fehlen, schlecht
erhalten.
Beigaben:
Rechts neben dem zerdrückten Schädel:
1. Ohrring aus glattem Bronzedraht (Sn 58/59:76) mit angelötetem, gegossenem „Körbchen“
(Imitation eines „echten“ Körbchens aus Filigran); darin runde, leicht gewölbte Einlage aus
hellblauem, transluzidem Glas; Dm. Ring 2,3 cm (Taf. 38, la).

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