Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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Fränkische Tauschierarbeiten aus frühen Reihengräbern am Oberrhein

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Fränkische Tauschierarbeiten aus frühen Reihengräbern
am Oberrhein
Von Friedrich Garscha, Karlsruhe
Im Jahre 1906 erwarb das Historische Museum in Basel einen seit 1878 in Privatbesitz
befindlichen Grabfund aus dem rund 10 km stromaufwärts, am Rheinufer und gegen-
über von Kaiseraugst gelegenen alamannischen Reihengräberfriedhof von Herten
(Ldkrs. Lörrach), der unmittelbar östlich des spätrömischen Brückenkopfes von Wyh-
len *) liegt. Da auch nach E. Wagners Untersuchungen in diesem Gräberfeld in den
Jahren 1887 und 1889 * 2) durch Fortführung des Kiesgrubenbetriebes weitere Gräber
zerstört und gelegentliche Fundbergungen von privaten Interessenten und ohne Kennt-
nis und Beteiligung des Großherzoglichen Konservators der Altertümer in Karlsruhe
vorgenommen wurden, gelangten 1911 auch drei weitere Grabinventare aus solchen, von
Lehrer Leroy in Herten, freigelegten Gräbern (Grab 56—58), vermutlich aus dem öst-
lichen Teil des Alamannenfriedhofs von Herten in den Besitz des Historischen Museums
in Basel.
Im Zuge der Bestandsaufnahme der älteren Funde von Herten fiel dem Verfasser im
Sommer 1933 unter den in Basel liegenden Beständen eine für das Oberrheingebiet un-
geläufige eiserne Gürtelschnalle mit nierenförmigem Schnallenring und kurzem recht-
eckigem Beschläg auf. Da auf einem kleinen und weniger verrosteten Teil des Schnallen-
ringes Spuren von frühmerowingischer, enger Streifentauschierung zu erkennen waren
(vgl. Taf. 44, 1 rechts oben) und der an der Basis keulenförmig verdickte Schnallendorn
ein weiteres Indiz für einen im Gesamtfundbestand der südbadischen Reihengräber
früh anzusetzenden Grabfund lieferte, verdichtete sich der Verdacht auf einen be-
stimmten Schnallentyp, wie er damals nur in ganz wenigen Exemplaren auf dem euro-
päischen Kontinent und aus dem angelsächsischen Fundgebiet Südostenglands aus der
Literatur bekannt war. Der äußerst brüchige Erhaltungszustand der Hertener Schnalle
und die in jener Zeit in den meisten Museen noch ungenügend entwickelten Konservier-
methoden geboten jedoch, von einer mechanischen Reinigung und einer vielleicht damit
verbundenen, völligen Zerstörung der Schnalle Abstand zu nehmen.
Die archäologische Bedeutung des Fundstückes indessen nährte weiterhin, auch nach
dem Kriege, den Wunsch, sein unter der Rostschicht verborgenes ursprüngliches Aus-
sehen zu erfahren. Unmittelbare Veranlassung zu einer Untersuchung der Hertener
Schnalle gab — neben seit Jahren gesammelten Nachrichten über neue Erkenntnismög-
*) Vgl. E. Wagner, Fundstätten und Funde 1 (1908) 162; dort auch ältere Literatur. — Zuletzt
Bad. Fundber. III, 1933—1936, 105 ff. (R. Laur-Belart).
2) Westd. Zeitschr. 9, 1890, 149 ff. Taf. 6 und 9 (E. Wagner); ferner E. Wagner, Fundstätten und
Funde 1 (1908) 156 f. Fig. 101.
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