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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0163

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Fränkische Tauschierarbeiten aus frühen Reihengräbern am Oberrhein

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Schnalle aus der Sammlung Diergardt, Köln (Taf. 45, 6), da die stilistischen Überein-
stimmungen mit den Schnallen aus Reuden, Grab 8, und Saint Prex den dort geäußerten
Verdacht (s. 6. und 7.) rechtfertigen. — 9. Gleiche Untersuchung der Schnalle aus
Weimar, Grab 83 — sofern das Stück wiederaufgefunden wird —, da die von Holm-
qvist71) gegebene Beschreibung des Beschlägdekors die nahe stilistische Verwandtschaft
zu den Schnallen von Saint Prex und derjenigen aus der Sammlung Diergardt, Köln,
verrät. — 10. Genaue Überprüfung der Schnalle am kreispunktverzierten Feuerstahl
aus Carnuntum (Deutsch-Altenburg), da deren photographische Wiedergabe72) eine
gewisse Ähnlichkeit mit der Schnalle am Feuerstahl von Gellep verrät.
C. Zur Herleitung und Zeitstellung der engstreifig tauschierten und
gebuckelten Schnallen
Zahlenmäßig stehen demnach mindestens sieben, maximal zehn festländischen Fund-
stücken mit gebuckelten Schnallenrahmen — vermutlich mit Plattierung und Streifen-
tauschierung — sechs oder sieben Gürtelgarnituren und eine einzelne Schnalle, also acht
Objekte aus England gegenüber. Bei offenbar technisch weitgehender Übereinstim-
mung weicht die britische Fundgruppe teilweise in der Schnallenform (Kempston,
Croydon und High Down), dem Buckelcharakter nach (Howletts, Grab 28 und 32), und
in der Verwendung von Glas und organischem Material zur flächendeckenden Füllung
der großen konzentrischen Kreiseinlagen auf den Beschlägplatten der Schnallen von der
festländischen Gruppe ab. Man wird, die Unterschiede berücksichtigend, weder die bis-
herige von Holmqvist und Evison angenommene, nur insulare Entstehung dieser bis-
her nur angelsächsischen Erscheinung noch eine — nachdem nunmehr auch eine fest-
ländische Verbreitung der gleichen Schnallentechnik sowie teils der gleichen, teils an-
derer Formen festgestellt wird — ebenso einseitige Meinung von einer ausschließlich
kontinentalen Erfindung der gebuckelten Schnallen mit plattierter und tauschierter
Oberfläche gutheißen können. Sicher ist diese Erfindung, vielleicht unter fremdlän-
dischem Einfluß, in einem größeren kontinentalen Werkstättenkreis — sagen wir
zwischen Maas und Rhein — gemacht worden. Da es sich bei der ganzen Fundgattung
um eine kurzlebige, vielleicht nur auf zwei Generationen sich verteilende Erscheinung
handelt und die extravaganten Erzeugnisse auch etwa gleichzeitig in England wie auf
dem Kontinent in „Mode“ waren, liegt es doch nahe, sich zu fragen, ob nicht an die für
das angelsächsische Abnahmegebiet arbeitenden regionalen Werkstätten auf der Insel
auch Handwerker verschickt wurden, die über ausreichende technische Kenntnisse ver-
fügten und die auch die neuesten Muster und Entwürfe in den kontinentalen Werk-
stätten noch kennengelernt hatten. So etwa könnten solche „Wanderhandwerker“ ge-
rade im Metallgewerbe in kurzer Frist in der Fremde zu so individuellen Erscheinungs-
formen innerhalb einer begrenzten Gruppe von Erzeugnissen gekommen sein.
Die Frage, wo es zur Ausbildung der Buckeltechnik gekommen ist, wann dies geschah
und welche Anregungen zur Entwicklung der merkwürdigen Schnallengattung bei-

71) Holmqvist, a. a. O. 40.
7t) Holmqvist, a. a. O. 49, Abb. 21,1.
 
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