Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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Kurt Gerhardt

Einen Überblick über Sterbealter und Geschlecht dieser informierenden Gruppe bringt
die nachfolgende Tabelle:

Alter
Geschlecht
Infans I
1
Männlich
9
Grenze Inf. I/II
1
Weiblich
5
Infans II
1
Unsicher (die Kinder)
3
Adult
6
Matur
5
Hochmatur bis senil
3

Schon eine erste prüfende Durchsicht des Materials, nachdem es gereinigt und, soweit
wie möglich, zuammengesetzt worden ist, läßt zweierlei erkennen: Eine grob-robuste
Schädelmodellierung herrscht vor, und die Serie ist in typologischer Hinsicht erheb-
lich uneinheitlich. Wie schon bei meinen mittel- und westdeutschen Glocken-
becherleuten (1953) bereitet es weiter keine Mühe, Leitschädel, das heißt gute
Typenvertreter, auszusondern. Diese sollen hier zunächst vorgestellt werden.

A. Die Singener Leitschädel
Skelett aus Grab 52/5 (Taf. 64—65)
Erhaltung:
Ein für prähistorische Bergungs- und Erhaltungszustände sehr gut bewahrtes Ganz-
skelett. Das Kranium hat die hintere Hälfte des linken Jochbeins, den dortigen Joch-
bogen, den größeren Teil der mittleren Basis eingebüßt, sonst ist es — auch unver-
drückt — in gutem Zustande, wenn man von partiellen, die Analyse aber nicht stören-
den Ausbrüchen absieht. Kurioserweise liegt der Körper des Zungenbeins vor. Vom
übrigen Skelett sind vorhanden: Alle Langknochen, die Schlüsselbeine, das halbe Becken,
das Kreuzbein, dazu eine Anzahl Rippen, Wirbel, Hand- und Fußknochen. In meß-
barem Zustande befinden sich der linke Oberschenkel, der linke Unterschenkel, beide
Oberarmknochen, die linke Elle und die linke Speiche.
Alter:
Alle drei Hauptnähte der Hirnschale sind offen, dagegen ist die Sphenobasionfuge,
nach einem nicht einsetzbaren Basisrest festgestellt, völlig verschwunden. Im Ober-
kiefer sind alle Dauerzähne einschließlich der Weisheitszähne vorhanden, im Unter-
kiefer ist nur der linke dritte Mahlzahn vorhanden, der entsprechende rechte hat nie
existiert. Die Abkauung ist auf den 3. Molaren schwach, auf den 1. und 2. Molaren
stark, sonst mäßig. Sämtliche Epiphysen der Langknochen sind spurlos verwachsen.
Nach diesen Indizien ist mitteladultes Alter anzunehmen.
Geschlecht :
Das Geschlecht ist zweifelsfrei männlich : Die eng nach der Mitte zusammen-
gerückten Überaugenbögen sind ungewöhnlich stark vorgewulstet, wobei sie praktisch
den ganzen (kurzen) Stirnnasenfortsatz überfließen. Übrigens zeigt ein Ausbruch im
linken Überaugenbogen, daß die linke Stirnhöhle nach oben über den Stirnhöcker hin-
aufreicht und nach außen zu bis in den Processus zygomaticus hinein, also sehr weit
und groß ist. Das Kinn ist kantig, die Unterkieferwinkelpartien sind verstärkt und
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