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Aufdermauer, Jörg; Baden-Württemberg / Amt für Ur- und Frühgeschichte [Editor]
Badische Fundberichte / Sonderheft: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens: Ein Grabhügelfeld der Hallstattzeit bei Mauenheim: Ldkrs. Donaueschingen — Freiburg i. Br., 3.1963

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https://doi.org/10.11588/diglit.29615#0046
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Stratigraphie gestützt, nach der Grab 1 jünger ist als die beiden Brandgräber 2 und 4 desselben Hügels (s. unter
„Hügelrekonstruktion“ Hügel B).

Die beiden Grab 1, Hügel B gleichenden Gräber in Hügel G und L boten als einzige angetroffene Brandbestat-
tungen im Hügel keine Möglichkeit zu stratigraphischen Aussagen, die Rückschlüsse auf die chronologische
Stellung innerhalb der Stufe Ha C erlaubt hätten. Daß sie auf jeden Fall älter sind als die Skelettgräber, zeigt
die Störung des Brandgrabs durch ein Skelettgrab in Hügel G. Wieweit das Fehlen des Leichenbrands in diesem
Grabtyp chronologisch auswertbar ist und vielleicht auch die Größe der Grabkammer, die der der Skelettgräber
nahekommt, mag nach Aufnahme des gesamten südwestdeutschen Hallstattmaterials entschieden werden. Die
Aussichten, durch Unterscheidung der Grabtypen eine Feinchronologie zu erarbeiten, sind allerdings bei den
schlechten Beobachtungen der meist älteren Grabungen gering.

Etwa ein Drittel der Skelettgräber enthielt nur Keramik, keine Metallbeigaben (Gräber D, 1; F, 4; G, 2; O, 2).
Die Keramik dieser Gräber, wie überhaupt die ganze Keramik der Skelettgräber, unterscheidet sich wesentlich
von der der Brandgräber. Das wird beim Durchblättern der Abbildungen ohne weiteres deutlich. Es handelt sich
fast durchweg um schmucklose, mehr oder weniger verwaschene Formen4), die nur in zwei Fällen, im Skelett-
grab Hügel E und in Hügel G, Grab 2, verziert sind: Das Kragengefäß aus Grab 2, Hügel G (Taf. 15, 7), ist mit
einem einfachen, die ganze Außenseite ausnutzenden Kreuzband aus schmalen Graphitstreifen verziert; im
Gegensatz dazu beschränkt sich die Verzierung der C-Keramik auf die oberen zwei Drittel des Gefäßes. Die
helle Färbung des Gefäßes scheint nicht durch eine Weißgrundierung entstanden zu sein, sondern stammt wahr-
scheinlich von dem Boden, in dem das Gefäß gestanden hatte. Das Kegelhalsgefäß aus Hügel E (Skelettgrab mit
Metallbeigaben) (Taf. 6, 4) ist der Form nach nicht von ähnlichen Gefäßen aus Ha C zu unterscheiden, aber bei
der Verzierung treten neben die Winkel aus schmalen roten und graphitierten Streifen Winkel aus feinen, dicht
beieinanderliegenden Ritzlinien, die vor allem auf D-Keramik zu finden sind. — Das kleine Beigefäß zu diesem
Kegelhalsgefäß ist mit seinem hohen Hals und dem knappen Schrägrand eine klare Ha-D-Form.

Von den sechs Skelettgräbern mit Metallbeigaben sind zwei sicher nach D 1 zu datieren: das Skelettgrab in
Hügel E und Grab 3, Hügel F. Die Dragofibel mit einfachem Hörnchenpaar aus Hügel E ist eine östliche
Variante der westlichen Schlangenfibel, in Mauenheim also wohl Import und nach Kossack5) wie die Schlangen-
fibel nach D 1 zu datieren. Dolch und Lanzenspitzen widersprechen dieser Datierung nicht.

Ebenfalls eine sichere D 1-Form ist der Typ des gerippten Bandohrrings aus Grab 3, Hügel F (Taf. 8, 21—24).
Die in Südwestdeutschland und der Schweiz gefundenen Stücke scheinen fast ausschließlich aus Gräbern der Stufe
D 1 zu stammen6). Das glatte Gürtelblech kommt in frühen und späten D-Gräbern vor7), steht einer frühen
Datierung des Grabes also nicht im Wege.

Etwas schwieriger ist die Datierung von Hügel H Grab 1. Es enthielt Schmuckformen, die noch keinen festen
Platz in der späthallstättischen Feinchronologie haben, dies wohl deshalb, weil sie in zu geringer Zahl und in
einem verhältnismäßig kleinen Verbreitungsgebiet gefunden wurden, dessen Material noch nicht intensiv durch-
gearbeitet wurde. Die Zweischalennadeln Taf. 10, 2—10 kommen in wenigen Exemplaren im Elsaß, im südlichen
Baden-Württemberg und in der Oberpfalz vor, die Schweiz scheint fundleer zu sein. Soweit sie aus geschlossenen
Funden stammen, scheinen sie fast ausschließlich nach D 2 oder ganz an das Ende der Hallstattzeit zu gehören:
Nordhausen bei Erstein, Elsaß, Skelettnachbestattung Hügel IV mit zwei Zweischalennadeln, Doppelpauken-
fibeln mit langer Armbrustspirale u. a.8). — Haguenau, Hügel 7, Grab 4 (reiches Frauengrab)9), sieben Zwei-
schalennadeln, ösenhalsring, der allgemein nach D 2 datiert wird u. a.10). — Malterdingen, Ldkrs. Emmendingen,
Hohlkopfnadel mit einer kleinköpfigen Haarnadel, die überwiegend ebenfalls spät zu sein scheint (s. u. Hügel F,
Grab 5)u). — Heuneburg bei Hundersingen, in den Wall der Periode V unter dem Wall IV eingetieftes Skelett-
grab, eine Zweischalennadel, Bronzehohlringe u. a. Wenn es auch schwierig ist, das Grab aufgrund seiner Bei-
gaben zu datieren, so ist doch die Wahrscheinlichkeit groß, daß es jünger als die nach D 1 datierte Wallanlage V
ist12). Ob Heuneburg, Periode IV, tatsächlich ebenfalls D 1-zeitlich ist, müßte anhand der Fibelfunde geklärt
werden. Das starke Aufkommen der weißgrundierten Keramik erst in Periode IV und auch Fibeltypen wie die
von Kimmig abgebildeten Kniebogenfibeln aus dem Wall IV13) lassen Einflüsse erkennen, die Heuneburg-

4) Uber späthallstattzeitliche Keramik s. H. Zürn, Germania 27, 1943, 20 ff.

5) G. Kossadc, Südbayern (1959) 32, Verbreitungskarte Taf. 155 B.

6) H. Zürn, Germania 26, 1942, 119.

W. Drack, Jahrb. Schweiz. Ges. f. Urgesch. 40, 1949—1950, 242.

Ber. RGK 39, 1958, Taf. 28.

Inventaria Archaeologica, Deutschland, 1956, Heft 3, Blatt D 27.

7) F. Mayer, Ber. RGK 39, 1958, 173 oben.

W. Drack, Jahrb. Schweiz. Ges. f. Urgesch. 40, 1949—1950, 244; „Gürtelbleche ab Ende Frühstufe II“.

8) Anz. f. Elsäss. Altkde. 1—4, 1909—1912, 288 ff.

9) F. A. Schaeffer, Haguenau 2 (1930) 57, Fig. 51.

10) W. Drack (s. Anm. 7), S. 242.

41) Wagner 1, 102, Fig. 135.

12) Abbildung des Grabinventars in Ber. RGK 39, 1958, Taf. 34.

Zur Chronologie der Heuneburg: W. Kimmig, Germania 32, 1954, 45 ff. und W. Dehn, Fundber. aus Schwaben NF 14,
1912, 79.

13) Germania 32, 1954, Taf. 13, 6. 7.

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