Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0034

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
26

Eduard Sangmeister

sich auch für das Gefäß von Egolzwil 3 35) der beste Vergleich in Bischheim36) und Mons-
heim finden läßt. Aufgrund ihrer Verzierung mit dem sehr feinen Furchenstich, der zu
schraffierten Dreiecken angeordnet scheint, möchte ich auch den Scherben von Birsmatten-
Basisgrotte37) hier anschließen. Wahrscheinlich läßt sich die Serie der hierherzustellenden
Formen noch um die Funde der Grotte von Cravanches38) vermehren. Die Konsequenz
dieser Zuordnung ist wohl die, daß hiermit die Verbindung der Rössener Kontaktfunde
in der Cortaillod-Kultur nicht mehr zur reinen, sogenannten älteren Rössener Kultur
hergestellt wird, sondern zu Lokalgruppen, die ihre Tradition in den Kugelbechergrup-
pen der älteren Rössener Kultur haben, aber — wenn man A. Strohs Chronologie über-
nimmt — eher neben als vor der südwestdeutschen Stichkeramik stehen.
Das ist deshalb wichtig, weil es neben den hier aufgeführten Fundgruppen im südlichen
Verbreitungsgebiet einzelne Vorkommen echter, älterer Rössener Kultur gibt, die deren
Vorhandensein, allerdings erst sehr schwach, belegen. Hier kommen wir zuerst auf das
Gefäß vom Gutenberg bei Balzers in Liechtenstein zu sprechen, das schon von G. \. Mer-
hart als Rössener Gefäß publiziert39) und von A. Stroh40) übernommen wurde. Es be-
legte einen sehr weit vorgeschobenen Fundpunkt gegenüber der entfernt liegenden Fund-
grenze in Baden und Württemberg41). Zudem ist es seiner Verzierungstechnik nach zwar
klar mit älterem Rössen zu vergleichen, seiner Form nach aber singulär. Besser steht es
mit einigen kleinen Scherben, die erst nach Publikation A. Strohs Arbeit gefunden wur-
den: Von Wildlingen und Neuhausen am Rheinfall, beide Kt. Schaffhausen, stammen
außer anderem nicht deutlich klassifizierbarem neolithischem Material je ein Altrössener
Schüsselscherben, mit der für diese Form so charakteristischen, unverwechselbaren Ver-
zierung42); und schließlich darf ein Scherben mit Innenrandverzierung vom Dachsenbühl
bei Herblingen, Kt. Schaffhausen, hierhergestellt werden, während unter dem Material
der Grüthalde des gleichen Fundortes nichts ist, was man eindeutig der Rössener Kultur
zuweisen könnte43). Es gab also durchaus eine Altrössener Besiedlung im Bereich der
Hegau, die — soweit heute anzugeben — etwa das gleiche Gebiet einnahm wie die von
uns abgegrenzte Gruppe mit südwestdeutscher Stichkeramik und Stichbandkeramik. Aus
ihr heraus könnte sich ähnlich der Gruppe Bischheim und Schwieberdingen eine „Kugel-
bechergruppe“ lokaler Prägung gebildet haben, sei sie nun mit Aichbühl verbunden oder
nicht, die Aufnahme in die Cartaillod-Kultur fand oder erst durch Kontakt mit dieser
entstand, so wie „Aichbühl“ aus Kontakt mit Michelsberg-Altheim. Nach der Vorstellung
von A. Stroh wäre das eine Parallelerscheinung zur Entstehung der südwestdeutschen
Stichkeramik, die im Gegensatz zu den lokalen und sekundären „Kugelbechergruppen“
35) Vgl. Anm. 31.
36) A. Stroh a. a. O. Taf. 23, 15 (Bischheim); 23, 7 (Monsheim). Eine gewisse Vorliebe für hän-
gende Leiterbänder scheint auch in der Gruppe Bischoffingen gegeben.
37) G. Bandi u. a. Birsmatten-Basisgrotte, Acta Bernensia I (1963) 249, Abb. 135.
38) A. Stroh a. a. O. 65; Bad. Fundber. 18, 1948—1950, 55, Abb. 7 (W. Kimmig).
30) Vgl. Anm. 2.
40) Vgl. Anm. 2.
41) A. Stroh a. a. O. 11, Karte 1.
42) Zeitschr. f. Schweiz. Arch. u. Kunst 4, 1942, 66 Taf. 31 (W. U. Guyan).
43) Zeitschr. f. Schweiz. Arch. u. Kunst 4, 1942, 68 (W. U. Guyan).
 
Annotationen