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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0133

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Römische Straßenverbindungen durch den Schwarzwald

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2. Römerstraßen führen im Bereich der Ansiedlung von Bevölkerungen germanischer
Zunge auf vormals römischem Reichsboden in der Regel an den nachrömischen Ortschaften
vorbei, oder richtiger umgekehrt: nachrömische Ortschaften wurden in der Regel abseits
der Römerstraßen angelegt. Ausnahmen bilden einmal Flußtäler, in denen keine Aus-
weichmöglichkeiten zwischen Römerstraßen und nachrömischen Ortsgründungen bestan-
den, zum andern in der ehemaligen rechtsrheinischen, von Rom kurz vor 260 n. Chr. preis-
gegebenen Germania Superior — die Gebiete links des Rheins stehen hier nicht zur
Erörterung — meist früh mittelalterliche Neugründungen in den Ruinen römischer
Siedlungen, in denen behauene Steine für Kirchen und ähnliche repräsentative Bauten zur
Genüge zur Verfügung standen; ein Beispiel für viele etwa die „Altstadt“ bei Rottweil
auf dem Boden von Arae Flaviae.
Solche Ausnahmen sind nicht gerade selten, aber auch nicht allzu häufig; insbesondere
liegen fast alle hoch- und spät mittelalterlichen Stadtneugründungen nicht an
der Stelle von vormals römischen Siedlungen. Dementsprechend mußte sich zwischen ihnen
im hohen und späteren Mittelalter ein völlig neues Straßennetz entwickeln. Straßenver-
bindungen zwischen solchen Städten oder von solchen Städten ausgehende Straßen zu
benachbarten Dörfern sind daher unter keinen Umständen römerzeitlich, auch wenn sie
in alten Stadtchroniken und modernen Ortsgeschichten, auf Meßtischblättern usw. gerne
als „Römerstraßen“ verzeichnet werden8). Allenfalls können sie einmal auf kurze Strecken,
wenn es sich gerade so gibt, eine ehemalige Römerstraße wiederbenutzen.
Schwieriger wird es bei Straßenverbindungen zwischen zwei Orten, die im frühen Mittel-
alter auf dem Boden einer vormaligen römischen Siedlung neu gegründet worden sind.
Ob — um ein hier rein theoretisch gemeintes Beispiel zu nehmen — eine Straße zwischen
Rottweil und Rottenburg die mittelalterliche (und jüngere) Verbindung zwischen beiden
Städten darstellt oder die römische zwischen Arae Flaviae und Sumelocenna, läßt sich von
vornherein nicht entscheiden, sondern muß nach anderen als den in diesem Absatz bespro-
chenen Kriterien, z. B. nach dem unter 1. genannten oder aufgrund der Routenführung,
geklärt werden. Ein konkretes Beispiel dieser Art, eine angebliche Römerstraße durch den
Schwarzwald zwischen Baden-Baden bzw. Aquae und Pforzheim bzw. Portus, wird uns
unten noch beschäftigen (siehe Abschnitt II, Nr. 6).
3. Unsere Betrachtungen haben bis jetzt nur den römerzeitlichen Fern Verbindungen
gegolten, d. h. den ausgebauten Straßen mit festem Straßenkörper und geschotterter oder
(nördlich der Alpen selten) gepflasterter Fahrbahn. Selbstverständlich gab es daneben, wie
zu allen Zeiten bis auf den heutigen Tag, einfache Feld- oder sonstige Verbindungswege,
die sich ebenso selbstverständlich der Altstraßenforschung so gut wie stets entziehen, da
sie, wenn nicht mehr benötigt, leicht aufgelassen und unter den Pflug genommen werden
können. Allenfalls läßt sich in unmittelbarer Umgebung eines römischen Gutshofes auch

9) Ein repräsentatives Beispiel dieser Art, ein Stück der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen
Straße von Freiburg ins Bodenseegebiet und nach Tirol (Innsbruck) zwischen Bonndorf und
Stühlingen in Südbaden, wurde aus gegebenem Anlaß besprochen Bad. Fundber. 17,1941—1947,
367, Fundschau unter „Wellendingen, Ldkrs. Hochschwarzwald“. — Ein weiteres Beispiel, die
örtliche Verbindung zwischen Villingen und einigen mittelalterlichen Ausbauorten: Bad.
Fundber. 19, 1951, 243, Fundschau unter „Villingen“. In beiden Fällen laufen die ausschließlich
mittelalterlichen (und jüngeren) Straßen im Volksmund als ,Römerstraßen“.
 
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