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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0135

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Römische Straßenverbindungen durch den Schwarzwald

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und Neolithikum grundsätzlich nicht allzu verschieden von derjenigen eines Waldläufers
der Metallzeiten oder der römischen Zeit gewesen sein. Jedenfalls konnte es dem einen wie
dem anderen leicht widerfahren, daß ihm Geschosse oder ähnliche kleinere Gerätschaften
verlorengingen, die heutigentags wieder aufgefunden werden können. Nachdem man erst
einmal auf die Feuerstein-Werkzeuge der Meso- und Neolithiker aufmerksam geworden
war, hat sich die Zahl der einschlägigen Einzelfunde aus dem Innern des Schwarzwalds
rasch vermehrt (vgl. Anm. 1). Es darf heute als ausgemacht gelten, daß das Gebirge von
meso- und neolithischen Jägern nicht einmal selten begangen worden ist.
Derartige, auf Zufallsverluste von Jägern, Fallenstellern usw. zurückzuführende, nicht
eben seltene Einzelfunde müßten auch aus den vorrömischen Metallzeiten und aus der
römischen Zeit vorliegen, wenn das Innere des Schwarzwalds damals einigermaßen regel-
mäßig aufgesucht worden wäre. An solchen Einzelfunden mangelt es bisher — von nicht
einwandfrei bezeugten Einzelmünzen abgesehen, die für sich allein nichts besagen, vgl.
unten S. 133 und 137 — durchaus. Gewiß ist bei einem Vergleich mit den Steinwerkzeug-
Funden aus dem Meso- und Neolithikum in Rechnung zu stellen, daß in den kalklosen
Böden des Schwarzwalds kein Material, weder der Ton der Keramik noch die Metalle der
Geräte aller Art, so gut erhalten bleibt wie der Feuerstein. Andererseits würden vor-
römische und römische keramische Reste und Metallgegenstände auch dem ungeübten Auge
des heutigen Bauern, Waldarbeiters usw. leichter auffallen als die unscheinbaren Stein-
werkzeuge, wenn es solche Reste gäbe. So darf man wohl mit einiger Berechtigung folgern,
daß das Gebirge damals verschwindend selten begangen worden ist.
Tatsächlich ist bis jetzt nur ein einziges wahrscheinlich römerzeitliches Zeugnis für gewerb-
liche Betätigung im Schwarzwald bekanntgeworden, der Kohlenmeiler von Freiburg-
Günterstalu). Aber dieser liegt nahe am westlichen Gebirgsrand und zudem in einem
kleinen Tal, das keine ,alten" Wegverbindungen quer durchs Gebirge nach Osten hat; er
gibt also für unsere Fragestellung nicht viel aus.
Nach alledem muß festgehalten werden, daß es eine halbwegs regelmäßige Begehung und
gewerbliche Nutzung der Schwarzwaldforste in den Metallzeiten wie in römischer Zeit
nicht gegeben hat — unbeschadet etwaiger vereinzelter ,Waldläufer", deren Tätigkeit
archäologisch natürlich nicht faßbar ist —, daß man also mit einer entsprechend frühen
Datierung ,alter", unausgebauter Schwarzwaldwege äußerst vorsichtig sein muß.
5. Gänzlich unhaltbar ist endlich der Gedanke, ,alte" Wege im Schwarzwald und in
sonstigen abgelegenen Gegenden für vorrömisch, also für prähistorisch, zu erklären und
sie in römischer Zeit wiederbenutzt sein zu lassen, u. a. auch zu militärischen Zwecken.
Besonders Hertlein (1930, laufend) rechnete in seinen Beschreibungen der Römerstraßen
Württembergs mit „vorrömischen Straßen in militärischer Benützung"" und trug sie mit
einer eigenen Signatur, die mit der gerade wörtlich zitierten Erläuterung versehen ist, in
die beiden den „Römern in Württemberg“ (1928—1932) beigegebenen Kartenblätter ein.
Damit hat er entschieden des Guten zuviel getan.
Prähistorische Fern Verbindungen hat es selbstverständlich auch gegeben, aber im Alt-
siedelland und nicht im Schwarzwald. Außerdem lassen sie sich nicht ohne weiteres nach
den im Vorstehenden auf gestellten Regeln fassen; fehlten doch damals jegliche ausge-

ll) Bad. Fundber. 20, 1956, 227, Fundschau unter „Freiburg, Stadtteil Günterstal“.
 
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