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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0136

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128

Rolf Nierhaus

bauten Straßenzüge mit dazugehöriger Organisation der Dienstleistungsgewerbe. So kann
man das prähistorische Fernverkehrsnetz eines größeren Gebietes nur ganz vorsichtig an-
hand von Verbreitungskarten kennzeichnender Altsachentypen in Verbindung mit einem
Studium der alten Wege des fraglichen Gebietes zu ermitteln versuchen. Zu mehr als recht
allgemeinen, umrißhaften Ergebnissen wird man nur in den seltensten Fällen, beim Vor-
liegen ausnahmsweise günstiger Voraussetzungen, gelangen können12). So dicht, wie Hert-
lein glaubte, war das prähistorische Fernverkehrs-Wegnetz sicherlich nicht.
Was eine etwaige Benützung einfacher, nach Hertlein „vorrömischer“ Gebirgspfade, die
man sich nach Hertlein offensichtlich als nicht ausgebaut vorzustellen hat, durch
das römische Militär anbelangt, so hat man zu unterscheiden zwischen einmaliger, gelegent-
licher und wiederholter, regelmäßiger Benützung durch die Truppe. Ein einmaliger
Durchmarsch einer begreiflicherweise nur kleineren Einheit auf einem solchen Pfade, etwa
zwecks Ausführung einer Umgehungsbewegung, ist archäologisch selbstverständlich nicht
faßbar. Sollte ein solcher Weg regelmäßig benutzt werden und war er, wie alle hier
in Betracht kommenden Wege, die den Schwarzwald durchqueren, mehr als einen Tages-
marsch lang und zudem am westlichen Steilabfall des Gebirges nach der Rheinebene hin
nicht ganz leicht zu bewältigen, dann müßten — neben anderen Funden — unbedingt
weitere mansiones nachweisbar sein, vergleichbar derjenigen an der Kinzigtalstraße beim
Hofe Brandsteig. Nichts dergleichen liegt vor, und somit muß man die Vorstellung von
den „vorrömischen Straßen in militärischer Benützung“ preisgeben.
II
Nach diesen methodischen Überlegungen wenden wir uns im einzelnen denjenigen Schwarz-
wald-Querverbindungen zu, die, aus welchen Gründen auch immer, als römisch in Anspruch
genommen worden sind; vgl. laufend Karte 1, die nicht mehr als eine Lesehilfe sein will13).
1. Wir beginnen mit der Strecke vom Legionslager Argentorate (Straß-
burg i. E 1 s.) über Offenburg und das Kinzigtal hinauf auf die Paßhöhe beim Hofe
Brandsteig (Gern. Rötenberg, Ldkrs. Rottweil) und weiter nach Kastell Wald-
m össingen (Ldkrs. Rottweil), von wo aus sich die Straße nach Arae Flaviae (Rott-
weil) und nach anderen Kastellen gabelt. Diese Straße ist, wie eingangs schon betont, die
einzige feste römische Militärstraße quer durch den Schwarzwald. Als römisch muß sie
anerkannt werden nicht nur wegen des oben schon hinreichend besprochenen Meilensteins
12) Vgl. meinen Versuch über den latenezeitlichen Vorläufer der römischen Militärstraße vom
Legionslager Vindonissa (Windisch bei Brugg a. d. Aare, Schweiz) — Kastell Brigobanne
(Hüfingen bei Donaueschingen) — Arae Flaviae (Rottweil) und weiter am Albtrauf entlang:
Nierhaus 1957, 103 ff. Ein urnenfelderzeitlicher Neufund aus Hüfingen, ein sog. Kamm-
anhänger (vgl. Sangmeister 1962, 12 ff. mit Verbreitungskarte Abb. 1), ergänzt jenen Versuch
aufs beste. Analoge Beobachtungen aufgrund der Verteilung der spätlatenezeitlichen Oppida
in Böhmen und an der oberen Donau bringt W. Dehn, in: Celticum (Rennes) 3, 196'2, 371.
13) In der Karte sind nur die als solche gesicherten Römerstraßen eingetragen, ohne Rücksicht
darauf, ob ihr Verlauf in allen Einzelheiten feststeht oder nicht. Für alle anderen, in der
Literatur mitunter als römisch in Anspruch genommenen, aber hier für nachrömisch erklärten
,alten' Straßen wurden Orts- und Geländenamen in genügender Anzahl eingetragen, so daß
der Verlauf der Strecken hinreichend deutlich werden wird. Für ein genaueres Studium der
hier behandelten Strecken muß auf die Meßtischblätter 1 :25 000 oder auf die vorzüglichen
Karten des Schwarzwaldvereins 1 : 50000 verwiesen werden.
 
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