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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0285
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Buchbesprechungen

277

Walter Drack, Ältere Eisenzeit der Schweiz, Kanton Bern, II. Teil. Materialhefte zur
Ur- und Frühgeschichte der Schweiz, Heft 2, Basel 1959. 29 Seiten, 1 Karte, 13 Abb. im
Text, 26 Tafeln.
Das vorliegende Heft enthält den Katalog der ältereisenzeitlichen Funde und Fundstellen des
östlich an den alten Aarelauf angrenzenden Gebietes bis Burgdorf und des Aaretals zwischen
Thun und Bern (Hallstadt C/D nach Reinecke).
Über den Wert reiner Katalogarbeiten besteht heute kein Zweifel mehr. Als Nachschlagewerke
und leicht zugängliches Informationsmaterial sind sie unentbehrlich geworden. Sie ersparen das
zeitraubende Durchblättern von Zeitschriften und Monographien und das oft sehr mühevolle
Rekonstruieren von Fundzusammenhängen in älteren Publikationen, in denen häufig kein großer
Wert auf Vollständigkeit und Exaktheit des Fundkatalogs gelegt wird, und außerdem ersparen
sie auch weitgehend die eigene Aufnahme in den Museen oder erleichtern sie wenigstens sehr.
Diese Aufgabe als arbeitssparendes Nachschlagewerk erfüllt das Materialheft 2 und die inzwischen
erschienenen weiteren drei Hefte zur älteren Eisenzeit der Schweiz in hervorragender Weise
(Materialhefte 1—4). Alle Funde, soweit sie noch greifbar waren, werden in einfacher Zeichnung
oder Fotografie nach Fundorten und, soweit möglich, nach Fundvergesellschaftung getrennt abge-
bildet und im beschreibenden Katalogteil zusammen mit einer knappen Darstellung der Fund-
umstände kurz beschrieben. Auch dem Laien wird es nicht schwerfallen, schnell den Text zu den
Tafelabbildungen zu finden, ein Vorteil, den jeder zu schätzen weiß, der sich mit unübersicht-
lichen Publikationen herumschlagen mußte. J. Aufdermauer
Ä. Kloiber, Die Gräberfelder von Lauriacum. Das Ziegelfeld. Forschungen in Lauriacum,
Band 4/5. Linz 1957. Mit 81 Tafeln, 1 Luftbild, 1 Übersichtskarte, 1 Gräberfeldplan und
5 Textabbildungen.
Mit der Veröffentlichung des römisch-merowingerzeitlidien Bestattungsplatzes von Enns-Ziegel-
feld wurde vor einigen Jahren die systematische Vorlage der Gräberfelder von Lauriacum ein-
geleitet, die in der Zwischenzeit mit dem ausschließlich der römischen Periode angehörigen
„Esplmayrfeld“ weitergeführt worden ist (vgl. Besprechung von J. Garbsch).
Das von der jüngeren Kaiserzeit bis in die späte Merowingerzeit belegte „Ziegelfeld“ verdient
vor allem deshalb Beachtung, weil es im oberösterreichischen Raum für die Frage der Kontinuität
zwichen Antike und frühem Mittelalter eine ähnliche Schlüsselstellung einnimmt wie im spät-
römisch-alamannischen Grenzgebiet die großen, durchgehend belegten Nekropolen von Kaiser-
augst oder Basel-Äschenvorstadt. Hier wie dort stellt sich die Frage nach den Umständen, die
eine Weiterbenützung in nachrömischer Zeit (5.—7. Jahrhundert) ermöglichten und welche
Bevölkerungsgruppen, einheimische Provinzialen oder germanische Neusiedler, an der Belegung
beteiligt waren. Diese Trennung ist auch in Enns sehr schwierig durchzuführen, und es bleibt
letztlich offen, ob die Gräber des siebten Jahrhunderts (das sechste ist nur durch ein einziges
Frauengrab vertreten) den eingewanderten „Baiern“ zuzuweisen sind oder nur — ähnlich wie im
Rheinland oder in der Westschweiz — die Übernahme der Beigabensitte durch die romanischen
Bevölkerungsteile widerspiegeln. Zwar ist hier, auch nach dem anthropologischen Befund, eher
an „romanische“ Bestattungen zu denken, wie sie auch im inneralpinen Gebiet in einiger Anzahl
vorliegen, doch läßt sich bei der Lückenhaftigkeit des bisher ergrabenen Planes keine sichere
Entscheidung treffen.
Unklar beim derzeitigen Stand der Erforschung bleibt vor allem das Vorkommen des schon ge-
nannten, vereinzelten Frauengrabes (25/1953) aus frühmerowingischer („vorbairischer“) Zeit.
Mit ihm, wie einem gleichfalls „reich“ ausgestatteten Mädchengrab (12/1953), das aber entgegen
der vom Verfasser vorgeschlagenen Spätdatierung zweifellos dem vierten oder vielleicht dem
frühen fünften Jahrhundert angehört, sind in diesem „überwiegend romanisch-christlichen
Milieu“ eindeutig germanische Bevölkerungselemente vertreten. Für das ältere Mädchengrab
(datierend nicht die wenig typische Form der Glasflasche Taf. L I 6, sondern das gemeinsame
Vorkommen einer für die „Laetengräber“ Nordfrankreichs typischen Tutulusfibel und eines
dreieckigen Dreilagenkamms, Taf. L I 4) ist dabei wohl die Zugehörigkeit zur Familie eines ger-
manischen „Lagersoldaten“ das Wahrscheinlichste. Aber auch für das Frauengrab erscheint die
 
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