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AUF DER INSEL DER SELIGEN

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Als am seligen Gestade,
Auf geweihtem Tempelpfade,
In des Festgewandes Weiß
Wir, noch unbekränzt, zum Mahle
Nach dem lichten Säulensaale
Schritten feierlich und leis:
Kam durch goldsmaragd’ne Wogen
Schäumend noch ein Schiff gezogen,
Schwer von junger Rosen Fracht,
Die zu Kränzen, die zu Kronen,
Meisterliche Tat zu lohnen,
Uns die Götter zugedacht.
Purpurn um die Stirn gegossen
Ruhmesheiligen Genossen,
Noch vom Tau der Frühe schwer,
Glänzten sie der Meernacht Leuchten
Über reinen, strahlend feuchten
Augen, Brüderaugen her.
Doch als ich, die Stirn zu krönen,
Hob die Hand mit Menschensöhnen,
Haucht’ es mich wie Schrecken an:
Darfst du eine Krone tragen?
Weißt du, was in dumpfen Tagen
Einst dein glühend Herz getan?
Als es tiefstes Leid geboren
Und den scheuen Schwur geschworen
Tränenblinder Einsamkeit
Vor des Kreuzes hohem Stamme,
Wo der Liebe reinste Flamme
Hell geschlagen in die Zeit?
 
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