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Badische Kunst: Jahrbuch d. Vereinigung Heimatliche Kunstpflege, Karlsruhe — 3.1905

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https://doi.org/10.11588/diglit.52694#0015
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belebendes Element zwang den Heranwachsenden Jüngling schon jetzt in seinen Bann. 9
Beethovens und Schuberts Lieder wurden durch den Mund des Vaters, der an einem Abend
20—30 Lieder zu singen imstande war, die ersten Anregungen in der Kunst, der der Maler
Lugo Zeit seines Lebens eine leidenschaftliche Neigung bewahrte. Mit sechzehn Jahren kam
Lugo „gegen den Willen“ des strenggläubigen Vaters auf die Kunstschule zu Karlsruhe. Unter
Schirmers ernster Führung wurden unseres Künstlers bedeutende Fähigkeiten rasch gefördert.
Das Karlsruher Theater unter Devrient, die gute Musik, namentlich Glucks Orpheus, wurden
seinem Geiste zu künstlerischen Offenbarungen. Kleine reizende, satyrisch-ironische Wort-
dichtungen entluden das hochgespannte Innenleben des Kunstjüngers, dem alle Philisterei in
der Seele verhaßt war. Lugo wäre, hätte ihn die bildende Kunst nicht ganz festgehalten, auch
ein bedeutender Dichter geworden. Kleine Jugenddichtungen, reizende Briefdichtungen an seine
Geschwister und an seine Freunde, die Plastik der Darstellung, die aus künstlerischer Anschauung
und Erkenntnis für das Wesentliche der Dinge hervorgeht, sind vollgültige Beweise dafür. Der
Poet Lugo ist in seinem Wort, wie in den Gemälden, erkennbar.
Die Kämpfe und Wirrungen der Entwicklungsjahre der jungen Akademie fanden Lugo auf der
Seite J. Canons, jenes abenteuerlichen Menschen und geistvollen Künstlers, der durch sein
faszinierendes Auftreten gegen die strengere akademische Schulung und Art viele aus der
künstlerischen Jugend für sich gewann.
Lugo nahm aus der lebensprühenden Art Canons reiche Anregungen für seine eigene Aus-
bildung. Er machte glänzende Fortschritte. Canon selbst malte in eine mächtige Landschafts-
komposition Lugos die Figuren der „Diana im Bade“. —
In diesen Parteiungen, in denen nach Canons Ansicht von „Gude und Des Coudres, den
Repräsentanten und Kämpen Lessings, den Agenten des Naturalismus“ die künstlerische Jugend
mißleitet wurde, war für Lugo kein Platz mehr. Auch er hielt zeitlebens „Naturalismus und
Dekadence für gleichbedeutend“. Im Grunde war die Gegnerschaft Canons zur Kunstschul-
richtung der ewig währende Gegensatz zwischen Stilismus und Naturalismus.
Lugo begann anfangs der sechziger Jahre in Freiburg seine energische, machtvolle Tätigkeit.
Die reiche, abwechslungsvolle Umgebung der schönen Dreisamstadt, die heitern und melan-
cholischen Gelände am Dreisamufer und im Mooswald, die ausdrucksvollen und mächtigen Motive
des nahen Schwarzwaldes, Waldwiesen und Felspartien, Gebirge und Ebene sprachen tagtäglich
mit immer erneuter Schönheit zu Lugo. Aber in dem jubelnden Entzücken an den Schönheiten
der Natur, die er bei seinen emsigen Studien auf dem Schloßberg, unter Lorettos mächtigen
Baumgruppen, im Littenweiler Tälchen, an der Dreisam, bei Haslach und auf dem Schwarzwald
empfand, konnte er nicht vergessen, daß er trotz des Reichtums seines Innern und seiner Land-
schaft doch in einer künstlerisch toten Umgebung lebte. Kein Gleichstrebender gesellte sich ihm; er
lebte vom künstlerischen Verkehr der Welt abgetrennt. Man muß die Sehnsuchtsrufe an
H. Thoma, Fr. Hauser, Aug. Geist, an K. Wagner und andere lesen, um zu empfinden, was und

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