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Badische Kunst: Jahrbuch d. Vereinigung Heimatliche Kunstpflege, Karlsruhe — 3.1905

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https://doi.org/10.11588/diglit.52694#0023
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Im Sommer 1870 brach der Krieg aus. Lugo folgte den deutschen Waffenerfolgen mit dem 17
Herzen des Künstlers, der einen treuen, hochbegabten Freund und Schüler bei den Truppen
weiß und das ganze Interesse Deutschlands fast ausschließlich auf Kriegstaten und Politik
gerichtet findet. Aber die Friedenszeit kam und mit ihr mancherlei künstlerische Anregung
neben unwillkommener Fronarbeit. Endlich erfüllte sich sein sehnlichster Wunsch: die Fahrt
nach Italien.
Im Spätherbst 1871 ging es über den St. Gotthard, Mailand, Genua und Florenz nach Rom.
Prellers und der Frau Hauptmann Empfehlungen öffneten Lugo Fr. Drehers Haus, wo durch
die Frau — eine geborene Rohden — die Kunst der Nazarener traditionell fortlebte, und wo
durch Dreber selbst eine neue starke Naturauffassung und Wiedergabe geübt wurde. Hier
lernte Lugo sich wohl fühlen. Auch mit Ludw. Seitz wurde er befreundet. Feuerbach, der
große Stilist, lebte damals auch in Rom. Die beiden verwandten Naturen, die seltsamer Weise
in derselben Stadt ihre Jugend verlebt hatten, begegneten sich leider nicht. Lugo hielt sich, wie
Feuerbach, vom Verkehr mit den übrigen Künstlern fern. „Der Landschaftsmaler Dreber und
der Historienmaler Seitz sind die lebendigsten für mich; Feuerbach ist auch da, würde mich am
Ende auch interessieren, ist aber schwer zugänglich. . . .“ In manchem Betracht war Rom eine
hohe Schule für Lugo; auch er hat die Wahrheit des Feuerbach sehen Wortes an sich erlebt, daß
der „Deutsche in Rom sich aller Romantik ( Lugo sagte „Deutscher Nebel“ —) entkleiden muß“.
Sein Gemüt stand hier „der vollkommen positiven Erscheinung gegenüber, über welche die
Phrase keine Macht hat“. Ähnlich spricht sich Lugo an Freund Thoma aus: „Für einen ernst-
lich und ehrlich strebenden lebendigen Menschen ist eben Rom eine Läuterungsquelle wie sonst
nichts nach allen Seiten hin; Du wirst hier Aufschluß erhalten über Dein Wollen und Sollen
wie nirgends und das Gute davon wird gekräftigt, erweitert und klar gemacht, das andere
schlackenhafte abgestreift.“ Und ein anderes Mal: „Ich ruhe aus von einem Bilde es ist eine
Ansicht vom Monte Pincio mit Aussicht auf St. Peter. Solche Architektur war mir was Neues
und schwer zu Überwindendes, sowie aus einem gegebenen Gegenstand ein Kunstfreies zu
schaffen etc. Ich glaub’ ich habe mir dabei etwas errungen in bezug auf innere Erkenntnis
und komme nun eher dazu, das zum Ausdruck zu bringen, was ich eigentlich will.“ In Rom
ging es ihm auch auf, daß „alles Künstlerische ein ungeheurer Organismus sein“ müsse, daß
es weder mit der reinen Komposition noch auch mit der feinsten Naturabschrift allein getan
sei, daß nicht Zeichnung oder nur Farbe genüge, daß vielmehr in der Durchdringung und Ver-
schmelzung dieser Elemente mit der Persönlichkeit - der Seele des Künstlers und seinen
Darstellungsmitteln der Stil und damit der Wert eines Kunstwerkes bestehe.
Um die Ausdrucksmittel beginnt er sich jetzt mit der ihm eigenen Gründlichkeit aufs eifrigste
zu bemühen. H. Ludwig in Rom, der Theoretiker und Praktiker, der Kenner und Künstler, hat in
diesem Sinne jedenfalls die fruchtbarsten Anregungen gegeben. Die Jahre glücklichen und emsigen
Studierens und Schaffens in Rom, im Gebirge und am Golf von Neapel, die Zeit innern und
äußern Ausreifens, die Erlebnisse klaren Schauens und Erkennens mußten 1875 ihren Ab-
 
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