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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0206
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Zeiümacn unid BäülM»! dcr Pank.'os oewonncn
vevden kmin, schilderte dor Rcdinr in schlichler
ILeise Wesen umd Donlart L-er anaellächisischen
Durchschnittsamerrklrner. Schon die «Einig ge-
-ogeucn Bnmengrenzen aus der Lcmdkarte des
Mcsenacibietes düweisen dre Einsörimigkoit des ge-
»rütldsen Bolkes, das kein Mtertuim rmld koin M!it-
^clalter, keiine Dulrsru'i'nen und keinS alten Klöstcr
und R'Mäu/ser kswnt. Das Elternhaus wetteisert
mit der Schu-le in VevzieWng der Jusend. Die
Mldungmicle sind schr nieder gcstcckt. jSMstüIber-
bcbung ist die sicht>ba.:ste Frucht der SchEAdung.
Mcksichtsloser Eeldevwerb ist das höchste Ziel des
ZLmeriLaners, dcmrLcn die weiteistlvclhende Evleich-
tevung Les Dascins durch alle Erfindungen dsr
Dechnik. Auch das politische Leben ist arm an
wabrcn Jdoalen: der Polkiilker weW sein bcvlbes
Leben dem StncLen. eim .^Lotz". ein Fübrer und
Miacher, zu. werLen. dve anderS Hälfte der Avbeit,
seine Macht als Bok gehöria auszmrutzen. Dacher
ist die amerlkainische Dcnrokratie das Eegenteil der
Lolkebcroschast: es ist die Horrischast dsr Bosses.
die im Dienste der Eeldmagnicrten stohen. ülber die
Massen. Die Deutschen in den Bereinigten
Staaten sind feit dem Boginn ihrer Einmandcrung
bei den Pankeas vorhQbt. noch nrehr das deutsche
Rvich soit Besinn seines Amfstdeigs als Heimat der
geMLUchstcini NSbenIbuihlor- im SiZeltverkehr. Nach
inrscvem ZuislcMvmcmibruch drobt uns nicht nur di«
wirtfcha-ftkicho Uclberflutung mif amrerikcurischem
Unternchmertuinr, somdern auch die NachaHimmg
amercklmischsn Mefens, die Amorikanifierung un
sicires ErnäHnivngs- rmd Bildungsnxfens.

Statt, wie msvrünBkich beabsichtigt. cmch d>ie
LigentiimlichLetten des Lekmiösen LcLeus und des
Prssfnwest-ns eingehender zu schildern, ersäblte Ka-
oitän Känig cvuf Munsch des Weveinsoorstandes im
öwvrten Tetle sevMs Bortralvcs von den LeüLon
Fabrten stines Handelstauchbootes U
Deutschland im Soinmcr ur.d Herbst 1916.
Mit crtonvloscir Svnnnung laufchte die diankbars
Auhörerschcvft der Errcblung, die mit ernster. sack>-
licher Kfäuhclit, abeir auch mlf viel schalkhastem
Huinor don K.<mnvf deutscher ErfinLungLkvaft, douä-
schctu Wagomutes mid deutscher Dciboiurllchkeit mit
allen Machtmitteln und Tücken unserer Femde sur
Sce uud den Siog der dcutschen (Svemauns)-
Schlmcheit ülber d-ie „Dimimböit". wie eine aineri-
kanischa Aeitrmig vor aller Welt verkündeie, im
berLeryllick-nder Weise schi-lLerte.

Staak>es, tcmgunbaltendes Beisattsklatschcn mit
Draoorufen untermilscht, gaben dam Dankgesübl der
ZuHöiier Aüsdruck, den dor Vorsitzendc, Herr
SbaatsanMalt Dr. Gcihler zum Schluh in einige
kräftise Moete satzte. M.

Freiburg

Don d>er Deutschen liberalen Volks.-
partei Freiburg rvird uns geischrieben:

Lcbten Donnerstag haite dto Deutfcho libovalle
Volkspairtei Fwiibuvg ibre Mftslioder wieder oin-
m.rl su einec Verscvmmlung geibeten, um über den
allgemeineil Stand der Wovstcmldstätigkeit -u be-
rjchten. Nach der BeMübungsQnsorache des Vor-
sitzenden Dr. Eschbacher ging er sofvrt ru set-
nenv Reforate .Flückblick unÄ Ausblick"
übcr, von den schmÄhlichen Friedeinsbedingungen
dÄboi alusgöhend. Er wies <ün der Hand das in
Füllo zur Veriügung siehenden Miaterials dcvivruf
bin. ldab Llas Hinabsketten unseres ehedem stoLzcn
Vaterkandes eltne logische Folgo der Re-volution
sei, da diefe für di« Wehrlasmachuns unseres Vol-
kes durch Zermürbuing des einst stattlichen Heeres
vcoaintwortlich zu machen wäre. Der dadurch ent-
standene Eewalltfriodie nvache fich jetzt und in Zu-
kunft mit all seiner Furchtbarkeit geltend, und

eiive hrlflcse Negicrung erhA>e noch durch cine
hastige Beraihschiädung wichtiger F-ragen die allge-
meino Vorwirrumg, die sich inimov wicder in neu
-au, lohenlds-'n S/lre'iks und gaiitz sbcsonderN beim
Vetrvebsrätegesttz zeigö. Di-e Neubilidung der Ra-
gic-cung unter Zuhiffenabme dor inzwischcmi wieder
regierungslustig gowoildrnen Dömokratie zeigj auch
weiterhin den schiwarz-roten Kurs, da die demokra-
tifche Partzei sich immer noch aiuf die ALasse des
Vol-kes siützen su dürfen alaubt, für die Auf-
nahmo in den Reichsmi.nistersirkel all ihre gestell»
ten Ficadevungen opfern muhte. Zentrum und Sü-
zialdemokratie merden auch weiterhin den Hauvt-
kurs angcben, und was zu eriwarten rst, vrhellt
schon aus dcr Tatsache, dah die Sozialdeniokratie,
ehcdvm Vevsvchterin völlig neuer Evundlason sür
dais Schi'ilkoosen (Einiheitsschule!) dem Zcnitvumr
dio Konfessvcmisischule erkämvfen half. Ob die do-
moLrj.rtifch,ü Partei eine andere Note in> di«-
ses,System zu bringen vermag, darf nach der bis-
her'igen Hrrltung dvclser Partei bezweifeilt rverden,
un-d die Unentschlossenihoit der demokratischen Pari-
t<i hcrt in derem eigcuen Reihen schon grohe Un-
zufriedenhoit hevvoraerivfen. Letzten Endes hat
Fricdrich Ncvumann, Lvsien der Redner ehrend ge-
dachte, rmm-er wieder die Betonung des naticmoleu
Eedainkens hürlvorgehciben. blieb aber bcseichinen-
derwsisa nrit dieser seiner Auffasiung. der auch
wir zustimineu, von sh'mcn eigenen Partsrsreu'ndeu
unverstanden. Dieses Nationalgefühl. Lesien Hr-
bung uns E Herzon liegem muh, ist abor dcr ein-
zige Weg sum Aluisstieg unseres VoLkes. Dorbe-
dingmig ist die nwralische und sittliche Desicruns
uuseres Volkes und die Laraus resultiercnde Er-
kenntnis, dah ider Emtzelne und dre Gcsamlbctt ihre
Aufgaben rmd deron stluchtbare Lösung dc-m Molvl
des Stautos unterzuoirdnen haben. Der vaterlön-
dische Eedanke muh durch setne anfeuernde Kraft
Richtlrnie bei der Medercvufrichtung dcs Leujschen
Staates föin und bleiben. Sa evwächst unserov
Partei Lurch die Vervflanzung dicser Eedanken in
das Volk oi.ne hohe Aufgabe, die um so intensivcr
wirkenl wird, je mühr mit dicser Ucberzeuvnng er--
füllta Harzen daran leflnohmen.

Eimge interne Angelcgenheiten fanden ihre Er-
büErng und n-icht uner.wähnt möge der Hiaiweis
Lleiben auf den Ecburtstag zweier groher Söhne
Deutschlands, Hindenburgs und Hains Thomas, die
be-ida. jeder in serner Art, Unvorvänglickies drnn
deutschen Volk Lcschoert und mit dom Beispiel rost-
loser und sekbstlofer Pflichterfüllnins drn Wjes zur
Eesunduins sezcigt haben. b.

Aus Baden

. Die Arbeitsunknst der Rotstandsarbeitcr
Mannhcim, 4. Okt. Zn der gestrigen Bür -
g e ra us sch u h s i tz u n g kam 02 zu lcbhaften
Klagen- über die Arbeitsunlust der Not-
standsarb ei ter. Der StadtveravdnctenVor-
stand Jhrig (Dom.) erklärte, dah'Lei Notstands-
arboitcn fich ungehouerliche Zustände hcimisgcstelll
hätten. Zn kurzer Zeit feien d've Voranschlags-
summen übarfchritteir worden und dabei nvch nicht
cinmal der 20. Teil der Arb:Ä erlcdigt selwestn.
Mcm habe nachgeforscht und herausaefunden, L!ah
zu wettig gccrr'beitct würde. Der QuaL-rcn-
nieter komme auf 21 Mark zu stehen. So könne es
nicht wciter gohen. Mian bezaihle dia Leute. dah
sie lcben köumten, dann mühten sie auch arbejtzen.
Er cmpfahl, die Aabeit in Lose ernruteilen und an
die Notstandsarbeiter zu vergeben. Wer nrcht
arbeite, birauche auch nicht zu essen.
Lkuch von Rednern Ler anlderLn Parteiem ein-
schliehlich der MjehvheitLisolziailisten wirrde das Ber-
halten der Notftandsarbeiter krrtilsiert, nur die Lier

ll.SP. uahm ste in Schutz. Büijgermeister F i n-
ter evklarte zu der Sache, dah eine bestelhcnde Ar-
LeitÄUnlust unter den ÄrbeitsloM fcstgestcllt wor-
dan soi. Sie seiien jcdenfalls der Anstcht, diah sie
nicht ihren Lohn sür dve Arüeit, sondcivn eben wcil
der Staat für sie alls Kriegsteilnehmer ru sorgen
habs, empfangen. Für Notstcrndvarbeiten! wurdcm
wisder 1200 000 Mk. bow>illivt. Ein> abermalligcr
Nachtriag rimr Boranschlag bvachte wiederum U m-
lageorhöhung, so dvtz jetzt 68 Pfg. Liegen-
schastssteuclr, 2b'Pfg. Klapitalsteuer und 204 v. H.
der staatkichen Etnkommenstouer erhobon werden.

Aus Stadt und Umgebung

* Protcst der Fcucrwehr. Zn Uebereinstim-
mung mit dcn übriaen süddcutschen Feuerwehren
nimmt das Präsidium des Badischen
Feuerwebr - Verbandes energisch Stel-
lung gegen den von Norddeutschland unternomme-
nen Dersuch bei der deutschen Rationalversamm-
lung mit dem Plan der Schasfung eines Reichs-
amtcs für das Feuerlösch- und Feuerschutzwesen
durchzudringen. Entschiedene Verwah-
rung legt das Präsidium des badischen Feuer-
wehr-Verbandes gcgen die grundlofe und verdächti-
gende Motivierunc, diefer Absicht ein. die von
„nutzlofer Verschwendung unseres VolksvermLgens
und dcr deutschen Arbeitskraft. sowie von der Ver-
nachlässigung sozinler Fursorge^ spricht. Die An-
gelegenheit wird auf der am 12. Oktober in Offen-
burg stattfindenden 25. Landesversammlung der
Ladischen Feuerwehren zur Sprache kommen.

* Lehrcrprüsunaen für Kriegsteilnehmer. Anl
18 Dcizembcr und den solgenden Tagen wiird eine
auhcrordcntliche Dtenstprüsung sür KriegÄeilneh-
nrer am Lol^rerseminar 2 in Karlsrulhc übaehallcn
werben. Gefuche um Zulassung W diüser
Priifung sind fpätcstcns bis zum 1. November ein-
Kureichcn.

Unterstützongen für Dkinde. Aus der Bod e-
mer-Stiftung siir entlasiene Blinde können
jür 1019 an srühere Zöglinge der Blindenanstalt
Zlvesheim Unterftiitzunsen aewail)rt werden.
Gesuche siud bis Mm 10. November bei der Blin-
deuanstalt Jkveslheim einzureichen.

* Ausfnhr vvn Flachs- und Hanfftroh. Durch
Verordnuug des M'.nisteriums des Znnern vom
26. SeptembLr wurde bestimmt. dah die Ausstchr
von Fil'achs- uud Hansftrob unid von ganz oder teil-
weifr ausgearbeiteler Hanf- und FMchsfaser aus
Baden nur mit Eenehmigung der Flachs- und
Hanfbaiustelfe Karlsruhe erfolgen darf.

* Die Pahstelle Mannheim darf cmf Anordnung
des sra,NIosischen Brückenoffiziers siir Leute <vus de,n
besetzten Eebjet (Znh. von Zdcntitätsikarten) keine
Brückenpäsie mehr boantragen. Die einreisenden
Personen haben sich vielmehr unter Dorzeigung
ihrer Zndentitätskarle direkt bei dem französkschen
Posten dcr Brücke zu melden, der allcs weitere daun
veranlassen wird.

* Gedenkblätter. Cedenktaseln und Grabzeichen
zu Ehren im Kriege Eefallener werden gegen-
wärtig oon Anaehöriaen. Verbänden und Vcrel-
nen in arotzer Zahl erstrebt und ausaeführt. An-
statt nun künstlerisch uNd geschmacklich einwand-
freic. wirklich schöne und deshalb wertvolle Ee-
denksteine zu errichten. durch die den Abaeschstde-
nen ein besonders würdiaes und eindrucksvolles
Ehrenmal qeschassen und unseren Nachfahren für
alle Zeiten cin bedeutendes Zeuanis des Kunsi-
sinns unserer Taae hinterlasien werden könnte,
fiihrt die allaemeine Ratlosiakeit in folchen Din
aen zur Entstehuna fchlimmster Gefchmacklo-
fiakeiten. Dazu kommt. dasi eine behende
Eeschäftspraris das entstandene Bedürfnis fkru-
pellos ausnützt. indem sie würdelosen Schund in
Masscn auf den Markt wirft. Teshalb sei mit
Nachdruck allen Znteresiierten wieder in Erinne-
runa gebracht. datz die Veratunassielle des Freien
Bundes zur Einbüracruna der bildenden Kunst
(KunsthalLe Mannheim) aerade auch für
die Aufaaben der Krieaerehruna allen Kreifen mit
Rat und Tat kosienlos aerne zur Hand acht
und auch den Nachweis aeeianeter künstlerischer
Kräfte übernimmt. Alle Ansiaaen können an die
Leiluna des Freien Bundes. Mannheim.
MoMestratze 9. aerichtet wcrden.

- Wo diel Freiheit, ist viel Jrrtum,

^ doch sicher ist der schmale Weg ber Pflicht. Z

Schiller

ssssssssssss » EEHEEELEEELG

Sonnenfinsternis

Roman von Else Stieler-Marfhall
Lop^rixsit OretkleinLeLo. Q.m.b.tt. b.eipri'x 1916
(7. Fortsetzung)

Des Banern Eesicht versinsterte sich so jäh
und auherordentlich. dah jKlinghart sast erschrak.
Noch nis hatte er einen ähnlichen Ausdruck von
Hah, M«t oder wildem Kummer <ruf einem Men-
schenanllitz gefehen.

»Wuch cider Schuld . . . Schweigt still davon,
Herr', sagte der Bauer. Er zwana sich mit gewal-
liger Anstrengung zur Beherrschung, und doch
ipvcvng aus setnen Augen, klan« aus seiner Stimme
blitzend und zitternd die ungeheure Auftegung, die
er verberaen wollte. „Zhr könnt es noch nit wtsien,
daß wer den Stefan Soller daran gemahnt, fein
Freund nit /ist:. . . . Hier stnd meine' z/wei Fäiuste",
sck)rie der Mann plötzlich E . . . »rnrdamnit will
ich lern, wenn ich diese Frage anders <rls mit
denen beantworte."

Er fchmreg und lietz die Hände sinken. Die
dunvlc Röte in feinem Eesicht wich eliner grünlichen
Blässe.

»Nicht für ungut, Herr. Zhr witzt es nun",
fagte er ruhiaer. Klinghart lhedauerte. den Mann
so.schwer edschüttert zu haben. Es stand siir einen
Augenblick ein drückmdes Schweigen zwsichen

Mt M) ich", sagte Solter dann unbeho5ftn.
linghart sab ihm noch ckinmal die Hanb. Der
EinLl'ick in des schwerfälligen Mannes finster ver-
sWosiene Seele. hcvtte chm dtttsen näher gebracht.

»Habcn Sie Dank für den Vüiuch und auf aute
Nlachbarschaft ctlfo. Schneiden Sre morgen Zhr
Gras. Es ist anzunehmen, dasi das Wetter die
Nächsöendrei Tage beständiabloibt. ALer ichmöchte
Ihnen raten, das Heu am Mittwoch abend herein-
zuschaffen."

Stefain Soller schritt am Spätnachmittage die-
ses Sonntags gegen den Hof am Sch.'ag hinüber.
Das wertoolle Wisien, das ihm. wie er meinte,
goworden war, follte auch den Nachbarn zugnite
lommen.

Jn tiefen grübleris.hen Eedanken durchlchritt
er den Hochwald, der als ein broiter Kejl zwischen
den Mordhof und das nächste Berggut hineinge-
schoben isi.

Der Sonntag sang in den Dannenwipfe'sn. Ein
heiliges Raiüfchen wie Orgelk.ang ging dnrch den
Wald.

.. Die Sonne spann strahlende Fäden durch

das Genestel der Zweige nnd leate golldene TLcher
über den Boben hin. Die Lleinen liioben Vöael
jauchzten dem Schöpser zum Preise, der die Wllt
so fchön, so wunderbar schön sestaltet, der Wald
und Wiefe, Berg und Tal goschalf.fen und so umud-
lich viele Liebe hineingrsät hat.

Was nicht stngen, summen, raus/chen, rieseiln
kannte im Sonntagschor, das sandte in feiner ftunr-
men Woi.se auch Lobsesänge zum Himmel auf.
Denn ein Duften rvar im Walde. iirbrünstia, flnn-
rerwirrend schier.

Es war lust um die Zeit im 'Zahre, da die Welt
blüht wte etn junges bräutliches Weib. Der Hoch-
wckld in den Schornbergen flocht die HieMicküsten
Blumen §ur Baumkrone. Zart, schlank und fein
strebte aus grünem Moios die Waldhnazinthe zum
Licht empor . . . und duiftete . . . und duftete. Zhr
Duft ist wie ugter deir Vovelliedern der Nc«Dt-
gallengesang . . . königlich.

Am hastenden -Dach sdanden die himmeLblauen
Wüten der Treue, beugten sich. um in dem silber-
nen Spiegel des ftöUichen Wasiers ihr holdes Mld
zu besck-auen.

Vtolette Elöckchen läutoten zur Mckldandacht. ..
und tief im Erunde. unter den enger sich aneinander
fchiebenden Stämmcn hob stch aus denc wuchernden
Erün des Huflattich fremd und träumend bie selt-
same ftoilze Blume-mit hohem Stengel, die sie im
Gebirge den Türkeustsngel nennen.

Und der Mensch. dem es vergonnt war, durch
diüse ftiertägliche Schönl)eit Au schreiten, sah nicksts
daoon. Eing blind vorbei an den Enaden, die die
Natur ihm zu spenden aewillt war.

Finster, den Stiernacken aobeuB, den Wick der
schwarzglitzernden Angen in den Weg gcL ^ '
ihn sührte, sing Stefan Soller durch den

-Zhm satz der Zorn vo»n iMordhofe in der Sees'e,

er griff mit harten zwingenden Fäuften an fein

Herz. . .

Der Eoa galt er. Begleiten hätte ste den Dater
sallen auf diefen Sonntagsaucgans. Er hatte es
,hr befthicn. Wenn sie an feiner Seite >gewe(en
würe, fteiiich wohl. das wäre ein anberes Mmdern
oewefcn. Sie hätte verftanden. die Blindhcft von
stincn Augen zu nchmsn, die Taubheit von seinen
Lhren Eie würde ih:n Sinn .und Seele geweckt
haiben für den Sonntagszauber des Wal-des.

Aber die Eva kannte kin-dlichen Eehorsam schon
längst nichlt mehr, wurde störrifckver mit fedem Tage.

..Äuf den Schlaghof brinM mich nit, salange der
Zosef daheim ist ', hakte sie erwidcrt, »sein eines
Wige isi mir im Weae. es hat ftinen guten Blick.
Mutzt heute fchon allein gehen nnd mir nit gram
drum werden. Vater."

Mutzt allein gehen . . . und er ging allein.

Aber mlit ihm ging der Zorn, der verhahte Zorn
vom Mordhofe, dessen Sklame er war.

Nicht immer ift Stefin Soller ein so grimmiger
Eeselle gowesen Ein fcmniger Burfch ist er durch
seine Iusend gegangen, harmlos, ftöhlich, wie ein
Walldvoael.

Es liegt öin alltcr Fluch über dem.'Mordhose.
Schon der Knabe hat daoon hören müssen, viel ver-
rrorvenes närrisck)es Zeug, was Anton. damaks des
Vckters Mnecht. davan zu reden und zu raunen
wuhte. ALer das Kind und der Züngling hat der
Sago selacht, und nicht daran gealaubt, . . . wie
Eva jetzt lacht und nicht daran glaubt. Bis die
Sags selbst wieder lebendig-e Wcrhrheit geworden
ist. Bis der junge Soller dem wachgewordenen
Fluche auf seinem Wege hat begeLnen müsien, bis
dor Zorn 00m Mordhofe den damaligen Baiuern,
Stefcms Vater. unter stine Faust gezwungen und
alles Elück zerdriickt hat. Sciitdem hat Stefan
Soller das Lachen vedlernt!

iZctzt wieder wuchs der fresiende Zorn ursächÄlos
weiter in ihm, bis das hclloiderndc Feuer der Wut
ihm rote Funken vor drn Augen tanzen lietz. . .

"Mutzt allcin gehcn, Vrter." Sein Kinb ge-
horcht ihm nicht mehr, ihm, dam Herrn und König
vom Dkordhose, vor dem Meib und Eesinde er-
zittern. . .

Ein steinerner Vlock im Mcdse lachte ihn aus
ob der sinnlosen Wut . . .

Den hoib er ächzend eimpor nnd wuchtete den
schwerlasftnden Stein, feine eansie Zornkvaft daran-

" Arbeiterkontrolleure Leim Eewerbeausfichtz^
amt. Das Arbeitsmin'ckterium hat zur Ergänzung
des Eewcrbeaufsichtsamts als Eewerbekontrolleure
berufen: Hermann Kür in Freiburg aus dem
KrLise der Bauarbeiter. Ferdinand Reusch j«
Karlsruhe aus dem Kreise der Metallarbeiter. aus
Vorschlag der freien Gcwerkschaften Anton Kap-,
pes in St. Trudbert aus dem Kreise der Hoft-
arbeiter. auf Vorschlag der christlichen Eewerh,
schaften.

* Zur Kartosselversorgunlg. Da di'e Besorgnis
m manchcn städten best.cht, die Bevö-lkerung könnte
das ihr notwendige Quantum Kartofftln für die
Wintovnroncrte nicht erhalten. erklärt die »Karlsr.
Zeitung", datz zu einer solchrn Besargnis keine Ver-
ankasiung Lcsvcht. Zn den meistcn Kartoiffelbezir-
ken Badens hat die Ernte fiir SMkartofftl erst Le-
gannen. Noch ihver Bce.rdigung wivd der Kar-
toffelmangel auch bei uns vovaiusfichtlich beholben
wcrden, zumal im allg^meinen die KartostÄäcker
in diesem Zcihre eine verhältnismätzig gute Ernte
versprechen.

* Vorsicht beim Ankaus von Prismengläfern.

Es ist rn der lcchten Zeit wiedenholt vorgekommen^
datz idlcm Pich-likum von privater Sefte aus Pris-
incr.ialästr z,um Derkauf angcboton unV «mch vcr-
to uft wurden, die a>us Heeresbeständen
stammten und auf unrechtmäNge Weise in die
Hänide von Schiebern gekangt waren. So ift es
erst neustch d,er Mlitärpolizeifkelle Ler Abteilung
.Mieherei^asilmg'' Äes NoichsverwertunVaMtes,
Frainsöst/che Stratze 55-66, gelungen, eine Schie--
berbande festzumlehnien, dia erne rccht bcftächtlichs
Apzahl hochwiertiger Fornslästks su -veräutzern
strchte. Zcdem Kanflustigcn von Prftmen- und
Ferngilälsiern kcmn doher nur gevaten werden, beiimi
Kauf von privatar iSeite die Mötzte Vorsicht wal--
ten zu lassen, um stch vor Schalden M bewvhren.

Arbeitslohn und Krankengeld

.Man schreibt uns: Nach der Reichsversiche-
rungs-O'rdniung wird däs an die arbeltsunfähigen'
Versicherten zu zahlende Krankengeld nach denr
Grundlahn bemesien, der aber höchstens mit
6 Mark sür den Arbeirstag berechnet wird. Später
ist dann dieise Höchstgrenze auf zehn Mark erhöht
worden. Da dos Krankengeld höckKens dret Vier-
tel des Erundlohns betragen darf. isi es den Kran-
kenkasien unmöglich gemachl, ein höheres Kranken-
geld alls 7.50 Mk. pro Taa zu zahlen. Bei der
heutigen Eeldentwertung und der allosmeinen
Teuerung aller Bedarssaegcnständs ist äbcr dieser
Betrag durchaus unzurelchend. Er entsprlcht auch
nicht mehr der Höhe des üLlichen Arbeits»ohns.
Es wäre daher drinigend notwendis. den tz 180 der'
Reichs.oersicherungs-Ordnung dahin ah)nändern,
datz entweder die Höchstgrenze des Grundlohns
Lberhaup! in Lkegifäll Lommt. oder datz sie dem
healtigen Stand der Arbeitslöhne entsprechend er-
höht wird.

Solange dies nichv gefchieht. haben die Arbeit-
geber damit zu rechnen, datz von ihnen besondere
Zuschüsfe! zmn Krankengeld verlcrngt werden.
>Zn Mannheim haben schon einige Arbeiter-
Orcjani.sa1ivnen derartige Fordevunaen gestellt. Auch
hat neuerdings in einer Ausschutz-Sitzuns der All-
gcmeinen Ortskvankenkasie Di-annhe-im ein Vertreter
der Arbeitnehmer erklärt, da.tz die Arbeiter der
Firma Benz u. Lo. und anch anderer srötzerer
Firmen vom Arbeitaeber einen Ausgleich ftir die
Disserenz -wischen dem jetzrgew unzurcichenden
Krankengsld und hen tatsächlich bezahlten Löhäen
beansprüchen.

Gerichtszeitung

Cchöffrngericht Heidelberg
Zn der Si^uing am 4. Oktober kamen folgends
Fällo »ur ErlediWlng: Wsgen Verg^bens gegev.
Uie Berordnung übar die Regekuna des Fleüfchver-
branches wurden bcstraft: Zo-H. B 0 fch nrit 50 M.
Ecldstrafe ev. 5 Tagen Eefängnis, Es. Schnef--
der m-it 500 und Zoh. Kaltenmaier mit 50
Mark Eeldstrafe. Eg. Michnel Ko.lb cehielt-we-
gen Landstvcicherei 4 Wochen Haft uind UeLerwei-
sung an die! Landvsvoligeibchöode. Halter Dcn-
delm wegen MÜdtzrstandes 1 Monat Eefangnis.

setzenid, gegen ein schukdlos stmges Tannenstämm-
chen, desien zarte Kro>ne fplrtternd brach.

Dann kam die Schwäche, die dem Ausbruch folgte
und die bei dem gewtlltigen Mrnne evfchütternd
tramrig war. Zhm rann der Schweitz von der
Stirne, sein Herz, in unruhis hastenden Schläaen
HLmmernd, Lat weh. ein Schleier trübte seinen Blick.

Er setzte sich am Wegrain nieder und stöhnte,
barg mit den Armsn sein wildes Gesickj-t. Er
aÄaubte sich im Walde aanz allein.

Doch unter dcn Stämmen hervor tra-t mit laut-
losen Sckjritten ein zaundürrer after Eesell, der
gina an den gefchädigten Baum heran, griff aus
seiner Tasche ein Knnuel Bindfaden, entwirrte
ihm ein glattes Ende. Behutsam, gerade.M jmrt-
lich behandslte cr die verletzte Tann^ rmd banv^)ie
geknickte 'Krone an der Bruchstelle ftst.

»Liisst der Sturm dir Ruh, du armes Baum-
kind, magft dus oielleicht überwlnden", saÄe dft
a/lte Mann und dann wendete er sich mit sirnsteM
Vorwurf an den VLocdhofer.

,Löas hat der liebe Tännlinz dir auch getan.
Mann? KannZt ihm sein gesundes Wachstum nit
vevoönnen, hats dich geärgert, datz er so schön und
gerade ftand?"

»Di<es Mall trafs den Tännling. Wer mcist'
wen zum aift-eren der Zorn vom Mordhof niedcr-
fchlägt."

Der dürre Alte pfiff fachte dnrch die lückenhaf-
ten Zähne. Nahe trat er zu dem verfinsterten
Manne heran, fatzte seine Schultern. rüttelte ihck,
als gälte es. schweren Schlaf zu verscheuck>en.

»Latz deine alten Schrullen, Stesän. Brauchts
ha.lt grad ciin bisiel Beherrschung. so ist der dmnme
Fluch vom Mordhofe schon gebrochrn. Steh auf,
komm mit. Schau, was der Wald beut sür einl
seines Sonntagsklteid angetan hat. Mutz man nit
fröhlich sein, wenn nian das sieht?"

Schwerfällig erhob sich der Mordhofbauer.

«Zu den Errkslerleuten will ich hinüber."

»Das gesällt mir schon bcsicr. Die Eraslerin
hat einen guten Kirsch gebrannt. Echen mir üleich
Mcrmmen nnd seicn vergnügt."

(For^setzm^folg!>^^^^E»^E

Helft mser« AmMii!
 
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