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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0210
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kern. deren Nerhältnis nicht e nfach und nicht rei-
bunnslos ist. der Nerhandlunaswcn des Aus-
«leichs aefunden rvurde und mit Erfola Lcaanaen
worven ist. Es wäre. das ist meine feste Ueber-
zeuauna. ein Elück für die »anze Welt/ wenn un-
fere bisheriaen Eeaner auf diesem Weae nachfol-
aen würden.

Der von dem aanzen Volk seit lanaem er-
sebnte

Rücktransport unscrer Krieasaefanaencn
hat endlich beaonnen. Außerordentlich schmerzlich
ist aber. daft er erst so aerinae Fortschritte ae-
macht hat. Allen. die sich an der Nückführuna un-
serer Gefanaenen m-it helfenver Hand und Seele
beteiliaen. ailt unser herzlichster Dank.

Der furchtbare Friedensvertraa leat uns un-
libersehbare Lasten auf. Am schmerzlichsten aber
ist es. dah zahlreiche Volksaenossen von uns qe-
risscn werden und dah andere gehindert werden.
fich uns anzuschliebcm Was uns aber niemand
verbieten kann. ist die Pflege des Gefühls.

Jch muh zum Schlufi auf den Anteil zurückkom-
men. den die Deutschnationalen an der Deraif-
tuna haben. die uns bei jedem Schritt hemmt und
schädiat. Ich aehe über das bisheriae Revanche-
aeschrei hinwea. ich sehe in diesem Zusammen-
hana ab von der Aufforderuna zu Gowalttatia-
keiten. Die franzöfische Misfion hat es zum Ee-
aenstand einer nur zu berechtiatcn Beschwerde ae-
macht. Zch sehe ab von dem hyr- rischen Eestam-
mel. das fich in Schimpfworten nicht aenua tun
kann vnd das befte Zeichen einer kra ikhaften
Lchwäche ist. Aber ich fraae die Herren von rechts:
Könne i und wollen Sie die Veranlwor-
tuna fbr diesen aefährlichen Wahnfiti überneh-
men? Ist das uberhauvt noch Politik oder
nur noch Irrfinn. Wir dvlden nichf. dafi
anonyme Schmierfinken das deutsche Noll m neue
Mhrl'.chkeiten brinaen. Wer sich zu diefen A:-
tikelschreibern stellt. ist für uns ein Feind
Det tschlands.

Ich möchte sehen. wer fich ausschli.'ht oon der
unpeheuren Mehrheit der Deutschen. wenn d>e
Reichsregieruna. aetreu lhrem aufienpolitischen
Proaramm. den Ruf ergehen läfit für den fried-
lichen Aufbau. für die Völkerverstän-
diguna. keaen die aewiffenlosen Brunnenver-
gifter des Chauvinismus. (Deifall links und in
der Mitte. Zischen rechts. erneuter BeifallZ

Die Antworten der Parteien

Abg. Peterfen (DemZ leat die Eründe der
demokratischen. Partei für deren Wiedereintritt
in die Reaieruna dar. Redner wendet fich in
länaeren Äusführunaen aegen die Rechte. beson-
ders aeaen den Artikel des Erafen Westarp (Un-
terbrochung und Gelächter rechts.) Dem Handel
müssen unnötiae bureaukratifche Fesseln abgenom-
men werden. Das Kcwital mufi heranaezoaen
werden zur Deckuna der Verpflichtuna des Rei-
ches. aber es mufi soweit aeschont werden. dafi
nicht das acmze Wirtschastsleben unterbun-
den wird. (Veifall.)

ALg. Scheidemamr (Soz.: Das Volk muf; se-
hen. dast die neue Demokratie neue Wege öffnet
zu neuen Bestrebunaen. Der Felnd steht
rechts. Jch richte den drinaendften Appell nach
ltnks. die Arbeiter möchten stch nicht selbst zer-
fleifchen (Aha! rechts). damit die Wahlen eine
fozialdemokratifche Mehrheit Lrinaen. Vorläufia
hindern dte unabhänaigen Führer jede Einiaung.
(Lärmende Zurufe bei den Unabhäng'aen.) Wir
verzlchten auf aewaltsame Wiedereroberung: aber
darunr mufi ein« anderes Mtttel einsetzen: die
Reoision des Friedens. ' (Deifall.)

AVg. lkraf Pofadowski (Dn.): Die zur Regie-
rung vereiniaten Parteien stnd wunderläche
Bettgenosfen. Wenn die Wahlen einmal
etne monarchistisch gesinnte Mehr-
heit brinaen würden. so wäre die Wiederkehr
einer Monarchie nicht unmöglich: aber eine solche
Monarchie müstte vieles aus dem jetzt Bestehenden
übernehmen. (Sört. hort!)

Uns fehlt vrr allem ein Napoleon.
der aus rinem stegreichen Krieg zurückkehrt. Solche
B-esttebungen unterstellt man nur. weil man doch
iemanden haben mutz. geqen den man polemi-
stert. — Von einem einheitlichen Steuerplan ist
keine Rede. Das Recht der Betriebsräte.
be! Einstellunaen und Entlassungen mitzusprechen.

bedcutet eine unerträgliche Beschränkuna der T ä-
tigkeit des llnternehmers.

Abg. Ioos (Ztr.): Die Reaierungskoalition ist
^eine Ärbeits- und Gesinnunasaemeinfchaft. Uns
einiat das Vestteben. unfer Volk und Vaterland
-u retten. Wie wäre es mit einem zivilen Bela-
aerungszustand oder Volksgerichten. mit denen
man den Wucherern rücksichtslos an den Leib
könnte?

Hier'auf vertaat das Haus die Weiterbevatugn
auf Mittwoch 1 Ühr. Vorher Interpellation Arn-
stadt betreffs Schutz der Jugend.

Der zweile Geitzelmordprozeh^

in München boginnt am Montag. den 13. Oktober,
vor dem Volksgericht. Es haben fich wegen Mor-
des zu verantworten: ^Luitpold Debus. Rudolf
Ereiner. Alois Kammerstetter und der Russe An-
dreas Strelenvo. Die Verhandlungen finden wie-
der im Iustizpalast statt.

Die Verhandlunaen wegen der Ermordung
der 21 Mitalieder des katholischen Eesel-
senvereins in München beginnt Dienstag. 21.
Oktober. Es find vier Personcn anaeklagt. drei
Bayern uüd- ein Anaehöriger des Alexander-Re-
aiments aus Berlin.

Leoivr verhastet

Wien. 8. Okt. Geftcrn wurde in Wien der seit
lLugerer Zeit von dcr bayr fchcn Negiernng ver-
solgte Spartakistensührer Dr. Levien von der
Polizei festgenommen. Die Polizei hatte scit ejn:-
ger Zeit Kenntnis. dafi stch Levicn in Wien auf-
hält. Er war hier polizeilich nicht gemeldet.

ELn englischer Triumphgesang

Aus der englischen Zeitschrift Ways and
Means zitiert die Korrespondenz der General-
konlmission der freien Eewerkschaften die fol-
genden Sätze:

... Mr habcm heute keinem Ehatham zu seiern,
crber das E-rgebniv dcs Kriegas ist der Aufstles
unseres Landes ru erner Höhe der Elo-
r ie, vor der seLbst das Büitannron ider Asit Eha-
thcvmV klein und unbcideutend äüscheint. Wir sind
dre u nb estr it t e nem, Herrcn der Meevv.
Machtvoll «uf jedem Kontvnent, beherrsckpn wtt
die Alte Welt. Deutschland, unser grotzer
jahrhumdertolanLer Rivale, l':egt serschmet-
tcrt rmd blutend su unsere>n Fühcn.
Sem fiemeiches Fortschreitcn auf demr Ecbiete drs
Handels, das dmch die Anstcengunaen unserür
Kmüleule unid Händler nicht aufzu'halten wiar, hat
durch den Heroismus unseier Soldaten ein plön-
liches und dmuernldes Ende g e funde n. Wir
babcn durch soine Kolonien unscrcm Re'.che cin
Territoriuim fast so gioh wie Kanada hlnzus-.fütt,
dazu dodeuitemder an Reichtum, wirtschaftlichen
Möglichkeiten, stmtegischcm Vortcilcn und z-oliti-
scher Macht. Unscr Weltvrestige ist nie-
mals gröher seivesen. Ünscre eu.:vpäisch:n
Alliierten, wentgstetrs vom wirtfchaftl'.cl>en jStand-
vumkt gesehen. haiben' mehr als wir selitten. Es
ilst überßlüsiig, auf 'die Verarmung Frank-
reichs, dcm Zusammenbruch Ruhlarrds,
Lie Desoygainrsatton der bleinen Staatcn Hinzu-
weffen. Wgesehen vom Ausnahmen. wird der
Welthandel der nächsten Eeneration
qwischen dem lAreinisien Königreich und >dem Vsr-
einigten Staaten vair Amerika aeterlt wer-
den, und der Ainteil der Vereinigten S-taaten,
weimii auch oxehrschoinlich stcigeild, wird der ge-
ring-ere fein, denn zurzeit hcvhem fie weder die po-
litischem Do.rterle, die wir in unserer Hand hrü
noch die TranKport- und andrre Mttel. um schnelle
F-ortschritto iim intoUirationailen Hand-l machrn zv
können."

Außer datz dies Ergebnis allein dem Herois-
mus der englischen Soldaten zugeschrieben
wird, ist das alles so ziemlich Wort für Wort
richtig, und die übrige Welt, die England zu

seinem beispiellosen Triumph vcrholfen hat.
mag darüber nachdenken, ob sie ihr eigenes
Jnteresie richtig bedacht hat, als sie sich in
Englands Dienste stellte.

Rembrandt

Zur 2SV. Wiederkehr
feines Lodestages am 8. Oktober

Von Kurt Droege

, Am 15. Zuli 1801 schenkte Nealtgen W-illan.s-
dochter ihrem Eatten, dem kleinen Bürgersmann
Harmen Eerritszoon. der zu Leyden an einem Ne-
benarm des holländischen Rheins eine befchetdene
Mühle betrieb. das fünfte Kind. Wenn die schlich-
ten Eltern auch nie ahnten. welch überragenden
Fürsten im Reiche der Künfte sie das Lebem ge-
fchenkt hatten. so suchtcm sie doch mit höchster An-
fpannung ihrer wirtfchaftlichen Kraft dem jungen
Rcmbrandt eine aediegene humanistische Bil-
dung angedeihen zu lassen. Der träumende Knabe
jedoch zeigte nicht die aeringste Lust zu den Vü-
chern und suchte immer aufs neue in Widerspen-
stiakeit der Zuchtrute des Magisters zu entfliehen.
Mit 13 Iahren fand er Ausnahme in dem Atelier
eines mittelmäfiiacn Malers. Iakob von Swaner-
burghs. Doch der Eenius lernt aus- fich selbst her-
aus. auch wo ihm nichts von Anderem geboten
werden kann. Als Rembrandt im Iahre 1624 nach
Amsterdam kam. beherrschte er die Technik stiner
Kunst schon so weit. dafi er tteudig von Last-
man unter seine Schüler aufgenommcn wurde
Zrvar arbeitete Nembrandt unter Lastmans An-
leituna nicht länger als ein halbes Iahr. doch ist
diescr Lehrer a'.s Einziaer von tatsächlichem Ein-
flu» auf den genialen Schüler aewescn. zumal in
der Anordnung der Figuren auf den Eemäldesnt-
würfen.

Schon bald darauf ging Rembrandt nach Lcy-
den znrück. reif zur eigenen Technik und willens.
sich als selbständiger Maler niederzulassen. Mit
Selbstbewuktsein unterzeichnete er nun seine
Schöpfungen mit seinem vollen Namen. zum
erstei'.mal im Iahre 1627 den heiligen Paulus im
Eefänams. Als Rembrandt im Iahre 1631 mit
der Abficht. sich dort dauernd niederzulasien. in die
aufblühende und reiche Kaufmannsstadt Amster-
dam- zurückkehrte. zählte man ihn bereits zu den
anerkannten Meistern. Die Bestellungen häusten

fich, und bald waren die Vermögensverhälinisie
Rembrandts u. seine Bez'.ehungen zu denr seit der
llnabhäng'akeitserkläruna Hollands durch Spa'üm
immer reicher werdenden Patriziervolk von Am-
sterdam so gut geworden. dast er es wagen konnte,
um die Hand der reichen und edlen Ratsherrntoch-
ter Saskia oan Uylenburgh aus Leen-
warden anzuhalten. Nun Lrach für Rembrandt
eine Epoche an. in der er fich König des Lebens
wu.tzte. stark aller Wirklichkeit trotzte und soiner
Königin das bekannte Haus mit allen Kostbar-
keiten eines leidenfchaftlichen Sammlers und den
exotischen Schätzen aller Länder schenkte. dieses
Haus„ das nie ganz bezahlt würde und nachher
eine Hauptursache des tragischen Absturzes wurde,
den nach Saskias Tode der Bürger Remörandt
erlebte. Vorerst aber verlachte der begnadete
Künstler alle Mahnuaen und Warnungen feiner
Umgebung: er rvollte nur in feinen verwirklich-
ten Träumen leben.

Saskia ist Rembrandt nicht nur Gattin, sondcrn
mit einer dem innersten Wesen des Künstlers kon-
aenialen Kraft der Hingabr auch Eeliebte gewe-
sen. In dieser Eigenschast konnte sie das Modell
der Danae. der Artemis. dcr Bathseba, der jüdi-
schen Bräute sowohl wie der Kaiserinnen des
Orienis sein. Nembrandt selbst aber ist nicht, wie
ihni seinen Zeitgenoffen vorwarfcn. leichtstnnig ge-
wesen. Aus jenem starken, aber nie verletzenden
Eaoismns heraus. dcr alle wahrhaft Erotz'en der
Erde beseelt hat. muffte er sich eine HochLurg schaf-
fen. in der seine Gedanken wuchsen und seine In-
tuition tägliche Anreguna empfangen konnte. Ge-
rade die Iahre seiner Ehs mit Saskia sind auch
die Zeiten seines emstasten Arbeitens aeweseH'
Trotz allen rauschenden Festen und aller starken
Freude hat immcr der weitaus grötzte Teil seiner
Zeit der Kunst gehört. einem rastlosen Tätiasein:
unheimlich groff war die Zahl der Aufträae. die
ihn überfluteten. und feine Einnahmen waren
grotz. Dennoch reichten sie zusammen mit der an-
sehnlichen Mitgift seines Wetbes nicht entfernt
hin, die Kosten der selbstgeschaffenen Märchenwelt
zu tragen. Nachdem auch. aerade als Rembrandt
an der Vollendung feines arötzten Werkes. der
Nachtwache. arbeitete. Saskia ihm im Iahve 1842
durch den Tod aenommen worden war, sollte

Deutsches Neich

Los von den Demokraten!

Die UuflÄsunLser.cheinungsn tn ider Deulschen
ÄemoLvattsschan Partei mehren sich. Der demokra-
tischs Wckhlverein 4 Berlin, der sogcn 500
Mitocktede-r sälhlte, hat sich aufgelöst, und jetzt
kommt ans FvaEuvt a. O. die Nachricht. da« dort
in einiSr Mrtsliederverfammlung der Nation-allibe-
valen Bereinrgiung m Lamdsberg a. W. der Be-
schlutz aefatzt worldcn ist, dre bisherige Ar-
bsi tsgemeinfch aft mit der Deutfchen De-
ma-kyatischen Partei zu löpn und die Vereinigung
in eine O r t s« r u v v e der Deutschen Volks-
partei umzuav«ndc.ln.

Mir begvützen das Ereignis mit avifrichtiger Ee-
inigtimng und hr-ifseu, datz das von Land b.-rg g-
gebene Doisoiel an andcrcn Ortcin Nechzhmung
fiuden und auch andere seinorveit zu -dcn D.^mokra
ten ülbergeganLLne natio:i,allbher..i-lc Oiganisiat onon
vcranlassen wird. sich der-D:ui>ch n Bolksvartei
ansufchlieben.

^Pay-r Fraktiousoorsihendcr. In der Diens-
taa-cvltzung der demoilcati heu Fral>tion der No-
IwnalveHammlung wurde an Stcll: Schifiers als
Fraktionsführender Vorsitzender Herr von Paner
c.ewälilt.

Ladische Politik

Die Direktorcn dcs Bndifchcn Landcs-
Finanzamtes

Das neue Lcrnd:effinarizaimt la.s Neichsheliörde)
besteht aus drei Abte'lung .'i, deren fede vun cinem
Finani^Lkretär' geleitet wird. Die erste AbteUung
umfatzt drs diretteu Steu.'rn. die zweile die in-
dircklen Steuern und Zölli und Lie dritte die Ver-
waltuny des Reich.-vcrmösens. Zu Dir -ktoren der
drci Abteilungen stnd der bisherlge Zoll- und
CteuerdirLktc'r E.h. Nat Schellenberg. Eeb.
Finanizrat Stamer. sLit knrzcm Direktor der
SLaatsschuldenvcrwa.^.img, und Iitteudanjurrat
Dr. Hensler in Aussicht gLUvmmcn. Anstelle
des zum F'inanzdircktor crnannten 6>eh. Flnanzrg-t
Stamer fo>N dem Veriichn-.'il nach MinistLrialdirek-
tor Mo(er treien; Äcff.'>i Still-e würde Ministeriail-
rat Sainmet vom Flnauz.'ninistcrium übernehmen.

^ Eine tebrreich: Ecsch'chie 'ift dic EcfchichtL des
Mannheimcr K-rankenhausncubaucs,
der boreits vor Lcrn Kriogc irn R hbLU . vollendct
wuü:>e. Wä-hrend im Do unschlag: 9 Millioncm
Mark Eosamtkvst'en vo ge eh-n war.'n. beliauf.n sich
dic-felsten ncch d:u ictzt nc-ch ausg'Pchvenden A lbr--
ten auf 24 Mlll'vnc', Auark. Zur FLttisstcllung
-d.-s Laus.i sind nach d.n b-uHg-c.l PrLllsen noch 15
Mllionen Aikrk e.sord->:1ich. Der S iTidtvat schlögt
daher dem Dürgcrau^'chUF vv i, sciue Zuft^mmnn»
zur- Eriistclluns drs Baucs zu geb.n. D-.Lsi.-r Fall
lst nicht.der eins-g seincr Art. Er svllti: Eelsgen-
heit sum N-ach^enken bieten!

Au? BaLen

Pforzheim. .7. Okt. Em Mädchcn hatte nachts
hicr cinen Einbruch in ein Kaufhaus verübt
und Waren im Wcrte von 2030 .Mark zusammen-
gapackt. Deim Flüch^ :: aus dem Eebäude brach
cs ein Bein und mutzte dadurck dic sanze Nacht
liegen bleiben.

Freiburg. 7 O!1. Nach den F'WellungLn des
Statisti'schen Amts wurd: im August zum ersteu
Mal seit üder vicr Fah.-en wieder ein nennens-
werter U'eherjchuii t. er Eeburten über die
.Storhefälle fcistgestelit 197 EeLurten söanden 126
Sterbefällen in dem gcn.annteu Monat aegcnüber.

irdisches Glück allmäl'lich in Trümmer gchen. Im
Iahre 1656 wurde er für zahlul.gcunfuh a crkläit
und cin Iahr später erlel-te er die Tragik. daff
Heim. Kunstkabinett und Atelier öfscntlich ver-
steiaert wurden. Dcr Ertrag d-eser Dcrsv iaeruna
brnchte nur die lächerlich gerinao Summe von
16 000 Eulden. sodaff die Eläublger nur zuni klein-
sten Teil besriediat werden konnten. Remdrandt
aber mutzte nun in die Iocdenbre-.sitraat. mitten
ins armseliae Iudeuviertcl. übersicdeln. Er selbst
konnte sicki über allcs hinwLasttzsil. denn er erlebte
alle Wirklichkeit nur aleich eincm Traum. Sein
wahres Leben war ihm die Kunst. und sie> litt
auch jetzt nicht. Doch mit seiner Person'ich'
wie mit seiner Gesundheit. gings nun immer mehr
beraab. Zeigte sich der fast erblindete. bettelhaft
zerlumpte Ereis anf dcn Judenstratzen Amster-
danis. so bildets er das Ziel des Spotts der Eas-
senkinder. In einer Oltobernacht des Jahres
1669 wurde einer der arötzten Malcr. die die Erde
aetragen hat, von einem Leben crlöst. das nur
noch ein schriller Hohn war auf die einstige Voll-
kraft, mit der Rembrandt erlebt. a'enoffen und ge-
schafft hatte. In dem Negister von Westerkerk ist
Rembrandts Leichenbcaänanis mit dem Datum
des 8. Oktober 1669 eingetraaen. und man nimmt
an, daff er am gleichen Taac gestorben ist. an dem
er beerdigt wurde.

Hat Rembrandt auch auf der Höhe seines Lc-
bens den Zeitgenoffen bercits aks ein unbestritte-
ner Meister aeaolten, so ist doch dcr Nuhm. der
heute den groffen Niederländer umlcuchtst. erst
etwa zu Eoethes Zeit entstanden, und gerade
Eoethe selbst hat viel dazu bciaetragen, Rem-
Lrandt in der Kunstaeschichte jenen höchsten Platz
einzuräumen. den er heute innehat. Unerschöpf-
lich ist das uns überkommene Werk des Meisters.
den Verhaeren als den Maler der Wunder defi-
niert hat. Mehr als 600 Eemälde. mehr als 1000
Blätter. Zeichnungen und unzählig viele Nadie-
rungen find von seiner Hand erhalten. Jn Rem-
brandt erblickt man gemeinhln nicht nur den
Höhepunkt der malerischen Entwicklung der Nie-
.derlande. fondern den mächtigsten Ausdruck ger-
MMischer Kultur überhaupt.

Das Ergc-bn s der badischen
Kirchenwahlen

Von kirchlich-liberaler SLite wil'.ld n.ns
gcschriehen:

Nun -st auch dicser Mahlkamvf d'.nchgefcchteu
der tragischste von allsn den viellen, die uns
Jcchr 1919 gebvacht hatte. Denn Kirchs und M
kampf ist eigentlich ni>e etw-as Ersrvul ches u>nb un-
t-er den beutigen Umstäimden, w>o d-ie volitischr u>ch
hüygerliche ZerrisseilhLit nach emLin sesten Erund
nach irgLivd «iner einigermaben einheill chrn
stitut'von geradezu schreit, wäire es unter allen Um-
stänL-en hesier gewcsen. nian hätte sich auf irg^h
Lincr gomomsamen Linie zusnmmengesundcn und
auf eine hcsttnrmle Forniel g-veinigt. Aln
Will -en der Liberalen hicrLU fehlte e ^
nicht. Unteri nichtigen Eründen machten die
KonsLvvatiiven nicht mit, ihr? Ablehnung sreilich
wahrte das Eeisicht, wollte sich aber den sicher g--
schauton und richtig er.haltawen SiLgesvreis nicht
aus dor Hand winden lasien. T-Lbei wiaron die
Libcvalen von vornherein in der. unangenehmcn
freilich nicht ganz umio-cvdienteil Lage. über kcine
Organrsation v:rfügen zu kömnen, wic diqr bei jo-
n:n jn L.'-00.12g-''n-dcm Miatz dcr Fall wir. ^Sie
sührten noch nicht einmal einen rechten Krou^er-
t-.u.g, höchfteiüs e-inen schr e'mgeschränkten Pa-
trouilloiikamrn mit Zeitungsartikeln imd Flu-gblät-
!h.trn, hielten so- gut wic gar keine Wcrhlvechamm--
lun-sen, von einigen w:nigen Städ-ten -abseschen
Dicr heutc- so siegreichcn „PM'Dcn" waran jcldoch
in de>: Lage, ein'en „uneingcschränkten U-Boot-
Krieg" zu führ-en, sie oerfügten ü!ber „U-Eioote"
jcglichen Typs, vom Stadämisiwnar b:s -hsralb zux
Mnderschwester und zu drm als richtige Wahl-
schlepper fungierenden jungen Mittol'chiilLvn. Die
so „harmlosen" Bihölkränzchen in d-ein Städten, wie
di-o Iünglingsvereine auf den Dörfepn, halben heute
ihre stets ins Auge gefastte Zwecksbesttmnlumg er-
weis-on -dürfen. Ueher idem scrlncn aiber crne glän-
zende Führung nach bestimmtsm MNeN Und be-
wubtem Plane! Auch Äavan fehlte es lden Lkbe-
ralan in erschreckendom Mcme.

Waü wird nun aber weijden? Jm Einzelnen
stekt jetzt die Verfassung im Voridergrund. Sie
wird nicht viel! anders crusf.allon!, wie die Positiven
sie baiben wollen, die Dolkskirche alber wivd blek-
b:n. Sollten w-ir ettrige F-oagen herausgieifen, so
dünte Äie sich aus dor Genevälsynode evgebmde
Zui-rmmeisi-etzur-g -der obevsten Kttchonbellürrde,
wenn es überhauvt su einer „Nehördö" in der bis-
her-gcn Fovm kolmnen sollte, ein miicht allsu «q>nd:-
vos Ec>sicht baben. Denn einen lrber.alen.
Obsrkttchenrat im Parteisinn hcrtton wtt gar nicht
und der libsvale Emiflutz waö cruch heute nicht >m-
n:er zur Eeltung gekommon. Wir gestehen auch
offen, dies nicht nur für ern UnMck ckebcrltM zu
haben. Es hatte aüch seine suten Seitsni. DM
varll'mnemtarische 'Systzem, in mlechcrnischtzr MsMe
angcwandt, ist durchaus nicht ein -Heilinitte-l al-
ler Schäden. wie es oft dicvigLstellt wttd. Wsr
tiiauLn es der heutigen Siegespartei zu, stv wcvde
nunmehr auch nach di^r Seite Hin nicht ihre
Macht wusnützen, fchan in rhrom vigenani Jntercsse
wttd ste cincln .MeisitändrM.ngstt'iedSn" dem
„Machtfrieden" -vorzi-cihen. Mher ob es uberhcLwt
nicht zu einer mchr persönlichen Spitze kommt und
die Bchvrds als solche weni-ger Bettzutuna -orhält?
So sehr dtt „Bischofsfrage" auif der einem Se cto
gar nicht blotz alleiniigvs Eut der kirchlichcm Rech-
ten ist und weite Kreäse brs nach links sich dam-it
befreundsn kö-nnen, so sebr verkennen auch ihre-
Anhänger nicht die sSchwttrlgkeiten.' die ettncr sd
grundiätzlichen Verfassungs- unid EruMor-mäinkdo-
rung im Mege stehen.

TheaLer und Musik

Heidelberger SLadLLHeater

',Zar und Zimmermann."

Oper' von Lortzina.

Damit hat also die verfpröchene Spieloper ei
gcijetzt und ernstlich die Ho'fnung bestärkt, datz nu
wieder Mustk im guten Sinn zu hören bekomn
Rcvdig hat das reichlich 'ttannte Wevk n-crtür.ich ci
Schnürchen -herunterdir.gieren können. und d-
Orchester war gut ausgeleat. Die Vi'hne bot fri c
hübche Lilder und barg einen wirklich mustkalii
tuchtigen Ehor, der nur gang g-elegentlich uoch tt.c
voWälldig sicher war. Das EewichtiLste auf d
Vühne war der van Bett des Herrn Patte
Eine richti-ge Batzstimmo m guter BÄ>andlun6> d
notlge vis vomicaa ohne Uebertreibung. die LeisUl
elnes besseren Operntheaters. Ein ungetrüiit-
Llchtpuukt war- der P-tter .Iwanow des S-ri
Maier-Waelde. Er stngt mit sciner weick.c
Ltmrme lmmcr rnusikalisch geschinackvüll rmd syie
milt Hunvor und cmziehender Munterkeit. V-i
er -Einzelnes im Diaiog nsch mehr abdämpft, wir
er noch femer wirken. Eine ganz nette Mar
war neben ihm Frl. Heck. Eewitz Talent ?
enlem munteren. wenn a--ch ^twas zu d:rb:n Spie
L)rs Stii.-Mle hat eine.i ganz hübschen hellc
>ll-ang, die ^reudc wird einem aher dadurch ve
dorben, datz der To-n forttvährend in einein cm
Trillern grenzenden Tremolieren schwingt. I
nu)lgen Llnicn sang mit seinem -woLlklinseidel
aber etwas unbiogsamen Tenor Schetters dc
Frcmzoii-en un-d mii eincm dunklen Vatz Bock d-
Englandcr. Die trübe Seite des Abmds lag i
dem Vertreter der Hauptrolle. Herrn Bierin

r ^ls Zar, so datz es sich fvagen wird, ob ma
mit die,em Bcvrlton die Spielzeii wird durch^a-tc
konnen. IM er schon keiue glückliche Ersch ir.unr
fo yt ->ein Singen wenig erbaulich. Die Stimn'e l
so hobl und gedrückt vnd kommt nur manchmo
klingender heraus. Von den viclen techni.ckie
MänM sind das nasale Drückcn nach o>ben und di
laute Atemholen die schljmmsten. Erlt in seine
beiden letzten Ntimmern konnte er etwas mchr er
wärmen. Dr. 8.

Mannheimer NationLltheotcr Am Sonntac
12. Oktvber wird im NntioNLllhoatrr anstcu
 
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