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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0230
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ParLeiorsanisatton ruMrte, der il>nen alber eine
innore Vefriedisuna nicht zn gewirhren vevmochte."

Diese kühlen, klugen Worte dürften auch
manchem badischen Neudemokraten aus der
Scele gesprochen sein, der es bisher noch nicht
vermocht hat, aus seiner Enttäuschung die Fol-
gcrungen zu ziehen.

Nun sind die Demokraten mit dem alten na-
tlonalliberalen Führer Schiffer an der
Spitze wieder in der.Negierung und Negie-
rungspartei und — das Betriebsrätegesetz
steht vor der Tür.

Nlcht nur im Znteresse der deutschen Volks-
wirtschaft, auch mindestens im gleichen Matze
im Znteresse der deutsch-demokratischen Partei
würde es liegen, rvenn sie dieses von wirt-
schaftlichem Dilettantismus und Parteipro-
grammkleberei diktierte Gesetz von seinen sinn-
losesten Bcslimmungen befreien könnte. Dies
scheint uns aber mehr als zweifelhaft und
dann — wehe der demokratischen Partei.

Nationalversammlung

Berlin. 10. Okt.

Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um
1 Uhr 20 Min.

Äuf der Tagesordnung stehen zunächst An-
frascn.

Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Heinze (D. Vp.)
uegen des bargeldlosen Brrkchrs auch bei bohörd-
lichen und militärischen Kassen wurdc regierungs-
seitig geantwortet. datz nr.h MSslichkeit dahin ge-
arbeitet wird, datz in den Kassen so wenig wie
möglich Varbestände aufbewahrt werden.

Eine Anfrage des Abg. Dr. Traub (D. N.) we-
gen der Ermordung der deuilschen Frau Viarch
aus Mainz durch ein-n farbigen sranzMchen Sol-
daten wird da-mit beantwortet, dcch Ermittlungen
darüber im Eange sefen.

Aus eine Anfvage des Mq. Schmidthals (Dem.)
we-sen Velieferung der L-ute auf dem Lurde mit
tz-olz in genügender Menge und zu erträslichen
Prersen wird mitgeteilt, datz das Reich und die
Lamdesregierungen alle Bestrebungen unterstützen,
um genügend Brennholz zu beschaffen.

Slbs. Bauermann (D. Vp.) fragt an, was qvsche-
hen soll, um den aus dem bos<chten Gebiet vertrie-
benen Deutschen zu Wshnungen zu vechelfen, was
beeinträchtijgt würde, durch den Zustrom vM land-
frsmlden Russen und andsren Ausländern, deren
Zrchl allein in Berlin 75 000 betrage.

Ein Resierungsoertreter amtwortete, den ver-
triebenen Deutschen stände eine Vorzugsbehandlung
zu.

Hierauf wird die zweite Beratung des Haus-
haltsetats fortgosetzt.

Abs.Bolz (Zentc.): Mit dcm 3!eaierungspro-
gramm und den Ausführungen des ReichMnzlers
sind wrr i-m wesentlichen einverstanden. Die Revo-
lution roar eine Folge des nülitärrchen Zusam-
meiÄruchs. Wir haben uns euf den Boden dsr
Verfassung gostellt und wollen mitarbeiten ani
neuen Reich. Wir treten dafür ein. den polilischen
Ministern sachlich durchgebildete Mitarbe'iter zur
Seite zu stellen. Die Akkordarbeit Tnuh wieder
eingeführt roerden. Dir Erbitterung der Land-
leute über die Schikanen der Zwangswirtschaft ist
nicht unberechtigt. Bei der Kontrolle muf; die
LMdwirtschaft selbst hinzugezogen weÄen. Der
Staatsbamerott darf nicht kommen. Darum müs-
sen wir an der Reichsfinanzreform eilfris mri-
arbeiten.

Abs. Henke (U. S.): Die Einwohnerwehren
verfolgen gänzllch rapitalistische uno monarchistische
Ziele Das Verbot der ..Frc-rheit" chrt dicses
Blatt. Sie sall durch Lügen Unruhen herrorzurusen
gesucht haben. Diese Begründung ilt crlc^en.
lllnruhe^) Eine Einigung mit Rosks ist unmös-
.licb. Wenn man die bewaffneten Kriegervereine
uno Einwohnerwehren zusammenzählt, haben wir
viel mehr Soldaten in DeutMand als Erispien
Lehauptet hat. (Zuruf dcs Abs. Kahl (D. V.):
Gehen Sre doch als Aufsichtsorgan zur Entente).
Fch und meine Jrennde sind international. (Pfui-
rufe rechts und Lärm ini ganzen Hause.) Das So-
zvaLproaramm des Reichskanzlers kann man am
besten erkennen, wenn man seine Beurteilung in
der Rechtspresse lieft. A?enn Nsske dte baltischen
Truppen nicht heimhslen kann, so ift dieise Ohn-

nvacht der Negierung genügcnb, ihr die Existenz-
berechtjgnng zu nehmen.

Reichskanzlcr Vauer: Herr Henke sollte die Vor-
schläoo machen. wie rvir es int BaktikuNr nvachon
sollen. Die Regierung ift gern bereit, sümtliche
unabhänaige Abgvordnete ins Valtium zu entsen-
den, damit fie dort lhren Einflusi gelteich nMchen.
(Erotze Heiterkeit). Das unseheure Maf; von Be-
schimpfungen, das der Abs. Henke gegen den Mi-
nisier Roske aufwandte. übsrfteigt alles, was bis-
hcr in diesem Hause üblich war. Das Ättentat ge-
oen den Äüg. Haase bsdauere auck ich, denn es ist
der tiesste Tiefftand, wenn Meinungskämpfe mit
Eewalt ausgefochtcn werden. Der Attentäter hat
mit keiner Partet etwas zu tun. allelchalls mtt oer
Partei der Umrbhängigen. (Beifaill bei den Dkehr-
heitsparh'eien.) Die Reichswehr beträgt seg'en-
wärtig nicht mohr als 400000 Mann. Die Ein-
wohnerwehren sind nicht bewaffnet. die Waffen
werden an 'sie nur im Fallr der Deffcchr ausseteilt.
Sie dienen Polizeizwecken und haben für Ruhe und
Ovdnung zu sorgen. Die geschulten gewerkschaift-
lichen Arbeiter werden der Putschtaktik des Herrn
Henke nicht Foilge leistel. Die Revolution ist eine
Folge der unbeschreiblichen VerwUtunaen des Krie-
ges. (Wrdenspruch rechts.) Die LoiumunistWen
Hetzer muf; man nnschädlich machen (Beifall.), wenn
sie Sabotage unb Streiks predigen. Auch die Rochte
hat ihreu Teil Schuld, indem sie die Autovität der
Regierung untergräbt. iSehr richtig und Beifall.)

ALg Dr. Hcinzc (D. Vp.): Wir können uns mit
ber Lethargie des Zentrums nicht bofreunden,
welche sich einfach mit der best7henden Republik ab-
findet. Das Volk musi zünl rno>narchischen Eedan-
ken zurückgsführt wevden. Monarchische Putsche
lcchnen wir ab. Wir sind bereit mitzrvarlbeiten an
den Aufgaben des dcntichcn Volkes. Der wirt-
schaftliche Wiederaufbau ist unser Ziel. Wenn wir
zusammenarbeiten und die nötige Energie auswen-
Den, können wir dcn Bolichewismus Vernreiden.
Die demokvatische Partei hat die Hossfnungcn wei-
ter Kresse d-es Vürgertums auf etne naltionale
Haltung im Eegensatz zu den Sozialdemokmten
nicht erfüllt.

Neichsjustizministcr Scknfscr. Der Vorredner hat
behauptet, die Demokcaten hätten Ministerien se-
schaffen, um. ihre Leute unterzubringen. Diese
Unterstellung weise ich entschieden zurück- Die
neuen Ministerien waren in dieser Zeit unbedinat
notwendig, bo'onders der Minister ohne Resfort
war rwtwendig wegen plötzlich auftauchender ueuer
Auf.gaben und wegen der Vertretung im Reichs-
rat. Der Wiedera'.'.fbauminister hat ein ungeheures
Arbcitsfeld vm sich, viele Aufgaben, bie in die
verschiedensten Ressorts hineinragen. und wieder
unter sich zusammenhängeu.

RLichsmiuister David: Die Monarchie hat das
deussche Vo>lk in das gcötzte Elend aebvacht. (Zurus
und Larm rechts^. Dro Monarchie hat ZNänner-an
die Spitze gebracht, derdn Unfähigkeit an das Pa-
thiÄogische heranreicht.

Hierauf wird der Haushalt des allsemeinen
Pensionfonds erledigt.

Morgen Forffetzung der Etatberatung.

Aus Baden

Sinsheim, 10. Okt. Letzter Tage wurde Schleich-
händlern und SHiebern nicht weniger als 10 Stück
Vieh absenommen. Bei dcn Schiebsreien sind drei
Handelsleute, drei Landwirtr unld ein Metzser bc-
teiligt. Ferner wurden durch die Eendarmerie
zwei weitere Schleichhändl-er verhaftet und ihnen
Zigarren, Tabak und Flci'ch, sowie Gcrste und Wei-
zen in qrotzer Menqe abseno,mm?n. Bei «inem
anderen Schleichhändlcr beschl-agnahmte die Een-
dannerie 20 Zentncr Hafcr.

Ottenheim b. Lahr, 10. Okt. Zn Kappcl kamen
sechs Landwirte zur Anzeiqe. die über 200 Zentner
Brotgetrevde zu Wucherpraisen verkauft hat-
ton. Ferner wurde ein Landwirt aris Oöschwe-ier
unter dcm Verdacht rerhaftet, Eetreide in das El-
satz geschasst zu habcn.

Ueberlingen, 0. Okt. Zu fchweren Widevsetzlich-
keiten kam es in Neufrach. als ein Kontrolleur
mit mehreren Eendarmen nnd Hilfsbeamten in
der Mühle des Wilhelm Bcksch etwa 30 Zentnec
Mehl beschlagnahmen wolltc. Auf Anftisten des
Miillers rotteten sich über 40 Einwahner des
Lrtes zusammen und nahmen geeenüber den
Beamten eine derart drohende Haltung <in, datz
diese genötigt waren, unl grfährliche Ausschreitun-
gen zu verlsiiten, von der Mehlbeschlagnahme ab-
zulehen. Zm anderen Taa wurde. laut »LinsgMl-
bote , der Müller und sein Sohn verhaiftet.

Das Reichsnotopfer

Von FinanZminister a. D. Dr. Becker» M. d. N.

Wir haben bei der ersten Beratung d'es Ent-
rvurfes in der Nattonalversammlung bereits
auf die schweren Vedesiken htngewiesen, die
dem Eesetzesvorschlag über das Notopfer ent-
gegenstehen. Es ist ganz selbstverständlich,
datz der Vesitz zu den ungeheuren Lasten des
Krieges bis zur Üutzersten Erenze der Möglich-
keit beitragen mutz. Es kann sich bei der Ve-
urteilung des Reichsnotopfers nicht darum
drehen, ob der Vesitz überhaupt eine besondere
Last zu übernehmen hat, sondern lediglich
darum, bis zu welchem Grade und in wel -
cher Form man sie ihm zumuten kann. Das
schwerste Vedenken gegen das Notopfer ist
seine gewaltige Höhe. Schon bei kleinen
Vermögen (5000 Vl.) nimmt es dem Steuer-
zahler 10 vom Hundert seines Vermögens
weg. Mittlere und höhere Vermögen aber
werden mit geradezu ungeheuerlichen Abgabe-
sähen belegt, die in den obersten Stufen mehr
als drei Fünftel des ganzen Vermögens für
die Reichskasse einziehen werden. Solck)e Ab-
gabesätze können ohne Gefährdung der Exiüenz
nur von denjenigen getragen werden, die ent-
weder neben ihrem Vermögen noch aus eige-
ner Arbeit entsprechend verdienen cder deren
Vermögen greifbar angelegt und fo hoch ist,
datz auch nach Entrichtung des Notopfers so-
viel übrig bleiül, datz der Rest dem Steuerzah-
ler noch zu leben gestattet. Dort aber, wo das
Vermögen inr Betriebc steckt. wo es
in Landwirtschaft, Handek, Gewerbe, Zndi'strie
arbeitet und arbeiten muß, würde eine so ge-
waltige Berminderung des Arbeitskayitals in
vielen, man darf wohl sagen in den meisten
Fällen geradezu vernichrend wirkm. Ter Krieg
und seine Nachwirkungen, die gewaltige Ver-
minderung der Arbeitskruft, der Rohmateria-
tten, wie überhaupt alles dessen, was zum
Wirtschafteu heute notwendig ist. hat dcn Ve-
darf an Wirtschastskapttul geradczu ins un-
geheuerliche gesteigert. Nicht Kapitalvermin-
derung ist möglich, sondern Kapitalvermehrung
wäre dringend notwendig. Zahlenmäßig
lößt sich dies für jeden Betrieb ohne weiteres
nachweisen. Eine mittlere Seifenfabrik. die
zum Einkauf ihrcs Bedarfes^vor dem Kriege
eine halbe Million Mark notwendig
hatte, hat für den gleichen Vedarf heute
mindestens 7 Millionen Mark aufzuwenden.
Eine mittlere Lederfabrik, die vor dem Kriege
ein Vetriebskapital von 10 Millionen Mark
notwendig hatte, Lraucht, wenn sie ihrensBe-
Lrieb im gleichen llmfange fortsetzen wollte,
heute ein solches vorsiüber 100 Millionen. Al-
lein die Löhne sind in einem solchen Vetrieb
auf das nahezu Fünffache gestiegen. Eewitz
darf erhofft werden, datz auch hier wieder eine
rückläufige Vewegung einsetzen wird, datz die
VerhLltnisse aber jeinals wieder so werden
würden. wie sie vor dem Kriege waren, wird
auch der stärkste Opttmist nicht erwarten kön-
nen. So ist es unmöglich. dem Wirtschaftsle-
ben jetzt grötzere Summen auf einmal zu ent-
ziehen. Der Entwnrf will diesen Bedenken
dadurch Rechnung trugen, datz er Hie Abtra-
gung der Schuld in langen Fristen zulätzt. Al-
lem auch eine befristete Schuld bleibt immer
eine Schuld und mutz sogar, zumal fie nur ge-
gen Zinsen gestundet wird, ihrer vollen Höhe
nach in der Vilanz des Ilnternehmens erschei-
nen, mindert also die Kreditwürdigkeit. Dazu
soll die Stundung im allgemeinen nur gegen

Sicherheitsleistung erfolgen, entzieht also d-n»
Unternehmen doch auch auf diesem Wege init-
telbare Betriebsmittel, die es gerade jetzt am
allernöttgsten für andere Zwecke bräucht. Auck
die Erleichterung der Zahlung der Abgabe
durch Abtretung von Vermögensgcgenständen
an die neu zu gründende Reichsvermögensbank
ändert sür das Unternehmen an dieser Sack,-
lage gar nichts. Sie gibt ihm nur in de»
Person des Reiches oder dieser Vank einen
Teilhaber, führt also auf dem Umwege über
die Besteuerung zu einer wenigstens teilweisen
Sozialisierung.

So, wie die Dinge eben liegen, ist aber in
derartigen Fällen viel Schlimmeres m
besürchten. Das Reich oder die Neichsvermö-
gcnsbank können den ihnen abzutretenden Teil
des Betriebes, mag die Abtretung nun in der
Form der Aufnahme als Eesellschafter einer
osjenen Handelsgesellschaft oder einer stillen Ve-
teiligung, oder in der Form der Abtretung von
Attien, oder Gesellschaftsanteilen einer Eesell-
schast mit beschränkter Haftung erfolgen, doch
nur mit seinem dermaligen Znlandswert über-
nehmen. Bei dem ungünstigen Stand unserer
Valuta ist ciber zu befürchten, datz das Aus,
landskapital, das ja eben jeden Preis
in Mark zahlen kann, sich Eingang in alle der-
artigen Vetriebe verschafft. Was für das
dentsche Wirtschnftsleben im allgemeinen. ins-
besondere aber der Arbeiter und Angestellten
in solchen Vetrieben bedeuten würde, bedarf
für jeden, der die einschlägigen Auslandsver-
bciltnisse einigermaßen kennt, keiner weiteren
Ausführung. Auch die Bildung neuer kapita.
listischer Eesellschaften, die der Neichsfinanz-
minister in den bisherigen Ausschutzverhand-
lungen mehrfach solchen Betrieben empfohlen
hat, die die Abgabe nicht aus eigenen Mitteln
zahlen können, sondern gezwungen sind, Teile
des llnternehmens an das Reicll abzutreten,
vermögen wir nicht als einen erwünschten wirl-
schaftlichen Schritt anzusehen. Am allerwe-
nigsten würden wir es bedauern, wenn nun
auch steuerliche Maßnahmen dazu führen soll-
ten, das Eindringen ausländischen Kaprtals
in unsere nationale Wirtschaft zu erleichtern
oder gar zu fördern. Was gar aus einem Ve-
trreb werden soll, wenn nach Veranlagung des
Notopfers der Betriebsunternehmer stirbt und
dann zu dem Notopfer eine hohe Erbschafts-
steuer nach den neuen Erbschaftssteuersatzen
kommt, kann fich jeder selbst ausrechnen: die
Sozialisierung auf steuerlichem Weg Lritt dann
in vollem Umfang ein und so mancher Unter-
nehmer wird sich deshalb überlegen, ob er nicht
lieber sein Notopfer zahlen, dann aber sich ein
anderes Land zu wirtschaftlicher oder sonstige:
Vetätigung suchen soll.

Deutsches Reich

Der Sozialdemokrat — kein Lhrist

Einen qrnrdsätzliHen Beschlutz fatzte in Kö-
nigshütte der oberschlefisHe Klerus. Er erklärte.
datz es nach den Weisunqen des Kirchenrechts und
der Erklärunq des Breslauer Fürstbischofs vom 22.
Dezember 1918 keinem Katboliken erlaubt ist, So-
zialdemokrat ur kein.

Gerichtszeitung

Schöfsengericht Heidelberg
Zn der öffentlichen Sitzung <rm Donnerstaa
den 0. Okt. wurden folqende Fälle erledist: Herdel
^ohann Adnm aus Heidelberq wurde wegen Be-
amlenbeleidigung und Hausfciedensbruchs zu 3
Sbochen uftd Kappes Ferdinand wegen Unkerschla-
sung und llrkundenfälschung zu 4 Monaten Eefäng-
nis verurteilt.


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Theater und Musik

Heidelberger Stadttheater

Der BiLerpelz!

Diebsk^ommödie von Eerhart Hauptmann
Ein naturalistlsches Lnstspiiel von derber Komik
Menschen aus dem Leben aeqriffen. aus die Bühne
gestellt. Aian füblt ibre Lebensnähe. Sie grup-
pieren sich um einen aufqeblasenen. immer Dema-
goqjm witternden Amtsvorsteber und die von ihm
in seiner Dummbeit vroteqierte. qerissene Diebin.
Mutter Wolfen. Menschen. Vie nie aussterben.
Typen, wie der bornierte Wehrhan, qab es nicht
nur im byzantinischen Zeitalter. auch in dem mit
der glorreichen Revolution erschienenen selbstgefäl-
'ligen Beamtentum keben sie fort — nur die Deste
ist neuer Art und stcrti des Monokels tragen sie
eine Vttlle — jene suchen Demagoqen. dtese Neak-
lionäre und in der Zwischenzeit werden sie übers
Ohr gehauen. wiie jene oberschlauen sozialdemokva-
tischen in der blübenden Revublik Sachsen. — Ze-
dem Schwindler und schleichenden Denunzianten
gehört Wehrhans williges Ohr. nur nicht dem
Doktor Fl-eischer. dem harmlosen Privatgelehrt/en,
denn er ist ein ..staatsqefährlicher" Mensch. Kein
Wunder. datz die Mutter Wolffen sich über^ihn

lustig macht: ..dcr Mann ift Zhn' aber tumin^. . .
nee. horntumm. Fch seh' durch mein Hiihnerooge
mehr. wie der durch sein Elasooqe." Sie wildert.
sie stiehlt. beschwindslt den Hehler. foppt die Obriq-
kett und qebraucht ihre Hilfe — nicht einmal alt-
modlsches -schiebertum. Schadir. datz man solche
riomodien heute kaum mehr schre'ibt. sie wärcn
zlveifellos noch wirksamer. wenn heutiqe Pot.en-
raten in de mentsprechenden Milieu in natuvaristi-
>ck)er Beleuchtunq auf der Vühne erschienen. Und
inan wurde -eln üesundes Ee-sengewicht für revo-
lutioiis-soelenkranken Erpressionismus haben.

D:e Spielleilunq machte den Fehler. den an
Vcrsolgunqswahn qemahnenden Demaqoqensplecn
des Amtsvorftebers nicht qenüqend durch qeschickte
Nimncierunq einzelner komischer Momente heraus-
.zuhcben. verschiedene Nebenaktionen traten zu sehr
in den Vorderqrund. denn qercide unter dcm Schutze
dieser Narretei sveqte Mutter Wolfens Spitzbuben-
,4um. Jin letzten Akt erhob stch ein zu starkes Ge-

polter. sodatz die feine ZroniL des Schlusses etwas
verschwommen verklanq.

Aber es wurde flott qespielt.- Marie v. Helm-
hol 1 qestaltete eine Mutter Wolfen voller Witze.
spitzbübischer Schlaubeit und Komik. Hans Her-
hert Michsls' Wehrhan war qanz der verbohrte.
trotz alh:r Unfähiakeit eitle Streber. nur setne
Stimme llanq noch eine Zdee zu krästiq fur den
verkalkten. imvotenten Ämtsvorsteher — Fistel-
stimme verlanqt Hauptmann. Der verschnapste,
phleqmatisch tölvelhafte Vater Wolf wurde von
Otto Thieme aut roiederqeaeben. Heinrich L o -
patka. sonst ganz der alte Schlteicher und Znttt-
gant Motes. wirkte. im ersten Akt etwas unbehol-
fen. Adolf Schäffners Wulkow erschien ,als
Hehler. Schleichhändler und Schieber zu auffallend
dämlich: Vorbilder dieser Sorte Menschen hätte er
zur Eenüqe heute auf dex Stratze finden können,
im letzten Akt fand er sich besser zurecht C. R.
Zwillinger qab den Rentier Kttiger mit Ee-
schick auch in der hasttgen Vewegunq und Stimme
wieder. Stürmische Heiterkeit erzielte Bernhard
Fork als oeralkoholisierter Nachtwächter; ab.er
auch Kurt Felix als Doktor Fleischer. Wanda
Böhlau als Adelheid. Liesel Marlow als
Leonttne. Hella Walter als Frcru Motes und
Ernst Osterburg truqen durch qeschicktes Spiel
zum Eelinqen bei. —b—

Konzert

Margarete Schweikert - Drews

Der Ansturm der Konzertqeber ist zu> qrotz und
der Taumel unbedinqten Eenietzenwvllens scheint
nachzulassen. So maq es qekommen sein. datz qe-
rade dieses Konzert auffallend weniq Veachtung
gestinden hat. was nach dem Eebotenen recht be-
-auerlich erscheint. Denn Marqarete Schwei-
kert verdient als eine offenbar bis in die Finger-
spitzen musikalische Persönlichkeit ein waches Zn-
teresse. Als Eeiqerin hat sie in einer Sonate von
Schumann und in einer solchen von Brahms sich
als eine Künstlerin -einqeführt. dio mit einem
vornehmcn. leickten Strick. wettumfassender Tech-
nik und sehr warmem Empfinden auf ihrem Znstru-
ment qestaltet. Einen qleichwertiqen Musiker hatte
sie in Hermann Drews qefundem der den Kla-

vierpart mit vieler Feinheit auszuführcn wutzte.
Als Nüeuheit brachten die beiden eine Violinromanze
von Max Reqer in E-moll. die nicht dio knappe
Form und sütze Melodik der G-dur-Romanze besitzt
und in ihver Weitschweifiqkeit beim ersten Anhören
etwas langsttelia anmutet.

Zm Laufe der Vortraqsfolqe hat Frl. Schweikett
die Violine weaqeleat. um eine Reihe von ihr
selbst qeschaffener Lieder in sehr plastischer Ausfor-
munq zu beqleiten. Die Vedeutunq dieser Kompo-
sitionen ist nach dieser ersten Bekanntschaft nicht
leicht festzulekvrn. Ziemlich moderner Ärt. aber
doch noch in der Nomantik von Schumann und
Wolff wurzelnd. der Sinn. den poetischen Cedanken
in bestimmter musikalischer Stimmunq aufgehen zu
lassen, alles nicht qewöhnlich. abrr auch ohne eine
bssonders charakteristische und perspnliche Physiog-
nomie: das ist so unaefäbr die Momentaufnahme.
Die Lieder wurden von einer Mannheimer Sänqe-
rin gesunqen. die auck Brahms vortruq. Auf
Erund einer qewissen Krieqserklärunq mutz ich
mit Miqnon saqen: ..Heitz mich nicht reden. heitz
mich schweiqen. Denn mein Eeheimnis ift mir
Pflicbt." _ Dr. S.

Die Mannheimer Theaterkritiker
zum Fall Stahl

Zu der Karlsruber Zntendantensraqe hatten
bekanntltch die SolomitqliÄier des Mannheimer
Nationaltheaters resp. die Ortsqruppe Mannheim
der Genossenschaft Deuttcker Bühnenanqehöriqer er-
klärt. datz sie Dr. E. Leopold Stalil so lanqe nicht
mehr als Kritiker ibrer Qeistunqen anerkennen
wolle, bis er d-ie qeaen ibn erbobencn Anschuldi-
gunqen in Sacken der Karlsruher Jntendantcn-
fraqe einwandfrei widerleat habe. Autzerdem nö-
tigten sie ihn im Zusammenhanq damit während
<einer „Romco und Zulia"-Vorstellunq. diese zu
oerlassen. Zu dieser Anqeleqenheit fand nun eifte
Versammlunq der Ortsaruppe Mannheim des
..Landesverbandes Vadisch>er Redakteure" und der
ständigen Theaterkritiker der hicsiqen Zeitunqen
ftatt. Diese fatzte nach einqehender Erörterunq
des Falles einstiminiq folqende Entschlie-
tzuna:

..Es kann einer Eruvve der Bühnenqenossen-

fchast nicht das Recht zuaebilligt roerden, cinen
Kritikev über den Kovf seiner Zeitung hinweq
zeitweiliq oder vollständia als solchen abzulehnen.
Der Landesverband der Badischen Redakteure,
Ortsqruppe Mannheim. und die ständiqen Kritikcr
der hiesiqen Zeitunaen müssen deshalb ihrerseits
die Berichterstattuna über das Theater solange
einstellen. bis die Bübnenqenossenschaft Orts-
gruppe Mannheim sich bereit erklärt. die Anqele-
genhcit Stabl an einer unpartettschen Stelle zur
Schlichtunq zu Lrinaen."

Wi-e wir hören. soll auf diese Erklär'.mg hin die
Mannheimer Ortsaruvve der Vühnenqenossenschaft
sich Lcreits mit der Vilduna eines Schlichtunqsaus-
schusses einverstanden erklärt haben. so datz es a?so
kaum zur Einstelluna der Berichtcrstattunq kom-
men dürtte.

Neues aus aller Welt

Die gfährlich pälzer Sprooch

Mann die Lächerlichkeit werklich eiü lwd nmcht,
wie des ihr Landsmann Voltaire üsagt hor.
dann werre die FrNnzo'ie in der Palz drvwux net
vie! immergrienen Lorbeerreiser an ihre Stcrhl-
helme stecke kennc. Do is e scheens Stickl passicrt.
was nnr e suter Freind vun iwwelem Rhein oer-
sählt hot unn was jetzt die Nunld macht: Do bot
e handfcschde cchie Pälserin ihrem Herzallerliebschde
im Zorn zuscLrische- „Fr a n z, Oos. der Dei-
wol soll dich hole!" Dcs hot e ttanzcsischer
Snlhel, wo grad vorbiegangc is, uffgschnappt, bot's
i" sciner — Beschridcheid uff sjch Le-oge unn tot
fu-yLdeiwelswild die Fraa wcrie gröbli'cher Dcke>-
digung vum gesanite Franzoscdum vors franzesisch
Eericht Lschleppd. Der Richter kot e gans bös
Esccht gemacht, dann die Zwwcrsehurig hot a'lnud:
„Franzos. der Teuiel soll -dich holc!"
D->mii h-,-t <r im dicke Etnoofs-setzibuch noocksgchlag^
unn e Eeldstroof vun 1000 Mark angfttzt, dani'
ach dcr Franzmann hot H-öch>lchtpreis. Des war
gr^rid net zum lache. Arviver in der Pals verliert

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