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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0341
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Sainstag, den 1. November 1919

Sadische post - Nr. 2FZ

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Sethmann Holiweg vor -em Untersuchungsaussthuß

Verlin. 31.' Okt.

Der zweite Unterausschuk des Untersuchunas-
ausschusses nahm ain Fveitan svine Arbeit wieder
auf Auker dem friiheren Reichskanzler v. Beth,-
mann Hollmeg waven UnterstaatSsekretär
Wahnschaffe und Marinestaatssekretär a. D.
v Capell« erschi-enen Nach der VereüriMng
des Herrn von Bethman Hollwea bittet ihn der
Vorsihmde Warmuth zunächst um Beantwortung
der folgenden Fragen:

1. Ans welchen Grilnden ist das gsriedens-
angcbot vom 12. Dezember 1918 dnrch die Zen-
tralmächte erfolgt, trohdem oine gsricdensaktion
Wilsons durch Deutschland anqercat und bis
spätcstcnv fUr Ende Dezember in sichere Ausslcht ge-
stellt war?

2. Aus welchen Griinden sind Wilson aus seine
Note vom 21. Dczember die konkreten Be-
dingungen nicht mitqeteilt worden?

3. Aus wclchen Eründen hat die polit sche
Reichsleitunq die von ihr anqcrcqte Ariedenoaktion
Wilsons nicht weiter betrieben und statt ihrer eine
Zustimmunq zu der Führunq des riicksichtolo-
sen U - Bootkrie.qes qeqebcn?

Reichskanzler von Vethmann Hollweg

Hinter den Hauptfraqen steht unverkennbar die
Vorstellunq. dak w i r durch unser Friedensanqebot
die Fricdensaktion Wilsons qefayrdet hätten.
Demqeqenüber betone ich, dak der Friedensappell.
den Wilson crlassen wollte. und dejsen bevorstehen-
den Erlak Bernstorff in Aussicht stellte. in der
Friedensnoto vom 18 Dezember enthalten war.
Geschr,eben ist diese Note Mitte November. Mitte
November hattcn wix noch kein ciqenes Friedenv-
anqebot qestellt. und Mlson wukte noch nicht. dak
wir diese Absicht hütten. Daher konnte unser
Zriedensanqehot den Präsidenten von seiner Frie-
vensaktion weder abqehalten noch beeinfiuht haben.
I>it Wigon daruber veritimmt qervciei.. daq wir
stincn Friedensschritt- nicht abqewartet haben. so
steht fest. das? er seincr Verstimmunq kein.'n Einslusj
auf sein Handeln einqeräumt hat.

Ich komme nun zu den Motioen. die uns veran-
lasst hab-.m. zn einem Friebensanqebot' zu kommm.
ohne die erwartete Friedönsaktion W'lsons abzu-
warten. Nach unseren Berichten stnd qerade Ende
Dezember 1916 auch neutrale Ctaatsmänner
im Zwcifel dariiber qewesen. ob dor Präsidcnt
ernsthaft ao. den Hrieden -enke. In die Scele
des Prästdenten selbst tonnen wir i.icht hineinse-
hen: ich will auch nicht den Bersuch dazu machen.
Freundlichc Gesinnunq qcqe» Deutschland hat cr.
wie Herr Clemcnceau neulich feierlich iin Senat
bekundete. nicht'qehabt. U-eber die
amerikanischen Waffen- und Munitionslccferunqitt
maq man völkervcchtlich denken wie man will. tat-
sächlich bedeuteten sie eine einjeittqe Deqiiil-
st.qunq unserer stseinde. ohne die der Krieqswahn
wahrscheinlich sehr viel früher zu Ende qewescn
wäre. Erschwert war unser Derkehr ziid>cm mit
Washinqton durch die unqünstiqe brieftichr und te
leqraphische Verbindunq. Es wäre ein qewisser
Ausqleich qeschaffen worden. wmn Amerika den
Votschafter Gerard instand qeseht hütte. uns
über die Intentioden Wilsons fortlaufend zu un-
terrichken. Statt d?ssen war Eerard nur derUeber-
brinqen u n f r e u n dl rch e r Noten. Bemerkens-
wert erscheint mir. dast die berühmten 14 Puntte
Wilsoys im Januar 1918 aufqeseht wurden. aiso
zu einer Zeit. wo Amerika in vollsten Krieqsvor-
bereitnnqen uns qeqeniiber sich befand.

Ich tomme nunmehr .',u den Gründen, die für die
Vcröffentlichunq des Frtedensanqebotes der Mit-
telniäckite qerade am 18. Dezember sprechen. Am
11. Dezcmber war das. Kabinett Lloqd Geor
qes fertiq und am 12. Dezember qinq nach voller
Ueberlequnq und in Uebereinsttmmun« mit unse-
ren Vundesqenossen unv den militärischen Ste'.len
unser Kriodensanqebot heraus. Am U>. Dezember

r?» «S»s >VSSSÄSASS^

Es crscheint als Hochinut, sich nicht an bem
stlitischen Leben seineS Bolkes und seiner Ze.t ^

schrieb dis Morninqpost. es qehe ein allqemeines
Gefühl der Erleichterunq durch sdas Land.
dast die Kabinettsfraqe vor dem deutschen tsfrie-
densanqebot qelöst sei. Bei unserem f?riedensan-
qebot rvar mit ausschlaqqebend dak im enqlischen
Kabinett in der t?riedensfraqe verschvedens Strö-
munqen miteinander ranqen. Aehnlich laaen die
Dinqe in Nustland. Nun qebe ich zu. dast wir
mit dem Hriedensanqebot eventuell bis nach dem
Friedensschritt des Präsidenten Wilson hätben
warten können. aber abqesehen von der Unsi-
ch-erheit. zn der nach den. bisheriqen Erfahrun-
qen mit dem Präsidenten Witson dte Berliner
Zentrale doch immerhin berechtiqt war. war bei
uns das Hauptmoment das Bestreben. anf den
Fr i ed e n s w i l l o n der feindlichen Völker ein-
zuwirten. Wtr qlaubten dast diese Wirkunq mtt
dem Friedensanqebot vom 12. Dezember besser sein
würde als kei dem Schr'.tt des Präsidenten Wilson.
Seine Wirkunq wurde boeinträchtiqt durch dle
Form. die von dem Bestreben diktiert war, unsere
militärische Laqe nicht schwach erscheinen zu lassen.
Diese sVorm war ein Kompromif? der militärischen-
und politischl.n Stellen.

Ich bin auf dem einmal beschrittenen Weq wet-
terqeqanqen. Im Reichstaq hat sich im Iuli
1917 erstmaltq eine Mehrheit für diese Politik qe-
funden und ich habe in meiner Nede im Reichs-
taqsausschuk kurz vor meinem Sturz hervorqeho-
ben. dak ich qeqen di-e stsriedensentschliekunq
nicht s einzuwenden hätte. weil sie nur die Vor-
anentwicklunq der stets von m i r vertretenen-Po-
litik bedeutete. Nur fehlte vorher dteser Politik
eine Mehrheit im Parlam.'nt un,d"in der öffent-
lichen Me nunq. Es-isk für mich ein eiqenartiqes
Verhänqnis. dak ich durch ei?.e Verbindunq des
Parlaments mit der milttärischen Leitunq
in dem Auqenblick qcstürzt

wurdc als sich mir zum erstenmale die Möqlichleit
bot. meii.e politische Linie mit einer Mehrheit des
Parlaments weiterhin wirlsam zu verfalqen. De-
tlaqeu kann ich nur dte U mstände. unt'r denen
d e Tcriedensentschliekunq zustande qekommen war.
Wir standcn militärisch nicht qerade auf der Höhe.
Diese Nachricht rr.urde. verknüpft mit sensationellen
srestst.'llunqen übcr Fehlschläqe im ls-Boat!rieq. d>e
fast panitartiq qcwirtt ::atten. und sckit'cklichwar
sie beqleitet von dcm

offenkundiqen Sieq der Mil'tä'.uart i
über die qemäkiqte Politik.

Ich fasse zusammen: Das Ob und Wani' dcs
strriedmsschrittes Wilso,'.- rjck, ea der Peri'ner
ZenträUeitunq zirUfelhast. Diese zoq. um den
militärischen Zeitpunkt nicht zu verpassen und um
durch eine ösfentliche Aktion zu d?n Völkern der
Entente vorzudrinqcn. den Wcq eines ösfentlichen
^riedrnsanqebotes oor. Wir cr.'elten
völliq clnmütiqe Absaqe.

Der Ton dcr Nole war schars iiud beleidiaend. Eine
öffertliche Diskussion der beiderieitiqsn Krieqs-
ziele. bevor die srricdensbereitschaft fcststand. wäre
eine Prozedur qewesen. die eine etwaiqe Friedens-
bev.itschaft vernichtet haben wiirde. Wollte man
-nicht bis zur Erreichunq bestimmter Krieqsziele
ünter allen Un.ständen weiter kampfen. und ich
woltte das n cht. so konnto erst im Auqenblick. wo
verhand.lt werden sollte. iiach der jeweiliqen Ge-
samtlaqe iibcr die Friedensbedinqunqen entschiedsn
wcrden und da'rüber. ob nnd auf welcher Basis.
man verhandeln wollte. Alle srüheren fTestsetjiin-
qen wären dann in ein Nichts versallen. Das war
dic einsache Konsequenz davon. dak wir in einem
Dasetnstampf stunden und qeqen eine Koalition
Krieq führten. wte es die Mlt noch ntcht qesehen
hat. Irqend eine Möql chkeit. auf deren Vasis das
deutfche Volk den stir'.cden anqenonunen hätte. hat
fich aber nicmals qeboten. Wenn sich bei unseren
Feind.n im Wintec 1910—17 ernsthaft irqend eine
Bereiischaft qezeiqt hat. dann wäre es Zeit qewe-
sen. sich cm das Erreichbare zu halten. Dio Situa-
tion im Ianuar. als der unbeschränkte U-Bootkrieq
beschlosseii wurde. war solqende:

Die Oberste Heeresleituuq
v er lanqte d.n U-Bootkrieq mit voller Entschie-
denheit als ein von der allqemeinen Krieqslaqe qe-
bieterisch qefordertes Kampfmittel. Hinter der
Obersten Heeresleitunq stand ein qewaltiqer Teil
des Volkes. das den Glauben hatte. der U-Boot-
krieq werde die Gcwinnunq des Krieqes brinqen.
Der Glaube war so tief und fest. dak man mich.
trohdem man wusste. dak ich den Glauben nicht
teile. unterirdisch weqen meiner Haltunq verleum-
dcrisch bekämpfte. Der überwieqende Deil der
Presie hat mit Hochdruck in demselben Sinne qe-
arbeitet. Der Reichstaq folqte der Obersten Hee-
resteitunq> Nachdem Konservative und National-
liberale schon vorher nnbedinqt dafür qewesen wa-
ren. war der

parlamentarische Ninq qeschlossen.

(Bewequnq.j ' Von militärischer Seite ist behaup-
tet worden. ich hätte die Oberste Heeresleitung
qeqen ihren Willen in den Streit hineinqezoqen.

Bcyaupiui.q qrent , ist. ^,>e . .c.>

lejtnnq und der Admiralstab hatten beschlosien. den
U-Bootkrieq zn machen, und der K-aiser stand
auf ihrer Seite. Geqenüber dein Iahre 1916, wo
ich den U-Bootkrieq verhindert hatte. war die
Lage von Erund auf verändert. Damals konnte
ich durchdrinqen. weil wir «erst 3ö qroke U-Boote
znr Verfükiinq hatten. Icht war die Zahl qröker.
Äusschlaqqebend wat. dak Hindenburq nnd Lude'n-
dorff dafür waren. Der Admiralstab hatte den
vorausqesehenen Erfolq. Er stiikte sich auf d'.e de-
taillierten Bcrechnunaen der Männer. sdie sie für
volkswirtschaftliche Autoritäten hielten. (Heiter-
keit.) Diese Berechnunqen hatten natürlich keine
Beweiskraft, ich konnte aber auch nicht das Geqsn-
n . o.M.-i,en. Arn i». ^anuar war es schtechter-
dinqs unmöqltch zu saqen. ob ein U-Bootkrieq qe-
macht wurde oder nicht. Ich stand dafür. dak wir
demnachst zu Hr.edensverhandl,u-nqen kommen wür-
den. dak ich fe/t vertraue. dak 'es Wilson qelinqen
würde. die Entente .mr Aufqabe ihrer exorbitanten
Krieqsziele zu brinqen. Mejn Rücktritt am 9. Ian.
wäre eine e nfache und bequeme Matzna..-n-^ qewe-
jen. Hütte ich annchmen können. dak durch mein
-Ausscheiden wcqen der

von mir persönlich bckämpften Politik der Re-
qierunq

irqendein Gewinn hätte qeschafsen werden lönncn.
ich chätte ketnen Auqenblick qezoqert. dem Kaiser
mein Abschiedsqesuch zu unterbreiten So aber
konnte der teleqraphische Verkehr dsr Obernen v--.

-- lc- ca Zweifel lasien. dak von ihrer
Seite mein Nücktritt auf die Einsekunq des U-
Vootkrieqes ohne Einfluk qeblieben wäre. sobald
cveorqes dckannt» wuroe.
Ich habe das in einem Teleqramm an Ludendorff
ausqesvrochen. Er bemerkte nur, auf feiner per-
sönlichen Usb.'rz-.'uqunq an dcr Westfront. dak derU-
Bootkcieq mit allcr Schärfe einssheil müsse. Auf
. meine Erwidsrunq. in der ich auf die bevorstehende
sisriedensattion hinwies. kam der Bescheid. man
wolle nicht dränqen. abcr auch die praz.se Erklä-
rnnq. dak ohne den rücksichtslosen U-Bootkrieq der
Heldzuq verlorcn sei.

Alsdann tam auch e n Teleqram mvon Hinden-
burq in dem es hiek: die Entente führe mit allen
Mitteln den Krieq weiter. nachdem wir von nllen
Parlamenten scharfe Absaqen Uekommen haben.
Aüch die Bestrcbunqen Wilsons könnten daran
nichts ändern. dafsstch die Eeqner von ihrer Selbst-
überhebunq nicht tvsiinen wotlten. Es roird dann
darauf hinqewiesen. dak .d:e Truppen den unbe-
schrünkten U-Vootkrieq erwarten. Aus meine ntcht
zustimmende Antwort antwortete die Oberste Hee-
resleitunq schroff. dast die

militärische Laqe eo ersordere.

Dec siseldmarschall sehte dafür sein qanzes Verant-
wortlichkeitsqefühl ein. vor die die politische Ver-
antwortltchkeit dcs Reichskanzlers nichl treten
wüilds Ich war der Anstcht. dak der unbe^-bränkte
U-Bootkrieq auch den Krieq mit Amcrika bedeute.
Unsere Oberste Heeresleitnnq war entschlossen. ,auch
den Kampf mit Amerika aufzunehmen. Sre liek

es aüf eine Machtprobe mit der politischen Leitung
ankommen. Mit dem Ausscheiden meimr Peffon
wurde daran nichts qeändert. Der Entschlnk zum
unbeschränkten U-Bootkrieq stand fest. Ich wetd
wohl. das? ich in einem qewissen Teile der öffent-
lichen Moinunq in Mikkredit stand. aber ich haths
doch noch ein qewisies Kapital von Vertrauen. Um
dem Unheil einer weitqehenden Beunruhiqunq im
Volke vorzubeuqen. mMte ich bleiben. Sie wisien.
wie di>e Phantastemelldunqen. namentltch hinsicht-
lich der Zahl unsere'r U-Boote. entzünd^t wurden.
Meine wiederholten Berichtiqunqen über
die fantastischen Zahlen konnten nicht öffent-
lich qeqeben werden. Daher konnte ich auch nicht
auf das Volksleben einwirken.

Zeitweise gelang es >mir. einen Rückqang der
Agitationen zu erztelen, a>ber die Hypnsso. di«
durch das Vertrauen zu den U-^Booten entzüanden
ivcrr, war ein starikes Argilmient. Dtese Hypncsie
war eine

Bersündigung am Volte

Die Enilscheidung, ab der U-Vvotkrieg qemacht
oder unterlaffen werden sollto. war so verhäns-
nisvoll, dak keine Valksleidenschaft darauf hätte
«imvirken dllrfen. Das Geigenvsil ist geschehen.
Die VMsüberzeugung war ein Mdiinent, das dar-
auf aeryündet mar. dak Htndsnburs aus mi-
litärischen Grüitden den U-Bootkrieg vevlangte.
Diefe Änsicht nrnkte in der Seel-e Ues Volkes etnen
Stachel zurücklassen mit der Ueberzeugung, dast
bei der Äblehnu'ng setne Zukunft zerbrochen wäre.
Nach unserem! namenlosen ZuifamM-nbrucb, der
nur miöskich gewefen ist, weil wir >a 1 le ge -
sündiat habeiv, übernohme ich e§ nicht. die
Schuld aui andere aibzuwälzen, alber ich muk doch
dre Tatfanre feststellen: Als Hindenburq mtt Lu
dendorff än die Spiste der HeereSIeituna berusen
war, stanid für das bürgerliche Deutschland fest. das;
ihnen die Entschoidung zustände. wie der Krieg ge-
führt und beenoet werden solle. es stand fest, dasi
die politische Leitung stch ihnen ,zu Hlgen habe. Der
Reichstag, von den Parlamenten der mötzeren
Einzelstaatey. gcknz zn schweigen, unterwarf stch tn
selner Mshrheit von vornherein dem künftigen Vo-'
tum der Obersten Heeresleitung.

Es mutz doch ausgöfprochen werden, datz die
Mehrheit des dentschen Volkes und seine gesetzliche-
Bertretung das

Uebergewicht der militärischen Leitu»g qewollt
hat. Die Konseqmmzen ergaben stch von selbst.
Dabei will tch eins zuaelyin: nänrlich. datz eine ,zu
Beginn des iKrieges gsschaffene pavlamentarische
Rögrerunq >an sich vielleicht hätte stark jein kön-
sten. Die Unferttgkeit unjeres politisch-m
Zustandes ist uns zuiin. Fluch gsworden. Auch lster
liegt ein Versäumnis vor. -aber >auck hier vielleicht
eine Kollektivschuld. Kommandieren lätzt stch die.
Parsanientarisierunq nicht. Auch wo sie gewollt ist,
da entwrckelt sie stch mit der politischen Reife eines
Volb.'s.

Uns wuvde entgsgengehalten. die Entente
sei völlig un.schuldig am Kriege. wir seien die
Alleinschuldiqen. Dagegen p r o t est i e r e n w i r >.
Wir wollsn genau so behandelt werden. wie dte
Entente. Die Entente erwartete. datz Wilson stch
ihren Anschauungen anMietzk, wir feien kerne
gleichberechtiqte Partei. sondern der zu bestrafende
Angeklagte. Das hettzt mit -anheren Worten: die
Ariedensvermittlung wird von vornherein partei-
isch sein. Nach der Ansicht des Botsctzafters hatte
Wilsan von da >an. auch keine Nergung' mehr als
Friedensvermtttler aufzutreten und den Forderun-
gen der Entente gegenüber Stellunq zu nehmen.

Endlich, am 28. Januar. lam dte Depesche
Bernskorffs, wonach Wilson jetzt den Frieden
vermitteln wolle und ihn erhoffo. Er bäte, trotz
aller Skepsis, den U-Bsotkrieg -anfzuschieben.
Dteses Aevlangen wurde von der Admiralitnt ab-
gewiesen. weil es unnrd'glich fei. die Lereits
ausgefahrenen U-Boots zurückzribeordern. Es blieh
niir nichts übrig. als Wilson u^ere Friedensbe-
dingungen mltzuteilen und das Aufheben des U-
Boottrieges zuzusaqen, sobald cs dem Prästdenten
grlänge. eine ontsprechende Grundlaae fiir dte Frie-
densbedingungen zu erzielen.

Dakauf triitt die Mittagsvause ein.

zn deteiligcn: >u>her besehen ist c

ücininnt.

aber nnr
Berthold Anerbach

Lonnenfinsternis

Noman von Elss Stieler-Marjhall
Eopz-i iLiit bv OretiileinüiLo. O.^n.tz. II. Leiprij; U>16
(27. Fvrcsetzung)

Aus tiefstem Sinnen fubr Klinghart auf und
starrte verstört den L'.ndri! qiing an. Bci der tei-
sen Bewegung iib:r die Schwelle tzatte ihn der
Gedanke, Eva tehre zuriick, dns Herz in einen,
Schrccl'.'n heitz wirden lasicn.

Statt ihrer G.'stal't den alten Bauern vom
Wii'dbruch zu erblicke-,. o ar niederschmettcrnd und
lieg sich nicht sogleich ubeiwinden.

Gabriel aber irat mit selsamen Gebärden näher
lera,'. Er hov die Hände beschwörend empor und
murmelte geheimnivolle Ssähe. An den weitanfge-
i'.ssenen Augcn des Mttermachers. an seinem uicht
recht geordm'ten G-siichtsausdruck glaubte er das
Leidcn als ein ichweres Fieber zu erkennen gegen
das er soiort mit allerlei Baniisprücknn ins Feld
zog

KNnahart hatte stch schnell qffatzt. uno bogrüsite
den Altcn. fragte ner.vnndert. nach ivas er denn
v'.it seinen Händen g<cife. Uud als der V:sucher
ihm ernsthast e.kl.'irie. dotz er als Arzt erscheine
und die Krankhe-.t o-ertreibirn wolle. lachte er ihn
aus.

Ilud der listige alte Gesell lochte von Herzen
mit. Er glaubie an stinsn Hotuspokus selber
nicht

Schon fricher hotte-Klii'gbart erkannt. was sür
ein Psiffitus der innge G^briicil war. der nur so
la>. als ob cr uoa der Kunst des Wettermachers
ül'Srzeugt sei. und dahei in einer vergnüaUch.'n
Weise üb?r leine Nactzbarn >und sick selbst und so-
gar ein wenig über den Wettermachsr stch lustig
machte..

Er qotz deni Gmt reichlich von seinem Kognak
ein u. löste d ur <->chhwätztgen damit die Zunge
r-cll-.nds. Und cr lühne -den Alten in setn Obser-
iwtcrium und erkiarte und fand znm ersten Ma!le
-n dti.s. n L?rg?n Vceständnis und geschsite Fragen
die den Nagel aus dcn Kopf trafen. Ihn freute es,
und er driickt- ds:n Alicn d!c Hand

Nun helfen Sie „nir -auch. dic Leute auf den
Höhcn aufzuklären", bat er. .Befreien Sle mtch
vcn ihrem lästig-'n Aberqlaube.i."

Uni des Gabrul -baitlose Lippen lief ein Lä-
chcln.

..Leichter könnt I-Hr dos Wasier dazu bringen.
dutz es >den Vera htnaufll.uft. Herr. Und warum
sollts täst'tg sein? Tut ntcmai'.dem web und es tzat
e.n jeder ein bis.el Gewin.i davon. Sehet, das
grotze Vertrauei, rst immer eine gntc.Sache für
beidc Teile. Mir veilic-ue'l die Nachbarn anch.
datz ich Heilkraft habe siir alterlei Lbetz n. Kvank-
hcit. Und der fests Glut.be hilst '".n zum Gesund-
wcroen. Eine Salbe babe ich we>-n sji^ bio nur an-
schaucn, so sind ste halb gcsl'.'.'o. Ictz bctrüg nie-
manden. Die Salbe ist kübl m:d lindernd Datz ste
heilen kann, bab ich niemals N'icrgt. Mr betrügt
nuch keinon Nisnsch'n. Hcrr. Ihr tzabt ^ruch das
Maul nrüd gereket datz Ihr 'as Wettsr nit m>acht,
jonsi rn nur betrachtet. Latzt euch dsn Aberglauben
nefallen. Wir sinb zwei Einsame. Herr, >Ihr hier
obei, nnd ich dort drautzen a,n Windbruch. Einfame
Leut lhaben dte Freundschaft ber Nachbarn nötta."

Auch zum Mlttagejsen behielt Klingtzart den
Alten uiid sie wnvden sehr fröhlich, die beiden, Ea-
briel steckte ooller Schwünke und wutzte vieberlei
Spühe drolliq zu erzählen, die cr aus dom Bansrn-
alberalauben des Verglandes schöpste.

Soine himinelblauen Auaen murdon imsmer
ülanziger. S!>e lhattpn etwas erspüht,. was dem al-
ten Schelm tninqes Vergnügen bereitete.

An d m Lodenärmel des Hcxl/schornmanncs
hatte stch ein schwarzes Haar verfangen, von so
sökdrnem Glanze nnd so stattlicher Länge, wie es
nur ein einziges Mä-dchen 8,n aanzen Schorngebiet
tn setn,e Zöüfe flechton >konnte.

Krank seid >Ihr ckber doch gewesen, Herr?"
fvagte der Gasst hi.stm Scheidsn noch. „Der Leo-
pold tzat es drunten erzählt..."

..Acag sein, tch war kvank. I,n Goin.Ute, alter
Gabriol. Tjas brlngt die Etnsamkett wotzl einmaL
so mit stch. Absr tch btn genesen."

..Glaubs. slaubs," ssagle der Winbrucher be-
haglich ..üb.'r Nacht komnit oft Gencsung."

»Er hat mir seine Zaubsrküche grzeigt und die
ein!ma!l.

„Ia, denkt, w'as ich den ganzen Taq heut noch
siir eln Gliick ha>ben,,imitz. M mir doch am nacht-
jmigen Moraen schon ein schönes Ataibel begesnet,
am 'rinsamen Berg. Und tzab auf meinem ganzen
Woq den Druck ihrer Fützchen j,ehen dürfen, bis
zum Gipfel, >als ich muihslam stiog. I-Hr witzt doch,
datz da» Glück bÄngt.?"

,.So freurn Sie sich nur, alter Sctzelin..ant-
wortete K-linglhart. ^

«Droben bei Euch ists fein qewesen und ich
komme wieder einmal, wenn ihrs leiden mögt.
Witzt, datz Ftzr nit immcr so einsain sseid", sagL-r
der Alte und nahm mit spitzen Ftngern das Haar
von Klingharts Iackenärmel. Er tzielt es frei gr-
aen das Sonnenlicht, datz cs tn vollom Glanze
blitzte... «jaja. die EinsMnkeitskrankheit. Wöhl.
wohl, da koimnt oft eimckal Genesilng über Nacht."

Klinghart aber nah.-n das Haar ans Gabriels
Hand nnd ringeltr es uin seinen Fliiaec.

..Siis sind e/.üohrt und wlssen viele Sprüche.
M-erken Sie stch auch diesen. Windbruchmasin: der
Schetn trüqt"

Smii/inend und sinaend trotbrte d?r Altc brrg-
ein und über dom Liedel. das -er summte, heckte cr
etwas alus, drm Wetterinachrr zuin Ruhiur'zu vrr-
hebfen, die Bauern übrr das Unwettrr zu orruhr-
gen und sich selbst ein ncuh viel grötzerrs Ansehen
zu sschaffon.

Äm Felsen fand er die Nachbarn schon schweig-
sam und erwartungsvoll orrsaimiMt. Iosof Gras-
ler fehlte, der k-elne Steickbruchhauslrr hattc das
zufrivdciiL Ausseihrn eines ibchaqlich aosättigten
Menschen.

Kaum beqriitzte-Gabriel die Bauern, so be-
gann irr schon sletne wotzl überloall- Nvde.

Kvank häbe er den Mettermacher ntcht gefun-
den, nur matt. todesmatt nach einonr schweren
Kampfe.

Sie fottten nicht mohr jammrrn über das Ge-
witter und den geringen Schaden. dcn es nnge-
richtot habe. Viel viel grötzj.'rer Schaden. ja. viel-
loicht furchtbarer Untersang sei von ihnen qewen-
det durch drn Hochschornmann.

Gabriel dümpfte gehetinnisvoll seine Stimme,
-als er jetzt erzählte:

..Er hat mir seine Zauberkücho «e.siqt und die
-gläserncn Dinglrr, dt-e er zum Wetterboschwören
braucht. Leut. ich versteh mich darauf. Wenn der
drobrn nit >auf der Wacht gewesen wär T>ag und
Nacht >wie ein Held, so wäre ein Weltensturm da-
hergrbraust. datz kein Stein iin^ Schorngrund wär
aulf dem anderen geblieben. Wisiet. ein Unhcil wie
dazumal, wls der Mechlermüller. der altir Dckltha--
sar. ein Kind gewesen ist. wo an Peter und Panl
iim Dorfe kein Dach auf seinem Hauso getzaftet hat
und die stärtsten Bäume geknickt stnd wie Halme.
Wo es dräutzen von 'ineinem Brrge ein Stück Gi-
pfel heruntergsworfen hat, datz der Tanizivald am
Hang gewesen ist wie geschoren. Und sietzrn Tote
sind gowesen im Beraland... und Bictz ist hu>-
wsrdcn rn Moi'.gstn. Ein solctzrr Stnrm hat üb'r
uns kommen sollen, Nachlmrn. Der droben tzat sein
Loben oingesetzt für uns.. nud nur das .Gewitter
ist tzereingeschlüpft in die Verqe... das schlimmc
Unheil hat vorübermiision. Wtzre ich heut nit hu»
'aufgesticgen zu dem Armen, wer weitz. ob itz>n dao
5>erz nit /.rlahmt märe. So niatt wie .r war. !-'
müd... zum Glllck woitz ich ein Sprüchl in 'ius
meipem Mcdizinbuch für solche Ziständ.. das die
verlorene Kraft ersetzt und nieinals versaat."

lFvrlsetzunq folatf <

Kunst und Wissenschaft

Sitzunq der Philosophisch historischen Klasir am
25. Oktobcr 1919

Vorsitz: Herr Bezold.

Der Selretär qab der Traner dcr Klasie um
das Hinscheiden ihres Seniors Fritz Schöll
Ausdruck.

Es wnrden folqende itlrbeiten vorqeleqt:

1. Von Herrn D>eubner tFrelburqi: „Bciner-

kunqen zn einiqen literar'schen Papyri aus
Oxyrhynchos". ^ _

2. Von Herrn Boll: aj cine Abbu'dlunq vo»
dem Direktor der Freiburqer UiuM"UitatsbibUo-
thek Dr. E. Iacobs: ..rlnt>ersuchuiiqen zuc v«e-
schichte dcr Bibltothek im Serai zu Konsrantino-

^^^bj Eine Abhandlunq von Prof. Dr. A. War»
 
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