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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61): Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1919 (September bis Dezember)

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Nr. 280-304 (1. Dezember 1919 - 31. Dezember 1919)
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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0603
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Debrauchte

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R. Kalmann.

ntag, 22. Tezembtr.
abends 5 Uhr

Außer Miete.

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nstag, 23. Drzbr.,
abendS ü Uhr

Außcr Micte.

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ltnerstag,25.Dubr.,
abends-ii'/z Nhr
AnßecMiete.

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61-

Iahrgang - Nr. 297

k)eidelberger Zeitung

Samstag, 20. Dezember 1919





kjauplschriftleiter: Nurt Fischer.

GegrünLet 1888

auswärtr I5pfg.


va-is«he Vost

wochenbeilage: Der vorn d

Landesorgan öer Deutschen liberalen Volksvartei Vadens

«auptfchriftleiter und veranlwortlich für den
^euilletcm, Kunst und Wissenschast, Theater und

;en und volkswirtschastlichen Teii Kurt Fischer, für da»
ustk. Neues aus aller Welt und die Unterhaltungsbeilage

sseuiueron, »UN,I UIIV -^yeaier uno wluil». vteues aus auer Luetl uno vle unrerylltlungsoellage

Nulius Kraemcr. für Baden, Osrtliches und Literätur Fritz Gandenberger von Moisy. für Turnen

Spiel und Sport Alfred Sch mitz, sämtlich inHeidelberg. Fernrus 182. - Berliner Dertretung: Berltn VVLl>

Dambergerstr.J. Fernruf AmtKurfürst318. - Für denAnzeigenteil vsrantwortlichLllfred SchmttzinHeidelderH
Fernruf 8r>. - Drpck und Derlag : Heidelberger Derlagsanstalt und Druckerei G.m.b.tz. Heldelberg, Hauptstr. 2^

Das Wichtigste vom Tage

Nachdem die Minister Schtnidt und Erzberg-r
auf dir Interpellation der Rechten Uber
-ie Stcmr- und Wirtschastspolitik der N 'gierunn
geant.-vortot hatten. lehnte die Mehrheit der Na-
tioimlverjammlung eine weitcre Besprechung atz.
!?arauf trat Vertagung bls znm 13. Ianuar
ein.

Wie der Vorwärts mitteilt. wird Schetde-
mann. trotz des Protestes der Bürgcrlichen. die
Wahl als Oberbllrgermeister von Kassel anneh-
I» L n. ^

Durch den Beitritt Meiningens zur
thüringkschen Staatensemeinschaft ist die Eini-
gung Thiiringens vollzogen.

Slm Freitag wurde in Dublin auf den
Bizekönig von Zrland. Marschall French. ein
Ättentat verllbt. ',as ihn aber nichl verletzte.

In Mesopotamien ist eine tllrkisch-arabi-
sche Lewegung im Eange.

Wegen drr Bcteilieung an d«n Pferde.
lieferungen nach Frankreich und Belgien
wird in Baden eins Vormusterung abgehal-
itn. _ __

Die Auslieferungsschande

Wio unser Bemllner Vertreter von unter-
richteter Seitä erMrt, willd Lie Neichsregie -
ruiig die Fratze Ver Aüslieser,ung ver wegen,
KriegsverLirochen angeklasten Persanen an ldie En,
tente erörtern. Es rvird ls dringenld miotwendig
erachtet, darüber nnt der Entente nach zu vevbcm-
deln, um -eine vereinfachte Lösung der Ausliefeaiung
zu fiüiden. Die» Namen dcr von der Entente ange-
klasten Personen sind der Regierung noch völlig un-
bekannt. Die bisher von d»r Ententevraffe ausgq-
srrochenest Vernmtungvn std isechr unsuoerlässig.

Eine bercchtigtc Frage

Dte onglische Wochenschkist New Statasnrans
schrerbt zu der Fvage der Aus>lieferuigdöuiischer Zi°
dil- und Militärpersonen, es erscheinie söhr zwei -
felhaft, ob die Auslieferung gogen die öf--
fentlichs Mei n ung in DeutMcmid dui chsu-
sühren sevn rooade. Näch der aügeiMicklichen Lage
sragt -es sich, üb es nicht bcffer wäve, von der an
sich gerechtsejrtigten Fovderung abzusehen.

Die Pserdelieferungen nach

Frankreich und Belgien

An den Pferdelieferungen uach Frankreich rmd
Belgien wird sich Baden einer amtlichen PreM-
ikotiz zufolge mit mehreren hundert Tieren 'bet-ckili-
gen müffen; insgesamt sind .nach den F: icidenÄbc-
dinguugcn >an Fruirkreich und Bslgien 700 Hengsto
und -lO'OOO Füllon und Stuten dos kaltblütigen
I2chlages abzuliefern. UmHie tatsächlich lieferbaro
Aöeuge au Pferden äinwandfrsi feststelleir zu kön-
nen, mivd zunächst eine Bor-musterung sämt-
licher zweiiährigen und ältüren Hengste sowis der
1^>iährigen und ältreu Stutfüllen und Stuioir -aller
^chläge «dluvch «ine besondere K om mi ss'r'on, der
auch der BszirkMerarzt angeböck, vorgenommen.
Die badischen Bezirksämter sind vom Ministerimn
ves Fmnvrn beauitragt wordrn, -älsdakd diese Kvm-
miffion zu ernennen.

„Wilhelm Tell'' im besehten
Gebiete

. > Der Frkf. Ztg. wird >au§ Wiesbaden berkch-
Zu eurer von Herzen komm-nden Protest-
runogebung gegen die' Erb i t t e r u n g er-
z^'P:.»don Uebrrgrisfo der Franzsjen wurde die
'lu s-ihriing von Schillers ,.W i lhelm T e l l" im
r.and-stl)eatcr. zu der die Eenebmigung erst n-ach
Martcn erteilt wurde, Nach den herzerfri-
-Mnd u Worten Stausfachers über Freiheit und
ireue zum Vaterlgnd und den Anklagen gegen die
''-mann.n Liach spoutan lauter Beifall iii demi
ausveröü!sft:st Hause aus. der sjch nach der Nütli-
nrinut-nlangom Fnb.-l steigerte. Von den
sranzösischen Osfizieren verlieston ei-
.»ige das Theater

Die Mitteilung von einem Verbot des Wer^es
"issi nicht ^.'.i, ni r wurd!) den mastgob.nden Kreisen
>!>cs.)eüvi> gt. kiie Dichiung nurnochalsIuge nd'
vvrste l lttn g /l g.bm. cchne Kartenverkauf. da
Mt „dte Osfiziere sich nicht abh.rlten lassen wür-
». »iit Bl«. i t pe it' che n iii die Vorstelvung zu
Französiichc - Kultur !

die internationale Lage

Die Berhandlungen in Paris

n-ehmen ü-ach übereinstrmnienlden Meldungen äinen
verhältnisinäsiig befriedigeiiden Vorlanf.
Es ist auif der Gegenseite das BestreLen nicht zu vor-
kennen, einen Verstän>diaungsausaleichzu-
ftnden. Freilich^Mst bei der Beuutoiluns ber Lage
berücksichtigt werben, batz die Kommiffion, rnit L-er
vdrhans-elt wird, nicht rur Entscheidung su-
ständig vst, sonldern dast erst der Oberfte Rat das
Schlußwor-t zu fällen hat. >

Die Gefangenenfrage

Bcrlin, 19. Dez. Jn der am 9. Derembör mitgci-
teilten Jnstruktioii an Hclrrn v.Lersner wurbe dieser
gebckair, Dutasta zu fr-agen, b die Zertmrgsnachricht
zutrefse, dab Elomenceau die Heraus-sabo dsr
deu?schen Gssangenen auslüirdischen Iourna-
listen gegenüber von dmn Etntreffen ldeutscher Ar-
beitor stn Wi sder^a ufb auseb iet abbäw-
gig ssmacht haben solls. Aavf eine Frass Lersners
erklärte Dutasta, es sck u n-r i ch t i g, dak Clemon-
caau Preffovertetern gsgenübsr ldie Aaußerung ge-
tan habo. Dies entsvreche nicht den Absichten
Clemsnceaus, Ler die Gefangenenfrasä mit
keinerandernFrageverquicken wolls.

Haag, 20. De^. Thurchill erklärte -om Freitag im
Unteobaus. daß die doutschen Kriessgefa»genen in
Britösch- In >dien ungefähr am 2-1. Dezember Au-
dienverl-assckn woiden!.

Lloyd George über die Lage

Jm Uiiterh-a-us verbreitete sich Lloyd Georgr
in länserer Rede über die Lags. Nachdem er zu-
nächst der Hoffnung Ausdruck gegeben hatte, datz es
der italienischen Retziörung gelrngcn werde. -die
Ftum-osrage ol>ne E-sfährdung der Znteveffsn
anderer Dölker und! Müchte zu >löse>n. evklarte er zum

Die Lage im Osten

Aus Könissberg wird s-mcldet: Das letti-
s ch e und litauische Gebiet ist seit dem 16. Dez.
krüb oollkommen von all-en Teilen dsr westruffisckren
Armce g e r äum t. Die deutsche Legion u-nd
die eiserne Division begann den Abtrans-
port nach dem -Neichsinnern. Verstärkungs-
truvpen aus deni Reichsiuneru troffen in dör
aächsten Zett ern. Nach den Vleldungen des Grenz-
schutzes ist die litauisch» Erenge von Dauroggen bis
Nuffisch-Krottingen an allen Uobergänsen mit li-
twuischen Posten bes-ekt. Die Er-enzpoften nord-
uresilich von Oisonay wurden von Banden erf-olg-
los angegriffen. In Litauen herricht allgümeine
Dandenbildung bo-lüchewistischer Art. Zcchl-
rcich.' Bitten um Schutz vor diesen Banden golansen
an oie Eiserne Dioision.

Deutsche Dertreter beim AeMgen
Stuht

Nom, 20. Dez. Der Corriere d'Jtalia inöldet, dvtz
der zur Zeit SIM Vertreter beiim Heiligen SluHl
ernannte Herr v. Bergen demnächst tn R-om ckn-
tresfer; und tw Äck Villa Bon-avarte Wohnung nöh,
inen wivd. Der bcryrischs Vertrcker >beim Heiligen
Stubl Diretter wirb ebenfalls wiöder nach Rvm
zurückkehveii und seine Wohnung im Palqis Gan>
telli nehmeit.

tzelsserichs Geldstrafen

Berlin, 19. De». Der zweite Untersuch-
ungsausschu-ß des parlamontarischen Unter-
suchuiigciaus.chuffes der NationalveisimimLuing faßto
auf bie Bsschwerde des Staatslsokrckärs Helffe-
r i ch mst 4 gogen 2 Stimmen bei einer Äilmmonit-
baltung den Doschlutz. mrch deim die Boschaverde zu-
rückgewicsey willd,>a sie sich gegen die am 16. Nov.
sestgckegte Goldstrcrse richtot. Nechtliche Gründe
liogen nicht vor. Die am 17. Novomlber verhängte
Geldstvaf-e wird aufgöhoben-, da in dissem zweiten
Falle nicht Geldstvafe, sondern Zwangshaft zuläffig
sow<-on wärs, eine solche aber nachträglich ntchr
fesigesekt wevden kann.

cnglisch-franzöfischen Uebereinrommen.

daß es unmöglich sei, die Lage von dem -Standvunkt
aus zu besvrechen, als ob die Bsi-einigtan Staaten
den Frieiden nicht ratifizieren würden. Englanld
babe eine solche, Möglichkeit nis ins Auge gofatzi.
lleber dio russische Frage sagte der Mrniister-
vräsidMt, daL die Alliierten getzenüber Ruhtano
eino Mwartend^ Politik veiifolgen und m-it ihm
Frieden schlietzen werdc>i, falls es eine basostigte
und richti^e Regierung, die eine wirkliicheVertretung
dcp ruffschen Volkes davstcllt, eingesekt haben wird.

Für Oesterreich hätten ldie Alltierten alles
getan, was in thren Kräften stand, um serns ver°
zweifelte Lage zu erleichtern. Die könnten weiter
nichts tun, es soi denw, dab die Veroinigten Staa-
tvni mit iHren ergiebigen Hilfsquellen in diiöser A>n-
gelegenbeit Eurova e'men grotzcin Teil der Lasten
abnehmen würden.

Die Unterzeichiiung des Friedens mit detr Tür-
k e i wurde nur dcshalb hmausgchchobeu. um den
Vereinigten Staatcjn zu gesiatten, rhre Entlschöldung
zu 1-rcfsen. Die -Miierten sähen dio Notwendigko''i
e'rn, sobakd als möglich F r iede n zu schl'i^cn. Sie
werden in dieser Frage .lächstens in London oder
wahrschsinlich in P a ri s die Bcsprcchungen wuder
«ufnehnren. Wie aiich die Beschlüffe Vercinigten
Staatcin sem mögen, Grotzbtitannien *sei fest ea:
schlossen, dio Dirrw irkbich im g des Völke r>-
bundeszu einem gutew EnLe zu fuhreii. wckl d'is-
ser zur Aufrechtsvhaltung des We-lt fr i ed e n s
eine unbMngte Mtwendigkeit sei.

D'Slnuunzio bleibt in Finme

Paris, 19. Dez. E'me-Nachricht au? Rom meldet,
dab d'Annunzio seine Absicht kundgab, in Fiuiick zu
Lleiüen und dasi' -oii die Frage der Besekung der
Stadt durch reguläre Truvven durch Volksa - -
st i m mung ihrer Entschöidung suführeii wollo.

Araberaufstand in Mesopotamien

?smstcrdam, 19. Dez. Der Tolegraaf mc>ldet >aus
London: Dio engli chen Blätter bcrichten über
einen ernstmi AuDand der Araber Mesopot <v-
miens. Die Stadt Bhezozzor (?) wmde'von ara-
bischen Truvven gsnominen uud die dort-igen Ne-
gievungsüäbäude vollkommen eingeäschert. Eine
größero türkisch-arabische Bewegung W im
Gange. Türki/che Streilkräfte rücken am Euphrat
entlang vor. E,s bc-steht die Gchahr, daß ein Zu-
sammenstob mit dcn britischen Truvpen erfolgt. Dre
Vewegung ist sehr c- r n st.

Die Elnigung Thnringens

Weimar, 19. Doz. Der Volksr-at von Thürin-
gen hat in svruer heutigen Sitzung dsn vam iWi-
niuger Lcmdtaa in se'mer Denkschrvft vonr 12. De-
zember 1919 gestelltqn BedinMngen Mer dsni E i n-
trttt Moi,iiiiaens' in dio thüringiische sStaa-
tengomebnlschaft einmütig zugesti-mmt und böschloffon.
ckve Kommission ernzusehen, d-ie die Begiohmigen
zum Reich rogeln und neue VeiHaiidlungen m'n
Prouhen in die Moge leiten soll zum Zrvecke' der
ALtretung vreubilcher Eebietsteilo m die
tbürinstsche Staatengeme'mschaft. Durch den Bei-
tritt Merningens zur tHüringischm Staatengenroiii'.
schast rst nunmehr der Zusirinmenlschlub aller thü-
rrngischen Gliedstaaten -mit LÜu-snahme von Coburg.
dus in Bayern aufgehen will, erfolgt.


Wahlniederlage der Linksparteien in Danzig

Bei den Stadtverordnetemvaihlen in Danzig
vertetllvi» sich.die 66 Sitze wie folgt: Dcmtschnatio-
nale 14. vereinigte soz-ialdemotratische Parteiön
20. Zentrumspartei 8, Deutsch.'einokrat'M 0. Wirt.
schäftMe Vereinigung 10. Polen 6. Die Domokra-
ten haven durch das Ausstellen -einer Sondcrliste
-der WivtsckMftlichen Bereinigung. an deren Spitze
der frühere fortschrittliche Abgoordm.'te Kerutlh stand
eine starke Einbusie evlitten. Die Zahlen der für
die einzölnen Parteion absegcbenon Stimmen zei-
gen, dast es eine schmere Wablnieverlage der Lirüv-
part-'ion war. Dte Wahlbeteilliigung war beträcht-
lich schwächer >als sin Zamiar. aber den Llusfall ha-

* Dcr Belage-u iqs.:ttstand über Sachsrn nürd
dcnmächst nufgehoben meraen. Dic sachsische
Regicrung hat einen entsprechenden Antrag an den
Neichspcäsidenten aerichiet.

ben dje Sozialdcmokraten u. die D.n'.okraten zu tra-
gcn. Die Stimmen der beiden s>ozlaldemokratischen
Parteien fanken von 46 232 auf 26 854. die Sttm°
men der Domokraten von 27 217 E 12 022.

Wenn der Friedensvertrag in
Krast ist . . .

Als Anfang Oktober Victor Emanuel von
Jtalien seine Unterschrift unter den Friedens-
vertrag von'Bersailles gesetzt und damit die
dritte alliierte feindliche Hauptmacht das Ver-
sailler Dokument ratifiziert hatte, war mair
mit gutem Grund zu dcr Annahme Lcrechtigt,
dasi biunen kurzer Frist der Friede auch wirklich
in Kraft treten würde. Die Verhältniffe ha-
ben anders entschiedeu. Amerika, auf deffen
Zustimmung die Entente damals sicher rechnete,
hat unterdeffen aus der Reihe der Entenrte-
mächte den Rückzug angetreten, und Eng'and
und Frankreich sehen sich nun sehr gegen ihren
Willen in die heikle Lage versetzt, den Frieden
ohne Amerika in Kraft treten zu lassen. Als-
bald nach Unterzeichnimg des Eewaltfriedens
im Juni d. Z. Reuter ein Telegramm durch die
Welt jagte, daß mit der Ratifizterung und dem
Znkrafttreten des Friedens erst in 3—4 Mo-
naten gerechnet werden könne, hat man vielfach
wohl diesen Zeitpunkt für übertrieben lang ge-
halten. Aber schon damals wiesen in diploma-
tischen Dingen eingeweihte Persönltchkeiten
darauf hin, daß sich die Inkraftsetzung des Frie-
dens durch die Widerstände Amerikas zweifel-
los so weit verzögern würde. Nun will aber
die europüische Entente um ihres eigenen Pre-
stiges willen-die ZustünmunFLlmerikas-Uicht
mehr abwarten, und wie die Dinge jetzt liegen,
ist der endgültige Frisdensschluß in den näch-
sten Tagen zu erwarten.

Frieden? Wir haben einst geglaubt, daß
uns dieses Wort etwas anderes b deute»
würde, als es uns nun nach dcr furchtbaren
Niederlage, die Deutschland erlitten hat, bedeu-
ten kann. Denn nur politische Kinder könne»
sich einer Täuschung darüber hingeben, daß
mit dem Eintritt des Friedenszustandes auch
wirklich Fr iedeu in Dcutschland eintre-
ten wird. Wie wäre dies auch möglich, wo
doch schon mit dem ersten Tage des Jnkrafttrtzv
tens des Friedensvcrtrages seine 'ganze Furcht-
barkeit über uns hereinbricht.

Mit dem Tage, wo der Friede in
Kraft tritt, ist Danzig keine
deutscheStadt mehr. Ihre Dürger ver-
lieren die deutsche Reichzangehörigkeit. Be-
reits innerhalb der nächsten 10 Tage mutz
Nordschleswig von den. deutschen Trup-
pen und den deutschen BehörVen, und inner-
halb 14 Tagen Ostpreutzen und O'ber -
schlesien zugunsten der alliierten Kommis-
sionen geräumt seiu. Unter welchen Auspi-
zien sich die Abstimmungen in diesen Eebieten
vollziehen werden, davon kann man sich eine
Vorstellung machen, wenn man von einem Aus-
spruch hört, der kllrzlich von einem führenden
Mitglied der Pariser Friedenskonferenz getan
worden ist: „Die Abstimmung ist lediglich eine
Formsache, an der Tatsache der Ab-
trctung kann sie nichts ändern."

Mit dem Inkrafttreten des Friedensvertra-
ges setzt aber auch die vollkomniene Ent-
waffnung und W e h r l o s m a ch u n g
Deutschlands ein. Mit Hochdrnck wird an
die durch den Versailler Friedensvcrtrag vpn
Deutschland übernommene Verpflichtung zur
Zerlcgung aller Ueberwasser-Kriegsschisse her-
angegangen werden müssen. Znncrhalb der
nächsten vier Wochen hat Deutschland kein
Unterseeboot und keineDocks für Un-
terseeboote mehr. Nach acht Wochen bestcht
dns deutsche Heer nur mchr aus 200 000
Mann. In gleicher Frist müffen'die deutschen
Mnffen, Munition, das Kriegsgerät, sowie allo
zur Anfcrtigung bestimmten Werkzeuge und
Maschinen den Alliierten zur Zerstörung und
Unbrauchbarmachung ausgoliefert wer-
den. Nach drei Monaten gibt cs westlich einer
Linie, die 60 Kilometer östlich des Nheins ge-
zogen ist. kcine Festungswerke, Festungen und
Landbcfestigungcn mehr.

Vernichtend in seiner Volkskraft aber
tr'.fft Deutschland die Beftimmung, datz inner»






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