Za-rgang - Ar. zz
Pl>ft crschcint wvchcntlich stelicnmal. BcUagen: DtLaskalia
^Ü^I,ngr-^,?7"^rhaItungsblatt lFreilags» — Litcraturblatt smonatltch).
—--- "rnge ohne Berantwortung. Rilcksendung nur, wenn Porto beiltegd
Heidelberger Zektung
(Gegrüridet 1868)
und
Handelsblatt
Samttag, 3. Iebraar 1923
HLuptgeschS'trftelle u. Schriftl. der.Badifchen Post'Heidelberg.S-uvtstr^ll, T-rnWu:
Nr. 182. cV°rlaa--rt-Franlsurt°.M.> Berliner Nertre ung: V-rlinSV48 Ztmmer.
stratzeS.Fernkvr. Asntr.41k.MünchnerVcrtr.i Munchen,Lcvrgenftr. l»7, .rcrnspr.81667
der.Bad. Post" Mk. 1900 - (ausschl. Zustelkgebühr). SelLstabhol. Mk. 1850.-. Auslend Mk. 4000.-
b, ^5 zum 2. ted.MtL. airgenoinrlnn. Am 1 u.2. noch gelief. Zeitungen sind nach d. Einzelverkaufspreis zu btz,
^^^^^^Uizrluummer Ml. 75.—. Jsi dieZeitung am lkrscheinenverhindert, bisteht lcin Anspruch auf Entschädlgung.
Anzcigenpreise: die 44 ww breite Nonpareillegeile kostet:lokale Stellengcsuchs Ml.80 -, kl. Gelegenheitsanzeigen Ml. 40.-,
Familienanzeigen Mk 40.-. GefchSftsanzetgen Mk. KS.-.Finanz- und Jndustrieanzeigen Mk. 100.-. M't Platzvorschrtft und
MontagsMk.5.-mehr. Die 98 mw breite Reklamezeile kostet Mk.IKOAnzetgen und Rellamen von aurwarts 25°/» höher ^
Die KvhlenbloSade.
^lichey BemLhungen der Franzosen. — Neue Gewaltakte.
Eigeue DrahtmelLung.
geschieht im Nameu des Rechts ganz allein zum Schutz einer
französischen Jngenieurkommission.
Jn Brechten wurden Donnerstag abend ein Bergmann und
ern SHuldiener Hanmann von französischen Posten erschossen.
Nähere Einzelheiten fehlen.
^ ldie » Tssen, 2. FeLruar.
di^tzef^blenblockade Deutschlands ist jetzt völlig
A^tiirj.brt worden. Auch die gestern noch freien Linien sinü
v.vd mit Maschinengewehren gesichert worden.
, sl Ud>, " HEen auch-Kohlentransporte an, die für Hollaud. die
'ien bestimmt sind. Nachdem die ersten sranzösischen
und Koks selbst zu ersassen, vollständig ge-
treten die Franzosen jetzt abermals an die staat-
beran, um Lieferungen nach Frankreich und Belqien
, eg ^oil der Derwendung von Militär ist diesmal Abstand
^chtzsm in Vcrtretung der staatlichen Bergwerre Ober-
mündlich und schriftlich die Verladung von Kohlen
^l^losisch ^nnkrelch und Belgicn abgelehnt hatte, versuch-
tz!!"-'
- Zivilkommisiare unmittelbar mit den einzelnen Zechcn
Nehmen. Aus dem Möllcrschacht, wo eins der-
» 't s, ^oirim'tt- »»>> oem wi o r i e r i m a cy r, wo eine r
ir'"sision bis aus den Zechenhof gekommen war, wurde sie
«L? sigg-,^-r w e h r aus den Zechenanlagen entfernt. Auf
»/^tzen 3°^°» wuvde dcn Kommisiionen dei! Zutritt zu den
^i, , ^>">ch am Eingang verweigert.
^lusbeutung der staatlichen Forsten wird jegt von
: iieit„„ -versucht. Das Direktionskomitee für Forsten der
M,-!- Düis f^ommission hat dem Regierungspräsidenten «Srütz -
7» jv 5^orf den Text von vicr Äusführungsverordnungen zu-
u>it?e"^n ihm der Befehl crteilt wird, die Bestimmungen
Aotollten Forstbeamten mitzuteilen und ihrc Ausführung,
!khEsi>erungspräsident Erützner hat dem Direktionskomitee
^«, f^" nicht nur die^Weitcrgabe der Verordnung-n a b
aüch jede Mitwi 'rkung bei der Durchführung
A . swnzösischen Matznahme.
man jetzt unmittelbar vor
,-M'lt, -7.unot stehe, werden vom Reichskohlensyndikat nicht
5 -^hi chtungen. dah
V-sil^t. stehe, werden i>vm oeeiei,! , ,, ..
Reichsbahn hat sich Lereits im Sommer stark mit
^chle eingedeckt, ebenso ein grotzer Teil der deutscheu
'seh, L?usbranLkohle ist infolge des milden Winters noch in
"uisang vorhanden. Die Kohlcnsperrc hat bereits
grotze Verkehrsftockungen
^u Die Bahnhöfe Vorhalle und Lünen-Süd
, ü -i« Z'giinzlich verstopft und aus dem Bahnhof LUnen-Nord
?->i ^ v x ^?ulenzüge in langen Reihen und machen jeden
'«»?Uch v. i ahr unmöglich. Der Eingriff in den Verkehr
" g °is vier Tagen zu einer vollständigen Lahm-
Dann mutz die Lebensmittelversorgung durch
dga ??"Etel erfolgen falls die Franzosen bis Lahin nicht
'Urr ° "°ue Fehlschlag wieder ein Versuch am unrechten
vacki Forderung der Franzosen, die leeren Kohlenwazen
?"ri>,?h>ier^ -?em Ruhrgebiet zurllckzutransportieren, haben die
?>>fg/urikt abgelehnt. Nach einer Drahtung aus Köln
h,: Uivien >>» ganzen Eisenbahndirektionsbczirk Köln wieder
Nachdem die Franzosen die Bedingungen der
hftttep ^isenbahner Vorbehalt angenom-
Rejs,' Äuch in Mainz sind ähnliche Verhandlungen im
h ^bverkehrsminister Eröner hat an die Eisenbahudirek-
^Ursisiden^hrsminister Eröner hat an die Eisenbahndirek-
vV' dak- c ? im besetzten Gebiet einen Erlatz gerichtet, der an-
K ''ine?°-°lle- ' - -
^i^Ni cx' ? verlangten Anleitung fre
si Seht deutlich hervor. datz die
^r Eisenbahner absolut f o
Per,
Methode des passtven
Uhv?? wH Eisenbahner absolui folgerichtig fort-
° vogs datz also gegenteilige Vchauptungen der „Roten
Djx ^ vmnien gegenstandslos sind.
dg^ep^unzösischen Blättern gebrachte Nachricht, die Deutschen
r»hl^n v e i n l an d ka be l d u r ch s ch n i t t e n, ist offenbar
Ndö? k«j i uzosen erfunden worden, um die eigene Un-
!>»„?u verdecken, oder um das Vorgehen der franzosischen
d>° Ruhrbevölkerung zu erklären. Alle Schaltstellen
r» bei k uls von Dortmund bis Düsieldorf sind von den
»icht . b>° haben entweder mit der verwickelten Ein-
Ak>i». » r--. >?rtig werden können und aus Unkenntnis einen
:^>e °"n räi.n.' 77" Fehler liegen, geschweige denn sie beseiti-
"hia??»d u die Schaltestellen und gebe dem deutschen Psrsonal
lejn ' °nn wird das Rheinlandkabel bald wieder betriebs-
isi j^Uz
8emes?^"'p^ebiet werden weitere feindliche Brutali-
. ksi,;« ^Utsch-n 'm schlug in Weitmar ein französischer Offizier
V" d lsiolizeibeamten ins Eesicht, als dieser dem
?5it > Poli,/-^ vrrweigerte. Aus dem gleichen Anlatz wurde cin
en d- r r N„??u>nter von einem Offizier der Besatzungsarmee
!.°8ü: Polizeii^ i t s ch e m i tz h a nd e I t und dann verhaftet.
b-^oamtenschaft haben dicse Vorfälle äutzerste E
. , . . _ . r-
^ . Jn Dorsten lietzen zwei belgische Ofsi-
„-?">t>e, Ehefrau, Kinder und Dienstboten, nach-
-r- -.unaae,?. .uanden darauf, datz ihnen autzer den Lblichen
?h>le n tten n^^anchen auch Kinderbadewannen, Kin-
°is-.'>>h uw > n d e r w ä s ch e geliefert werden. Sie haben,
^iziÜÜ ZimmeÜ -u kLmmern in Prioat^
* * - sein? .!" Anspruch genommen und hat seine
^ "otet,-^.-ÄUtter, Mei unverheiratete Schwestern und eine
^chwester mit zwei Kinder» bei sich wohnen. Älles das
Europas Aiedergang.
Die schwedischen Bischöfe a« Harding und Poincare.
Stockholm, 2. Februar.
Die schwedischen Vischöfe haben dem Präsidenten Har -
ding, dem Erzbischof von Cantervury, Poincar 4 und dem Erz-
bischof ron Paris eine Kundgebung zugehen lasien, in der ste sich an
die Mitchristen aller Länder und an die verantwortlichen Staats-
männer, bdsonders den Präsidenten der Vereinigten Staaten, wen-
Len. Jn dieser Kundgebung heitzt es:
„Niemand kann die vielen zählen, die LLerall in der Welt von
dem, was jetzt gejchieht, im Jnnersten empört stnd. Wir hofften
nach dem Kriege auf den Segen des Friedens, aber das Zu-
sammenlxben der Wlker Europas hat sich v e r s ch l i m m e rt.
Hunger, Eift und Bitterkeit in den gekränkten Seelen, körperliche und
sittliche Ansteckung verheeren ununterbrochen edle Teile der mittel-
europäischen Menschheit. Jetzt schneidet Waffenmacht unter dem
Deckmantel des FrieLens grotze Stücke aus dem Lande eines ent-
waffneten Nachbarn und verschlimmert dadurch dessen himmel-
schreiende Not. Der Fluch, der dadurch gesät wird, wird neue,
noch entsetzlichere Kriege zeitigen, Lenn was der Mensch
säet, wird er ernten: das hat der Weltkrieg, der Erund sür das lln-
heil Europas, zur Eenüge bestätigt. Jetzt macht man osfenbar die
Machtgier und kurzstchtiae Selbstsucht zum höchsten Eesetz,
statt Lhristi Gebot zu gehorchen. Wir richten niemanden, denn unser
Wissen ist Stückwerk, aber wir verurteilen die Methode der Gewalt.
Die Eewissen und Herzen der ganzen Welt werden von der Frage
erregt, was nun geschehen soll. Wir, die Diener der Kirche Schwe-
dens, eritzahnen unsere Mitchristen in Frankreich und allen Ländern,
mit uns Eott um Klarheit und Kraft zu herzhafter Tat anzurufen.
Die Frage des Friedens und der noiwendigen Entschädigung mutz
aus dem gegenwärtigen Sumpf von Vergeltung und Kriegsdrohung
auf die HÜHere Ebene gcgenseitigen Vertrauens und guten
Wrllens gehoben werden. Die Menschen sollen vergeben, wic
sie selbst Vergebung erhoffen. Wir bitten die verantwortlichen
Staatsmänner, on erster Stelle den Präsidenten der Vereinigten
Staaten. durch Herbeisührung einer Vegegnung und einer ehr-
lichen Aussprache zwischen den Vertretern der Mächte so bald
wie möqlich einen Ausgleich der täglich mehr und mehr unleidlich
und unheilvoll werdenden Sxannung zu veranlassen."
Der Aufruf ist von dem Erzbischof Schwedens in llpsala und
sämtlichen übrigen Vischöfen Schwedens untsrzeichnet.
Das Kttkzeug polncares.
Dr. Cuno iiber den lctztcn Beschluh der Reparationskommission.
Von unserer Berliner Redaktion.
Berli», 2. Februar.^
Reichskanzler Dr. Cuno erklärte in einem Gespräch mit dem
Derliner Korrespondenten der „Neuen Freien Presse" über
dcn letzten Vcschlutz der Reparationskomnnssion, das Moratoriums-
gesuch der deutschen Regierung abzulehnen und dar Londoner Diktat
wieder in Kraft treten zu lassen, solgendes: Die sranzösischen Zei-
tungen meldeten, datz sich das englische Mitglied beim Beschluh der
Abstimmung enthalten habe, suchten dabei jedoch zu verschlciern, datz
der englische Delegierte durch die Stimmenthaltung gezeigt hat, daß
er gegcn das französische Projekt sei. Nach einer ausdrücklichen
Bestimmunz des Versailler Vertrages sei die Stimmenthaltung eines
Delegierten als Ablehnung des zur Diskussion gestellten Vor-
schlags anzusehen. Der Beschlutz würde also jeder Rechtswir-
kung entbehren. Alle in der Reparationskommission vertretenen
Regierungen hätten die Notwendigkeit erkannt, die Endsumme
der deutschen Zahlungsverpslichtungen zu ermätzigen und
Deutschland sür die nächsten Jahre einen Zahlungsaufschub
zu gewährcn. Es sei nicht verständlich, inwiesern durch die sranzö-
sisch-belgische Ruhraktion, die das Zentrum der deutschen Wirtschafk
zu zerstören droye, jede Notwendigkeit beseitigt worden sein soll.
Die Reparationskommission setzte sich deshalb mit ihrem Beschlutz
nicht nur über ihren früheren Ausspruch, sondern auch über die Be -
stimmung des Versailler Vertrags hinweg, die die
Reparationsverpflichtungen Deutschlands von seiner Leistungsfähig-
keit abhänqiq macht. Aus diesem Erund kann die deutsche Negierung
den Beschiutz der Reparationskommisston nicht als gerecht-
fertigt anerkennen.
Mf der Suche nach neuen Kriegsgründen.
Paris, 2. Febr. (Eig. Drahtm.) Wie verlautet, beabsichtigt die
interalliierte Kontrollkommiision in den nächsten Tagen
der Botschasterkonferenz eine neue Verfehlung Deutsch-
lands zu unterbreiten. Es soll sich um die Verletzung mili»
tärischer Bestimmungen des- Fricdensvertrags betr. die Abliefe-
rung von Wasfen handeln und zwar um eine Verletzunz jener
Bestimmungen, die schon im Abkommen von Spa samt militärischer
Strasmatznahmen festgelegt wordcn sind- — Das „Echo de Paris"
berichtet: Da die deutsche Regierung die am 31. Januar fällige
Zahlung von 5 00 Millionen Eoldmark nicht geleistet
hat, bleibt der Reparaticnskommission nichts übrig, als in der näch-
sten Sitzung von der neuen Verfehlung Deutschlands
Kenntnis zu nehmen und sie den beteiligten Mächten bekanntzu-
geben. — PoincarS sucht offenbar nach neuen Vorwänden, um
weitere Sanktionen gegen Deutschland verhängen zu können.
Ser Mainzer Gisenbahnerstreik gehi weiter.
Mainz, 2. Febr. (Eig. Drahm.) Heute vormittag wurden zwi-
schen den streikenden Eisenbahnern und den französischen Behördcn
-Verhandlungen auf Wiederaufnahme der Arbeit eingeleitet, die
ergebnislos im Laufe des Nachmittags abgebrochen wurden.
Dcr Streik im Direktionsbezirk geht aljo weiter.
Amen'ka md der Rirhremfall.
Trotzdem Neichskanzler Dr. Cuno mit erfreulicher Klacheit
und Beftimmthcit darauf hingewiessn hat, datz wir, vorläusig wenig-
stens, ganz auf di« eigene Kraft angewiesen sind, scheinen die Auge»
weiter Kreise noch immer auf Amerika gerichtet zu sein. Mit
derselben Zuversicht hat man bis vor kurzem nach London geblickt
und ist «nttäuscht worden. Senator Borahs Vorwürfe gegeu
die Rogicrung haben natürllch viel dazu beigetragen, neue Hoff»
nungen zu wecken, was wohl insofern verständlich ist, als die voa
ihm abgegsbene Erklärung so einfach und überzeugend ist, datz die-
jenigen, die sich von den Verhältnissen jenjcits des Ozeans besonders
von dcm, was drllben „öffentliche Meinung" heitzt, keinen rechte»
Begriff machen können, nicht verstehen, datz mrt einer solchen Lr«
klärung nicht gleich die übergrotze Mehrheit unparteiisch urteilender
Leute gewonnen sein mützte.
Die Erklärung Borahs hat sosort eine offizielle Antwort er-
fahren, die in einem kurzen Auszug in den kontinentalen Zeitungen
veröfsentlrcht worden ist, die aber ihrer grotzen Bedeutung wezrn
ausführlicher wiedergegeben zu werden verdient, zumal ste zeigt,
datz die Untätigkeit der amerikanischen Regierung in der Ruhr«
angelcgenheit weniger mit der Frage zusammenhängt. ob Las ofsi-
zielle Ämerika das Vorgehen der Franzosen für berechtigt hält oder
nicht, sondcrn datz ganz andere Erllnde, vorläufig wenigstens,
irzendwelche Schritte von drllben sehr unwahrscheinlich
machen, wenn nicht gänzstch ausschlietzen. Datz das Staats.
departemcnt es für geboten hielt, dem Senator sogleich ausführlich
zu antworten, trotzdem der offizielle Standpunkt schon so ost dar.
gelegt wurde, ist an und sür sich bezeichnend, da stch das nur damit
erklären lätzt, datz man den Eindrnck fürchtet, den Vorahs Dar-
legungen im Lande machen könnten. Der Appell dieses Senators
an das Eewisien des amerikanischen Volkes hatte das Verdienst, dt«
ganze Frage auf ein anderes Niveau zu heben. Er hat, wis
ein Blatt sich ausdrückh, die Diskussion aus dem Eebiet diplomatischer
Pedanterie herausgerissen und die Regierung darauf hingewiese»,
datz eine grotze und mächtige Nation der Menschheit gegenüber Ver»
pflichtungen habe, dre ohne Rücksicht auf Formalitäten, furchtlos,
das heitzt also ohne Nücksicht aus eventuelle llnannehmlichkeiten,
durchgeführt werden müssen. Das junge Amerika solle das krank»
Europa zwingcn, Vernunft anzunehmen und den ungerech.
t e'n G e w a l t t ä t i g k e i t e n ein Ende machen.
Die offizielle Antwort — und darin liegt ihre Dedeutung —
versucht nicht, die Argumente Vorahs zu widerlegen, sie sagt ntcht,
Lie Rcgierung stche auf dem Standpunkt, datz Deutschland jetzt dir
Suppe ausessen müsie, die es sich selbst eingebrockt habe, wie Washing-
toner Darstellungen der französtschen und eines Teiles der britischen
Presie behaupten, sondern sie lätzt im Eegenteil schr klar durch.
blicken, datz die amcrikanische Regierung nicht das geringst«
für das französische Auftreten übrig hat, und deshalb auch
keinen Dersuch macht, dasselbe zu erklären oder gar zu entschuldigen,
aber ste führt gleichzeitig an. worum nach Anssasiung des ameri-
kanischen Staatsdepartements trotzdem für den Augenblick nicht»
mehr geschehen könne als geschehen sei. Die Erklärunz er-
innert daran — und zwar mit einer Ofsenheit, die man bisher ver-
mitzte —, datz Frankreich bis zum 8. Januar wiederholt und feier»
lich in Abrede gestellt habe, irgend ein militärisches Unternehmen
an der Rnhr vorzuhaben. Sie betont die unangenehme Ueber«
raschung und den peinlichen Eindruck, den die wirklichen Ab«
sichten nicht nur in Amerika, sondern auch in Erotzbritannien und
Jtalien gemacht hätten, als diese bekannt wurden. Ein Protest
unsererseits, so heitzt es ausdrücklich, hätte also nur einer vollendeten
Tatsache gegenüber gemacht werden können. Ein solcher Protest
hätte keine Wirkung mehr haben können, nachdem die sran-
zösischen Truppen bereits auf dem Marsch waren, er hätte nur d«H
Widerstand der Deutschen stärken und zn Verzwciflungs.
taten fiihren können, die die Sache nur noch schlimmer gemacht
hätten. Und mehr, er hätte die Stimmung in Frankreich so gegen
die Vereinigten Staaten aufbringen können, datz spätere Einwirkunz
unmöglich gewesen wäre. Diese Gesichtspunkte veranlatzten uns,
den Gedanken an einen Protest auszugeben, weil ein solcher nur eine
leere Eeste odcr eine Quelle unberechenbarcr Eefahren hätte werden
können. Weiter führt die Erklärung aus, datz Erotzbritannien und
Italien die Erönde für einen Protest viel eher hätten erkennen
müsien als die Vereinigten Staaten. Man habe erklärt, datz Frank-
reich den Versailler Vertrag gebrochen habe. Wenn das dcr Fall
sei, dann hätten Grotzbritannien und Jtalien eingreifcn sollen: da
di« Vereinigten Staaten den Vertrag nicht ratifiziert hätten, seien
aus alle Fälle keine amerikanischen Nechte verletzt worden. Erotz -
britannien und Italien, heitzt es weiter, hätten mit
vollem Recht eingrcifen können, und die grotz« Be.
deutung der in Frage stehenden Entwicklungen für Leide lietz auf
den ersten Blick einen Einspruch wünschenswert erscheinen —
aber andere Erwägungen gaben den Ausschlag: der Ernst eines
solchen Schrittes, wenn eine Eroßmacht formell gegen die Politik
einer anderen Erotzmacht protestiert — »nd dann die Tatsache, datz
die Schnelligkeit des unerwarteten Vorgehens einen Protest von
vorneherein aussichtslos erscheinen lieh.
Auf den Vorwurf Vorahs, datz die Vereinigten Staaten ener«
gischere Schritte hätten unternehmen müsien, um eine inter»
nationale Konferenz zur Regelung der wirtschaftlichen
Probleme durchzusetzen, antwortet die offiziell« Erklärung, eine
solche Konferenz hätte natürlich viel Gutes schaffen können, aber
die Haltung Frankreichs hätte sie unmöglich gemacht. ^lls Belgien
eine solche inteinationale Beratung anstrebte, habe Frankreich drut-
lich gezeigt, datz der Plan ihm unangenehm sei. Wllrde dic
Union einen besseren Erfolg gehabt haben? Die sranzösische Regi«.
. rung würde einsach die Bedingung gestellt haben, datz die Kr isgs-
Pl>ft crschcint wvchcntlich stelicnmal. BcUagen: DtLaskalia
^Ü^I,ngr-^,?7"^rhaItungsblatt lFreilags» — Litcraturblatt smonatltch).
—--- "rnge ohne Berantwortung. Rilcksendung nur, wenn Porto beiltegd
Heidelberger Zektung
(Gegrüridet 1868)
und
Handelsblatt
Samttag, 3. Iebraar 1923
HLuptgeschS'trftelle u. Schriftl. der.Badifchen Post'Heidelberg.S-uvtstr^ll, T-rnWu:
Nr. 182. cV°rlaa--rt-Franlsurt°.M.> Berliner Nertre ung: V-rlinSV48 Ztmmer.
stratzeS.Fernkvr. Asntr.41k.MünchnerVcrtr.i Munchen,Lcvrgenftr. l»7, .rcrnspr.81667
der.Bad. Post" Mk. 1900 - (ausschl. Zustelkgebühr). SelLstabhol. Mk. 1850.-. Auslend Mk. 4000.-
b, ^5 zum 2. ted.MtL. airgenoinrlnn. Am 1 u.2. noch gelief. Zeitungen sind nach d. Einzelverkaufspreis zu btz,
^^^^^^Uizrluummer Ml. 75.—. Jsi dieZeitung am lkrscheinenverhindert, bisteht lcin Anspruch auf Entschädlgung.
Anzcigenpreise: die 44 ww breite Nonpareillegeile kostet:lokale Stellengcsuchs Ml.80 -, kl. Gelegenheitsanzeigen Ml. 40.-,
Familienanzeigen Mk 40.-. GefchSftsanzetgen Mk. KS.-.Finanz- und Jndustrieanzeigen Mk. 100.-. M't Platzvorschrtft und
MontagsMk.5.-mehr. Die 98 mw breite Reklamezeile kostet Mk.IKOAnzetgen und Rellamen von aurwarts 25°/» höher ^
Die KvhlenbloSade.
^lichey BemLhungen der Franzosen. — Neue Gewaltakte.
Eigeue DrahtmelLung.
geschieht im Nameu des Rechts ganz allein zum Schutz einer
französischen Jngenieurkommission.
Jn Brechten wurden Donnerstag abend ein Bergmann und
ern SHuldiener Hanmann von französischen Posten erschossen.
Nähere Einzelheiten fehlen.
^ ldie » Tssen, 2. FeLruar.
di^tzef^blenblockade Deutschlands ist jetzt völlig
A^tiirj.brt worden. Auch die gestern noch freien Linien sinü
v.vd mit Maschinengewehren gesichert worden.
, sl Ud>, " HEen auch-Kohlentransporte an, die für Hollaud. die
'ien bestimmt sind. Nachdem die ersten sranzösischen
und Koks selbst zu ersassen, vollständig ge-
treten die Franzosen jetzt abermals an die staat-
beran, um Lieferungen nach Frankreich und Belqien
, eg ^oil der Derwendung von Militär ist diesmal Abstand
^chtzsm in Vcrtretung der staatlichen Bergwerre Ober-
mündlich und schriftlich die Verladung von Kohlen
^l^losisch ^nnkrelch und Belgicn abgelehnt hatte, versuch-
tz!!"-'
- Zivilkommisiare unmittelbar mit den einzelnen Zechcn
Nehmen. Aus dem Möllcrschacht, wo eins der-
» 't s, ^oirim'tt- »»>> oem wi o r i e r i m a cy r, wo eine r
ir'"sision bis aus den Zechenhof gekommen war, wurde sie
«L? sigg-,^-r w e h r aus den Zechenanlagen entfernt. Auf
»/^tzen 3°^°» wuvde dcn Kommisiionen dei! Zutritt zu den
^i, , ^>">ch am Eingang verweigert.
^lusbeutung der staatlichen Forsten wird jegt von
: iieit„„ -versucht. Das Direktionskomitee für Forsten der
M,-!- Düis f^ommission hat dem Regierungspräsidenten «Srütz -
7» jv 5^orf den Text von vicr Äusführungsverordnungen zu-
u>it?e"^n ihm der Befehl crteilt wird, die Bestimmungen
Aotollten Forstbeamten mitzuteilen und ihrc Ausführung,
!khEsi>erungspräsident Erützner hat dem Direktionskomitee
^«, f^" nicht nur die^Weitcrgabe der Verordnung-n a b
aüch jede Mitwi 'rkung bei der Durchführung
A . swnzösischen Matznahme.
man jetzt unmittelbar vor
,-M'lt, -7.unot stehe, werden vom Reichskohlensyndikat nicht
5 -^hi chtungen. dah
V-sil^t. stehe, werden i>vm oeeiei,! , ,, ..
Reichsbahn hat sich Lereits im Sommer stark mit
^chle eingedeckt, ebenso ein grotzer Teil der deutscheu
'seh, L?usbranLkohle ist infolge des milden Winters noch in
"uisang vorhanden. Die Kohlcnsperrc hat bereits
grotze Verkehrsftockungen
^u Die Bahnhöfe Vorhalle und Lünen-Süd
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?->i ^ v x ^?ulenzüge in langen Reihen und machen jeden
'«»?Uch v. i ahr unmöglich. Der Eingriff in den Verkehr
" g °is vier Tagen zu einer vollständigen Lahm-
Dann mutz die Lebensmittelversorgung durch
dga ??"Etel erfolgen falls die Franzosen bis Lahin nicht
'Urr ° "°ue Fehlschlag wieder ein Versuch am unrechten
vacki Forderung der Franzosen, die leeren Kohlenwazen
?"ri>,?h>ier^ -?em Ruhrgebiet zurllckzutransportieren, haben die
?>>fg/urikt abgelehnt. Nach einer Drahtung aus Köln
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Nachdem die Franzosen die Bedingungen der
hftttep ^isenbahner Vorbehalt angenom-
Rejs,' Äuch in Mainz sind ähnliche Verhandlungen im
h ^bverkehrsminister Eröner hat an die Eisenbahudirek-
^Ursisiden^hrsminister Eröner hat an die Eisenbahndirek-
vV' dak- c ? im besetzten Gebiet einen Erlatz gerichtet, der an-
K ''ine?°-°lle- ' - -
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si Seht deutlich hervor. datz die
^r Eisenbahner absolut f o
Per,
Methode des passtven
Uhv?? wH Eisenbahner absolui folgerichtig fort-
° vogs datz also gegenteilige Vchauptungen der „Roten
Djx ^ vmnien gegenstandslos sind.
dg^ep^unzösischen Blättern gebrachte Nachricht, die Deutschen
r»hl^n v e i n l an d ka be l d u r ch s ch n i t t e n, ist offenbar
Ndö? k«j i uzosen erfunden worden, um die eigene Un-
!>»„?u verdecken, oder um das Vorgehen der franzosischen
d>° Ruhrbevölkerung zu erklären. Alle Schaltstellen
r» bei k uls von Dortmund bis Düsieldorf sind von den
»icht . b>° haben entweder mit der verwickelten Ein-
Ak>i». » r--. >?rtig werden können und aus Unkenntnis einen
:^>e °"n räi.n.' 77" Fehler liegen, geschweige denn sie beseiti-
"hia??»d u die Schaltestellen und gebe dem deutschen Psrsonal
lejn ' °nn wird das Rheinlandkabel bald wieder betriebs-
isi j^Uz
8emes?^"'p^ebiet werden weitere feindliche Brutali-
. ksi,;« ^Utsch-n 'm schlug in Weitmar ein französischer Offizier
V" d lsiolizeibeamten ins Eesicht, als dieser dem
?5it > Poli,/-^ vrrweigerte. Aus dem gleichen Anlatz wurde cin
en d- r r N„??u>nter von einem Offizier der Besatzungsarmee
!.°8ü: Polizeii^ i t s ch e m i tz h a nd e I t und dann verhaftet.
b-^oamtenschaft haben dicse Vorfälle äutzerste E
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^ . Jn Dorsten lietzen zwei belgische Ofsi-
„-?">t>e, Ehefrau, Kinder und Dienstboten, nach-
-r- -.unaae,?. .uanden darauf, datz ihnen autzer den Lblichen
?h>le n tten n^^anchen auch Kinderbadewannen, Kin-
°is-.'>>h uw > n d e r w ä s ch e geliefert werden. Sie haben,
^iziÜÜ ZimmeÜ -u kLmmern in Prioat^
* * - sein? .!" Anspruch genommen und hat seine
^ "otet,-^.-ÄUtter, Mei unverheiratete Schwestern und eine
^chwester mit zwei Kinder» bei sich wohnen. Älles das
Europas Aiedergang.
Die schwedischen Bischöfe a« Harding und Poincare.
Stockholm, 2. Februar.
Die schwedischen Vischöfe haben dem Präsidenten Har -
ding, dem Erzbischof von Cantervury, Poincar 4 und dem Erz-
bischof ron Paris eine Kundgebung zugehen lasien, in der ste sich an
die Mitchristen aller Länder und an die verantwortlichen Staats-
männer, bdsonders den Präsidenten der Vereinigten Staaten, wen-
Len. Jn dieser Kundgebung heitzt es:
„Niemand kann die vielen zählen, die LLerall in der Welt von
dem, was jetzt gejchieht, im Jnnersten empört stnd. Wir hofften
nach dem Kriege auf den Segen des Friedens, aber das Zu-
sammenlxben der Wlker Europas hat sich v e r s ch l i m m e rt.
Hunger, Eift und Bitterkeit in den gekränkten Seelen, körperliche und
sittliche Ansteckung verheeren ununterbrochen edle Teile der mittel-
europäischen Menschheit. Jetzt schneidet Waffenmacht unter dem
Deckmantel des FrieLens grotze Stücke aus dem Lande eines ent-
waffneten Nachbarn und verschlimmert dadurch dessen himmel-
schreiende Not. Der Fluch, der dadurch gesät wird, wird neue,
noch entsetzlichere Kriege zeitigen, Lenn was der Mensch
säet, wird er ernten: das hat der Weltkrieg, der Erund sür das lln-
heil Europas, zur Eenüge bestätigt. Jetzt macht man osfenbar die
Machtgier und kurzstchtiae Selbstsucht zum höchsten Eesetz,
statt Lhristi Gebot zu gehorchen. Wir richten niemanden, denn unser
Wissen ist Stückwerk, aber wir verurteilen die Methode der Gewalt.
Die Eewissen und Herzen der ganzen Welt werden von der Frage
erregt, was nun geschehen soll. Wir, die Diener der Kirche Schwe-
dens, eritzahnen unsere Mitchristen in Frankreich und allen Ländern,
mit uns Eott um Klarheit und Kraft zu herzhafter Tat anzurufen.
Die Frage des Friedens und der noiwendigen Entschädigung mutz
aus dem gegenwärtigen Sumpf von Vergeltung und Kriegsdrohung
auf die HÜHere Ebene gcgenseitigen Vertrauens und guten
Wrllens gehoben werden. Die Menschen sollen vergeben, wic
sie selbst Vergebung erhoffen. Wir bitten die verantwortlichen
Staatsmänner, on erster Stelle den Präsidenten der Vereinigten
Staaten. durch Herbeisührung einer Vegegnung und einer ehr-
lichen Aussprache zwischen den Vertretern der Mächte so bald
wie möqlich einen Ausgleich der täglich mehr und mehr unleidlich
und unheilvoll werdenden Sxannung zu veranlassen."
Der Aufruf ist von dem Erzbischof Schwedens in llpsala und
sämtlichen übrigen Vischöfen Schwedens untsrzeichnet.
Das Kttkzeug polncares.
Dr. Cuno iiber den lctztcn Beschluh der Reparationskommission.
Von unserer Berliner Redaktion.
Berli», 2. Februar.^
Reichskanzler Dr. Cuno erklärte in einem Gespräch mit dem
Derliner Korrespondenten der „Neuen Freien Presse" über
dcn letzten Vcschlutz der Reparationskomnnssion, das Moratoriums-
gesuch der deutschen Regierung abzulehnen und dar Londoner Diktat
wieder in Kraft treten zu lassen, solgendes: Die sranzösischen Zei-
tungen meldeten, datz sich das englische Mitglied beim Beschluh der
Abstimmung enthalten habe, suchten dabei jedoch zu verschlciern, datz
der englische Delegierte durch die Stimmenthaltung gezeigt hat, daß
er gegcn das französische Projekt sei. Nach einer ausdrücklichen
Bestimmunz des Versailler Vertrages sei die Stimmenthaltung eines
Delegierten als Ablehnung des zur Diskussion gestellten Vor-
schlags anzusehen. Der Beschlutz würde also jeder Rechtswir-
kung entbehren. Alle in der Reparationskommission vertretenen
Regierungen hätten die Notwendigkeit erkannt, die Endsumme
der deutschen Zahlungsverpslichtungen zu ermätzigen und
Deutschland sür die nächsten Jahre einen Zahlungsaufschub
zu gewährcn. Es sei nicht verständlich, inwiesern durch die sranzö-
sisch-belgische Ruhraktion, die das Zentrum der deutschen Wirtschafk
zu zerstören droye, jede Notwendigkeit beseitigt worden sein soll.
Die Reparationskommission setzte sich deshalb mit ihrem Beschlutz
nicht nur über ihren früheren Ausspruch, sondern auch über die Be -
stimmung des Versailler Vertrags hinweg, die die
Reparationsverpflichtungen Deutschlands von seiner Leistungsfähig-
keit abhänqiq macht. Aus diesem Erund kann die deutsche Negierung
den Beschiutz der Reparationskommisston nicht als gerecht-
fertigt anerkennen.
Mf der Suche nach neuen Kriegsgründen.
Paris, 2. Febr. (Eig. Drahtm.) Wie verlautet, beabsichtigt die
interalliierte Kontrollkommiision in den nächsten Tagen
der Botschasterkonferenz eine neue Verfehlung Deutsch-
lands zu unterbreiten. Es soll sich um die Verletzung mili»
tärischer Bestimmungen des- Fricdensvertrags betr. die Abliefe-
rung von Wasfen handeln und zwar um eine Verletzunz jener
Bestimmungen, die schon im Abkommen von Spa samt militärischer
Strasmatznahmen festgelegt wordcn sind- — Das „Echo de Paris"
berichtet: Da die deutsche Regierung die am 31. Januar fällige
Zahlung von 5 00 Millionen Eoldmark nicht geleistet
hat, bleibt der Reparaticnskommission nichts übrig, als in der näch-
sten Sitzung von der neuen Verfehlung Deutschlands
Kenntnis zu nehmen und sie den beteiligten Mächten bekanntzu-
geben. — PoincarS sucht offenbar nach neuen Vorwänden, um
weitere Sanktionen gegen Deutschland verhängen zu können.
Ser Mainzer Gisenbahnerstreik gehi weiter.
Mainz, 2. Febr. (Eig. Drahm.) Heute vormittag wurden zwi-
schen den streikenden Eisenbahnern und den französischen Behördcn
-Verhandlungen auf Wiederaufnahme der Arbeit eingeleitet, die
ergebnislos im Laufe des Nachmittags abgebrochen wurden.
Dcr Streik im Direktionsbezirk geht aljo weiter.
Amen'ka md der Rirhremfall.
Trotzdem Neichskanzler Dr. Cuno mit erfreulicher Klacheit
und Beftimmthcit darauf hingewiessn hat, datz wir, vorläusig wenig-
stens, ganz auf di« eigene Kraft angewiesen sind, scheinen die Auge»
weiter Kreise noch immer auf Amerika gerichtet zu sein. Mit
derselben Zuversicht hat man bis vor kurzem nach London geblickt
und ist «nttäuscht worden. Senator Borahs Vorwürfe gegeu
die Rogicrung haben natürllch viel dazu beigetragen, neue Hoff»
nungen zu wecken, was wohl insofern verständlich ist, als die voa
ihm abgegsbene Erklärung so einfach und überzeugend ist, datz die-
jenigen, die sich von den Verhältnissen jenjcits des Ozeans besonders
von dcm, was drllben „öffentliche Meinung" heitzt, keinen rechte»
Begriff machen können, nicht verstehen, datz mrt einer solchen Lr«
klärung nicht gleich die übergrotze Mehrheit unparteiisch urteilender
Leute gewonnen sein mützte.
Die Erklärung Borahs hat sosort eine offizielle Antwort er-
fahren, die in einem kurzen Auszug in den kontinentalen Zeitungen
veröfsentlrcht worden ist, die aber ihrer grotzen Bedeutung wezrn
ausführlicher wiedergegeben zu werden verdient, zumal ste zeigt,
datz die Untätigkeit der amerikanischen Regierung in der Ruhr«
angelcgenheit weniger mit der Frage zusammenhängt. ob Las ofsi-
zielle Ämerika das Vorgehen der Franzosen für berechtigt hält oder
nicht, sondcrn datz ganz andere Erllnde, vorläufig wenigstens,
irzendwelche Schritte von drllben sehr unwahrscheinlich
machen, wenn nicht gänzstch ausschlietzen. Datz das Staats.
departemcnt es für geboten hielt, dem Senator sogleich ausführlich
zu antworten, trotzdem der offizielle Standpunkt schon so ost dar.
gelegt wurde, ist an und sür sich bezeichnend, da stch das nur damit
erklären lätzt, datz man den Eindrnck fürchtet, den Vorahs Dar-
legungen im Lande machen könnten. Der Appell dieses Senators
an das Eewisien des amerikanischen Volkes hatte das Verdienst, dt«
ganze Frage auf ein anderes Niveau zu heben. Er hat, wis
ein Blatt sich ausdrückh, die Diskussion aus dem Eebiet diplomatischer
Pedanterie herausgerissen und die Regierung darauf hingewiese»,
datz eine grotze und mächtige Nation der Menschheit gegenüber Ver»
pflichtungen habe, dre ohne Rücksicht auf Formalitäten, furchtlos,
das heitzt also ohne Nücksicht aus eventuelle llnannehmlichkeiten,
durchgeführt werden müssen. Das junge Amerika solle das krank»
Europa zwingcn, Vernunft anzunehmen und den ungerech.
t e'n G e w a l t t ä t i g k e i t e n ein Ende machen.
Die offizielle Antwort — und darin liegt ihre Dedeutung —
versucht nicht, die Argumente Vorahs zu widerlegen, sie sagt ntcht,
Lie Rcgierung stche auf dem Standpunkt, datz Deutschland jetzt dir
Suppe ausessen müsie, die es sich selbst eingebrockt habe, wie Washing-
toner Darstellungen der französtschen und eines Teiles der britischen
Presie behaupten, sondern sie lätzt im Eegenteil schr klar durch.
blicken, datz die amcrikanische Regierung nicht das geringst«
für das französische Auftreten übrig hat, und deshalb auch
keinen Dersuch macht, dasselbe zu erklären oder gar zu entschuldigen,
aber ste führt gleichzeitig an. worum nach Anssasiung des ameri-
kanischen Staatsdepartements trotzdem für den Augenblick nicht»
mehr geschehen könne als geschehen sei. Die Erklärunz er-
innert daran — und zwar mit einer Ofsenheit, die man bisher ver-
mitzte —, datz Frankreich bis zum 8. Januar wiederholt und feier»
lich in Abrede gestellt habe, irgend ein militärisches Unternehmen
an der Rnhr vorzuhaben. Sie betont die unangenehme Ueber«
raschung und den peinlichen Eindruck, den die wirklichen Ab«
sichten nicht nur in Amerika, sondern auch in Erotzbritannien und
Jtalien gemacht hätten, als diese bekannt wurden. Ein Protest
unsererseits, so heitzt es ausdrücklich, hätte also nur einer vollendeten
Tatsache gegenüber gemacht werden können. Ein solcher Protest
hätte keine Wirkung mehr haben können, nachdem die sran-
zösischen Truppen bereits auf dem Marsch waren, er hätte nur d«H
Widerstand der Deutschen stärken und zn Verzwciflungs.
taten fiihren können, die die Sache nur noch schlimmer gemacht
hätten. Und mehr, er hätte die Stimmung in Frankreich so gegen
die Vereinigten Staaten aufbringen können, datz spätere Einwirkunz
unmöglich gewesen wäre. Diese Gesichtspunkte veranlatzten uns,
den Gedanken an einen Protest auszugeben, weil ein solcher nur eine
leere Eeste odcr eine Quelle unberechenbarcr Eefahren hätte werden
können. Weiter führt die Erklärung aus, datz Erotzbritannien und
Italien die Erönde für einen Protest viel eher hätten erkennen
müsien als die Vereinigten Staaten. Man habe erklärt, datz Frank-
reich den Versailler Vertrag gebrochen habe. Wenn das dcr Fall
sei, dann hätten Grotzbritannien und Jtalien eingreifcn sollen: da
di« Vereinigten Staaten den Vertrag nicht ratifiziert hätten, seien
aus alle Fälle keine amerikanischen Nechte verletzt worden. Erotz -
britannien und Italien, heitzt es weiter, hätten mit
vollem Recht eingrcifen können, und die grotz« Be.
deutung der in Frage stehenden Entwicklungen für Leide lietz auf
den ersten Blick einen Einspruch wünschenswert erscheinen —
aber andere Erwägungen gaben den Ausschlag: der Ernst eines
solchen Schrittes, wenn eine Eroßmacht formell gegen die Politik
einer anderen Erotzmacht protestiert — »nd dann die Tatsache, datz
die Schnelligkeit des unerwarteten Vorgehens einen Protest von
vorneherein aussichtslos erscheinen lieh.
Auf den Vorwurf Vorahs, datz die Vereinigten Staaten ener«
gischere Schritte hätten unternehmen müsien, um eine inter»
nationale Konferenz zur Regelung der wirtschaftlichen
Probleme durchzusetzen, antwortet die offiziell« Erklärung, eine
solche Konferenz hätte natürlich viel Gutes schaffen können, aber
die Haltung Frankreichs hätte sie unmöglich gemacht. ^lls Belgien
eine solche inteinationale Beratung anstrebte, habe Frankreich drut-
lich gezeigt, datz der Plan ihm unangenehm sei. Wllrde dic
Union einen besseren Erfolg gehabt haben? Die sranzösische Regi«.
. rung würde einsach die Bedingung gestellt haben, datz die Kr isgs-


