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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0207
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>»^>cht u» H. -Korresponiieni drahiet, hat die

^5 »»>olgten Schuldenregelung in Frankreich ziemlich
(»^»nlciu^ sich jetzt daraus gefatzt machen mutz,

»/ ^ück, dem Quai d'Orsay alsbald eine Note wegen

K^e, de»n " " 8. der französischen Schulden zusenden
tz^^I^ondi- Oesfentlichkeit in England sei, wie der Londoner
^t»Nd sp7?,! , b „Echo de Paris" meldet, darüber ausgebracht, datz
^ ^chulden an Amerika zuriickzahlen soll, während
!o ^ wmsi/n Alliicrten nichts erhalte. Wenn England nunmehr
Franireich die Schulden einfordern sollte, so
^7.ch "uf eine Neuauflage der Zeitungsangriffe gefatzt
"^osen ^-.esmal ersolgen, wenn England nicht so will, wfe die
' " wollen.

Zravkreichs wahres Grßcht.

^"uS-ug un der Ruhr
Voy

und dis franzöfische Metallindustrie.
unserem l4. -Korresponöenten.

Wien, 3. Februar.

Uni- 8reke Presse" veröffentlichte einen Aussatz des ehe-
Sitzk,. Üetz.^n "?^'Ichen At:Nisterprüiu.enten Francesco Ätitti über
Nuhrgebieres. Seine Ausluhrungen verdienen die
fviii. dyaa^^ung wegen der fchonungslosen AusLeckung des Zu-
is^Uk der^b der franzöltschen wewaltpotitik mit Ler Znteressen

ti^Len

„Neue

n ^ Cxn, ^uuzöjtschen .tsroginoustrleuen. Nitti stellt fest, datz die
kn j"^0tnil, die Euro, a zum Nuin treibe, zum grögten Teil

° Werk einzelner grotzer Znieressen-
^ lvag^ ' uue besonders der Ak e t a I l i n d u st r i e ist. Wer es
!^x»t- zu iagen, der werve als Frevler versolgt uns ver-

!s»n- .^slui-ch ^urer Lar,iellr.ng der Us b e r l e g e n h e i t der Leut-
^iÄ'stze liUdustr.e uno der oeutschen Kohlenförderung llber die
!»i"IUi.aaä '^tlte Nitti fest, als Forge des Nerja>ller Vertrages set
liih^en ,> Lezwangen woreen, den grötzten Teil semes Eisenerzes
un,.reich zugesprochenen Eebisten auszuliesern. Dann

' is entstand der Plan der französischen Metallindustrie,

°>i7uaud

tzli'-'l..


, >u irgenLeiner Form m ö g t i chst grotzer K o h t e n -
su berauben, um die ganzs beutsche Produtt.on zu
>u oder vielmehr unter ,ranzöjische Kontrolle zu
alle die wichttgsten xolitlschen Alte, unter den feier-
e>i »uu Nexarationsxotitik, von Kontrollsystem'uno unter
u Kundgebungen gegen die „Boches" uno die „Hunnen",

ui„^"le e.ne und dlejetbe Formet gebracht werden: datz,

Z'

»tan .
hatte.

^rauvj

durch den Veriiag setvst Deulschlanv sein Eisen
ihm Lei der Durchfüyrung des Ver-rages seine

^Eüchlt werden solle. Ein emfacher Plan, der sehr schlau
Uvr ^uve, oyns datz je von Kohlen die Rede war, sonoern
""" .-

Uon den Prinz.pien der „Demorratie" unv von Len
lez N..u durch die Leutschen und durch die Russen uns deren
Ä, ioy „ uuis. Wenn vor vem Krieg Dsutschland in der Kohlen-
»>!>» °» voZnZ^^^ur nach Erotzbritannien lam und
pv!, ^r^enerz, Eisen und Stahl die erste i

. es


<LS.

die

in Ler Pro-
Stelle einnahm, so

ben Sieg zur Umkehrung dieser Situation aus-

UUte?° 8 a n z e __

n^me Kontrolle kommen."

Metallindustrie des europäischen Kontinenis
Nrch emer scharsen Kennzeich-

tzd, lestz.^oergaoe des Saaraebietes an Franlreich führte Nitti
'o-r, „uuch den Versailler Vertrag sanktionierie enorme Fehler



g.enügt, um die ehrgeizlgen ALsichten der siegreichen

5b^^m^rle Framreichs zu besrievigen: „Getegentlich der Pariser
! ci, 7 ^Vssugten die sranzöjischen Dslegierten ganz ossen, datz
-I,ten von Deutschiano losgelöst uno an Polen gegeben
lU t iviuteilung an Polen, das hietz so viel, wie Oberschtesien
?»ii- r vZ'Ul Hu geven, denn Polen. mit seinem finanziellen Elend
»-> ^ butitischen, militärischen und stnanziellen Kontrolle von

j ^etgij. Clemenceau stellte diese Forderung natürlich auf, ohne
zKvo» - lirie zu trwähnen, sondern indem er die Notwendig-
xrj-Zgtx uob, Deutschland von Nutzland zu trennen, unö
f p?>vnn das ntcht geschähe, wären die Eefallenen des
srzu msonst gestorben . . . Der erste Teil des Planes
> e „ dj ^ -ü^'üirie ist also üurch die Zuteilung des Saarkohlen-
ers.-. un Franlreich und die Zerreitzung Oberschle-
l'Y,-h>on - > uver trotz aller Verfolgungen durch his Reparations-
s^un die deütjche Metall- unv Maschtnenindustrie einer
v d k: i i ^ntrolle nicht unterworfen werdcn, oyne Durchführung

vor.ro-- - - ,

Indrisirie sekbst zu zerstören und dsn ganzen Vesshständ der Metall-
industrie des besiegten Landes an die des Siegerstaates auszuliefern:
„Es handelt sich atso nicht Larum, das Reparationsxroblem zu lösen
oder dessen Lüsung zu erleichtern, sondern es handelt sich um eine
Verschärsung des schon bestehenden Chaos, um ein weiteres Herab-
drllcken Deutschlands und um eine neue Beschleunigung in dem
tollen Wettlauf der europäischen Nationen nach dem Ruin. Zch habe
das demokratische Frankreich immer geliebt, das vor dem Krieg der
Exponsnt der liberalsten Tendenzen in Euroxa war und Las Pro-
gramm der Dsmokratie mit dem grötzien Enthusiasmus aufrecht er-
hielt. Aber nun nach dem Krieg herrscht in Franlreich eine P l u t o-
kratie, die der Urheber aller seiner Fehler und Eewaliakte ist,
und dieje Plutokratie schrie jetzt nach der Besetzung der Ruhr"

Sas Ende d/r SSllrrbuMtagung.

Der polnisch-litauische Streitsall.

Von unserem tt-Korrespondenten.

Paris, 3. Februar.

Dsr Völkerbundsrat trat Samstag unter Lem Vorsitz von
Viviani zu seiner letztcn Sitzung zusammen. Man üeschästigte
sich mit dem p o l n i s ch - l i t a u i j ch e n Streitfalle. D'er
Belgier Hymans schlug eine Resoluiion vor, nach der Polen und
auch Li-auen Verwaitungsbshörden in der neutralen Zone einrichten
sollten, und diese neutrate Zons würde durch eine von Saura, der
vom Vötterbunvsrat mit emer Untersuchung betraut worden war,
sestgelegte Demarkatronslinie abgegrenzt werdsn. Die Re-
gierungen in Warjchau und in Kowno verpftichten sich sernsr, sobald
als irgend möglich die Irrrgulären, die sich zurzeit in dieser neutra-
len Zone befinden, abzuberusen. Der polnijche Delegierie nahm
diesr Empsehlung an, der l i t a u i s ch e Delegierte dagegen lehnte
sie ab. Er fügte hinzu, falls Polen einen Versuch machen wllrde,
die zwischen den beiden Mächien geschassene Lage zu cindern, so wurde
Lilauen Lem mit allen Nkittetn, auch mrt Gewalt entgegen-
treten. Viviani geriet über eine solche Erklärung inhellenZorn
und richtets an den Litauer die Frage, ob er die vom Völkerbund
vorgeschlagene Lösung ablehne. Valfour sragte gleichsalls, ob
Litauen für den Fall, das; die Polen in das umstrittenr Gebiet ein-
dringen sollien, sich als mit Polen im K r i e g s z u st an d e befind-
lich betrachten wirrde. Der litauische Delegierie erllärie Larauf, datz
allein der Artikel 1S der VölkerounLsakte die Haltung Lsr lilauischen
Regierung Leeinslussen und rschtferiigen wllrde. Viviani erwiderie
darauf, datz hier nur die Artikel 15 unü 16 in Frage kommen würden.
Da Polen dir Empfehlunaen des Völkerbundsrätes annehme, so habe
auch Litauen nicht das Recht, Eewalt anzuwenden. Wenn Litauen
dies Loch tun wollte, ?o müßten mit Liiauen alle diplomatischen,
wirischaftlichen, finanziellcn und kommerziellen Beziehungen
abgebrochen werden und Litauen würse durch e!n solches Vor-
gehen nicht nur mit Polen allcin, sondern mit dem ganzen Völkerbund
im Konflikt stehen. Der Anirag von Hymans wurde darauf vom
Völlerbundsrat ängenommen. Der litauischs Dslegierte wollte
dagegen protestieren, konnte jedoch nicht zu Worte kommen, da Vi-
viani ihn sosort unterbrach und meinie: Dis Empsehlung ist
beschlossen. und wenn Lilauen dagegen Eewalt anwcnden w-ll,
so wird der Artikel 16 der VöllerbundsaAe angerufen, und die Fol-
gen, die sich Laraus ergeoen, fallen allein Lilauen zur Last. Ein
Skandal, wie das Vorgehen der litauischen Regierung, lönne nicht ge-
duldet werden. Als Vrviani sich später üeruhigt hatte, wies er
darauf hin, datz der Völkerbunosrat Polen und Litauen auf einsr
späteren Tagung dennoch weiter anhören wolls, wenn Litauen je-
doch' eine feindliche Haltung einnehmen und Gewalt anwend-en sollte,
so würde einsach der Artikel 16 der Völkerbundsakte angerufen, und
Litauen würde damit als mit dem VölkerbünLe im Konslikt befind-
lich erllärt und aus dem Völkerbund a u s g e s ch l o s s e n werden.

Später beschäsiigte sich der Völkerbundsrat mit dem S ch ntz der
deutschenMinderheiten inPolen. Es wurde ein Verichi
bes Brasilianers Gama angenommen, nach dem diese Fräge vor
den internationalen Gerichtshof im Haag gebrächt wsrden soll. Dieser
soll eventuell die Kompetsnz des Völkerbundes aussprechen.

gedlehen, daß man im Viärz die Dermittkung auf ällen größeren
Dahnhöfen Deutschlands glaubt aufnehmen zu konnen. Der Reichs-
ver-ebrsminister hat dem Unternehmen die weitgehendste behördlichs
Förverung zugesagt.

Eme neue SmMrsnoi Ln der Mm'ne.

Reval, 3. Fsbr. (Lig. Drahtm.) In verschiedenen Eonvernements
der Ukraine ist von nsu-m eine Hungersnot ausgebroch>.>n.
Besonders stark sind die Kinder betroffen. Wie die Moskauer
„Jswestija" mitteilt, sollen gegenwärtig über zwei Mi l l i o n e n
Kinder hungern, von denen nur etrra 800 L00 von den Behorden
ernährt werden. Es wiederholen sich die Schreckensszsnen dcr
Hungerkatastrophe vom vorigen Iahr. Tausende von Kindern, die
von ihren Eltern verlassen wurden, treiben sich im
Lande herum und betteln. Ein grotzer Teil ist dem H lngsrtad
anheimgesallen. Es sollen etwa 800 000 Kinder ohne Aufsicht sein.
Die Sowjetbehörden setzen grotze Hoffnung auf die Hilse Nansen s.
der sich gogenwärtig in Lharkow aufhält.

Teiles des Programmes: der Jnvasion an der Ruhr,
L>e ^ ^>-3 uicht weniger als 114,5 Millionen Tonnen produ-

!, I>ei» rtEs., "Ei einer deutschen Eesamtproduktion von 190 Millionen.

Ibtzt zwar abgenommen, ist aoer noch immer die
>r S »Uti^ Euroxä. Mit der Besetzung des Ruhrgebietes wird
» Jndustrie endgültig geknebelt und auf
!^"ti°Awungen."

v, "tersucht dann eingehenk», wie die Besetzung des Ruhr-
Ken ^chtfertigen sei. llnter Darlegung der Bestimmungen
^IiNi-^ErEb von Versailles, die in dieser Hinsicht in Betracht ge-
i »KZ "N könnten, kommt der italienische Staatsmann zu dem
'' »?><> N>!n aus eine ganz willkllrliche Auslegung
Man glauben machen, datz.jede Art von Zwangs-
K ilässig jst, einschlietzlich Ler Okkupation irgendwelchen

->r'-LUi,- ^dretes. Auf Erund dieser absurden und willkürlichen

'' ^ ' - '

-»iL-uisjZ wurd

Äsi'i^ilvt: angedroht und fünsmal ausgeführt". Da die jogenannte
deutschen Zustände nicht verbessern, sondern

die Ökkuxation von Städten am rechten Rhein-

nur

^^^Z_^nne, könne sie"n'ur das eine Ziel haben, die deutsche


VsrLZAstK ksirr WsaMZSNaLhaU.

Verlin, 3. Febr. (Sig. Drahtm.) Bekanntlich bestand die Ab-
sicht, bis zum 1. März aus dsm Eisenbahn - und Postdienst
eins grützere Nnzahl von Veamten, Ang-estellten unL ArLeitern zu
entlassen. Diese Verfügung wurde für die besetzten Eebiete
sofort nach dem Einoruch Ler Franzvsen ins Ruhrgebiet a u f-
gehoben, und jetzt hat sie der Reichsvsrkehr-smin-ster bis auf
iveitcres für das Eebiet desganzenReichesrückgängig
gemacht.

Rsgslurrg Zss F-NemdsrrvSvSshrs arrs AsSerfes.

Bcrlin, 4. Fsbr. (Eig. Drahtm.) Die ständigs Zunahme des
Fremdenverkehrs aus lleüersee hai jetzt zur Eründung
einer Eesellschaft geführt, die bcabsichtigt, die Unterbringung r-on
Fremden in allen Grogstädten Deutschlands zu regeln und sach-
gemätz zu o r g a n i s i e r e n. Auf allen grotzen Bahnhöfen und auf
den Äais der dsutschen Häsen werden Kioske errichlet, in densn
die Ankommenden sich eine Unterkunft in der betresfenden Stadt
besorgen lönnen, in der sie sich kürzere odsr längere Zeit aufhalten
wollen. Die Vorarbeiten der Eesellschaft sind schon jetzt so weit

dadurch noch bedeutsamer, datz sie die erste Schenkung

»n Staates an den Vätikan ist. Es sollen auch bei der
^ .Vibliothek jetzt verschiedene Abteilungen für fremde

^hI»- i?^">gerichtet werben. Die srste neubegründete Abteilung
rü ->7,7'>>ne. Auch die Regierungen von Bräjilien und Chils
f?»-7»si ^öieilungen einrichten.

ÄliMksrrrt. Die Ealsrie Schneider zeigt malerische
A. Hertel, W. Heinisch und Theodor
>° Lenh - -- - - -




Und

bhchi ss 2 , die sj.uniinze eoiuvie UIIU X
hL iLv l Zssen einen tieseren Lrndruü.

uschmidt zu sehen sind, wärc

I!

farüigen Zeichnungen von Renck sind noch wenig

nicht " ' " " ..

immcr geschmackvoll. Neue Radierungen von
anische Städte und Bauwerke zum Vorwurfe
— Von deN Gemälden,
wären einige charakteristische
F. l> .-- F, -> uno ein sarbig sehr reizooller Pellar zn erwähnen.
st>dZ4! >7.1 > heim begegnet man Larl H o f e r. Seine Kunst
L»ji ss'-, gleichgültig. Beinahe etwas Heroischss ist in seinen
x! -u!- b»; ?»rch seste Formen bestimmt wetden. Die Ausdrucks-
i»Pei>„Z!ü>^>benen Mitteln eins bedeutende. Gedämpft und
1->»-i>I>e b, 7 ^ >st die sarbige Haltung: aber in glücklicher Weise
Uig„^ bewutzte Linie. Jn den Schwarz-weitz-Arbeiten Hosers
^»!j ZL->>1'btleicht noch leichter und überzeugter das Wsjen seiner
. T>er der - ist er unter die bedeutendsten und begabtesten
E>»w lungen Generation zu zählen.

A» -iv°^„bringt Handzeichnungen und Eraphik von Erich
M be^^lersthied zwischen den frühen Arbeiten des Künst-


Jetztzeit ist aufsallend und für die fernere Ent-

^u der

Uyd's. ^üustlers vielversprechend. Farb-e und Form sind
^-»iri^ 8»worden. Die Persönlichkeit beginnt sich gegen-

"'ilhey, ttoscn Umherirren in den '

"" R? s y L i l i e n f e l d ist

shmpathischsten nimmt

srllheren Iahren bemerkbar
qoch oft in Asutzerlichkeiten
man ein Selbstporträt der

Htz.»«

bie färbige und formals Ausfllhrung inncrlich
o> - l> Ii» aufdringlich ist. Auch ein schlichter Vlumen-

x->»iÄ 8>>t gegenüüer den übertrieüenen und manchmal allzu
^in ö.'» (odsr „Eindruck"?) eingestellten iibrigen Stücken.

>,?r>«^cha>s°» "'"'r auf die Entwicklung dieser Künstlerin, die in
n » Qualität aufweisen kann, gespannt sein. —

^iss.x^erw'?? a m m l e r (f 1017) drängte zu sormaler Eeschlossen-
L»>-en er dabei auch nicht immer auf fremde Einflüsse zu

ck> iii; " boch hier und da eins starke eigene Note hervor.
' °>»e^Eljss, ^ > m m c r weitz noch nicht, wohin sein Weg führt.

mcr

ervT-ln^ br-ngt er jhn von dem l
- essionistischen Jmpressionismus"!

des Zweiherrendienstes
!) ab.

Verstaatlichung

zwischen Lem früheren sächsischen Königshaus und dem Freistaat
Sachsen geht Las Eigentum am Schauspielhaus in Dresden mit der
zu erwartenden Eenehmigung des Landiags auf den Staat über.
Das Theater befindet sich in unbestrittsnem Besitz des früheren
Königs, Ler es vom Dresdner Theaierverein kauste und auch im
Erundbuch als Eigentümer e-ingetragsn ist. Auf Lem Erunüstück
ruhen ErundschulLen von zusammen 2 160 000 M., auf die Ler König
bereits 452 383 M. ab-gezahlt hatie. Dis restlichen Schplden über-
nimmt der Staat, ebenso 912 791 M. Auslagen, die er kurz nach der
Revolution verlagswcise für den König bestritten hatts. Mit dem
Schauspiethaus gehen aus Len Staat auch der aus der Zivilliste
angeschasste Fundus und alle Rechte und Pflichten, die sich aus Lem
Theaterbetrieb erge-ben, über. bcl.

Elbrnger Uraussührung. „Bartholomäus Blume", das
neue Schausviel in vier Aufzügen von Josef Buchhorn hatte bei
seiner llrausführung am Stadttheater in Elbing (Direktor Max
Spietz) einsn unbestrittenen, sich von Akt zu Akt steigernden Ersolg.
Der Verfasser' mutzte sich nach dem Lritten und vierten Akt immer
wieder vor dem Vorhang zeigen. Kein Wunder, denn das Schicksal
dcs Marcsnburger Bürgcrmeisters, der, mit seiner Städt ganz auf
sich gestellt, drei Jahre lang gegen polnische Usbermacht steht und
trotzt, und erst der Uebcrmacht von drautzen und dem immer stärler
wcrdenden Zwist und Hader im Innern erliegt, ist eine Figur, sür
die unsere Zeit alles Verständnis hat. Ungewollt wachsen die
Parallelen zwischen heute und einst, und der Kampsruf, unter dem
die Marienburger sich gegen den Ansturm der Polen zur letzten
Eegenwehr rüsten: treu und srei, ist der gleiche, unter dem sich dcts
deütsche Volk heute wider seine wclschen Bedränger erhebt. Eutes
Spiel, lebhast bewegte Massenszenen, künstlerisch geschaute Bllhncn-
bilder und hervorragende Einzelleistungen verhalfen dem Werk zum
Siege.

W!csbadcn«r Tbcaier. Die Erntc bcs bcurigen Tbcatcrwlntcrs war
Lislang cinc sebr ivärlichc: kcine Uraufiübrun>g, wenigs Erstausfübrunaeu
von Wert uuti Rana, Lazwischcn manchcrlci Bclangtoiiakeiten, dic ans
vckuniären Rüüsichtnahmcn zu erkiären iind. Es ossenbart sich i» dicscn
Tatsachcn wcnig Vcrsiändnis sür dic Kultnrvslichten cincr Bühne vom
Ranac des Wicsbadcner Staatstheaters. Kast scheint es. als babc das
Staatsthcater seine Mission alS Vorpostcn deutschcr Knnst und Knltur
im bedrohtcn Rbeinland vcrgcsscn. Einigc künstlerisch cinwand'rcje
Prcmicrcnabendc mutcn an wie Oascn in cincr Wüsie. Jüngst crlebtcn
ivir eine äustcrst müsziae Neueinstndierilng von Kleists klasstichcm Lust-
spiel »Tcr zerbrochcnc Krua" in gcradezu schwanktzaster Vercröszerung. ge-
meinsam gcgebcn mit Goetbes Scham'viel »Dic Gcschwister", dessen aeinüi-
voN-idyllischcr Art dic Darstcllung cbensalls nur sebr bcdingunasweise
gcrecht wurde. Mcit stärkcre küristlcrischc Oualitäten bewies die Erstanf-
fübruug von Jbscns „Wildcntc" unter Tr. von Gordons Leitnng, dcr mit
der Einrichtung vo» WcbelindS „König Nicolo" und Hanvtmanns
„Natten" Lcreits übcrzeugendc Proben icines Könnens abgclegt batte. Ein
aut abgestliumtcs Lnsammentiüel. teilweise vorzu-rkiche Liiuelleistungen, ve-

WSische Tagesschau.

Aus der Derliner Diplomatie.

Der Londoner „Temps"- Korrespondent erfährt, datz der britische
Botschafter in Berlin Lord d'Aberno o n demnächst abLerufen wer-
den soll, um durch einen anderen Diplomaten, der gegenwärtig im
Foreign Office sitzt, ersetzt zu werden. — Der schwedische Ee-
sandte in Berlin, Freiherr v. Essen, ist nach längerer Krankheit
im Alter von fünfzig Jahren gestorben.

Natisizierung des Rapallovertrages.

Jm Auswärtigen Amt hat der Austausch der Ratifika -
tionsurkunden zum Rapallovertrag zwischen dem
Reichsmin ster Rosenberg und dem russisch.n Boischajtcr Kre-
stinski staLtgefunden.

Die Eiiiführung der Wahlpflicht.

Der Rechtsausschutz des Reichstages nahm einen von den Deutsch»
nationalen als Jnitiativantraq eingebrachten Eesetzentwurf über
die Linführung der Wahlpflicht gegen nur wenige
Stimmen an.

Der Stettiuer Hafenarösiterstreik bcendet.

Der H a f e n a rü e i t e r st r e i k, der feit drei Wochen den
Schiffsverlchr im Stettiner Hafen lahmlegte, ist nunmehr beige-
legt. Die Reedereien und SchisfLarbeiter nahmen den Schiedsspruch
des NeichsarLeitsamtes an, der den Arbeitern eine 60- bis 70proz.
Lohnerhöhung bringt.

Jahresversammluug der sranziisischen Eewerkschaftskommission.

Die franzöiische Eswerlschafts'Iommission /(Mshrhsitssüiialistün)
trat Dicnstag zu ihrer Iahresvcrsammlung zusammen. an der auch
einige ausländische Verlreter teilnahmen. Es wurde ein Be-
schlutz geratzt, in dem gegcn die Matznahmen der Regierung pro-estiert
wird, die zur Verhaft-ung von Kommunisten und zu Haussuchungen
in deren Mohnungen »zeführt haben. Es Lestehe lcin Änlatz zu Ler
Amiahme. Latz irgenLein Komplott gegen die Sicherheit des Staates
gesihmiedet wordeN sei.

Aus dem Parteileben.

Schule und Kirche.

Der Arbeitsausschuh ber Schulgrnpven dcr Dcutschen Volksvartet
tzielt unicr Vorsitz bes Provinnalschulrales Dr. Schevv eine Sipnng
ab, in der Rcichstagsabgeorüneier 0. Otio Everling einen Vortr,ig
über die Frage biclt, wie au! Grunü ücr Neichsvcrsassung sich im Rsli-
gionsunterrichi Las Berbältnis von Schnle und Kirchc g:stolst-n
soll. Da dcr Artikel 14S bestimmt, dast ösr Ncligionsunterrtcht in Ucdcr-
einstimmnng mik -ben Grundsätzcn ber NcligMnSgemeinschastcn crteilt
wird. io bcschränkte stch v. Evsrling aus die bcidcn Fragcn. wclckcs Lic
GrundIätze seicn und wie ibrc Ueüereinstimmung im Unicrricht «est-
gcftellt werüen solle. N-ach cvangclischer Anssassung gibt es keine mit
Nechtsbesugnissen auszestattete-Stelle, die diesc Grnndsätze mit rcchtsoer-
bindlicher Kraft aufstellt. Der Vortragcnde stüst jtch auf den b-'iM
Kirchcnbundtag in Stuttgart einstimmig gesatztcn Beschlntz: »Als dic
Grundiätze gelten die Normen dcs christlichcn Glaubens nnd Lebcns, wie
sie in dem in ber Hciligcn Schrift gegcbcnen nnd in dcn Bekcnntnissen
der Rcsormation bszengteii Evangelium e.n-baltcn s!nd." — Ebenso we.t-
bcrzig wie die Grundsätzc mutz auch bas Berkavrc» eingerichtci werdcn,
wie Lic Ucbcrcinstimmuiig sestgestelli wird. Es sind unter a-b3br->nöer
Bcrücksichtigung der RcügionSlehrer Organe zu bULcu. Lie r»»
inneren Zusammenbang ziviickcn KirAc und Schulc walzrcn. Gcn>üb!te
Bertrauensmänner der Religionslchrcr iollen mit solchcn dcr Kirbe
üvcr dic Ucb-r-instimmung wachen und im Falle der Psrieblungcn zu-
nächft in gütUchem und iollegialem Vcrbandcln Abhilfc schaffcn. Die
Bcforgnisse wcgcn der von ber aUvrcutzisch-n veriaisunggebcnden Airchen-
vcrsammlung bcschlosscnen fogenannicn Preambel räuiiUc der Vor-
tragcnde mit dem Hinivcise wcg, datz dicscr bcdauerlich-rwciie beichiossi-ie
Eingang der Kirchsnverfassung nicht ,u cincr lchrgcsctzUchen Bii'durig
wedcr für Pfarrcr noch sür Lcbrcr werdcn könne und dürfe. Dtc AuS-
sührnngcn von I). Everling wurdcn mit lcbbastem Dank unü einmütiaer
Zustimmnng entgegcngenommcn.

zeugt-n. was untcr sinngemätzcr Leitung unsere Schausviclkräfte ,u lersten
imstanüe wären. Ter Ersolg Lcs Abends bestärkte Len Wunsch und die
F-orderung, batz nunmebr cine ernstbastc und zietbcwutzte, der Würde
und Ueberlieserung der Bübne entsvrechenbe künstlerisch: Arbeit wicüer
emsetzen mpge. Ilsinricd Usis.

D-r Richard-W«aner-Ber-i» D-rmftadi bcschlietzt scin 33. Bcreins.
jabr bei 214 Neucintritten mit 914 Mitgliedern. Für scin am
S. Januar b-cgonncncs ncucs Dereinsiabr wurüc ein viciseitigcs Pro.
xramm aufgestellt. So sind zu Liederabcndcn eingcladcii wordcn Johanna
Heffe von Drcsdcn. Marga von RogaUnska-Daum von Saarbrücken lLiedcr
und Arien mit obligater Nlötc), Paul-a Werner-Jcnscn von LerUn lmit
nsuen Licdcrn von Arnold Mcndclssobn) und Aleris as Enebiclm, zu
eincm Klavicrabend dic Pianistin CaroUnc Lankhout von Amsterdam. su
^VioUnabrnden Stessi Koschate von Lüdcnscheid und Otto Drumm. Für
Kammcrmnsitabcndc sind in Aussicht genommen Sovbrc Schmidt-JlUng
lSooran) und Ernst Schmidt lViolinc) von Banrcutb, somic daS Tarm-
ftädtsr Bläserauintctt mit Joses Noscnstock lKlavicr), das Havemann-
Ouartctt und daS Stttttgartcr Strcichauartett. Sngo Wols wird mit
ssincm vollständigcn „Jtalicnischen Licdcrbuch" zn Worte kommcn, zu dcffen
Auffübrung ffch Hclcnc Stoosz von Lausanne, Earl Nehfuh lBariton) und
Willy Satomon (Älavicr) von Srankmrt a. M. rusammengetan babcn

Hochschulnachrichjen.

Dic Privatdozentin sür Staatswisscnschastcn tn Berkin Charlotte
Leubuschcr wurdc beaustragt, in Göttingen Borlciungen und
Uebungen zu haltcn. — Dcr Bcrlincr Acanotolog- Adolf Erma»
tritt zum 1. Avril zurück. — Am 28. Januar bcgeht Frau Maric Alt»
h o s s. dic Witwc dcs Ministcrialdirektvrs, in Berlin-Stcclis ihren 8». Ge-
burtStag. — Dcr auszcrorü. Proscffor sür Cl-cmie in B e r l i n Hans
Pringsbeim erbieli Lehrauftrag sür Zuckcrchemie. — Der Ordinarius
der Zoologie und vcrglcicheudcn Anatomie in Greisswald Wilüclm
Müllcr tritt zum I. Avril znrück. — Der B o n n c r Privatdozent
W. Diitbey erhielt Lebraustrag sür spezielle organischc Cbcmie, ins-
bcsondcre organische Farbstosfc.

Am Zoolocischen Museinn der Univcrsitäi DcrIin D-, Moicr zum
Kustos einannt. — Dcr Diplomlandwirt Dr. W e st v b a l wurdc zum
Vorstebcr dcs betricbswiffenschastUchen Jnstituts an dcr Vcrfuchs- und
ForscbungsanstaU sür Milchwirtschast in Kiel ern-annt.

Dcr Lcbrstnbl dcr Hizgicne in F- r c i b u r g wnrbc bem Gebeimrat
Paul UbIcnbutb in M arburg angcboten. — Dcr Privatdozent für
sostcmatische NcUgionsivisscnschast in Kic l. Stndienrat I-ic. Wilhclm
Brnhn wurüe von dcr tb-eologischen Nakultät Marburg znm E.hrcn-
doltor ernannt. — Dcr a. o. Profcssor zu B r a u n i ch w e i g Georg Iahn
ist zum Avril zum ord. Proscssor iür den ncucn Lehrsiub-l für S-oziotogie
in Dresdcn «rnannt. — Nus: babcn angcnommcn: Pros. Otto F- r a n k c
in Hamburg für Siiwlogie in Bcrlin als Nachsotgcr de Groots und
Prof. Nudolf Pummcrer in München inr Cbemic in Greifswald
a!s Nachfolgcr Mcisenbcimcrs. -

Jn Würzburg wurdc dcr Profcffor für Augcnbcilkunde Karl
Wesselv Geh. Mcdis-nalrat. dic Thcvloo.cn Valentin Wcbcr.
Srbastian Mcrklc, Joscf Zahn nnd Johannes Hehn, dcr Historikcr
dlnton Cbroust und der Matbematiker Geovg R o st erbiclten dcn Tltij
Geh. Rcgierungsrat.
 
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