- Vr. 71
Ee Pofi" rrschcint wöchcntl siebenmal. Pel a cn: Didnskalla iLonntl —
rUiiveriLNi!, IFreitngsI - Llteratukblatt - vochkchu'beilase <mona«li»>.
, ohne Derantwortnng. Rück ;-duna nnr. wenn Porto beiteat.
Heidelberger Zsitung
(Gegründet 1858)
und
Handelsblatt
Mensiag, u. Mrz isrr
H-npta-lchS trliellc , ristleitg. d-r.Vadisch-n Post'Hetdelberg.Hanvtstr. Lü.
Nr. 182 (Bcrla» "ranIfurt a.M I B-rliner Vertretung: Berlin Lvr l'-
Nratzeg Fernlyr M inchncrVertret., München.Eeorgenstr. M7. Ncr
lernspr.: I
i,n--
^ostfchech.Knni» - Fraukknr« «. M. V141»
^«'iru ^^^drcis d-r .Bad.Post' Mk.3L»ll- lansschl. Zustcllgcbiihr». Eelbstalchol. Mk. 310V.-. »lusland Mk. SSVg.-
vis znm 2. ied.Mir angcnommin. Am l u.L. noch gclicf. Zeitnngeu sind nach d. Eiiizelvcrlaufrpreis zube-
»>— ^v.EIuzrlnnmmer Mr. 140.-. Jst d e Zeitnng am Erschrincn verhindert.chcsteht kein Anspruch aufEntschSdigung.
«ostscheck.«outo: Sranrfurt a. M. »141»
«nzetgeuvrelse: die 44 mm bieite N-npar-illezcile kostet: lokaleEtellengesuche Mk.8<>-, >l.E«lcgenheilsanzci«en MI I0V.-,
Familienanzeigen Mk 8V.-. Geschäsiranzcigcn M«.175.->Finanz< und Jndustricanzeigen Mk. L5tt.-,mit PlaSvorschrifi nnd
MontagrMI. IN.-mchr. Dic »8 mm brcile Rckiame .eiie kostet Mk.SV» —, Anzeigen «nü Reklameu vo» aur uärts 25"/« hoher.
Dir VrWer Konserenz.
Bcgimi der Berctungen.
unserem U-Korrespondenten.
Paris, 12. März.
-.8 ^ Korrsspondent des „Daily Expreg" Lehauptet, datz
»,°^Der°r ALreise nach Brüssel eine Besprechung mit
i-^Usta ^ hatte. Poincars fuhr heute morgen 8 Uhr in Be-
Diroli— e..._ cii__^..e 4->..-r
tr r y. ^irektors sür poliLische Angelegenheiten aus Lem Quai
°id ' Um " ""ch Brüssel, wo sie um 1.2Ü llhr ein-
!!» ^ussen Uhr war bereits der Kriegsminister Magino
' ,Er h^tte sosort eine Besprechung mit dem belgischcn
. 'E b°!. . ^'3unasmin,st->i- Am Mittaa sand ein FkriiL-
Dberlommissar Tirard und der belgische Oberkom-
0 l 7 . ..
i, Cjr '"^-Jacquenyes beiwohn'.en, endlich auch dcr
„w .^^nminister Neuj
^>bor injj^^^ nachmittags. Äm Vormittag hatten Theunis uiid
i ^-ster belaischen Vandesverteidiaunas- und Eijenbakm-
e a n. Die eigentliche Besprechung
belgischen Landesrerteidigungs- und Eisenbahn-
^tragcn^ ^"ichledenen Lachvcrständigen für Kohlen- und Eiscn-
"terredungen gehabt.
sranzöflfthe SWere ermordet.
! Z, h Buer.1L. MSr»
iLsi, vom iy. ,«m 11. MSr, find l» Burr zwei
t>m^°rdtot « I ^ls^ierc ermordet worde». Trohder» über
sy, das, hj ^sne amtlichen Nachrichten vorliegen und die Ber-
w-n° beiden Ossiziere von deutscher Seit» ermordet wor»
Franzoseu als Mörder sestgeftellt.
unserer Berliaer Redaktlon.
^si^'kche i,.7,'"ichasten wurdea bis aus weiteres geschlossen. Ans
Fro» Bürger wurden am Sonntag von Trupps be-
>r che „ auseinandergejagt, mit K-?lbenstöhen und Reit-
sra„.jjn," -iugerichtet «nd gezwungen. Plakate anzukleben,
M,?^Sten K 'ch^" Rcpressalien anlündigen. Da die Plakate von
" djx ^ "vlke.ung saft siimtlich wieder abgerissen wurden, ver-
^bt, ^8 u„d °"il>sen eine Neihc von Biirgcrn, nahmen ihnen die
''»t.h Plasg,^ °osahlen ihncn, die ganze Macht bei dcn neu ange-
abqerin ^ache zu stehen. Für den Fall, daft die Plakaki
e». »en werden lslltcn. würden die Kivilpottcn erschsfie«
<'ch«u
^-si.
b°r
° "ch «ram^ seines Kindes e schoficn wurde (beide,
""kbetrj,? l Uhr »bends aus der Strasze sehen lietzen), und der
'lh Erund Burghoss, der in der oorhergchcnden
'»>> d, "UzilUj. uiit dem Mo>d nicht im Zusammenhang stehen-
b zur ii ., ""haftet wordcn war. Burghosf wurde «rschlagen
-'"enntlichkeit rntstellt.
«ns zoge!
^'ft-llt. datz
Üud - "" 'n Frage lo
zugehenden Meldung, wurde schlietzlich
als Mörder zwei sranzö-
Frage lommen, di« glcich nach der Tat ent-
,-b> s, tbjg, uaglaublichen Reprefialien gcgen eine völlig
b«r ^°uölksrung stellen also einen neorn unerhör-
ch- Dis„i^ ""'nuileit und Unmenschlichkeit dar, dem lrider drei
^ens» unü Unmenschlichkeit !
t-nleben zum Opser gesalle» stnd.
AWjsf auf das Thyssenwerk.
kbewaltjame Beslandsausuahme.
- sust Aoinx Hamborn, 12. März.
^Uljs, ° D h „, 'e Belgler besetzte sämtliche Werleingänge der
»5 ber ein, Eine sranzösisch-belgische Jngemeur-
An^^-ktion',F°bleitet von mehreren Ofsizieren, und^verlangte
ksx,b'us>en. ^"Saben übcrdie Bestände an Waren
li, " da?'n."Sendw>?t!-.°^^"°""^ Kanaris lehnte e» in aller
li , -k-eten >,'"-°»^"2uben ru machen und legte Berwahrung
h L'-r d°- Mer.es -in. Auch d-r Betri - bsr ° t und
verlangten die sofortige Zurück-
der :' blejj „ ^ und crklärten, datz sie e i n m ü t i g h i n t e r
»i- ^estön?"^sischen iv >'?"ben. Die Kommission erklörte, auf Be-
vor„,„ ^-8>erung zu handeln und eine Vesichtigung
^ril Nnien zu müsssn di-k-n,
^l->
ÄZers»" nrüssen. Jn diesem Augenblick ertönten
5 ' bie w Tausende von Veamten und Arüeitern
r-w ^ben 'ndem sie sich vor das Direktions-
^°n ^hutzs ^ umstellten. Die Kommission vrang
Siiui°?°nds von kd, bas Werk ein Währenddessen
'^>Ien die ?/"bblattern von den Dächern der umliegen-
M!ils,°!^be niedergsworlen. Als dann Frjtz
kein ber Stratze erschien. woll-
^b°n v)i.?"b das "^hwen. Eegen 12.30 Uhr rückten die
die wZ °b- «rst dann schwiegen die
v nv der ganzen Dauer der Anwesenheit d«r
Eindringlinge geheult hatten. Die Belegschaft nahm die Arbeit
wieder aus.
Sraf Lerchenseld m Amerika.
Eine Nede in der Deutsch-amerikanischen HilssgcseUschast.
Bon unserer Münchener Redaktton.
München, 12 März.
Der frühere bayrische Ministerpräsident Gras Lsrchenfeld,
der sich auf eincr Amerikareise befindei. sprach, laut einer Mittei-
lung an die „Münchner Zeitung" in der New Porker Deutsch-ameri-
kanifchen Hilfsgesellschaft iinv zwar lediglich als Privatmann,
wie er hervorhob, Lber die fortgesetzte Bedrohung der
deutschen Ehre, die mehr als Eeüiets- und Vermögensoerlust
schmerze, Lber das erzwungene Bekenntnis der Allein-
schuld Deutschlands am Krieg, die Unbill der schwarzcn
Schmach und den französisch-belgischen Ruhreinfall. Dabei
betonie er die Unmöglichkeit Deutschlands, siir seinen Arbeitswillen
einen festen Standpunkt zu gewinnen,- als Erundlage dafür brauche
Deutschland den Frieden. So edel und dankenswert die Wohl-
tüligkeit ist, so kann sie nur v o r fi b e r g e h e n d die augenblicktiche
Not lindern: bie Aktion Ledarf der Ergänz.ung durch das klare
Bcrenntnis, datz die jetzigen Verhältnisfe u n h a l 1 ü a r sind. — Auch
die Gräfin Lerchenfeld, bekanntlich eine geborene Amerikanerin, gab
«ine Schilderung der Zustände in Deutschland, die ste als ord-
nungslos bezeichnete. Es sei die heilige Pflicht der
Deutschamerikaner, den Stammesgenossen zu helfen. Eraf und
Eräfin Lerchenfeld sind gegenwärtig Gegenstand grötzter Aufmerk-
famteit weiter deutfch-amerikanischer Kreise.
Sas Deflzit ber pofl.
Der Postetat oor dem Haushaltsausschntz.
Bon unserer Berliner Redaktioa.
Berlin, 12. März.
Zm Haushaltsausschutz des Reichstags führte bei Ler Bcratung
des Postetats Reichsxostminlster Stingel aus, datz gegenllber dem
Boranschlag. der mit einer Einnahme von 264,6 Milliarden und einer
Ausgabe von 344,8 Milliarden und einem Fehlbelrag von 80,6 Mil-
liarden abschlotz, die Zahl heute bei einer Einnahme von etwa 764,6
Milllarden und einer Ausgabe von etwa 1699.2 Milliarden einen
Fehlbetrag v»,.-, etwa 1204,6 Milliardcn ergeüe. Die Tarif-
erhöhungen haben einen starken Rückgang des Fami-
lienverkehrs und des Verkehrs auf kulturellem Gebict
zur Folge gehabt, während der Eeschäftsverkehr zum Teil die altc
Hohe wieder erreicht, zum Teil sogar überschrilten hat. Die Brics-
post ist um mehr als die Hälste zurückgegangen, die Paketpost um
43 Prozent. Der Verkehr mit dem Ausland hat in Europa noch nicht
wieder die srühere Höhe erreicht, dagegen hat der Lberseeische Vcr-
kehr seine alte Bedeutung vielfach wieder gewonnen. Auf vcrschie-
dene Einwendungen hin mutzte der Minister zugeben, datz das gegen-
wärtige Desizit derPost in absehbarer Zeit nicht abzu-
bürden sei und datz alle tariflichen Aenderungen und Sparmatz-
nahmen an diesem Zufland nichts zu ändern vermöchten. Jn der
Debatte wurde darauf hingewiesen. datz die Entlafiung von Veamten
vielfach noch unzureichend gewesen sei.
Abbau der Kohlenffeuer?
«erlin, 12. März. (Eig. Drahtm.) Wie Berliner Blättern mit-
geteilt wird, ist die Stimmung in allen Parteien, die in der Kom-
mission des Reichstages vertreten sind, die sich mit der Frage dcr
Deibehaltung oder mit dem Abbau der Kohlensteuer beschäftigt, dcr-
artig, datz alle ohne Ausnahme einen Abbau der Kohlensteucr wün-
schen, da sie der Ansicht sind, datz damit zugleich eine Ver-
billigung aller Warenpreise herbeigeführt würde.
Einziger Eegner eines Abbaus der Kohlensteucr ist der Reichssinanz-
minister, der nlcht mit Unrecht darauf hinweist, datz die Kohlensteuer
eine grotze Summe einbringt, die nicht ieicht durch eine andere
Steuerquelle zu ersetzen ist. Verschiedene Anzeichen lafien darauf
schlietzen, datz man versnchen wird. die verschiedenen Kohlenbezirke im
Abbau dieser Steuer individuell zu behandeln.
Gin Dementi Ludenborffs.
München, 12. März. (Elg. Drahtm.) Eegenüber den Verleum-
dungen der „Noten Fahne" und anderer Berliner Organe. datz Ee-
neral Ludendorss mit in die schwebenden Hochverratsange-
legenheiten in München verwickelt sein soll, lätzt dieser folgendes
erllären: „In München wird anläßlich der jetzt klär und in er-
schreckender Weise zutage getretenen Wirksamkeit Frank-
reichs inBayern aus gewissen Kreisen anscheinend als Ab-
lcnkungsmanöver und aus durchsichtigen Gründen verbreitet, ich wäre
auch ein Opfer französischer Tätigkeit gewordcn, indem ich, durch
sranzösische Spitzsl verleitet, bereit gewesen wäre, Wasfen aus Miin-
chen nach Ungarn zu versenten: diese Waffen würen bei der Absen-
dung in MUnchen in die Hände dcr sranzösischen Spitzel gefallen. Zch
erkläre, datz an Ler ganzen Sache, soweit meine Person in Frage
kommt, kein wahres Wort ist."
Autzer dieser Erklärung wird in der Prefie gemeldet, datz ent-
gegen den Mitteilungen der „Roten Fahne" Leneral Ludcndorff seit
2. März in Prinz Ludwigshöhe bei München unausgesetzt anwesend
aewejen ijt,
Llnd der preisabbau?
Es bedarf kaum eincs Hinweises darauf, datz der Preis»
abbau heute die bei uns wichtigste und ausschlaggebendste Frage
darstellt. Nicht nur wirtschaftliche, fondern fast mehr noch allge-
mein politisch. Von jhrer Lösung hängt schlechthin alles ab.
Sie bildet das Rückgrat unjeres ganzcn nationalcn Abwehrwillens,
der inneren Eeschlofienheit, des passiven Widerstands. Er darf nicht
durch die Sorge um das tägliche Leben, durch Lie bange Frage, wa»
morgen und iikermorgen sein wird, unterhöhlt wcrden.
Seit Wochen häjt sich der Dollarkurs auf der Höhe von
rund 20 000 und es sind alle Anzeichen Lafür vorhanden, datz er sich
auch in den kommenden Wochen auf dicser Höhe halten wird. Die
Stützungsaktion der Mark hat überraschcnd schnell gewirkt. Es ist
gelungen, dcn Dollar, der am 10. Januar, dem Tage vor dem Ein«
marsch der Franzosen in Las Ruhrgebiet, auf 10 000 gestanden hatte
und der dann in den letzten Ianuartagen aus 60 000 hinda'.lfgeschnellt
war, auf seinen jetzigen Stand herabzudrllcken und zu haltcn. Aber
von einer Preisbewegung nach unten ist, mit ganz gerin»
gen und in gar keincm Verhältnis zu dem Dollarsturz stehenden Aus-
nahmen, nichts zu merken. Die Preise haben fich zwar, als der Dollar
fprunghaft in die Höhs ging, überraschend schnell der Kursbewegung
nach oven angeschlossen, aber die Preissenkung entsprechend Ler Kurs«
bewegung nach unten lätzt auf sich warten. Das ist ein unhalt»
barer Zustand, ist es besonders in so politisch bewcgten Zeiten,
wie wir sie jetzt durchleben und wo für uns alles auf dem Spiel !
steht, und es mutz mit aller Entschiedenheit gefordert werden, datz di«
Regierung der Frage des Preisabbaus grötzcre Aufmerksamkeit i
zuwendet und kräftiger durchgreift, als es bisher leider der Fall war. j
Es soll nicht verkannt werden, datz sich der Rcgelung der Frage :
erhebliche Schwierigkeiten in Len Weg stcllen. Da ist vor i
allem die leidige „Z u st ä nd i g ke i t", die ein einschlofienes Durch» !
greisen hindert. Drei Reichsministerien, Dutzende von Landesmini- '
sterien, Hunderte von sonstigen amtlichen Stellen der Regierung und
der Eemeinden sind schlietzlich mehr oder weniger „zuständig". So
i kommt es denn, datz wir immer wieder von allerlei Erlafien und
Versügungen hören, die von Berlin aus in das Land hinausgehen
und die den Wucher und die übertriebene Preisbildung schärser cr»
fafien sollrn, aber erreicht wird durch all die papiernen Verfiigungen
nichts. Die Sache mutz anders angepackt, mutz von einer einzigelt
Z e n t r a l st e l l e der Reichsregierung, die mit absoluter Machtbe-
sugnis aus gestattet ist, in die Hand genommen und straff durchgcführt
werden. Durchgeführt über alle „Refiortbedenken" und gefetzlichen
Schwierigkeiten hinweg. Wir leben im Kriegszustand. Leben in
einem wirtschaftlichen Noistand ohne gleichen. Da sollten wirt» !
schastliche Notgesetze eine Selbstverständlichkeit sein. Wirt«
jchaftliche Notgesetze, nicht von dcr Art, wie das sogenannte Notgesch,
mit dem wir kürzlich auf dem Umweg über den Neichstag beglückt
worden sind und das mit einer iiberängstlichcn Zaghaftigkeit, di« nur
wiedcr aus den leidigen xarteipolitischcn Riicksichtcn zu erklären ist,
offensichtliche Mitzständ« nur leise streist, wo scharfes Zupackea
nötig wäre.
Die Regierung Tuno gibt sich, was durchaus nicht in Abred«
gestellt werden soll, ersichtlich Mühe, auf eine Siabilisierüng der in-
neren wirtschaftlichen Verhöltnifie hinzuarbeiten. Aber die Wider-
stände sind anscheinend grötzer, als man anzunehmen geneigt ist.
Man kann mit einem SystemdesSchlendrians und Eehen- i
lassens, das nicht nur autzenpolitisch, sondern auch für unsere Ver- >
hältnisse im Innern in jahrelanger Praxis so üble Folgeerscheinun- i
gen gezeitigt hat, nicht von heute aus morgen brechen. Eine Wirt»
schaftspolitik. die jahrelang unter dem Druck der Ee«
werkschastsführer geflanden hat, kann nicht in wenigen Mo-
naten aus einen ganz Aeuen Doden gestellt wsrden.
Wir haben ja gerade in den allerletzten Tagen wieder gesehen, '
welche Schwierigkeiten sich bei dem Bemühen der Rrichsregierung»
die Lohnverh 8 ltnisse mit den P r e i s v e r h ä l t n i s s e n in
einen gewifien Einklang zu bringen und hier für eine gewifie Stetig-
keit zu sorgen, erhoben haben. Die Arbetter sind für di« Einsicht,
datz jede Lohnerhöhung hühere Preije und jede Pleiserhöhung wieder
neue Lohnsorderungen nach sich zieht, nicht zu haben. Man hat ste !
so daran gewöhnt, datz alle xaar Wochen mit automatischer i
Regelmätzigkeit eine Lohnerhöhung eintritt. datz man sich
nicht mit dem Gedanken vertraut machen will, datz auch da endlich
einmal ein encrgischer Schnitt gemacht werden mutz, wenn wir über-
haupt zu einer wirtschastlichen Eesundung kommcn wollcn. Auch
diesmal sind d!e Eewerlschaftsführer sofort beim Rcichslanzler „vor-
stellig" geworden und haben von der „lebhaften Beunruhigung" der
Arbeiterschaft gesprochen, die die Absicht der Regierung, endlich auch
an den so notwendigen Abbau der bisherigcn Praxis der automa-
tischen Lohnsteigerungen heranzugehen. hervorgerusen habe. Dr.
Tuno hat die Eewerkschastsführer darauf hingewiesen, datz gerccht»
fertigte und durchaus notwendige Lohnerhöhungen auch in Zukunft
erfolgen sollten, datz man abex von dem bisherigen Brauch der a l l»
gemeinen Lohnerhöhungen abgehen miifie, wenn man !
zu dem crwünschten Preisabbau und der notwendigen Markbefestigung i
gelangen wolle. r
Es bleibt abzuwarten, welche Wirkung diese Erklärung auf di« >
Arbeiterschaft haben wird. Jhr wird schlietzlich jede Lohnforderung j
als notwcndig und gerecht erschcinen. Aber der Anfang mit dem >
Abkau mutz einmal gemacht werden und er mutz bei den Arbeitcrn '
einsetzen, weil sich hier die Wirkung am intensivstcn und unmittel-
barsten zeigt. Eine kurze Zeit der Opferwilligkeit ist nötig, weil
nur dann der Preisabbau möglich ist, ron dem wieder der Arbciter
in erster Linie Lcn Vorteil haben wird. Die Einsicht, datz Opfor er-
fordcrlich sind, um zu einer Eesundung des gesamten Volkskörxers
zu kommen, mutz den Arbeitern beigebracht werden und man sollte
nteinen, datz in einer Zeit, wo es sich um Sein odcr Nlchtsein der
ganzen Nation handelt. auch die sozialistischen Führer alle agitatori-
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, ohne Derantwortnng. Rück ;-duna nnr. wenn Porto beiteat.
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Nr. 182 (Bcrla» "ranIfurt a.M I B-rliner Vertretung: Berlin Lvr l'-
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lernspr.: I
i,n--
^ostfchech.Knni» - Fraukknr« «. M. V141»
^«'iru ^^^drcis d-r .Bad.Post' Mk.3L»ll- lansschl. Zustcllgcbiihr». Eelbstalchol. Mk. 310V.-. »lusland Mk. SSVg.-
vis znm 2. ied.Mir angcnommin. Am l u.L. noch gclicf. Zeitnngeu sind nach d. Eiiizelvcrlaufrpreis zube-
»>— ^v.EIuzrlnnmmer Mr. 140.-. Jst d e Zeitnng am Erschrincn verhindert.chcsteht kein Anspruch aufEntschSdigung.
«ostscheck.«outo: Sranrfurt a. M. »141»
«nzetgeuvrelse: die 44 mm bieite N-npar-illezcile kostet: lokaleEtellengesuche Mk.8<>-, >l.E«lcgenheilsanzci«en MI I0V.-,
Familienanzeigen Mk 8V.-. Geschäsiranzcigcn M«.175.->Finanz< und Jndustricanzeigen Mk. L5tt.-,mit PlaSvorschrifi nnd
MontagrMI. IN.-mchr. Dic »8 mm brcile Rckiame .eiie kostet Mk.SV» —, Anzeigen «nü Reklameu vo» aur uärts 25"/« hoher.
Dir VrWer Konserenz.
Bcgimi der Berctungen.
unserem U-Korrespondenten.
Paris, 12. März.
-.8 ^ Korrsspondent des „Daily Expreg" Lehauptet, datz
»,°^Der°r ALreise nach Brüssel eine Besprechung mit
i-^Usta ^ hatte. Poincars fuhr heute morgen 8 Uhr in Be-
Diroli— e..._ cii__^..e 4->..-r
tr r y. ^irektors sür poliLische Angelegenheiten aus Lem Quai
°id ' Um " ""ch Brüssel, wo sie um 1.2Ü llhr ein-
!!» ^ussen Uhr war bereits der Kriegsminister Magino
' ,Er h^tte sosort eine Besprechung mit dem belgischcn
. 'E b°!. . ^'3unasmin,st->i- Am Mittaa sand ein FkriiL-
Dberlommissar Tirard und der belgische Oberkom-
0 l 7 . ..
i, Cjr '"^-Jacquenyes beiwohn'.en, endlich auch dcr
„w .^^nminister Neuj
^>bor injj^^^ nachmittags. Äm Vormittag hatten Theunis uiid
i ^-ster belaischen Vandesverteidiaunas- und Eijenbakm-
e a n. Die eigentliche Besprechung
belgischen Landesrerteidigungs- und Eisenbahn-
^tragcn^ ^"ichledenen Lachvcrständigen für Kohlen- und Eiscn-
"terredungen gehabt.
sranzöflfthe SWere ermordet.
! Z, h Buer.1L. MSr»
iLsi, vom iy. ,«m 11. MSr, find l» Burr zwei
t>m^°rdtot « I ^ls^ierc ermordet worde». Trohder» über
sy, das, hj ^sne amtlichen Nachrichten vorliegen und die Ber-
w-n° beiden Ossiziere von deutscher Seit» ermordet wor»
Franzoseu als Mörder sestgeftellt.
unserer Berliaer Redaktlon.
^si^'kche i,.7,'"ichasten wurdea bis aus weiteres geschlossen. Ans
Fro» Bürger wurden am Sonntag von Trupps be-
>r che „ auseinandergejagt, mit K-?lbenstöhen und Reit-
sra„.jjn," -iugerichtet «nd gezwungen. Plakate anzukleben,
M,?^Sten K 'ch^" Rcpressalien anlündigen. Da die Plakate von
" djx ^ "vlke.ung saft siimtlich wieder abgerissen wurden, ver-
^bt, ^8 u„d °"il>sen eine Neihc von Biirgcrn, nahmen ihnen die
''»t.h Plasg,^ °osahlen ihncn, die ganze Macht bei dcn neu ange-
abqerin ^ache zu stehen. Für den Fall, daft die Plakaki
e». »en werden lslltcn. würden die Kivilpottcn erschsfie«
<'ch«u
^-si.
b°r
° "ch «ram^ seines Kindes e schoficn wurde (beide,
""kbetrj,? l Uhr »bends aus der Strasze sehen lietzen), und der
'lh Erund Burghoss, der in der oorhergchcnden
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b zur ii ., ""haftet wordcn war. Burghosf wurde «rschlagen
-'"enntlichkeit rntstellt.
«ns zoge!
^'ft-llt. datz
Üud - "" 'n Frage lo
zugehenden Meldung, wurde schlietzlich
als Mörder zwei sranzö-
Frage lommen, di« glcich nach der Tat ent-
,-b> s, tbjg, uaglaublichen Reprefialien gcgen eine völlig
b«r ^°uölksrung stellen also einen neorn unerhör-
ch- Dis„i^ ""'nuileit und Unmenschlichkeit dar, dem lrider drei
^ens» unü Unmenschlichkeit !
t-nleben zum Opser gesalle» stnd.
AWjsf auf das Thyssenwerk.
kbewaltjame Beslandsausuahme.
- sust Aoinx Hamborn, 12. März.
^Uljs, ° D h „, 'e Belgler besetzte sämtliche Werleingänge der
»5 ber ein, Eine sranzösisch-belgische Jngemeur-
An^^-ktion',F°bleitet von mehreren Ofsizieren, und^verlangte
ksx,b'us>en. ^"Saben übcrdie Bestände an Waren
li, " da?'n."Sendw>?t!-.°^^"°""^ Kanaris lehnte e» in aller
li , -k-eten >,'"-°»^"2uben ru machen und legte Berwahrung
h L'-r d°- Mer.es -in. Auch d-r Betri - bsr ° t und
verlangten die sofortige Zurück-
der :' blejj „ ^ und crklärten, datz sie e i n m ü t i g h i n t e r
»i- ^estön?"^sischen iv >'?"ben. Die Kommission erklörte, auf Be-
vor„,„ ^-8>erung zu handeln und eine Vesichtigung
^ril Nnien zu müsssn di-k-n,
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ÄZers»" nrüssen. Jn diesem Augenblick ertönten
5 ' bie w Tausende von Veamten und Arüeitern
r-w ^ben 'ndem sie sich vor das Direktions-
^°n ^hutzs ^ umstellten. Die Kommission vrang
Siiui°?°nds von kd, bas Werk ein Währenddessen
'^>Ien die ?/"bblattern von den Dächern der umliegen-
M!ils,°!^be niedergsworlen. Als dann Frjtz
kein ber Stratze erschien. woll-
^b°n v)i.?"b das "^hwen. Eegen 12.30 Uhr rückten die
die wZ °b- «rst dann schwiegen die
v nv der ganzen Dauer der Anwesenheit d«r
Eindringlinge geheult hatten. Die Belegschaft nahm die Arbeit
wieder aus.
Sraf Lerchenseld m Amerika.
Eine Nede in der Deutsch-amerikanischen HilssgcseUschast.
Bon unserer Münchener Redaktton.
München, 12 März.
Der frühere bayrische Ministerpräsident Gras Lsrchenfeld,
der sich auf eincr Amerikareise befindei. sprach, laut einer Mittei-
lung an die „Münchner Zeitung" in der New Porker Deutsch-ameri-
kanifchen Hilfsgesellschaft iinv zwar lediglich als Privatmann,
wie er hervorhob, Lber die fortgesetzte Bedrohung der
deutschen Ehre, die mehr als Eeüiets- und Vermögensoerlust
schmerze, Lber das erzwungene Bekenntnis der Allein-
schuld Deutschlands am Krieg, die Unbill der schwarzcn
Schmach und den französisch-belgischen Ruhreinfall. Dabei
betonie er die Unmöglichkeit Deutschlands, siir seinen Arbeitswillen
einen festen Standpunkt zu gewinnen,- als Erundlage dafür brauche
Deutschland den Frieden. So edel und dankenswert die Wohl-
tüligkeit ist, so kann sie nur v o r fi b e r g e h e n d die augenblicktiche
Not lindern: bie Aktion Ledarf der Ergänz.ung durch das klare
Bcrenntnis, datz die jetzigen Verhältnisfe u n h a l 1 ü a r sind. — Auch
die Gräfin Lerchenfeld, bekanntlich eine geborene Amerikanerin, gab
«ine Schilderung der Zustände in Deutschland, die ste als ord-
nungslos bezeichnete. Es sei die heilige Pflicht der
Deutschamerikaner, den Stammesgenossen zu helfen. Eraf und
Eräfin Lerchenfeld sind gegenwärtig Gegenstand grötzter Aufmerk-
famteit weiter deutfch-amerikanischer Kreise.
Sas Deflzit ber pofl.
Der Postetat oor dem Haushaltsausschntz.
Bon unserer Berliner Redaktioa.
Berlin, 12. März.
Zm Haushaltsausschutz des Reichstags führte bei Ler Bcratung
des Postetats Reichsxostminlster Stingel aus, datz gegenllber dem
Boranschlag. der mit einer Einnahme von 264,6 Milliarden und einer
Ausgabe von 344,8 Milliarden und einem Fehlbelrag von 80,6 Mil-
liarden abschlotz, die Zahl heute bei einer Einnahme von etwa 764,6
Milllarden und einer Ausgabe von etwa 1699.2 Milliarden einen
Fehlbetrag v»,.-, etwa 1204,6 Milliardcn ergeüe. Die Tarif-
erhöhungen haben einen starken Rückgang des Fami-
lienverkehrs und des Verkehrs auf kulturellem Gebict
zur Folge gehabt, während der Eeschäftsverkehr zum Teil die altc
Hohe wieder erreicht, zum Teil sogar überschrilten hat. Die Brics-
post ist um mehr als die Hälste zurückgegangen, die Paketpost um
43 Prozent. Der Verkehr mit dem Ausland hat in Europa noch nicht
wieder die srühere Höhe erreicht, dagegen hat der Lberseeische Vcr-
kehr seine alte Bedeutung vielfach wieder gewonnen. Auf vcrschie-
dene Einwendungen hin mutzte der Minister zugeben, datz das gegen-
wärtige Desizit derPost in absehbarer Zeit nicht abzu-
bürden sei und datz alle tariflichen Aenderungen und Sparmatz-
nahmen an diesem Zufland nichts zu ändern vermöchten. Jn der
Debatte wurde darauf hingewiesen. datz die Entlafiung von Veamten
vielfach noch unzureichend gewesen sei.
Abbau der Kohlenffeuer?
«erlin, 12. März. (Eig. Drahtm.) Wie Berliner Blättern mit-
geteilt wird, ist die Stimmung in allen Parteien, die in der Kom-
mission des Reichstages vertreten sind, die sich mit der Frage dcr
Deibehaltung oder mit dem Abbau der Kohlensteuer beschäftigt, dcr-
artig, datz alle ohne Ausnahme einen Abbau der Kohlensteucr wün-
schen, da sie der Ansicht sind, datz damit zugleich eine Ver-
billigung aller Warenpreise herbeigeführt würde.
Einziger Eegner eines Abbaus der Kohlensteucr ist der Reichssinanz-
minister, der nlcht mit Unrecht darauf hinweist, datz die Kohlensteuer
eine grotze Summe einbringt, die nicht ieicht durch eine andere
Steuerquelle zu ersetzen ist. Verschiedene Anzeichen lafien darauf
schlietzen, datz man versnchen wird. die verschiedenen Kohlenbezirke im
Abbau dieser Steuer individuell zu behandeln.
Gin Dementi Ludenborffs.
München, 12. März. (Elg. Drahtm.) Eegenüber den Verleum-
dungen der „Noten Fahne" und anderer Berliner Organe. datz Ee-
neral Ludendorss mit in die schwebenden Hochverratsange-
legenheiten in München verwickelt sein soll, lätzt dieser folgendes
erllären: „In München wird anläßlich der jetzt klär und in er-
schreckender Weise zutage getretenen Wirksamkeit Frank-
reichs inBayern aus gewissen Kreisen anscheinend als Ab-
lcnkungsmanöver und aus durchsichtigen Gründen verbreitet, ich wäre
auch ein Opfer französischer Tätigkeit gewordcn, indem ich, durch
sranzösische Spitzsl verleitet, bereit gewesen wäre, Wasfen aus Miin-
chen nach Ungarn zu versenten: diese Waffen würen bei der Absen-
dung in MUnchen in die Hände dcr sranzösischen Spitzel gefallen. Zch
erkläre, datz an Ler ganzen Sache, soweit meine Person in Frage
kommt, kein wahres Wort ist."
Autzer dieser Erklärung wird in der Prefie gemeldet, datz ent-
gegen den Mitteilungen der „Roten Fahne" Leneral Ludcndorff seit
2. März in Prinz Ludwigshöhe bei München unausgesetzt anwesend
aewejen ijt,
Llnd der preisabbau?
Es bedarf kaum eincs Hinweises darauf, datz der Preis»
abbau heute die bei uns wichtigste und ausschlaggebendste Frage
darstellt. Nicht nur wirtschaftliche, fondern fast mehr noch allge-
mein politisch. Von jhrer Lösung hängt schlechthin alles ab.
Sie bildet das Rückgrat unjeres ganzcn nationalcn Abwehrwillens,
der inneren Eeschlofienheit, des passiven Widerstands. Er darf nicht
durch die Sorge um das tägliche Leben, durch Lie bange Frage, wa»
morgen und iikermorgen sein wird, unterhöhlt wcrden.
Seit Wochen häjt sich der Dollarkurs auf der Höhe von
rund 20 000 und es sind alle Anzeichen Lafür vorhanden, datz er sich
auch in den kommenden Wochen auf dicser Höhe halten wird. Die
Stützungsaktion der Mark hat überraschcnd schnell gewirkt. Es ist
gelungen, dcn Dollar, der am 10. Januar, dem Tage vor dem Ein«
marsch der Franzosen in Las Ruhrgebiet, auf 10 000 gestanden hatte
und der dann in den letzten Ianuartagen aus 60 000 hinda'.lfgeschnellt
war, auf seinen jetzigen Stand herabzudrllcken und zu haltcn. Aber
von einer Preisbewegung nach unten ist, mit ganz gerin»
gen und in gar keincm Verhältnis zu dem Dollarsturz stehenden Aus-
nahmen, nichts zu merken. Die Preise haben fich zwar, als der Dollar
fprunghaft in die Höhs ging, überraschend schnell der Kursbewegung
nach oven angeschlossen, aber die Preissenkung entsprechend Ler Kurs«
bewegung nach unten lätzt auf sich warten. Das ist ein unhalt»
barer Zustand, ist es besonders in so politisch bewcgten Zeiten,
wie wir sie jetzt durchleben und wo für uns alles auf dem Spiel !
steht, und es mutz mit aller Entschiedenheit gefordert werden, datz di«
Regierung der Frage des Preisabbaus grötzcre Aufmerksamkeit i
zuwendet und kräftiger durchgreift, als es bisher leider der Fall war. j
Es soll nicht verkannt werden, datz sich der Rcgelung der Frage :
erhebliche Schwierigkeiten in Len Weg stcllen. Da ist vor i
allem die leidige „Z u st ä nd i g ke i t", die ein einschlofienes Durch» !
greisen hindert. Drei Reichsministerien, Dutzende von Landesmini- '
sterien, Hunderte von sonstigen amtlichen Stellen der Regierung und
der Eemeinden sind schlietzlich mehr oder weniger „zuständig". So
i kommt es denn, datz wir immer wieder von allerlei Erlafien und
Versügungen hören, die von Berlin aus in das Land hinausgehen
und die den Wucher und die übertriebene Preisbildung schärser cr»
fafien sollrn, aber erreicht wird durch all die papiernen Verfiigungen
nichts. Die Sache mutz anders angepackt, mutz von einer einzigelt
Z e n t r a l st e l l e der Reichsregierung, die mit absoluter Machtbe-
sugnis aus gestattet ist, in die Hand genommen und straff durchgcführt
werden. Durchgeführt über alle „Refiortbedenken" und gefetzlichen
Schwierigkeiten hinweg. Wir leben im Kriegszustand. Leben in
einem wirtschaftlichen Noistand ohne gleichen. Da sollten wirt» !
schastliche Notgesetze eine Selbstverständlichkeit sein. Wirt«
jchaftliche Notgesetze, nicht von dcr Art, wie das sogenannte Notgesch,
mit dem wir kürzlich auf dem Umweg über den Neichstag beglückt
worden sind und das mit einer iiberängstlichcn Zaghaftigkeit, di« nur
wiedcr aus den leidigen xarteipolitischcn Riicksichtcn zu erklären ist,
offensichtliche Mitzständ« nur leise streist, wo scharfes Zupackea
nötig wäre.
Die Regierung Tuno gibt sich, was durchaus nicht in Abred«
gestellt werden soll, ersichtlich Mühe, auf eine Siabilisierüng der in-
neren wirtschaftlichen Verhöltnifie hinzuarbeiten. Aber die Wider-
stände sind anscheinend grötzer, als man anzunehmen geneigt ist.
Man kann mit einem SystemdesSchlendrians und Eehen- i
lassens, das nicht nur autzenpolitisch, sondern auch für unsere Ver- >
hältnisse im Innern in jahrelanger Praxis so üble Folgeerscheinun- i
gen gezeitigt hat, nicht von heute aus morgen brechen. Eine Wirt»
schaftspolitik. die jahrelang unter dem Druck der Ee«
werkschastsführer geflanden hat, kann nicht in wenigen Mo-
naten aus einen ganz Aeuen Doden gestellt wsrden.
Wir haben ja gerade in den allerletzten Tagen wieder gesehen, '
welche Schwierigkeiten sich bei dem Bemühen der Rrichsregierung»
die Lohnverh 8 ltnisse mit den P r e i s v e r h ä l t n i s s e n in
einen gewifien Einklang zu bringen und hier für eine gewifie Stetig-
keit zu sorgen, erhoben haben. Die Arbetter sind für di« Einsicht,
datz jede Lohnerhöhung hühere Preije und jede Pleiserhöhung wieder
neue Lohnsorderungen nach sich zieht, nicht zu haben. Man hat ste !
so daran gewöhnt, datz alle xaar Wochen mit automatischer i
Regelmätzigkeit eine Lohnerhöhung eintritt. datz man sich
nicht mit dem Gedanken vertraut machen will, datz auch da endlich
einmal ein encrgischer Schnitt gemacht werden mutz, wenn wir über-
haupt zu einer wirtschastlichen Eesundung kommcn wollcn. Auch
diesmal sind d!e Eewerlschaftsführer sofort beim Rcichslanzler „vor-
stellig" geworden und haben von der „lebhaften Beunruhigung" der
Arbeiterschaft gesprochen, die die Absicht der Regierung, endlich auch
an den so notwendigen Abbau der bisherigcn Praxis der automa-
tischen Lohnsteigerungen heranzugehen. hervorgerusen habe. Dr.
Tuno hat die Eewerkschastsführer darauf hingewiesen, datz gerccht»
fertigte und durchaus notwendige Lohnerhöhungen auch in Zukunft
erfolgen sollten, datz man abex von dem bisherigen Brauch der a l l»
gemeinen Lohnerhöhungen abgehen miifie, wenn man !
zu dem crwünschten Preisabbau und der notwendigen Markbefestigung i
gelangen wolle. r
Es bleibt abzuwarten, welche Wirkung diese Erklärung auf di« >
Arbeiterschaft haben wird. Jhr wird schlietzlich jede Lohnforderung j
als notwcndig und gerecht erschcinen. Aber der Anfang mit dem >
Abkau mutz einmal gemacht werden und er mutz bei den Arbeitcrn '
einsetzen, weil sich hier die Wirkung am intensivstcn und unmittel-
barsten zeigt. Eine kurze Zeit der Opferwilligkeit ist nötig, weil
nur dann der Preisabbau möglich ist, ron dem wieder der Arbciter
in erster Linie Lcn Vorteil haben wird. Die Einsicht, datz Opfor er-
fordcrlich sind, um zu einer Eesundung des gesamten Volkskörxers
zu kommen, mutz den Arbeitern beigebracht werden und man sollte
nteinen, datz in einer Zeit, wo es sich um Sein odcr Nlchtsein der
ganzen Nation handelt. auch die sozialistischen Führer alle agitatori-


