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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0516
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-anze deutsche Vaterland
«edeelt!".

frei und up ewig un-

Wchrmach! und politik m Oesterreich.

Von unserem N-Korrespondenten.

Wien, 22. Mär;.

Jn der letzten Zeit oerraten die Sozialdemokraten bei
ällen Lrörterungen über die österreichische Wehrmacht eine stei-
gende Nervosität. Sie erklärt sich tamit, batz die sogenannte
Entpolitisierung der Wehrmacht unleugkar Fortschritie
inacht. Diese Entpolitisierung hängt mit dem Austritte iener noch
aus den Zusammenbruchsiagen stamMenden Mehrmänner zusanimen,
deren Dienstzeit nach dem Gesetze abgelaufen ist. Unter diesen Aus-
aetretenen und noch zum Austritte gelangenden Wehrmännern be-
slndo.l fich sehr viele von jenen Elementen, die, aus der sozialdemo-
ktcrtüchen oder aus der kommunistischen Partei hervorgegangen und
diesen Parteien noch angehörcnd, sich mit dem Eedanke'n nicht ab-
zufinden vermochten. Latz die Wehrmacht denn doch nicht die mili-
tärischs Garde der Marxisten sein könne, sondern eben die Wehrmacht
der Repuvlik, des Staates. Je mehr es nun in der letzten Zeit
aelungcn ist, diese selLstverständliche Ausfassung der Slellung der
Wehrmacht im Staate in der Wehrmacht selbst zur Geltung zu
bringen, desto gehässiger wurden die Angriffe der Sozialdemokraten
und Kommunisten gegen die Heeresverwaltung und gegen das
Öffizierkorps der Wehrniacht, das wahrlich unter den schwierigsten
Vcrhältnifsen Larauf bedacht sein mustte, aus der Wehrmacht das zu
xestalten, was sich aus ihr angcsichts der aeringen, durch oen Frie-
densvertrag zugelassenen Stärke' machen lassen konnte. Am 31. Zan.
1923 betrug der Stand der Wehrmacht zusammen 23743
Mann, und zrva: 1320 Offiziere, 1664 llnteroffiziere und 22 793 Wshr-
männer. Unter dem Drucke der notwendigen Sanierung der Bundes-
finanzen mutzten auch Lei der Wehrmacht Ersparnisse erzielt werden,
die sich auf über 114 Milliardsn Kronen gegenüber dem ersten
Vundesvoranfchlage belaufen. Jn den nachsten sechs Monaten soll
eine weitere Ersparnis von über sechs Milliarden erzielt wcrdcn.

Jn der letzten Sitzung des Finanz- und Budget-
ausschusses wurde das Kapitel Wehrmacht des Bundesvoran-
schlages unverändert gegen die Stimmen Ler Sozialdemokrateu an-
genommen, die sich bei dieser Eelegenhsit wieder in den üblichim
Angriffen gegeu den christlichsoziaien Heeresministsr, gegen die
angeblich reaktionären Offiziers und gegen den Wehrbund srgingen,
eine Vereinigung von Ofstzieren, llnterosfizieren und Wehrmännern,
deren .Zweck es ist, die Entpolitisierung der Wshrmacht zu sördirn.
Eegen diese An-griffe führte der Heeresminister Vangoin u. a.
aus: „Das Heer zählt an 20 000 Wehrmänner; von diesen glauben
einige Hundert — sie erreichen nicht Las Tallssnd — gewisse revolu-
tionäre Ueberlieferungen aus den Jahren 1918—1919 werterpflegeu
zu sollen und was sich nicht in dieser Eedankenwelt Lewegt, Heitzt
bei ihnen llnterdrückunz, Reaktion, Monarchismus. Die weit.über-
wiegende Mehrheit Ler Soldaten, nämlich — bis auf diese weniaen
— alle, erfüllt frohgemut ihre Pflichten, ohne sich in ihrer republika-
nisch-en Gesinnung oder in ihren politisihen Rechten auch nur im
mindesten beschränkt zu fühlen. Ans dieser dsr Gesamtheit nahc-
kommenden Mehrheit heraus ist wiederholt auch - er Wunsch geäutzert
worden, datz eine Minderheit, die stch dsn selb'stverständlichen Pflichten
der Soldatenschaft aller Zeiten und Völker und aller Staatsformen
nicht einordnen will. durch bindende Vorschriftsn dazu verhalten
werde." Jn der Debatte bemängelien die Sozialdemokraten auch,
datz für dte BLchersien der Wehrmacht Einharts Deuifche Eeschrchte
cingeführt worden sei, in der dis Sozialdemolraten und Klerikalen
Leschuldigt werden, den Zusammenbrnch Oesterreichs hekb'eiaeführt
zu haben. Dagsgen bemerkte der Heeresminister, datz einseitige
geschichtliche Bildung der Wehrmänner vermieden werden müsse.

Die WMfung des Reschsfchchmrmsieriums.

Berlkn, 24. März. Das Reichsschatzministerium wird
am 31. März aufgelöst. Von seinen Aüfgaben übernehmen am
1. April:

a) das Reichsministerium des Innern: die Ange-
kegenheiten dsr Abteilung für die besetzten Eebiete;

d) das Reichsministerium derFinanzen: 1. das
.Reichsliegsnschaftswssen, 2. das Reichsbauwesen, 3. die Verwertungs-
und Friedensangelegenheiten, 4. die WahrnehmuNg der Rechte >es
Re'ches als Aktionär der Vereinigten Jndustrie-Unternehmungen
A.-E.;

o) das Reichswirtschaftsministerium:die elektro-
wirtschaftliche Eesetzgebung und sonstigen wirtschastlichen Aufgaben,
insoweit sie nicht unter b) fallen.

Die Verteilung und Ueberleitung der Keschäfte im einzelnen
regeln die beteiligten Minister. '

Berlin, 21. März 1923.

Reichspräsident: gez. Ebert. Reichskanzler: gez. Tuno. Reichs-
minister der Finanzen: gez. Hermes. Reichsminister des Innsrn:
gez. Oeser. Rcichswirtschaftsminister: gez. Becker. Reichsschatz-
minister: gez. Albert.

Zm Aiislösmig ber Deulschvölkischen pattei-

Cine Jnterpellation der Deutsch-Nationalen.

Berlin, 25. März.

Dic Führer der Deutschvölkischen Freiheitspartei, die Abgeord-
neten Eraefe, Wulle und Henning, hatien am Samsrag
beim R e i ch s k a n z l e r um eine Besprechung nachgesucht. Da
Dr. Cuno stark in Anspruch genommen war, ist die Besprechung auf
Sonutag festgesetzt worden. Die genannten Abgeordneten haben,
wie die Blätter berichten, beim Untersuchungsrichter in
MoaLit beantragt, am Montag unter Etd vernommen zu
werden, damit sie, wie sie erklüren, die Haltlosigkeit der gegen die
Deutschvölkische Freiheitspartei erhobsnen Vorwürfe restlos auf-
klären können. Die deutschnationale Reichstagssraktion hat
eine Jnterpellation eingebracht, in der sie die Auslösung
einer politischen Partei mit xarlamentarischer Vertretung als eine
schwere Gefährdung der Freiheit des politischen parlamen-
tarischen Lebens be,zeichnet und die Reichsregierung sragt, ob ihr
die tatsächlichen Untcrlagen der preutzischen Regierung bekannt ssien
und ob ste bereit sei, zu den durch dieses Vorgehen aufgeworfenen
Fragen Stellung zu nehmen. Jn einer weiteren Jnterpellation
wendet sich die Fraktion gegen die Anweisung des preutzischen
Ministers des Jnnern, gegen alle Selbstschutzorgani-
sationen einzuschreiten und alle Versammlungen, die sich eines
Saalschutzes bedienten, zu verbieten oder aufzulösen. Diese An-
weisung entbehre der rechtlichen Erundlage, soweit es sich um be-
rechiigte Notwehr gegen Störunqen sowie gegen gewaltsame An-
grisfe auf Eiaentum und persönliche Freiheit und Sicherh'it
handele. Entsxrcchende Jnterxellationen sind auch von der deutsth-
nationalen Fraktion des Landtags eingebracht worden: autzerdem
hat die Reichstagsfraktion eincn Äntrag gestellt, diz Rcichsregierung
ausMfördern, dem landesverräterischen, zum gewaltsamen llmsturz
aufreizendon Aeutzerungen der kommunistischen Presse,
ins'Losondere der „Roten^ Fcchne", wie den militärischen Voröerei-
tungen und dem gewaltsamen öffentlichen Vorgehen linksradikaler
Organisationen entgegenzutreten.

Vresla«, 24. März. Auf Erund der Verordnung des Reichs-
präsidenten vom 4. Iuli hat der Ober-rästdent Niederschle-
siens zusammenhängend mit den Erklärungen Severings im
gestrigen Landtag Haftbefehle erlassen gegen den Jngenieur
Erich Witt, gegen den Jngenieur Heinz Wistinghausen,
Frau Jrmgard von Reichenau, den Kaufmann Hans
W erner Stirius, sämtlich in Breslau, den Kaufmann Jo-
hann Toellcr in Trebnitz und den früheren Leutnant Horst
von Tettenborn in Derlin. Die Polizei nahm ferner eine
Reihe von Haussuchungen vor, wobei wichtiges Material zutage
gefördert wurde.

Verlin, 25. März. Jn Grävenroda wurde der völkische Schrift-
steller Artur Dinter nach einsr Mcldung der „Deutschen Zei-
tung" durch Eendarmcn verhaftet und in das Amtsgerichts-
gesängnis nach Liebenstein eingeliefert.

reren hundert jungen Vurfchen, durch das Brandenburger Tor n ^
dem Pariser Platz zu gelangen, wo sie versuchten, vor dem sranz^
schen Botschaftsgebäude zu demonstricren, sie wurden aber durm ^
schnell herbeigerufene Schutzpolizei ohne besondere Zwiscyeni
zerstreut.

Deulschlanö belm Völkerbund verklagt.

Die Komödie des Jnternationalen Gerichtshofes.

Berlin. 25. Drärf.

WLHrend des russisch-polnischen Konfliktes im Jahre "Bot"
Meinungsvcrschiedenyeiten zwischen der Reichsregierung und oer
schafterlonserenz darüber enlstanden, ob die Alliierten berc-o ^
seten, Handelsschisfe mit Munitionsladunge"

Polen Lurch den Kieler Kanal zu leiten. Auf Eruno
Neutralitätserklärung hatte die Reichsregierung einigen , ^je
Dampfer dic Durchfahrt durch den Kanal verweige.e/'
Botschafterkonferenz wollte darin einen Verstoß gegen die
gen des Vertragcs von Versailles sehen. Deutscherseits wurde r-
den alliierten Reaicrungen anheimgegeben, die Streitsrage
im Verirag von Versailles fllr solche Fälle ausdrücklich vorgeft j^ii,
schiedsgerichtlichen Wegt zum Austrag zu Lringen. Die A»i
die diesen Vorschlag zuNächst ablehnten, sind vor einiger Zcu ^-jste,
zurückgekommen und haben nunmehr einen der einschlägigen o
nämlich die Anhaltung des von einer französtichen Gesell!a;a>
charterten englischen Dampfers „Wimbledon", zum Eegr >
einer Klage gegen Deutschland bei Lcm inzwischeN un MP'zuix
rcchteien I n t e r n a t: o n a l e n Eerichtshof des Dou ^-s
des gemacht. Die Reichsregierung isi nach den VestrniniuE - stir

' """t. den NMerüundsqeriaitS-

deutscher Nationalitüt ernennen, der mit den gleichen^-"^stz-.ig
wie die ordentlichen Richter des Eerichtshoses an der Dströ" st
und der Entscheidung teilnimmt. Die Reichsregieimng ha> ^ ,Pau
sem Rechte Eebrauch gemacht und den Professor 'der Rschte -t-r- '
ter Schücking zum Ergänzuugsrlchter e r n a n n t. .

Es tst Lemerkenswert. datz diese Klage genen Dsuticb st Liiu
erste ist, die vor dem Völrerbundsgerichtshof überhaupt .ll!
scheidung gelangt. Bisher hat sich lioch reine der dem V0"^ n .
angehörenden Ncgierungen entschlietzcn können, einen Kono ^ ciM
den Eerichtshof zu bringen. Auch haben cs die dem Völkervu ^j^n
aehörenden Erotzmächte im Eegeniatz zu einigen klcincren js jjgcu
bis zur Stunde abgelehnt, die grundsätzliche Vcrpflichtung «^jstkel
nehmen, Konflikte mit andersn Staaten der Entscheidung de»
bundsgerichishofes zu unterwersen.

Sme ergrei'senbe KunbgeSung.

TreugslöSnis des Berliner Sängerbunds vor dem Reichslagsgebäude.

Berlin, 25. März.

Eine Kundgebung der Treue für Rhein und Ruhr, oeranstaltet
vom Berliner SLngerbund mit seinen 4000 Mitgliedern,
fand unter Mitwirkung des Philhamornischen Blasorchesters am
Sonntag vor dem Reichstagsgebäude überwältigenden Aus-
druck. Äuf dem wLiten Kö.nigsplatz umbrandete eine nach Hundert-
tausenden zählende Volksmenge dichtgedrängt das Bismarctdenkmal
vor dem ReichsLagsgebäude. Nach musikalischen Darbietungen
sprachen von verschiedenen Plätzen die Abgeordneten D<! Laver-
renz oon den Deutschnationalen, Dr. Everling von der Deut-
schen Volksxartei, Dr. Flei! cher vom Zentrum, H e y l e von den
Demokraten. Als Vertreter der westfälischen Bergarbei-
terverbände sprach der Sozialdemokrat Janczek, für die
Ruhrflüchtlinge Dr. Krüger, der wegen deutscher Propagauda von
dsn Franzosen verhaftet und zu Eesänanis verurteilt war, aber sei-
nen Schergen entfliehen konnte. Er schild.erte besonders eingehend
die Lerden unserer Brüder und Schwestern am Rhein und an der
Ruhr. Alle Redner betonten den einen Gedanken: Wir wollen zu-
sammenhalten und einig sein, damit wir den Deutschen
an Ruhr und Rhein würdig sind, die uns ein herrliches Beispiel da-
fiir geven, was fester Wille vermag. Schwören wir uns, datz wir
nicht nachgeben wollen, bis Recht und Gerechtigkeit triumphieren! —
Nach minutenlangsm Beifall folgten Vorträge der Männsrchöre, u. a.
das Niederländiiche Dankgebet. Tief ergriffen und entblötzten Hauo-
tes standen die Männer, und heitze Tränen rollten über die Frauen-
wangen, als mit Jnbrunst die Strophe: „Herr, mach uns frei"
zum Himmel emporstieg. Zum Schlutz der Veranstaltung erfcholl ein
dreifaches, donnernoes, sich wie eine riesige Welle fortpflanzendds
Hoch auf unser geliebtes deutsches Vaterland. Die von Helferinnen
wührend der Kundaebung herumgeiragenen Opferbüchsen wurden so
schnell gefüllt, datz sie mehrmals geleert werden mutzten. Die Ruhr-
hilfe lann diese neuen Mittel ihren bereits abgelieferten Millionen
hinzufügen. — Nach Beendigung der Kundgebung gelang es meh-

-

Paris, 25. März. Am 24. März begannen am Ouai ^ ^
die Beratungen über den Entwurf eines Statuts fllr das
gebiet, die zwischen den Veriretern Litauens und den ^jpiitst.
Regierungen gesührt werden. Litauen ist durch de»
präsidenten E a l v a.n a u sk a s, den Vorsitzenden der
von Memel, Gailius, und den litauischcn Eesandten F- stic-ucst
Sidzikauskas, vertreten. Fcrner sind vcrtreten
England, Italien und Iaxan. Die gestistge erste Sitzung u-
dic verschiedenen Delegierten miteinander bekannt zu nia»i
nächste Sitzung soll am 5. April stattfinden.

nopel

Die Türken werden dringsnd. -

Paris, 25. März. Nach einer Havasmeldung aus ^gjjeru,
:l hatte Adnan Bey eine Unterredung mit den oie jst-

OLerkommissaren hinsichtlich der Taxen und Steuern.
kische Rcgierung unmittelbar gegenüber den Auslänve
wcnden gedcnkc. Die englischen, 'amerikanischen und * zMsöPi'oc
Versicherungsgesellschastcn und sonstige ausländische Ecst ^ls, „
bätten aber erklärt, datz sie lieber ihre Ecschästc einstelllv' ÄstP.r
Unlerzeichnung des Friedensvertrags Steuern zu zahle«- ^

Bey Habe die B e u n r u h i g u n g seiner Regicl'-' gebr" §
die langsame Prüfung der Eegenvorschläge zum Äusdraai .

und erklärt. türcischerseits sei man Lercit. die wlrtschain^rlll
finanziellen Klauseln zu prüien. Die türkische Rcgicrung >ci '' -
dag etne neue Konserenz unverzüglich einbernfen werv^ zi


wmtere Hinausziehüng die crnstesten Folgen nach ^jt

könnte.

Der „Tempo" nimmt an, datz die Friedensverh,an" wst-,l!il
der TUrkei jedenfalls in Konstantinopel statrfinv- ^ ,l
Das Blatt glaubt, datz alsdann diese Verhandlungen
eines einsachen Meinungsaustausches zwischen den Obel^^ru
dsr Entente und den Vertretern der Regierung,oon u
nehmen werden.

Der verhasiete HSllel«. „jsjil^

Parls, 24. März. (Eig. Drahtm.) Der deutsche kow^ lln^
Abgeordnete Höllein wurde drei Stunden lang P

suchungsrichter verhört. Zwei Stunden lang verlas er ei
gegen setne Verhaftung.

Sas Graömal des pharao Tulankhamen.

Zu den neueften Funden.

Die Entdeckung des Erabmals des Pharao Tutankhamen durch
dre englischen Aegyptologen, den Herzog von Carnarvon und Mr.
Carter, hat in der ganzen Welt ungewöhnliches und berechtigtes Auf-
iehen erregt. Es handelt sich hier tatsächlich um den bisher einzig
dastehendsn Fall, Latz die Leiche eines Pharao noch unberaubt an
ihrem alten Bestattungsplatze aufgefunden wurde. Die Königs-
gräber, die hier in Betracht kommen, gehen in die Zeit zurück, als
Theben die Hauptstadt des ägyptischen Reiches war. Dre verstorbene.n
Herrscher wurden während dieser Epoche der ägyptischen Eeschichte
westlich von Theben jenseits des Niles in dcr Einsamkeit der Wüsten-
Lerge beigesetzt. -Jedem. der die Erabstätten im Felsenkessel von
Diban el Muluk einmal aufgesucht hat, wrrd der Vufenthalt un-
oergetzlrch bleiben: ein enges, ödes Felsental, von keinem Baum,
keinem Strauch, keiner Pslanze belebr, von keinem Tier bevölkert.
Ringsum öffnen sich die dunklen Schlllnde der Gräber der Känige.
Man steht inmitten des merkwürdigsten Friedhofes der Welt. Merr-
uiürdiger ist er selbft als die Pyramiden, jene ungeheuren, unver-
gänglichen Grabdenkmäler, die Lie Ksnige Les alten und mittleren
Reiches wie kllnstliche Berge über ihren Sarkophagen auftürmten.
Hier handelt es sich um Innenbauten, die in die. Tiefe der Felsen
hineingstrieben sind; lange schmate Eänge führen z'u saalartigen Er-
weiterungen, Leren letzte die Erabkammcr mit dem Sarcophag ent-
hält. Mit Jrrgängen, mit künstlichen Schluchten, versiegelten und
verriegelten Türen suchte man die Ruhestätten der Toten zu sichern,
ohne das gewünschte Ziel zu erreichen. Etwa um 1100 o. Lhr. be-
gannen die allgemeinen Erabräubereien, die niemals völlig auf-
hörten, und denen die Eräber fast sömtlicher Pharaonen des neuen
Reiches zum Opfer fielen. Die schärsste Aufsicht und alle Eegenmatz-
rsgeln konnten dem Umvesen nicht steuern, und so trat schbrestlich eine
groste Zahl der Mumien eine geratzezu grotesk anmutende Reise an,
dio fie aus ihren schön geschmückten Behausungen in eine Felshöhls in
der Nähe des Stuzentempels von Der el Bahri führte. dsr ebenfalls
auf dem westlichen Ufer des Niles gegenüber von Theben gelegen ist.
In neuerer Zeit von räuberischen Fellachen aufgespürt, wurden sie
schlieglich, nachdem die ägyptische Regierung Kenntnis von dem Ee-
heimnis des Ortes erlangt hatte, in das ägypiische Museum von
Kairo gebracht. Andere Mumien fanden sich zwar noch in ihren
Eräberii oor. waren jedoch ebenso wie der Jnhalt der Graüstätten
vollkommen beraubt. Es entspricht deswegen den Taisachen, wenn
Lord Carnaroon in seinem in der „Times" veröffentlichten Bericht
erklärt, datz die Mumien der Pharaonen bisher nur autzerhalb ihrer
Eräber oder in stark geplündertem Zustande aufgesunden worden
seien. Es ist weiter das Entzücken der beiden glllcklichen Entdecker
ri.ej.es noch unberührten Erabes w!e die Anteilnahme der ganzen

gelehrten Welt an diesem Fund zu verstehen, der unsers Kenntnis
altägyptischer Kultur in einem bisher nicht für möglich gehaltenen
Matze bereichern wird.

Datz das Erab Könia Tutankhamens etwa dreitausend Jahre lang
verborgen blieb, ist aus den Umstand zurückzuführen, Latz es gcnau
unterhalb des Erabes Ramses VI. liegt, der etwa 260 Jahre nach
Tutankhamen hier bestattet wurde. Damals war die Lage des alten
Begräbnisplcitzes offenbar bereits dcm Eedächtnis entschwunden.
Aller Bauschutt des oberen Erabes wurde Lber das untere.geworfen
und verdeckte von ihm jede Spur. Allerdings ist auch dre Erabstätts
Tutankharnens, wie man aus den Lisherigen Berichten erfahrcn hat,
von Dieben heimgesucht wordsn, doch nimmt man an, datz disse!
räuberische Besuch bereits wenige Iahre nach dem Ableben des
Königs stattgefunden hat. Die Diebe drangen nicht bis zur Erab-
lammer selbst vor, und die von ihnen angerichteten Zerstöruugen
wurden bereits damals so viel wie möglich wieder beseitigt und das
Erab von neuem verschlossen.

Tutankhamen war einer der Hcrrscher, die auf den sogenannten
Ketzerkönig Amenophis IV. in der Regierung folgten, der neuerdings
aewöhnlich unter dem Namen „Ech-en-aton" bekannt ist und der in
Tell el-Armana vorübsrgchend eine neue Residenz errichtete. Ver-
mutlich heiratete Tutankhamen dessen drittälteste Tochter und wurde
auf disse Weise mit zwei anderen Herrschern zusammen sein Nach-
solger auf dem Throne Aegyptens. Seins Herrschaft war nur von
kurzer Dauer und wird aus zwei oder vier Jahre geschätzt (zwischen
1358—1350 v. Chr.j. Da er zur Zeit seines Ablebens die Zwanzig
voraussichtlich uoch nicht erreicht hatte, mutz er in dem jugendlichen
Alter von etwa 16 Iahren den Thron bestiegen haben, was in
Aegypten keine Seltenheit war, da die Könige in diesem Zeit-ounkt
jür majorenn erklärt zu werden pflegten. Ebenso mutz er sich im
jugendlichsten Alter verheiratet haben, was in Äegypten ebenfalls
nicht ungewöhnlich war, da namentlich bei den Mitgliedern 3er
löniglichen Familie Kinderehen häufig erwähnt werden. Die Gattin
Tutankhamens hatte vermutlich 12 Jahre nicht überschritten. als sie
sein? Frau wurde. Einige ihrer Schwestern sollen noch srüher ge-
hciratet habsn. — Wertoolles Material für die Vestimmunq des
Alters des Königs hat eine Art Kleiderständer oder Mannequin ge-
liefert, den'man in dem äutzeren Erabgemach vorfand und der das
lebensgrotze Modell von des Königs Kopf und Schnltern ohne die
Arme enthiclt. In dieser mit der Königskrone geschmücktcn Dar-
stellung glaubt man das Porträt Tutankhomens gefunden zu haben.
Auch die Gewänder und Schmuckstücke, die man in dem Erabmale
fand, sind nicht die eines ausgewachsenen Mannes. Man hielt sie
zuerst für Gegsnstände, die aus dem Vesitze der Königin.stammten,
kam aber von dieser Annahme zurück, da in dem Gräbe des Toten
nur dessen eigener Besttz bewahrt zu werden pflegte.

Von äutzerstem Jnteresie ist der Bericht, den man in englischen

Zeitungen über die Erschlietzung der eigentlichen Erabka^

Königs liest, die nur uuter erheblichen Schwierigkciti" Arab^c-^
stelligen war. Zunächst mutzte man von dem äutzeren ^,1
in einen inneren Raum vordringen, zu dem nur das »u j-sc-
räubern seinerzcit gcbrochenc Loch führte, durch weiw jc- :: „0^
gewachsencr Mann gerade Kopf und Squltern stecken ia
Loch hatte sich dem Blicke der Forscher erst erschlosseN,
einem königlichen Ruhebette, welches vor der Wand ^.„»cinee
Eemach stand, eine Menge auf ihm verstauter ^-^"melt.e''^ftft

die die elektrischen Lampen ausströmten und das Zus.uw^e
sein vieler Leute in einem engbegrenzten Raume riel „ den> jft'
erträgliche Hitze hervor. Dennoch folgten alle Amvestn^jcgel
samen Beginncn mit höchstem Jnteresse. Nachdem di^ AteiN-a


und abgelöst warcn, wurde der Zcment zwischxn ^"gter
fernt, und allmählich zergte sich ein breiter, geschu-n cine
aoldeter Thronhimmel. Der erste gemachte Fund.w ^ Hqft
kette aus Fayence und Eoldkiigelchen mit zwei verzief.. x,or
sich zwischen den.Steinen der Mand bcfand und oUn veri^p-l'
3000 Jahren durch eincn mit Veute beladcnen 4t" ^ar, n.
wnrde. Nachdem die Oeffnung grotz genug geworc-e^ ^.^e ?
Mr.-Carter und sodann der Herzvg von Carnarvon „>»

hinteren Raum, wobei sie sich oer grötzten VorsiM Oe>.< clj
dienen mutzten, da de'r Thronhimmel fast dicht h'vr beidcU-
stand. Durch zwei weitere breite Tore gelang es ntlicift
weiterss Eemach zu dringen, in welchcm sich dek a n
schrein des Königs befand. Er trug die Vasen, Linb?^^
und inneren Teile dcs Königs enthielten, die vvv u- Spim „c
rung dem Körper entnommen worden waren. an baUqjc!

rung oem xorper emnommen woroen waren. " an
eine Darstellunq der Uraeus-Schlanqe anqebracht., u e!>v,,

Seiten fanden sich die Eestalten voü oier^Gottheiten ^
führung von ungewöhnlich künstlerischer Vollendung jhn--'N
Naturwahrheit dcs Eesichtsausdruckes. Offenbar war ^ c ,
Schutz des Schreininhaltes anvertraut. Eine oon 'vn°r M

Haltung dargestellt sein, wie sie nach Carnarvons 4tnn.^
zuvor in der Kunst des Ostens zur Anwenduna. ?^^^,rein „c!

sagt er nichts Näheres llber diesen Punkt. Dieser vm ^

alilcben Futz und ist vo-i -

eine Höhe von 5 bis 514 englischen Futz -- tzcN

goldet, so datz man der ganzen Erabkammer ^ !,

der goldenen Kammer gegeben hat. Es sande !

ctwa'30 Kc.sten von tcilweise qrotzcm Uinsang, me , ^ei

geöfsnet worden waren. Jn einsm d"stlbvn wa-e ^ngürn > - U
..Uschebti", unter welchen man Nachbildungen v ^^llocrtrr^-ft-j
stehen hat, die dem Köniqe als Geh.lfen oder ^rc^j
seinen Tütigkeiten in der Unterwelt dienen so
 
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