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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0621
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°g. 13. Aprik 1ZL3.

BeMaLt der Badischen Post

Aus der Stadr.

Der Aiisländerverkehr.

Jn dei letzten Litzung dcs Vcrnmltungsrats dcs Vsrkcdrs-
^evems hat Hotelbcsitzer Fritz Gabler. wie mir bcreiiS mit-
Mreilt haben, interessante Ansfübrungen zur Ausländeruolitik in
?Zöen und irn Neich gemacht. Herr Gabler bat auf unseren
^unsch seine AuSsübrungen schriftlich ergünzt und sie uns zur
. , -^iedergabe überschickt.

^rchsregierung hat an die deutschen Auslandsvsrtretungen
»e s s» hinausgegeben, die eine Be? chränknng der Ein-
Kur ' ""ch Deutschland Lezwecken. Die Znlassung der Cinreise ist
^urdn-,? -weislich geschäftlichen sZwccken und zum ärztlich
">it dsos unerlätzlichen K u r a u s e n t h a l t zn erteilen. Es jst
?^eb'r * Anweisung sicher die Möglichkeit gsschaffen, den Fremden-
der „ dem Auslande auf den mötzigen Umsang zu beschränken,
^rscheint: es ist dadurch auch das Mittel gegeben,
den östlichen Ländern abzuhalten
rzverkehrs zu Auftaufzwecken
L ^ eu oerampfen. Vag Franzosen und Belgier angs-
!Ule Eispiellossn Vorgänge im Nuhrgeöiet von jeder Eastauf-
o^!chlub ^ "»? weiteres äusgcschlossen sind, ist durch freiwilligen
"chen ^ deutschen Hotels gewährleistet und bedars keiner behörd-

A?a

^eichb ^ uber dieses überreichliche Matz der Kontrolle an der
'eit Deu»'»^ hurausgeht, ist von Uebel und gecignet, die Eastlich-
?erfcjft"uchlands auch bei dem willkommenen legitimen Ausländer-
uaatx u i s k r e d i i i e r e n und uns den Ruf des Polizei -

n» seiner üblen Leite zu schaffen, autzerdem dem Erwerbs-
Zer-^ "geheuren Lchadcn zuzufügen, der sich auf Jahre hin.rus be-
»?^ULe chun wird. So ist in Baden die an jedem Ort zu wieder-
Uf^ snaldung beim Bezircsamt mit e'ner besonderen ^

^ 'I) a l t s st e u e r für Ausländer verbunden, die


badischen
schon im

Anlatz zu bitteren Klagen gab, was bei der Mentalität
-!?" Ansländers, der sich sonst nirgcnds in Europa unter
teiaufsicht fühtt, verständlich ist.

^>s ^^-bser „behördlichen" Kontrolle tritt nun in Heidelberg
,sse d- Kuriosum, daß Trambahnschaffner und die
Mubea^ Hallenbades nack Buswe's zu sragen sich üerechtigt
uudtis»k ?"> entsprechende Ausländerzusüläge zu rcchnen. So das
""d 13 Wo ^Eubad mit einem zelZisachen Preis, ?o datz ein Wannen-
,uu 4ohft^Mark kostet gegcnüber einem Badepreis in sen Hotels
"st le -Nark und sicher auch das Dovpelte des'Auslandspreisss
br'ngt dies dem Hallenbad zwar keine Einnahmen, denn
eu v ^ Dad wird kaum genommen werden, aber dsr auslän-
A, 'oeitungshetzs ist Stoff geliesert.


Uu

b"?t„tlun dieser Aufwand VÜN Schikanen, die zur Erdrosse-
wn ^tlslandsgcschüftes führen, ausoerechnet zu einem Zeit-
valutarische Anreiz zum Besuch Deutschlands durch
? 4öb° "!""^unserer Pre-sgeftaltuna in den letzten Monaten nach


?-e p-:

°kr
uiez

^UHg^ einer Zsit, in der weqen mangelnder Kaufkrast des Jn-

cr___ ^ ..

»he der Weltmarktpreise hin an Eeltung eingebützt,hat? Ilnd

^E-wert? urelen Eebieten des Warenverkehrs, in erster Linie bei
" Kunst- und Luxusgegenständen, eine Absatzkrisis
-,">>"t wanche Betriebe völlrg zu erliegcn droyen. Erschwerend
!>" Betracht, datz den deurschen Verkehrshem-
cHuer^ ? ces Ausländers eine zunehmende Werbearbeit
öln und deren Verlehrsorganisatlonen gegsnüberüeht,

E"issg ungünstigen llebertreibnngen der deutschen Ver-

'iiic,-?ud Einrichtungen ihr Eigeninteresie auf ünsere Kosten
. ^..u^rnehmen könncn. »

Beiange des oesam^n Vsrkehrsgcwerbes, einschlietzlich
MlM.,„Uchen Verkshrsunternehmungsn, unter dieser allmählichen
N, ih "wg des Auslandsverkebrs autzerordentlich gefährdet
"wep NiUr. wenn man sich die bestehenden Hemmungen ses inlän-
^erkekrs nornocionmörtiat. dte ibrs Ilrsache in der gesun-

Zugsbeschränkungen, der

vergegenwärtigt, die ihre Ursache in der gesun-
8r° U zz^," ^ kaufkraft, den Zugsbeschränkungen, der
sef??NvI?k°^fuhrung haben und die ohne den Ausgleich des
F^rkehrs erliegen müssen. Wenn man dabei bedenkt, wie

^isthg? u? t und Gemeinde gerade an den Erträgnissen d-;r
^wbe durch' ihre Fremdensteuer und sonstigen Betriebs-
r k"lrn uis zu Zg Prozent der Kleinverkaufsxreise betsiligt sind,
„uuch die Allgemeinheit dieser selbstmörderischen Franken-
" ... ' ^ Sie mutz sich auch die volkswirt-

VaftliK?^t gleichgültig zuse^en.

-üatsache vor Augen halten, datz dte Einnähmen aus dem
^'tig^uerkehr genau wie dcr Warenexport ein wesentliches
,u°en unserer Zahlungsbilanz gegenüber dem Auslande

ZrgH^.u? dies zn einer Zeit, wo l
?Uf ^l'cy nachgelassen hat. Der
. hochwertigem Endpro!

" ln Zimmermiete unb Zilbehör ausdrückt, ^ein Verbrauch

dies zu einer Zeit, wo der Warenexport aus Deutschland
M>f nachgelassen hat. Der Auslandsverkekr bedeutet Ver-
ü» 1"r,°-??^">^igem Endprodukt dentscher Leistuna, wie sre
" Leh^" in Zimmermiete und Znbehör ausdrückt, sein Verbrauch
u ^ "''"teln ist die geringste Ausgaüe seines Budgsts.
^verf.u? Man diese Pasiivseite übertriebencr Kontrollschikane und
t'sugen des Ausländers Lberblickt. so sollte den denkenden
z"chcht ' ?se Ubkehr von dieser üblen Eewohnheit mehr als er-
,,-'ybinen, zumal Las verschärfte Patzvisum die nötige Fern-
" ""willkommener Ausländer ermöglicht. b'. O.

Keine Sondersteuer sür Auslänber mehr?

Der Telegraphen-Union wird aus Triberg gemeldet:

Wie aus Hotelkreisen bekannt wird, hat die badischs Regierung
für die kommende Reisezeit des Jahres 1923 davon Abstand ge-
nommen, die Ausländer besonders zu besteuern, wie dies
im letzten Iahr der Fall war, wodurch eine nicht unerhebltche Ab-
wanoerung der Auslönder nach Württemberg und Baxern
erfolgte. Regierungsseitig soll versichert worden sein, man werde
sich bsstreben, den Fremdenverlehr im LanLe, besonders im Schwarz-
wald, zufördern. Allem Anschein. nach sollen Sondermatznrhmen
die, werden sie von einem Einzelstaat unternommen, eine Abwande-
rung des Verkehrs herbeiführen müssen, nicht. mehr in Erwägung
gezogen.

* Vou dcr Amoersitiit. Dsr diesjährige schwedische Ferienkurs
sindet vom 20. Juni Lis zuiy 7. Juli statt.

* Zum Fall Lsuard-Mierrudorss schickt uns der Republikanische
Aktionsausschutz der llniversität folgende Erklärung: Das llrteil der
Strafkammer des Heidelberger Landgerichts gegen Mierendorsf in
dsr Lenard-Affäre durch das jedes Rechtsempfinden verletzt wird,
fordert die revublikanische Studentenscbast Heidelbcras nochmals zu
einer klareu Stellunanahme beraus. Nach wie vor stellt sie sich mit
aller Entschiedenheit hinter Mierendorsf. Er hat aus vaterländischer
Eesinnung gehandelt. um die Verfügung der badischen Regierung
auf güilichem Wege durchzusetzen und so entgegen dem provolanten
Verhalten Eeh.-R. Lenards. das selbst von der Staatsanwaltschast
nicht nur als unklug, sondern auch als ungehörig bezeichnet wurde,
das Ansehen der Universität und des Staates zu wahren.

* ALteil-Wagen in V-Zügcn. Zuweilen laufen in zuschlag-
pflichtigen V-Zügen, die gewöhnlich nur aus Durchgangswagen
bestehen, auch Abteilwagen, wie sonst die Personenzüge
führen. Durch die Einstellung solcher Abteilwagen wird, wie die

Reichszentrals für Deutsche Verkehrswsrbung" mitteilt, der Cha-
rakter dieser v-ZLge nicht geändert, und Rsisende, die in diesen
Wa--"n Platz nebmen, haben ebenfalls den Schnellzugszu-
schlag zu entrichten.

* Vom Rentnerbund wird uns geschrieben: Von allen Seiten
werden Eaüen für Notleidende ge-ordert, sodatz die Esbefreudigkeit
schisr erschöpsen mutz. DoppelL erfreuen uns aber noch die Eaben,
die von der frohen Jugend für uns, durch die Not des Vater-
landes schwer betroffene Alte, freudigen Herzens aufgebracht werden.
Den Schülerinncn der Klassen Vu und IVa der HLHeren Mäd-
chcnschnle, die aus Anregung des Töüterchens von Herrn Rechts-
anwalt Schmidt für uns das schöne Sümmchen von 16000 Mark
gesammelt haben, sei auss herzlichste gedankt. Manche stille Träns
haben wrr damit trocknen können und innige, dankbare Wünsche sind
für die jugendlichen Spenderinnen allseitig kundgetan worden.

" Die Verschlechterung drr Arbe-tsmarktlage hält weiterhin an.

Die Zahl der Arbeitslosen nimmt ststig zu. Sie ist von 2183 Anfang
März auf 3208 bis Ansang Avril gestiegen, was einer Zunahm'e
von 50 Nrozent gleicki°ommt. Betriebseinschränkungen und Betriebs-
schlietzungen mehren sich zusehends. Abgesehen von eintgen ganz
gualifizierten Spezlalarbeiiskräften Lesteht tn Jndustrie, Handel und
Eewerbe in keiner Berufsgrupve Aussicht auf Einstellung. Nur die
Landwirtschaft sucht geschulte Arbeitskräfte.

" Der Stand der Wintersaaten in Baden Ansang April 1823.
Dcr Winter war im allgemeinen mild, sehr natz und nur der Hoch-
schwarzwald hatte eins dauernde Schneedecke, die auch jetzt noch nicht
vollständig verslbwunden ist. Die Saaten sind daher grötztcnteils
gut durck den Winter gekommen und haben sich seit den letzten
schönen Märztagen sehr gebesiert. Dies gilt auch insbesondere von
den späten Saaten, die sich besier entwickelten als man hofsen konnte.
Die günstige Witterung ermöglicht die Durchführung cückständiger
Feldarbeiten, jedoch geht das Ackern in schwerem Tonboden etwas
mühsam, weil die Erdc nicht durchfroren ist. Die Ack-rkrume ist
teilweise stark verkrustet und bedarl der Lockerung durch die Egge.
Die schöncn Tage werden allenthalbsn zur Aursaat von Hafer und
Eerste Lenlltzt und auch mit dem Legen der Kartoffeln wurde da
und dort begonnen. Die Futteraussichten werden nach den vor-
liegenden Berichten allgemein als recht günstig Lezeichnet.

* Polizeibericht vom 11. April. Festgenommen wurden:
Ein Taqlöhner wegen Diebstahls, ein zugereister lediger Techniker
weaen Diebstahls eines Eummimantels, ein lediger Arbeiter wegen
Ve'rdachts des Fahrraddiebstahls, ferner zwei Bettler. Zur
Anzeige gelangten: zwei Taglöhner, die im Stadtwald Leim
Königstuhl Holz entwendeten und verkauften, wegen Forstdiebstahls,
eine Schlossersehefrau wegen Diebstahlsverdachts, ein Althändler
wegen Hehlerei, zwei ledige Schlosser wegen Ruhestörung, Wider-
stands, 'Gefangenenbefreiun'g und Bedrohung, ein Wirt und ein
Tanzlehrer wegen Veranstaltung einer uncrlaubten öffentlichen
Tanzbelustigung, ein Wirt wegen Uebsrwirtschaftens und ->in East
wegen Uebersitzens, zwei Personen wegen nnerlaubten Handels mit
Eiern nnd Alteisen, drei Personen weqen Fatzrens mit Handwagen
auf abgegrenzten Eehwegen, zwei Krastwagenführer wegen zu
raschen Fährens und weitere 17 Personen wegen anderer itrafbarer

( Handlungcn. _

Die Strompreise des Zadenwerks.

Landtagsabgeordneter Staatsrat Weitzhaupt hat an das
Arbeitsministerium folgende Frage gerichtet:

„Jst der Regierung bekannt, datz infolge enorm hohe. r
Preije für elektrischen Strombezug und sür Zählermiete, die vom
Vadenwerk gesordert werden, eine grotze Aufregung in ver-
schiedenen Landesteilen entstanden ist? Was gedenkt die Regie-
rung zu tun, um berechtigtcn Klagen Abhilfe zu teil wsrden zu
lassen?"

Auf diese Anfrage wurde, wie uns vpn zuständiger Stelle mit-
geteilt wird, folgende Antwort erteilt:

Die vom Badenwerk geforüerten Strompreise und Zählermieten
baden und in der Bodenseegegend, zu Aeutzerungen der Ilnzu-
baden und in der Bodenseegegend zn Aeutzerungen der Unzu-
friedenheit in Abnehmerkreisen gesührt. Jhre Trhöhung ist
verursacht Lurch die Preissteigerung aller Lerjemgen Rohstisse und
Falr.kate, die für ein Elektrizitätswerk und jür eine elektrische
Ueberlandversorgungsanlage von matzgebenücr Bedeutung !ind. Sie
sind vor allem auch noiwendig, um den Anforderungen einer
gesunden Wirtschaft an die Ansammlung eincr ausrcichmden Er-
neuerungsrücklage zu genügen. Dis ErneuerungsrüL!age mutz das
Werk instand setzen, diejenigen Anlageteile, die nach Verlauf ihrer
normalen Esbrauchszeit durch neue ersetzt werden müjsen, zn den
zur Zeit der Erneuerung voraussichtlich geltenden Preisen zu be-
schasfen.

Ein Vergleich der vom Badenwerk erhobencn Stromvreise mit
den von andern, ebenfalls nach gesunden wirtschastlichen Erundsätzen
rechnenden Elektrizitätswerken erhobenen Strompreisen, z. B. in den
Erotzstädten des Landes, ergibt, datz die Strompreise des Baden-
werkes keineswsgs als autzergewöhnlich hoch betrachtet
werden könncn. Zu demselben Ergebnis führt ein Vergleich der
Steigerung der Strompreise mit der Steigernng der Preise sür zahl-
reiche andere Waren, lanbwirtschaftl'che Erzeugnisie, Fabrikate und
Nohstoffe gsgenüber der Vorkricgszeit.

Wenn in einzelnen anderen Stromversorgunzsgebietsn wesent-
s'ch niedere Stromvreise zurzeii noch erhoben werdsn, so kann
'ies in den meisten Fällen wohl daraus zurückgeführt werden, datz
: ngenügende Rücklagen gemacht werden, ein Verfcchren,
as sich früher oder später zum Nachteil der Abnehmer des Werks
eltend mackien mutz. Nur einzelns grotze Wasserlraftwerke, die mit
ihren Leitunaen in der Vorkriegszcit erstellt wurden, sind in der
Lage. etwas billiger zu arbeiten.

Äuffallend ist, datz die Klagen über die hohen Stromprnse vor
allem aus den Landesgegenden stammen, deren Vcrsorgnng mit
elektrischer Energie durch das Eintreten des Staatcs nnd später des
Vadenwerks übsrhauvt crst ermöglicht wurds. Es handelt sich dabei
um Eegenden, deren Versorqung wegen Les verhältnismätzm kleinen
und dabei mehr unreqelmähigen Strombedaris der Lanowirt-
schaft und wegen dcr erforderlichen langen Fcrnleitunzen fiir ein
Elektrizitätswer? im allgemeinen und insbesondere nach len in der
Zeit nach dem Krieg qezeoenen Verhältnftsen so wenig wixtschaftlich
ist, datz ein anderer Unternehmer sür Lie Vsrsorgung diessr Gegenden
als das Badenwerk sich nicht gefunden hätte.

Schon vor einiger Zeit wurde bsschlosssn, die Grundgebühr
zu beseitigen und die Zählermicten abzubauen oder auch ganz in
den Strompreis einzurechnen. Dazu kommt noch die inzw's.-hen ein-
getretene, wenck auch gerinasügige Ermätzigung der Kohlen-
preise, was die Leitung des Badenwerkes zä dem Entschlutz führte,
mit Wirkung vom 1. Auril eine Ermähigunq der Strompreise zu-
gleich mit der qsplanten Verein'achung des Verrechnungsverfrhrens
eintreten zu lassen. Djcse Matznahme, die im wesentlichen den aus
Aünehmerkreisen bisher bervorgetretenen Wünscben enrsvrechen
d-iirfte, hai die Beseitigung der unbeliebten Erundaebühr Ler Klein-
abnehmer im Eefolge. An ihre Stelle soll die Eewährleistung etner
Mindeststromabnahme tretcn, die jedoch so nied-r berechnet
ist, dah sie wohl in den allermeisten Fällen mit Leichtigkeit vom
Abnehmer erreicht werden kann. Gleichzeitig ist eine Ermätzigung
der Zählermieten oder deren vollständige Deseitignng durch
Einrechnung in den Stromvreis in Aussicht genommen. In den
Einzelheiten liegen diese Matznahmcn zurzeit noch nicht fest, doch
ist mit dem Eintritt ihrer Wirksamkeit für die zurzeit laufende Ab-
lesungsperiäde zu rechnen. Diese Mahnahmen dürften in ihrer Wir-
kung insbesondere auch darauf hinauslanfen. die allerkleinst-n An-
lagen gegenüber dem heutigen Tarif zu entlaften.

Für die Erotzabnehme r-V erträge ist eine Er.nätzigung
des Strompreisss dadurch beschlossen worden, dah auf pie Anwen-
dung der in diesen Verträgen neben der Kohlcnklausel .wrzssehenen
Lohnsteigerungsklausel bis auf'weiteres verzichtet wird.

* Otto-Perl-Vund. Wir weisen nochmals auf die Donnerstag
abend 8 Uhr im Fuchsbau, Hauvtstr. 17. stattfindende Versamm-
lung des Bundes der Selbstbilse der körperlich Behinderten sowis
deren Freunde und Eönner hin.

^ Einschränkungsmahnahmcn der Postoerwaltung. Die Reichs-
postverwältung geht jetzt Laran. ihren Beamtenavparat ein-
zuschränken. Reichspostminister Stingel hat verfügt, datz Tels-
graphenarbeiter nicht mehr wie bishsr nach ejner bestimmten Zahl
von Dienstjcihren in das Beamtenverhältnis übertreten können,
. - bleiben.

Kunst «nd Wiffenschaft.

, , An Sorirag Pwfeffor Aankes.

tz"! ord deutschen Orien.talistentag in Berlin hat
''che Profesior für Aegyptologie an' der Un'versität
-„Mten ^Dr. Hermann Ranke, den Eröffnung-vortrag
Zfü ^ir lesen darüber in der „D. A. Z.": Ranke hatte es sich
' C» '!chsn das am 29. November vorigen Jahres durch den

Ziegyntolooen Earter. der aus Neranlaüuna oes Lord

vblchptens unter Ler 18. Dynastie (rund 1589—1380
lli?"et w-?Mn kultureller Höhepunkt durch Amenophis III. be-
Ech/td- Auf ihn folgte der Ketzerkönig Echnaton, der dis
"erA Nevn siürzte, eine neue Sonnenreligion einsührte und in
Br„V'chen Nründeten Hauptstadt El Amarna jene eigenartigen,
kqfs?""l K°k?"^werke schuf, die wir heutc hier im ägyptischen
hgtt° ""^rn könken. Er starb, ohne eincn Sohn zn hinter-
wkir, Hokk» sechs Töchter, von denen zwei an Adelige aus
"erk ">ar verheiratet waren. Einer dieser beiden Sch'vieger-
unx - ""ch-amon, der den alten Eöttern wieder zum Siege
«s Kunst und Religion zum Alten zurückkehrte. Don

hllb^vnmi» wissen wir wenig. Nach seinem Tode scheint

LIs gegeben zu haben, aus denen der General Harem-

!"qn^:"ch ei""" neuen Dynastie hervorging.

«er "ie sjK Ä?" Einleitung über die Persönlichkeit Tut-anch-amons
Wbok^yptisuv'wsessor Ranke einer kurzen Darstellung der Eeschichte
^"k!?""ten m Königsgräber zu. Währsnd im alten Reich . die
Ä">n, "lpel ?!11">"lden mit der riesigen Anlage der dazuqehörigen
du»»'s.Mumie des Pharao aufnahmen, ging man, ge-
<vt°si" (KaÄ .örtlichen Verhältnisse, bei der neuen Hauptstadt
Mlu» "'Pel - ""d Luxor) im neuen Reiche dazu über, Grab und

peib"chteu tudem man die Eräbcr tief in die einsamen

Ah»? "nf -""Swände verlegte, die Totentemprl aber in langer
Zu ü? Ichw.alen Landstreifen zwischen Nil und Gebirge auf-
?'i'd°'?'"styn>, "'?>er versteckten Anlage der Eräber führte jedoch aüch
Ns g ^wn ftu?^der kostbare Jnhalt der Erabkammern der Pyra-
be, Räubern in die Händs gcfallen war. Leider wurde
^ich.'er nu, Aelsgräbern nicht besser, wutzten doch gar zu viele

örzs:", in Lage des Erabes. Ss kommt es, datz die zahl-

Zlq^ Tagen von der Wissenschaft entdeckten Königs-

k'siil^rüstn^bckahme nur noch spärliche Ueüerreste der einstigen
, Üeuch hat enthielten. Anders das Erab Tut-anch-amäns.

eu" hät"^ enthielten. Anders däs Erab !vut-anch-amons.
' se:»"">ssen h>er geringe Spuren von Erabräubern fest-

ieqft"- wis' ch scheint man diesen frllh auf die Spur gekommsn
' mu,ge oon Nar-em-hab an den Türen angebrachte

" Die eigentliche Erabkammer hat seit dem Be-

aräbnis Tut-anch-amons kein menschlicher Futz Letretcn. Eben darin
liegt die Hauptbedeutung unseres Fundes.

Damit sckiritt Professor Ranke zu einer eingehenden Schilderung
der Funde selbst, die er durch eine stattliche Reihe von Lichtbildern
anschaulich gestaltete. Besonderes Znteresse erregten Panzerhemd,
Handschuhe, Sandalen, Peitschenstiele dss Königs und vor allem
seine zwei leöensgrotzen, mit Eold, Silber und Edelsteinm reich
verzierten Statueii, die vor dem Eingang zur innersten Ernbkammer
die Wacht hielten. Was die Bedeutung des Fundes angeht, so liegt
ste nicht, wie es nach den reichlich übertriebenen englischen Dar-
stellungen erscheint, in der Einzigartigkeit der lünstlerischen Lei-
stungen, denn auch in anderen Eräbern dieser Zeit hat man minds-
stens gleichwertige Kunstwerle gefundey, sondcrn mehr auf archäo-
logischem Eebiete. Die Tatsache, datz män hier zum ersten Male ein
uneröffnetes Königsgrab und mit ihm die Ausstattung eines
Pharaonenxalastes entdeckt hat, macht den Fund in der Tat zu
einem der bedeutendsten, den die Grabungsforschung zu verzeichnen
hat.

paul Radig.

Am 18. April wird PaulRadig sein 25 jähriges Heidelberger
Dienstjubilänm feiern. Man spricht eigcntlich sonst im allgemeinen
bei einemj Künstler nicht von, einem „Dienst -Zubilänm, kann es
aber bei Radig ohne jede Scheu tun, denn er ist einer der wenigen
unter seinen Kollegen, der seine ganze Tätigkeit als Disnst an der
Kunst, ohne je mel Aufheüens von sich zu machen, anfgefatzt hat.
Seiner ganzen Art „liegt" es nicht, auch in diejcn Tagen viel von
sich reden zu machen, aber trohdem soll sein Jubilämn nicht vorüber-
getzen, ohne datz wir einen kurzen Rückblick auf seinen Werdegang
und seine künstlsrische Tätigkeit in Heidelberg werfen.

Radig ist am 17. Iuni 1866 in Roldislebcn (Thür ngen) geboren.
Mit 6 Jahren war er schon Waise, vam 8. bis II. Lebensjahr wurde
er beff einem Lehrer in Schlotzbeichlingen er,zogen und erhielt in
einer Privatschnle den ersten Musikunterricht in Klavier, Orgcl und
Violine. Mit 12 Jahren amtierte er schon im Cottesdienst als Or-
ganist. Durch Vermittlung des Barons v. Werthern kam er dann
äuf die Erotzherzogliche Musikschule in Weimar, wo zu dem
Studium dcr oben genannten Jnstrumente nocki die Ausbildung in
Musiktheorie und den anderen verwandten Fächern kam. Zweimal
erhielt er dort für das beste Zcuqnis dsn Bülowpreis. Als
Blasinstrument yatte er sich die Klarinstte ausgesucht und als Ver-
treter dieses Jnstrumenls erhielt er auch seine erste Anstellung mit
18 Jahrsn in Dubbeln bei Riga. Als Soldat >n Halle wurde er
fastj zu allen grötzeren Solistenkonzerten als Begleiter zugezogen.
Mit 22 Jahren begaun seine eigentliche Kapellmeistertätigkeit. die
ihn von Zittau uber Bautzen, Kattowitz, Beuthen, Augsburg,
Colmar, Agram als ersten alternierenden Kapellmeister nach Nürn-
berg führte. Währsnd seiner Nürnberger Tätigleit konnte er als
Bühnenassistent bei den Festspielen in Bayreuth starke künstlerische
, Eindrücke sammeln.

Jm Anfanq des Jahres 1898 wurde dann Radig unrer 86 Be-
werbern zum Musikdirektor der Stadt Heidelberg gewählt. Ein
umfassendss Arbeitsgebiet und ein weites Feld zu kiinstlerischer Ve-
tätigung hat ihn hier erwartet, und wenn wir mit ihm auf dis
vergangenen 25 Jahre zurückschanen, so können wir das mit grotzer
Befriedigung tun. Radig hat in diesen 25 Jahren nicht nur dis
Konzerte im Stadtgarten und auf dem Schlotz geleitet. sein Haupt-
arbeitsgebiet lag vielmchr im Theater und auch da hat wieder die
Hauptarbeit sich nicht vor den Augen der Oeffentlichkeit nbgespielt,
sondern ist von ihm gewiffermatzen im Verborgenen, im kleinen
Raum, geleistet worden. Der Laie kann sich im allgemeinsn kaum
einen Begrisf von der aufreibenden Tätigkeit eines Op'rnleiters
machen, der es mit seiner künstlerischen Tätigkeit ernst meint. Das,
was dem Dirigenten den äutzeren Erfolg einbringt, oer Beifall der
Menge, Las ist nicht das Schipierigste seiner Tätigkeit. Die haupt-
sächlichste künstlerische Tätigkeit beruht in den Vorbereitungen
zu jeder Aufführnng, in den endlosen Proben und Versuchsn — oft
am untaualichen Objekt. Es gehört eine gute Dosts gesunder Nerven
dazu. um schon rein physisch diesen Anstrengungen gewachsen zu sein,
um so mehr an einem kleinen Theater, än das zwar oie grötzten
Ansprüche gestellt, dem absr nicht immer die Mittel (in den aus-
übenden Kiinstlern) zur Verfüaung gestellt werden. die dazn nötig
wären, um die Ansnrüche zu üefriediaen. Ein Künstler, der das er-
reichen will, was Radig in den 25 Jahren erreicht hat, mutz neben
seiner künstlerischen Befährgung auch ein reichliches Maß von
Jdealismus besitzen, das es ihm ermöglicht, die vielfrchen Ent-
täuschungen — menschlicher und künstlerischer Art — etwas auf die
leicht« Schulter zu nehmen und schnell zu vergessen.

Aber etwas anderes mutz bei dieser Gelegenheit hier nochmals
ausgesprochen werden. Die letzten Jahrc, in dencn Radig endlich
die 'Eelegenheit gegeben worden ist, seine Fähigkciten und Ksnntnisss
auch im Konzertsaal zu beweisen, haben gczeigt, datz man ein
schweres Unrecht damit vcrübt hat. datz man diese Fähigkeiten und
Kenntnisie jahrelang zum rVachliegen verurteilt hat. Nur bei
ganz wsnig Eelegenheiten hat Radia auch zur Zeit dcr Alleinherr-
schast Wvlfrums im Heidelberger Konzerijaal den Dirigentenstab
geschwungen, manchmal nur dann wenn es irgend eine schwierige
Solistenbealeitung gab. Dann durfte der „Kollege" Radig im letzten
Moment einspringen. Datz er dies immer, trotz dcr offensichtlichen
Zurücksetzung, getan hat, ist ihm auch heute noch besonders hoch an-
zurechnen, weil er immer wieder damit bewiesen hat, datz es ihm
in erster Linie um die K u n st und nicht um die Erhöhung seines
„Ruhmes" zu tun ist.

Jnteressant wird es für manche-sein, zu hören, datz Radig inner-
halb der 28 Jahre seiner Heidelberger Wirksamkeit im ganzen 80 ver-
sckiedene Overn einstudiert und dirigiert hat. Auch im Jnteresie
unseres in dicsem Iahr; elwas maqeren Opernspielplans möchten
wir auch an disser Stelle den Wunsch aussprcchen, datz wir Radig
bald zu seiner 100. Operndirektion ebenso herzliche Elückwünsche aus-
sprechen dürfen, wie lie ihm in diesen Tagen sicher von seinen vielen
Freunden gern und berzlich entgegengebracht werden. .7. i<.
 
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