^hrgang - M. m
ft"terh<u„,„ erschrint wSch'Ntl-si-benmal. L'cilaaen: DtÜaSkalia sSonnt s —
»»»^erin^^""8b>,,att<Montagr> -Litrraturblatt—Dochschuibrilagelmonatlichs.
-vetträae ohne Werantrvortnng. Rücksenduna nnr, wcnn Porto beilieat.
Heidelverger Zettung
(Gegründet 1858)
UNd
Landelsblatt
Montag, de« 23. April 1S2Z
Haupta-fchLftsstelle u. Schriftleitg. der.Badischen Post'Heidelberg.tzauvtstr. 23, Fernspr.
Nr. 182- B-rliner Dertretung: Berlin 8tV 48, Zimmerstratze S, Fernspr. Zentr. 41S.
_ Münchner Vertretung: München, Beorgenstr. 1I>7, Fernspr. 81687.
*okkch,«.K,«io: Fraukfurt a. M. «141»
^lteii^Ezunzvrxiz d„,Bad.Post' Mk.4N!>0 - «ausschl. Znstellgebührl. Selbstabhol Mk. SMN.-. Auslaud Mk. 8660.-
,^°-our bis zum2.ted.Mrr angenomm-n. Am 1 «.S.noch gelicf.Zeitungen sind nach d. Cintelverkanfspreir ,n be-
IstdieZeitnng amErfchrtnenverhindert.bestcht leinNnsprnch anfEntschädigung.
Anrelgenvreise: die44n>n> breite Nonpareilleieile lostet: lokale Stellengesuche Mk.80.-, kl-Eelcgenheitsanzeigen Mk. 10V
Familienanzeigen Mk 80.—. Eeschäftsanzeigen Ml.175.-,Finanz- und JndustrieanzeigenMk. 250.—,mit Platzvorschrift «nd
Montags Mk. 10.— mehr. Die L8 mm breite Reklame .eiic kostet Mk.gOg. -, Anzcigen und Reklamen von auswärts M/» höher
tvoftsche».«outo: SrauUurt a. M. »141»
Drr MKe phrafenschwaN.
Poiucarös neuestc Rede.
linserem tt-Korrespondenten.
s. Li« P < , VariS' 22. April.
^idl^enk E- die PrnncarS am Sonntaq bei dsr Enthülsung eines
m Votd tm Maae-Derartement bieli, war an
»bz? ,°^eutend länqer, als setne Rede :n Dünrirchcn.
Ä^'chf d- " tmch noch inhaltsloscr. Sie en>hält
d,^e D?!»--!? äerinklste Andentung darüber. wie stch der fran-
^d?^lin,"^^^!>dent etne Lösung des Reparations-
T^Ken !>"d d«s Nuhrproblems denlt. Dieses Still-
>dx".Ek ? >°hr bcgeichnend, denn alle Melt lonnte doch erwarton,
pii^ °. Cj-u, ^^einer Weise zu der lehten Nede Lord Turzons
M ledos, stehmen, set es ablehnend oder zustimmend. PoincarL
Auseinandersctsnng mit der allcrgröstten Vor-
t>°s»»n i°7?° beschränkte stch darauf. etne Neihe von Veroleichen
t, uno ^ 1923 fu liehen. Ueber die Erfolge dorNubr -
V!^k!ch stch Po-ncarK diesmal sehr znrückhaltend,
^».ihm Andrö Dardieu nachp-'wiesen hatte. dast mon
^vl^Niia^'f. I» dieser 5>lnficht >n keine Weise svrcchen könne.
> - e; , och damit. dte Auflösung derdeutschen Schust-
?Eef." »!?>> breitesten sdarben au-gumalen, un>er anderem be-
!i>. «ie sirs.^l'ill^arb. dast Deutschland heute versuche, die Fshl-r
P?el> e " ^lir Katastrovhe vergeffon zu macken.. dte es selbst
'e e > > derbeigeführt habe. Wenn man Deutschland glauben
- - - «„„e.
dr,
. >» '^"»Msche» Truppen im Rnbrgebiet geMungen stnd,
^ 2vasfe zu greife», n»r um fich gu vertctdtae», ss)
?ic,°!»°r ^r^utskbe Pro-a-'anda dte Tatsachen sofori um nnd schrerbe
.^hösstasn Weise den Truppen Attentate zu, dte ste
?>k! ^k»Nd " .Ken beoeben wollten. st>n der gan'en Welt nsrbrette
R, ^°>ft > °?/ ^icse Weise veraiftete Fabeln. Man bofst stcherlich.
da« Treuel verberoen könne, dte man selbst beaanqen
luiMonh . Devgrfxment der Maas diene ols Zenae dasür. was
A t!« ^erh?^^iundere tn den Monaten Auavll bis September
e"on ^''"»ugen bat. Tinzelne setner Bewohner we>-den
. Na»"','^ u»K der herausfordernden tzaltung der deutschen
'871 erinnern.
üllift^Oen g-??U'asen das R'chrasbiet betraten. kamen ste nicht mit
d:, ?. und aoch n:Kt mit Drohuvaen. (!) Ste hötten
L>>e?Ueft ' -^ossnunq ae>babt. an Ort und Stelle m!t den In-
^o>vi4 den Arbettern gu einem Tinvernebmen zu qe-
riv " für >,:^^ deutfchcn Verqwcrke unter d-r Kontrolle 'der
>"»»>> ^ori /"E Nevqrat'onen a"sqebeut?t werd-'n kövnten- Aber
»"»i>>'s»»t: Er Ne-chsreaseri'nq b?n m"rde der Widerlland überall
?»>> s?'»n Veamten beaannen svftemattlche Stretks. und die
?>>!> .. »»>>> dadurch ae'w"na-n. thrsn Overationen dte stsarm
h, »„s"? >N,?,^'l>t3r>ichen Mabnahmsn 'U aeben «nd a"f Deutsch-
-kt> kche m? Drvckmktteln iur "rnmenduna zu brtnaen, um
er^ " -koeise g„ nv'naen. den Vsrtraa no„ P-rsa>ll->s gu
z?,?ler,^>."d die N-'rnsl?cht"naon :»« ers'-llen dte Dc"tf<bsand
N ba?. Am 1-t. fftav"ar baben sedoch d?e lllndustr'ellen
>»< ^Nvip-s Drunvev die M'tteilunq aemacht. dab es ihn-n
t, tlftjr 7>>i'Nq dsr deublch-'N Rea?er"nq „erboten s-t. Kahlen für
" welter zi> liefern. A>" SO. llanuar fleni. die Re„a-
>e kr^."n eine allaemetne Verfehl„na D-">tt-lllands fell.
idrȟ,o".,eine allaeme'ne ft>erwni"na ,n->.
s./f ^ i-> ... voNkomme„ das NeKt erb'elt alle llmana«mast-
»Ne ^erfs^""". dse «s fstr „atme^sg erachte, ohne dab te-
8ie7^^^abinett eine feindselige tzaltung darin erblicken
Poincarö fur Nede Dr. Nosenbcras
^ts-^Ien ^eullche Austcnmtnister bat vorqeaeben. >ast d!e
d, ^>n?'»d V.^uhraebtet ohne te^en erll-btlichen ll>r«nd betreten
' - ' «--- .!„ „,.k
k-'
d' »ft^uud
einm .und sand ?„ W'rrischrett nisma^ flatt. Uber nebmen
»el„Notc ft.Ul g„ m>r Nosgnbcrq d!e Wahrll-tt aetaat hötte
^°!ft "sr ^ora ,-s ' ^ ^r. ^^nflerq die Ulcanr"-'! aemar uane,
->7de,. .ch'itd '. D-'.fschlan" ^as stch ,'m Ma! 1021 sormell
^i,-»bs-, * d;.r°^llp Mtlliarden Tafftmark bekann? hat. nnd das
" n!^.l^Rnsrrenn"nq aiesch'eitta noch d„rchseftje. r-ab t-aa
d-!.". n>ch?.^"»rken„''na al<-,ch'e,t'a noch d'.rchseftte. >aft >as
^i»stt würde. stch ?m llgg-c iqaq herahaelgssen
^ei- di- ^>e " wentaer aks den vterten Deil >erientaen S»mme
»I ^0"oi-„t?"^ 'wek llftbren seMt vers"rach-n batte. „nd dte
»!Z s,-?, on«komm'fstan festaefeftt marden mar. Ilnd um
lu.Nii-, ^fft lan..Dentschlftnd uns diefes betremdliche Zuaeflönd-
«l». -igK-»ar^^" - lks tarderte von uns ein wr°„.atorium „an dre!
>>e?lt-ft ^'»nsü^uvd mollts uns datstr we>-->r Vtänder noch Taran-
''ft, ^rftssi^.^'chcrbeiten aewäar.-n. Wie bött--„ w?r ein-r oe-
."mtuna cr^- eos-, Mci-ti-
ul'-kft, -crftss!L.--"I>:-«r>--I- -- - - -
"tes" ^eii«!.,,'una >m ll»r,re 1022 Vertrau--n schenk-n konnen.
>°Uand seine Dcrpflichtung vom Iahre 1921 verlctzt
tzisk,,
1Sz?° ^crtr sekn sollcn. DeuWland nack einmak das
i» s, Eds'^ ^ fchcnken. das die alliierton Mächte im Iahoe
r e, ^voise aewöbrt haben und das Deutschland in
^4ftDr. ^ ^ i° schnöden Weise mWraucht hat?
ift g^'lö gefallcn. nns >u erklärcn, dast Dcutschland eine
'ft^ l e^^uffef,,„^uug Ruhraebietes nicht zulaffcn würde, wie
"er - e- ' und m..:. _ti...
-od»r'"V'ch der Dergleich nur MM Vmcteise Iran
iolat ein lanacs Klaael'.ed daruber, wie fch
^ Abrüstung Deutschlands durckMfuhren >el,
und PoincarS erneuert dk« Vehauptung aus seiner Dünkirchener
Rede, daß man im Ruhrgsbiet feststellen konnte, datz die deutsche
Schutzpolizei eine vollkommen militärisch organi-
sierte Einrichtung sei, die man hab« auflösen. und deren
Veamte man habe aus dem Ruhrgebiet ausweisen miissen. Jm unbe-
setzten Dentschland bestehe jedoch diese Schutzpolizei fort, was eine
Heransforderung für die Alliierten und für den Welt -
frieden bedeute. (!s Poincard behauptet weiter. dast Frankreich seit
dem Abschlust des Friedensvertraqes eine qroste Eeduld und
Erostnrütigkeit bewicsen habe. und er mnrdet stch mit gller
Schärfe gegen jene, die von einer Entente zwischen Frankreich und
Deutschländ s„rechen, unld fragt sie, wie man denn von einer solchen
Entente sprechen könne, wenn Deutschland damit begonnen habe,
die s?ri«densvertr8ge zu verletzen imd seine eigenen gegebenen Ilnter-
schriften zu verlengnen.
Die Bedingunge« für eine Annähe>-ung zwischen Frankreich
und Deutschland
bestehen nnr in einer genauen Erfllllung aller Neparations-
und Sicherbeitsverpflichtungen. Die erste Huldigung,
die man den Doten Frankreichs darbinoen kann. besteht darin, dast
man stch die Früchte ihres Sieges N'cht entreisten lästt. Vor vier
Iabren mustte man auf dem Voden Frankreichs kömpfen, nicht nur
Hnr Verteid'oirng der fran/iösischen Erde. sondern auch zur Verteidi-
MNg der Mcnschenrechte, der Zivtlisatton und der
Fretheit des Menschengcschlechtes. (!) Solchr An-
strengungen und solche Opfer will aber Frankreich nicht wieder er-
neuern. Wöhrend dreier weiterer Iahre erschöpfte sich Frankreich
darin, seine zerstärten Eebiete wiederherzustellen. es will und kann
auch in dieser A'nsicht ntcht bts ins Unendliche fortfahren. Vor-
schüffe zugunsten Deutschlands zu letsten. Frankreich mutz nicht nur
seine Svrache, seine Literatur. seine Kunst und seine
Zivilisation vsrtetdigcn und seinen nationalen Eeist
retten, sondern es müffe auch seine Unab>bönqigkeit wabren und seine
zerstörten EeLiete wiederherstellen, sonst sei der Wtederaufbau
Europas und die Erhaltung d«s Friedens unmöglich.
Sir rnkrechtrtr Rheinlm-hevölkerung.
Dentscher Protest gegen die Beseitigung des Reichskommiffariats.
Berlin, 22. Aprtl.
Den Negterungen in Paris, London und BrLssel wurd«
folgende Note Lbergehen:
Die Interalltterte Rheinlandkommission teilte
dem Reichskommiffar. ft'ir die besetzten rhetnischen Eebiete, Fürsten
v. Hatzfeld-Wildenburg, am 17. Aprtl mit, datz die Bei-
behaltung des ReiKskommiffars !m beletztcn Eebiet ihre eigene
Autorität und dte Durchft'ihrung threr Verordnungen beeinträchtige
und tnfolgedeffen setne Misston als beendet betrachtet wcrden
müffe. Infolqe der von dpr Interallüerten Rheinlandkommtssion in
den letzten Monaten im besetzten Rheinland getroffenen Matznahmen
herrscht dort
ei« System völliger Willkür.
Der gegenwäritge Zustand Ist das Gegentetl einer Rechts-
ordnung, d!e das Rhsinlandabkommen ft">: die friedliche Vesetzung
vorgesehen hatte. Tausende khetnischer Männer stnd mtt ihren
Familien av.s der Heimat vrrtrieben. fa -um Tetl von einer Stunde
zur anderen obdachlos auf die Stratze gesetzt worden. Nicht mtnder
zahlreich stnd die deuMen Bürger. die tn Eeföngniffen und Zucht-
bäusern schmachten müsten, nur weil ste nicht Verräter am eiqenen
Vaterlanbe werden wollten. Die Eisenbahnen, Forflen nnd Zölle, so-
w!e das Ein- und Aus-fuhrwesen wurden den deutschen Vsrwaltungen
entriffen. Nn Stelle der deutsthen Bcamten versuchen fremde. uner-
fahrene Anoeflellte vergeblich. den schwierigen und komplinerten
Eang dieser Verwaltunocn und Vetriebe zu meistern. Dte Nreffe-,
Vcreins- und Versammlungsfreiheit wer>en geknebelt, den Reichs-
nnd Landtagsabgeordneten wird durch Nusweisunq ohne RLcksicht
ihrer xär'amentarischen Immunität dte Möoltchkeit des Vsrkehrs
mit ihren Wählern oenommcn. D!e weitere Etavve in diesem Svstem
ist, wenn jebt auch das Reichskommtffariat besejttqt wird. -datz dcr
entrechteten Verölkerunq, die schon durch d!e Untevdrückunq der
Preffc- und Vcrsammlüngsfreibeit iind durch Terrortsmus sonder-
gleichen mundtot gemacht ist, jetzt auch
dic letzte Möglichkeit genommen werden soll, ihre Beschwerden Lber
Uedergriffe nnd Eewalttaten der Vefatzungstruppe« von den
Behörden zur Sprache Lringe« zu laffc».
Datz dtese Einrichtung des Neichskommiffariats nicht in etnsm
Artikel des Vcrtra-ies von Dersailles oder im NheinlandaLkommen
ausdrücklich voraesehen war, ist unerheblich. Die Natt'r jeder vsr-
traqsmätzigen Besetzung sordcrt, dast e!n bealaubigter Vertreter der
Zentralregierung des besetzten Landes vorbanden ist. der stch der
Intereffen dor Bevölkerung anntmmt. Dte Oüerste Besatzunqsbehörde,
die gcwillt tst, di« Erenzen. die der Okkupationsgewalt dnrch Vertrag
und Rccht gezogen stnd. nicht nur selkst einzuhalten. sondcrn auch alle
Uebergriffe und Eewaltakte der Truppen und nachoeprdneten Stellen
z» ahnden. nach Möolichkett zu verhindern, hat selbst ein Intereffe an
etner solchen Emrichtung.
Nur die Okkupatisnsgcwalt, die mibekümmcrt um Recht nnd Der»
trag die Vevölkerunq unterdrllikt, wird die Anwesenheit eines
solchen Kommiffars unbcquem und störend empsinden.
Dte Interallüerte Rheinlandkommisston handolte bei ihrem Vorgehen
gegcn den beglaubiaten Vertreter der deutschen Regierung nicht cin-
mal in formäler Veziebung korrekt. Das Agrement zur Bestellung
des Fürsten von Hatzfeld äls des Vsrtreters des Deutschen Reiches
bei der Interalliierten Rheinsandkommisston war der deutschen Ne-
gicrung in einer Note dcr Bojschafterkonferenz von den in dieser
vertretenen Regterung erklärt worden. Jnfolgedessen hätte nach
internationalem Vrauche der Beschlust über dic Zurückziehung des
Agremenis auch durch die gleichcn Jnstanzen gefatzt und der deutschen
Regierung mitgeteilt werdcn dürfen.
Die deutsche Negtcrung legt auch gegen diesen neuesten Gewalt-
akt der Interalliierten Rheinlandkommission Vcrwahrung ein.
Me neue mmSnische Serfassung.
Von Dr. Friedr. Schmalz, Frantfurt a. M.
Während das alie Königreich Rumänien ein in bezug aus sein«
Bevölkerung verhältnismätzig homogenes Gebilde darstellte, stnd di«
diesbezüglichen Verhältniffe !n Erotz-Rumänien wesentlich ander«
gcworden. D!e Bewohner der neu hmzugekommenen Eebiete weise»
in bezug auf ihre völkische Eigenart ebenso wie in bezug auf die
Auffaffung des öfsentlichea Lebens starke Gegcnfätz« zu den Ve«
wohnern Alt-Rumäniens auf. Da die alte Derfaffunz diesen Voraus.
setzungen überhauvt nicht Rechnung trug, war es klar, datz Rumänien
eine Aenderung feiner Verfaffung vornehmen mutzte. Das junge
Staatswesen bedurfte dringend der grundsätzlickien Regelung wichtiger
Staatssragen, insbesondere der Frage -der Minderheiten.
Die Stcllunq dieser Minderheiten !st teils vom völkischen, teils
vom konfes-stonellen Standpunkte aus zu beurteilen. Jn den verschie-
denen Friedensverträgen. welche den Weltkrieg beendeten, war überall
die Klausel vom Schutz der Minderheiten enthalten. Auch Rumänien
hat in Ausführung des Frie-densvertrags den Minderheiten s ch u tz
seinen Landrsgesetzen einverleibt. Was aker in Rnmänien bis jetz't
mangelte, war die Festlegung der Minderheitsre ch t e, die stch
aus der Pfl'cht des Minderbeitewschutzes von selbst erqab. Es -iaS
keine staatsbürgerliche Eleichstellung der Minderbeiten. sie batten
keine Vertretung im Parlament und waren nur Objekt der Regie-
rung. niemals aber als Subjekt an ihr beteiligt. Es gab niemand,
der stch ihrer Wünsche annahm. und deshalb war ibr Verhöltnis zum
Staat und der Schutz ihrer Rechte in bezug auf Sprache. Schule,
Reliqi'onsübung, Erundbesitz usw. völlig von dem guten Wtllen der
jcweils am Ruder befindlichen Partei äbhöngiz.
Drg neue Verfaffung brinqt — au-f dem Pavier — einen Fort-
schritt, indem ste allen rumänischen Staatsangehörigen, ohne llntsr-
schied. die gleichen staatsbürgerlichcn Rcchte und-
Freiheiten gewährt. Das ist an sich in modernen Staaten eine
Selbstverstöndlichkeit. Es wäre jedoch irrig zu glauben, datz diefer
verfaffungsmätzig festgelegt« Erundsatz in Rumönien nun auch der
Anlatz wäre, dte Stellunq der Mindcrheiten tatfächlich zu üni-ern.
Die nationalen Minderheiten stnd in der Verfaffung
weiter Lberhaupt nicht Lerücksichtigt. Dabei ist zu bedenken, datz di«
Vevölkerung des heuügen Rumäniens zu etnem Drittel aus den
Minderheiten besteht. Jnfolgedeffen bat die rumönische Regierung
beute anch noch nach der neuen Verfaffuvg mtt einer autzerordentlich
starken Ovvosttton der Minderheiten zu knmplen, ganz abgefehen von
der Ovvo-stüon der Parteien, die ohnedies schon gerade wegen der
staatsbürgerlichen Eletchstellnnq der Minderheüen und der fiH
darans ergebendcn Konfequenz für die staatsbüraerliche Eleichstellung
der Juden der neven Verfaffunq schär'sten Widerstand entgeqensetzten.
Dieser Zustand. soweit d!e Eegensätzlichkeit der Minderheiten in
Frage kommt, ist auch gar nicht verwunderlich, wenn man bedenkt,
datz in den neuen Eebieten Siebenbürgen, Bukowina und Bessara-
bien immer noch das Kricgsrecht hcrrscht. Denselben Fehler, den
die Numänen s. Zt. bei der UeLernahme der Dobrudscha qemacht
baben. begehen fle be»te wieder. Man versvrach s. Zt. der Dobrudscha.
sie unter eine Verfaffunq zu stellen, um -die ste d!e übrigen Völker
beneiden würden. Statt Wort zu halten. hat man ffe noch übcr
19 Iahre lang m!t Ausnahmeqe-setzen gequält. hat d!e Vertreter der
Dobrudscha vom Parlament ferngehalten und. was am schlimmsten
ist, gerade dieienigen Derwaltungsbeamte dorthin entsandt, dis man
aus irqendwelchen Eründen tn der Malachei los sein wollte. Eenau
so regiert Rumänien heute noch in den neu gewonnenen
Eebtetcn. genau so terroristsrt es die Minderheiten. Datz es
mit d'esen Methaden in Siebenbllrgen. e'nem an Kultur dem alten
Rumänien we!t überlegenen Lande, schlechte Eesck'Lfte machen würde,
war vorauszusehen. P. P. Ear„ hat es vora>t--ossaat „nd w'ederbolt
>arauf hingcwiescn, dast der Erwerb vsn Siebenbürgen für Alt«
Numönien kein rsines Elück sein würde
Von den Minderheiten zeigen zweifellos dle Degtschen in
S t eb e n bv. r g e n die störkste Widerstandskraft gegenüber den
rnmönischen Uebergriffen. Die in de: Kammer vertretencn S'eben-
bürger nnter ihrem stebenbHrgisch--fächsischen Polittker Rudvlf
Br'andsch stehen in schärfster Op„osition zur geoenwörttqen Regie-
rung. Dte StebenLüraer, di« stch schon seit altersher selbst unter der
Türkcnherrschaft gewiffcr Vorrechte erfreuten die Sie^cnbürger, d'e
in bezug a»f Bildung, Volkstiete und Ebarakter Len Rumänen weit'
überleqen ffnd, wollen stch von Alt-Rumönien aus keine Vorschriften
und Eesetze machen laffen: ste streben dte Autonomie an, wie mir
Waniu. einer ibrcr besten Fllhrer. selbst gesagt bat: ste würdcn >n
Opposttion zur Regierung schon allein dcshalb stehen. wsil ste dem
von Bnkarest ausoehenden Zentralismus durchaus ahhotd stnd.
Wcnn heute die neue rumänische Berfaffunq eine Gleichstellung
aller Staatsbürger und damit auch der Minderheitcn gewöhri, so ist
das !n der Präxis von gar keiner so ausschlaggebendcn Dedeutung,
w!e es auf den ersten Blick erscheint, und d!s aus der Eleichstellung
stch erq-ebenden Ncchte kommen für -die ..Beglückten" — zu f„öt. Die
Entetqnung des Erotzarundbesitzes in SiebenLürqen wurde längst vor
Annahme der neuen Derfaffung in «iner Weise voraenommen. dah
dre Siebenbürger dadurch einen N'cht wieder gutzumachenden Schaden
erlitten. Während man in Nlt-Rumänicn bei dev Enteianung den
Hektar zu Ervnde legte. nahm man in Siebenbürgen als Mastetnheft
das Ioch, gleich 0,87 Hcktar. an. Bei der Berechnung setzte man aber
Hektär und Joch gleicki. Das Vesitzqröstenmaximum setzte man tn
Siebenbürgen auf 30 Joch fest, wäbrend es tn Alt-RumLn!cn auf
250 Hektar testgesetzt wnrde. In Alt-Rumänien wurden die Güter,
in Siebenbürqen der Ernndbesitz enteignet. Von dcr Ent-
eignung b-lieben >n Alt-Rumänien d!e Waldunaen übcrhaupt fret,
mährend st« in Siebenbürgen blost bis zu cinem kleinen Teil von der
Enteiqnung freigelaffcn wurdcn. Was nützen also jetzt die ..Rechte"'?
Jn bezug auf die Schule hat man cben'alls vor dem Zustande-
kommen der neuen Versaffung tn allen nenen Eebieten die rumänischs
Sprache als obl-ioatorisch festaelegr und hat so durch die Unterdrückung
der Sorache die Entnaüonalisterung an der Wurzel bereüs begonnen.
Dast darin eine Wandlung eintreten soll, davon steht m der Ver-
faffung nicht das gerinqste. ^
Die neue rumänifch« Verfaffung gewährt — wie Sie alte
übrigens auch — freie Ausllbung der N e l i g,t o n: das hindect aber
nicht, datz die Numänen gerade in Siebenbürgcn Kirchen schloffcn,
katholifche Bischöfe vertrieben haben und die Nusubung der reliziöscn
Pflichten in grösterem Maste auch heute noch unmoglich machen.
Die staatsbürLerliche Eleichstellung der Mmderheiten ift sür die
ft"terh<u„,„ erschrint wSch'Ntl-si-benmal. L'cilaaen: DtÜaSkalia sSonnt s —
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-vetträae ohne Werantrvortnng. Rücksenduna nnr, wcnn Porto beilieat.
Heidelverger Zettung
(Gegründet 1858)
UNd
Landelsblatt
Montag, de« 23. April 1S2Z
Haupta-fchLftsstelle u. Schriftleitg. der.Badischen Post'Heidelberg.tzauvtstr. 23, Fernspr.
Nr. 182- B-rliner Dertretung: Berlin 8tV 48, Zimmerstratze S, Fernspr. Zentr. 41S.
_ Münchner Vertretung: München, Beorgenstr. 1I>7, Fernspr. 81687.
*okkch,«.K,«io: Fraukfurt a. M. «141»
^lteii^Ezunzvrxiz d„,Bad.Post' Mk.4N!>0 - «ausschl. Znstellgebührl. Selbstabhol Mk. SMN.-. Auslaud Mk. 8660.-
,^°-our bis zum2.ted.Mrr angenomm-n. Am 1 «.S.noch gelicf.Zeitungen sind nach d. Cintelverkanfspreir ,n be-
IstdieZeitnng amErfchrtnenverhindert.bestcht leinNnsprnch anfEntschädigung.
Anrelgenvreise: die44n>n> breite Nonpareilleieile lostet: lokale Stellengesuche Mk.80.-, kl-Eelcgenheitsanzeigen Mk. 10V
Familienanzeigen Mk 80.—. Eeschäftsanzeigen Ml.175.-,Finanz- und JndustrieanzeigenMk. 250.—,mit Platzvorschrift «nd
Montags Mk. 10.— mehr. Die L8 mm breite Reklame .eiic kostet Mk.gOg. -, Anzcigen und Reklamen von auswärts M/» höher
tvoftsche».«outo: SrauUurt a. M. »141»
Drr MKe phrafenschwaN.
Poiucarös neuestc Rede.
linserem tt-Korrespondenten.
s. Li« P < , VariS' 22. April.
^idl^enk E- die PrnncarS am Sonntaq bei dsr Enthülsung eines
m Votd tm Maae-Derartement bieli, war an
»bz? ,°^eutend länqer, als setne Rede :n Dünrirchcn.
Ä^'chf d- " tmch noch inhaltsloscr. Sie en>hält
d,^e D?!»--!? äerinklste Andentung darüber. wie stch der fran-
^d?^lin,"^^^!>dent etne Lösung des Reparations-
T^Ken !>"d d«s Nuhrproblems denlt. Dieses Still-
>dx".Ek ? >°hr bcgeichnend, denn alle Melt lonnte doch erwarton,
pii^ °. Cj-u, ^^einer Weise zu der lehten Nede Lord Turzons
M ledos, stehmen, set es ablehnend oder zustimmend. PoincarL
Auseinandersctsnng mit der allcrgröstten Vor-
t>°s»»n i°7?° beschränkte stch darauf. etne Neihe von Veroleichen
t, uno ^ 1923 fu liehen. Ueber die Erfolge dorNubr -
V!^k!ch stch Po-ncarK diesmal sehr znrückhaltend,
^».ihm Andrö Dardieu nachp-'wiesen hatte. dast mon
^vl^Niia^'f. I» dieser 5>lnficht >n keine Weise svrcchen könne.
> - e; , och damit. dte Auflösung derdeutschen Schust-
?Eef." »!?>> breitesten sdarben au-gumalen, un>er anderem be-
!i>. «ie sirs.^l'ill^arb. dast Deutschland heute versuche, die Fshl-r
P?el> e " ^lir Katastrovhe vergeffon zu macken.. dte es selbst
'e e > > derbeigeführt habe. Wenn man Deutschland glauben
- - - «„„e.
dr,
. >» '^"»Msche» Truppen im Rnbrgebiet geMungen stnd,
^ 2vasfe zu greife», n»r um fich gu vertctdtae», ss)
?ic,°!»°r ^r^utskbe Pro-a-'anda dte Tatsachen sofori um nnd schrerbe
.^hösstasn Weise den Truppen Attentate zu, dte ste
?>k! ^k»Nd " .Ken beoeben wollten. st>n der gan'en Welt nsrbrette
R, ^°>ft > °?/ ^icse Weise veraiftete Fabeln. Man bofst stcherlich.
da« Treuel verberoen könne, dte man selbst beaanqen
luiMonh . Devgrfxment der Maas diene ols Zenae dasür. was
A t!« ^erh?^^iundere tn den Monaten Auavll bis September
e"on ^''"»ugen bat. Tinzelne setner Bewohner we>-den
. Na»"','^ u»K der herausfordernden tzaltung der deutschen
'871 erinnern.
üllift^Oen g-??U'asen das R'chrasbiet betraten. kamen ste nicht mit
d:, ?. und aoch n:Kt mit Drohuvaen. (!) Ste hötten
L>>e?Ueft ' -^ossnunq ae>babt. an Ort und Stelle m!t den In-
^o>vi4 den Arbettern gu einem Tinvernebmen zu qe-
riv " für >,:^^ deutfchcn Verqwcrke unter d-r Kontrolle 'der
>"»»>> ^ori /"E Nevqrat'onen a"sqebeut?t werd-'n kövnten- Aber
»"»i>>'s»»t: Er Ne-chsreaseri'nq b?n m"rde der Widerlland überall
?»>> s?'»n Veamten beaannen svftemattlche Stretks. und die
?>>!> .. »»>>> dadurch ae'w"na-n. thrsn Overationen dte stsarm
h, »„s"? >N,?,^'l>t3r>ichen Mabnahmsn 'U aeben «nd a"f Deutsch-
-kt> kche m? Drvckmktteln iur "rnmenduna zu brtnaen, um
er^ " -koeise g„ nv'naen. den Vsrtraa no„ P-rsa>ll->s gu
z?,?ler,^>."d die N-'rnsl?cht"naon :»« ers'-llen dte Dc"tf<bsand
N ba?. Am 1-t. fftav"ar baben sedoch d?e lllndustr'ellen
>»< ^Nvip-s Drunvev die M'tteilunq aemacht. dab es ihn-n
t, tlftjr 7>>i'Nq dsr deublch-'N Rea?er"nq „erboten s-t. Kahlen für
" welter zi> liefern. A>" SO. llanuar fleni. die Re„a-
>e kr^."n eine allaemetne Verfehl„na D-">tt-lllands fell.
idrȟ,o".,eine allaeme'ne ft>erwni"na ,n->.
s./f ^ i-> ... voNkomme„ das NeKt erb'elt alle llmana«mast-
»Ne ^erfs^""". dse «s fstr „atme^sg erachte, ohne dab te-
8ie7^^^abinett eine feindselige tzaltung darin erblicken
Poincarö fur Nede Dr. Nosenbcras
^ts-^Ien ^eullche Austcnmtnister bat vorqeaeben. >ast d!e
d, ^>n?'»d V.^uhraebtet ohne te^en erll-btlichen ll>r«nd betreten
' - ' «--- .!„ „,.k
k-'
d' »ft^uud
einm .und sand ?„ W'rrischrett nisma^ flatt. Uber nebmen
»el„Notc ft.Ul g„ m>r Nosgnbcrq d!e Wahrll-tt aetaat hötte
^°!ft "sr ^ora ,-s ' ^ ^r. ^^nflerq die Ulcanr"-'! aemar uane,
->7de,. .ch'itd '. D-'.fschlan" ^as stch ,'m Ma! 1021 sormell
^i,-»bs-, * d;.r°^llp Mtlliarden Tafftmark bekann? hat. nnd das
" n!^.l^Rnsrrenn"nq aiesch'eitta noch d„rchseftje. r-ab t-aa
d-!.". n>ch?.^"»rken„''na al<-,ch'e,t'a noch d'.rchseftte. >aft >as
^i»stt würde. stch ?m llgg-c iqaq herahaelgssen
^ei- di- ^>e " wentaer aks den vterten Deil >erientaen S»mme
»I ^0"oi-„t?"^ 'wek llftbren seMt vers"rach-n batte. „nd dte
»!Z s,-?, on«komm'fstan festaefeftt marden mar. Ilnd um
lu.Nii-, ^fft lan..Dentschlftnd uns diefes betremdliche Zuaeflönd-
«l». -igK-»ar^^" - lks tarderte von uns ein wr°„.atorium „an dre!
>>e?lt-ft ^'»nsü^uvd mollts uns datstr we>-->r Vtänder noch Taran-
''ft, ^rftssi^.^'chcrbeiten aewäar.-n. Wie bött--„ w?r ein-r oe-
."mtuna cr^- eos-, Mci-ti-
ul'-kft, -crftss!L.--"I>:-«r>--I- -- - - -
"tes" ^eii«!.,,'una >m ll»r,re 1022 Vertrau--n schenk-n konnen.
>°Uand seine Dcrpflichtung vom Iahre 1921 verlctzt
tzisk,,
1Sz?° ^crtr sekn sollcn. DeuWland nack einmak das
i» s, Eds'^ ^ fchcnken. das die alliierton Mächte im Iahoe
r e, ^voise aewöbrt haben und das Deutschland in
^4ftDr. ^ ^ i° schnöden Weise mWraucht hat?
ift g^'lö gefallcn. nns >u erklärcn, dast Dcutschland eine
'ft^ l e^^uffef,,„^uug Ruhraebietes nicht zulaffcn würde, wie
"er - e- ' und m..:. _ti...
-od»r'"V'ch der Dergleich nur MM Vmcteise Iran
iolat ein lanacs Klaael'.ed daruber, wie fch
^ Abrüstung Deutschlands durckMfuhren >el,
und PoincarS erneuert dk« Vehauptung aus seiner Dünkirchener
Rede, daß man im Ruhrgsbiet feststellen konnte, datz die deutsche
Schutzpolizei eine vollkommen militärisch organi-
sierte Einrichtung sei, die man hab« auflösen. und deren
Veamte man habe aus dem Ruhrgebiet ausweisen miissen. Jm unbe-
setzten Dentschland bestehe jedoch diese Schutzpolizei fort, was eine
Heransforderung für die Alliierten und für den Welt -
frieden bedeute. (!s Poincard behauptet weiter. dast Frankreich seit
dem Abschlust des Friedensvertraqes eine qroste Eeduld und
Erostnrütigkeit bewicsen habe. und er mnrdet stch mit gller
Schärfe gegen jene, die von einer Entente zwischen Frankreich und
Deutschländ s„rechen, unld fragt sie, wie man denn von einer solchen
Entente sprechen könne, wenn Deutschland damit begonnen habe,
die s?ri«densvertr8ge zu verletzen imd seine eigenen gegebenen Ilnter-
schriften zu verlengnen.
Die Bedingunge« für eine Annähe>-ung zwischen Frankreich
und Deutschland
bestehen nnr in einer genauen Erfllllung aller Neparations-
und Sicherbeitsverpflichtungen. Die erste Huldigung,
die man den Doten Frankreichs darbinoen kann. besteht darin, dast
man stch die Früchte ihres Sieges N'cht entreisten lästt. Vor vier
Iabren mustte man auf dem Voden Frankreichs kömpfen, nicht nur
Hnr Verteid'oirng der fran/iösischen Erde. sondern auch zur Verteidi-
MNg der Mcnschenrechte, der Zivtlisatton und der
Fretheit des Menschengcschlechtes. (!) Solchr An-
strengungen und solche Opfer will aber Frankreich nicht wieder er-
neuern. Wöhrend dreier weiterer Iahre erschöpfte sich Frankreich
darin, seine zerstärten Eebiete wiederherzustellen. es will und kann
auch in dieser A'nsicht ntcht bts ins Unendliche fortfahren. Vor-
schüffe zugunsten Deutschlands zu letsten. Frankreich mutz nicht nur
seine Svrache, seine Literatur. seine Kunst und seine
Zivilisation vsrtetdigcn und seinen nationalen Eeist
retten, sondern es müffe auch seine Unab>bönqigkeit wabren und seine
zerstörten EeLiete wiederherstellen, sonst sei der Wtederaufbau
Europas und die Erhaltung d«s Friedens unmöglich.
Sir rnkrechtrtr Rheinlm-hevölkerung.
Dentscher Protest gegen die Beseitigung des Reichskommiffariats.
Berlin, 22. Aprtl.
Den Negterungen in Paris, London und BrLssel wurd«
folgende Note Lbergehen:
Die Interalltterte Rheinlandkommission teilte
dem Reichskommiffar. ft'ir die besetzten rhetnischen Eebiete, Fürsten
v. Hatzfeld-Wildenburg, am 17. Aprtl mit, datz die Bei-
behaltung des ReiKskommiffars !m beletztcn Eebiet ihre eigene
Autorität und dte Durchft'ihrung threr Verordnungen beeinträchtige
und tnfolgedeffen setne Misston als beendet betrachtet wcrden
müffe. Infolqe der von dpr Interallüerten Rheinlandkommtssion in
den letzten Monaten im besetzten Rheinland getroffenen Matznahmen
herrscht dort
ei« System völliger Willkür.
Der gegenwäritge Zustand Ist das Gegentetl einer Rechts-
ordnung, d!e das Rhsinlandabkommen ft">: die friedliche Vesetzung
vorgesehen hatte. Tausende khetnischer Männer stnd mtt ihren
Familien av.s der Heimat vrrtrieben. fa -um Tetl von einer Stunde
zur anderen obdachlos auf die Stratze gesetzt worden. Nicht mtnder
zahlreich stnd die deuMen Bürger. die tn Eeföngniffen und Zucht-
bäusern schmachten müsten, nur weil ste nicht Verräter am eiqenen
Vaterlanbe werden wollten. Die Eisenbahnen, Forflen nnd Zölle, so-
w!e das Ein- und Aus-fuhrwesen wurden den deutschen Vsrwaltungen
entriffen. Nn Stelle der deutsthen Bcamten versuchen fremde. uner-
fahrene Anoeflellte vergeblich. den schwierigen und komplinerten
Eang dieser Verwaltunocn und Vetriebe zu meistern. Dte Nreffe-,
Vcreins- und Versammlungsfreiheit wer>en geknebelt, den Reichs-
nnd Landtagsabgeordneten wird durch Nusweisunq ohne RLcksicht
ihrer xär'amentarischen Immunität dte Möoltchkeit des Vsrkehrs
mit ihren Wählern oenommcn. D!e weitere Etavve in diesem Svstem
ist, wenn jebt auch das Reichskommtffariat besejttqt wird. -datz dcr
entrechteten Verölkerunq, die schon durch d!e Untevdrückunq der
Preffc- und Vcrsammlüngsfreibeit iind durch Terrortsmus sonder-
gleichen mundtot gemacht ist, jetzt auch
dic letzte Möglichkeit genommen werden soll, ihre Beschwerden Lber
Uedergriffe nnd Eewalttaten der Vefatzungstruppe« von den
Behörden zur Sprache Lringe« zu laffc».
Datz dtese Einrichtung des Neichskommiffariats nicht in etnsm
Artikel des Vcrtra-ies von Dersailles oder im NheinlandaLkommen
ausdrücklich voraesehen war, ist unerheblich. Die Natt'r jeder vsr-
traqsmätzigen Besetzung sordcrt, dast e!n bealaubigter Vertreter der
Zentralregierung des besetzten Landes vorbanden ist. der stch der
Intereffen dor Bevölkerung anntmmt. Dte Oüerste Besatzunqsbehörde,
die gcwillt tst, di« Erenzen. die der Okkupationsgewalt dnrch Vertrag
und Rccht gezogen stnd. nicht nur selkst einzuhalten. sondcrn auch alle
Uebergriffe und Eewaltakte der Truppen und nachoeprdneten Stellen
z» ahnden. nach Möolichkett zu verhindern, hat selbst ein Intereffe an
etner solchen Emrichtung.
Nur die Okkupatisnsgcwalt, die mibekümmcrt um Recht nnd Der»
trag die Vevölkerunq unterdrllikt, wird die Anwesenheit eines
solchen Kommiffars unbcquem und störend empsinden.
Dte Interallüerte Rheinlandkommisston handolte bei ihrem Vorgehen
gegcn den beglaubiaten Vertreter der deutschen Regierung nicht cin-
mal in formäler Veziebung korrekt. Das Agrement zur Bestellung
des Fürsten von Hatzfeld äls des Vsrtreters des Deutschen Reiches
bei der Interalliierten Rheinsandkommisston war der deutschen Ne-
gicrung in einer Note dcr Bojschafterkonferenz von den in dieser
vertretenen Regterung erklärt worden. Jnfolgedessen hätte nach
internationalem Vrauche der Beschlust über dic Zurückziehung des
Agremenis auch durch die gleichcn Jnstanzen gefatzt und der deutschen
Regierung mitgeteilt werdcn dürfen.
Die deutsche Negtcrung legt auch gegen diesen neuesten Gewalt-
akt der Interalliierten Rheinlandkommission Vcrwahrung ein.
Me neue mmSnische Serfassung.
Von Dr. Friedr. Schmalz, Frantfurt a. M.
Während das alie Königreich Rumänien ein in bezug aus sein«
Bevölkerung verhältnismätzig homogenes Gebilde darstellte, stnd di«
diesbezüglichen Verhältniffe !n Erotz-Rumänien wesentlich ander«
gcworden. D!e Bewohner der neu hmzugekommenen Eebiete weise»
in bezug auf ihre völkische Eigenart ebenso wie in bezug auf die
Auffaffung des öfsentlichea Lebens starke Gegcnfätz« zu den Ve«
wohnern Alt-Rumäniens auf. Da die alte Derfaffunz diesen Voraus.
setzungen überhauvt nicht Rechnung trug, war es klar, datz Rumänien
eine Aenderung feiner Verfaffung vornehmen mutzte. Das junge
Staatswesen bedurfte dringend der grundsätzlickien Regelung wichtiger
Staatssragen, insbesondere der Frage -der Minderheiten.
Die Stcllunq dieser Minderheiten !st teils vom völkischen, teils
vom konfes-stonellen Standpunkte aus zu beurteilen. Jn den verschie-
denen Friedensverträgen. welche den Weltkrieg beendeten, war überall
die Klausel vom Schutz der Minderheiten enthalten. Auch Rumänien
hat in Ausführung des Frie-densvertrags den Minderheiten s ch u tz
seinen Landrsgesetzen einverleibt. Was aker in Rnmänien bis jetz't
mangelte, war die Festlegung der Minderheitsre ch t e, die stch
aus der Pfl'cht des Minderbeitewschutzes von selbst erqab. Es -iaS
keine staatsbürgerliche Eleichstellung der Minderbeiten. sie batten
keine Vertretung im Parlament und waren nur Objekt der Regie-
rung. niemals aber als Subjekt an ihr beteiligt. Es gab niemand,
der stch ihrer Wünsche annahm. und deshalb war ibr Verhöltnis zum
Staat und der Schutz ihrer Rechte in bezug auf Sprache. Schule,
Reliqi'onsübung, Erundbesitz usw. völlig von dem guten Wtllen der
jcweils am Ruder befindlichen Partei äbhöngiz.
Drg neue Verfaffung brinqt — au-f dem Pavier — einen Fort-
schritt, indem ste allen rumänischen Staatsangehörigen, ohne llntsr-
schied. die gleichen staatsbürgerlichcn Rcchte und-
Freiheiten gewährt. Das ist an sich in modernen Staaten eine
Selbstverstöndlichkeit. Es wäre jedoch irrig zu glauben, datz diefer
verfaffungsmätzig festgelegt« Erundsatz in Rumönien nun auch der
Anlatz wäre, dte Stellunq der Mindcrheiten tatfächlich zu üni-ern.
Die nationalen Minderheiten stnd in der Verfaffung
weiter Lberhaupt nicht Lerücksichtigt. Dabei ist zu bedenken, datz di«
Vevölkerung des heuügen Rumäniens zu etnem Drittel aus den
Minderheiten besteht. Jnfolgedeffen bat die rumönische Regierung
beute anch noch nach der neuen Verfaffuvg mtt einer autzerordentlich
starken Ovvosttton der Minderheiten zu knmplen, ganz abgefehen von
der Ovvo-stüon der Parteien, die ohnedies schon gerade wegen der
staatsbürgerlichen Eletchstellnnq der Minderheüen und der fiH
darans ergebendcn Konfequenz für die staatsbüraerliche Eleichstellung
der Juden der neven Verfaffunq schär'sten Widerstand entgeqensetzten.
Dieser Zustand. soweit d!e Eegensätzlichkeit der Minderheiten in
Frage kommt, ist auch gar nicht verwunderlich, wenn man bedenkt,
datz in den neuen Eebieten Siebenbürgen, Bukowina und Bessara-
bien immer noch das Kricgsrecht hcrrscht. Denselben Fehler, den
die Numänen s. Zt. bei der UeLernahme der Dobrudscha qemacht
baben. begehen fle be»te wieder. Man versvrach s. Zt. der Dobrudscha.
sie unter eine Verfaffunq zu stellen, um -die ste d!e übrigen Völker
beneiden würden. Statt Wort zu halten. hat man ffe noch übcr
19 Iahre lang m!t Ausnahmeqe-setzen gequält. hat d!e Vertreter der
Dobrudscha vom Parlament ferngehalten und. was am schlimmsten
ist, gerade dieienigen Derwaltungsbeamte dorthin entsandt, dis man
aus irqendwelchen Eründen tn der Malachei los sein wollte. Eenau
so regiert Rumänien heute noch in den neu gewonnenen
Eebtetcn. genau so terroristsrt es die Minderheiten. Datz es
mit d'esen Methaden in Siebenbllrgen. e'nem an Kultur dem alten
Rumänien we!t überlegenen Lande, schlechte Eesck'Lfte machen würde,
war vorauszusehen. P. P. Ear„ hat es vora>t--ossaat „nd w'ederbolt
>arauf hingcwiescn, dast der Erwerb vsn Siebenbürgen für Alt«
Numönien kein rsines Elück sein würde
Von den Minderheiten zeigen zweifellos dle Degtschen in
S t eb e n bv. r g e n die störkste Widerstandskraft gegenüber den
rnmönischen Uebergriffen. Die in de: Kammer vertretencn S'eben-
bürger nnter ihrem stebenbHrgisch--fächsischen Polittker Rudvlf
Br'andsch stehen in schärfster Op„osition zur geoenwörttqen Regie-
rung. Dte StebenLüraer, di« stch schon seit altersher selbst unter der
Türkcnherrschaft gewiffcr Vorrechte erfreuten die Sie^cnbürger, d'e
in bezug a»f Bildung, Volkstiete und Ebarakter Len Rumänen weit'
überleqen ffnd, wollen stch von Alt-Rumönien aus keine Vorschriften
und Eesetze machen laffen: ste streben dte Autonomie an, wie mir
Waniu. einer ibrcr besten Fllhrer. selbst gesagt bat: ste würdcn >n
Opposttion zur Regierung schon allein dcshalb stehen. wsil ste dem
von Bnkarest ausoehenden Zentralismus durchaus ahhotd stnd.
Wcnn heute die neue rumänische Berfaffunq eine Gleichstellung
aller Staatsbürger und damit auch der Minderheitcn gewöhri, so ist
das !n der Präxis von gar keiner so ausschlaggebendcn Dedeutung,
w!e es auf den ersten Blick erscheint, und d!s aus der Eleichstellung
stch erq-ebenden Ncchte kommen für -die ..Beglückten" — zu f„öt. Die
Entetqnung des Erotzarundbesitzes in SiebenLürqen wurde längst vor
Annahme der neuen Derfaffung in «iner Weise voraenommen. dah
dre Siebenbürger dadurch einen N'cht wieder gutzumachenden Schaden
erlitten. Während man in Nlt-Rumänicn bei dev Enteianung den
Hektar zu Ervnde legte. nahm man in Siebenbürgen als Mastetnheft
das Ioch, gleich 0,87 Hcktar. an. Bei der Berechnung setzte man aber
Hektär und Joch gleicki. Das Vesitzqröstenmaximum setzte man tn
Siebenbürgen auf 30 Joch fest, wäbrend es tn Alt-RumLn!cn auf
250 Hektar testgesetzt wnrde. In Alt-Rumänien wurden die Güter,
in Siebenbürqen der Ernndbesitz enteignet. Von dcr Ent-
eignung b-lieben >n Alt-Rumänien d!e Waldunaen übcrhaupt fret,
mährend st« in Siebenbürgen blost bis zu cinem kleinen Teil von der
Enteiqnung freigelaffcn wurdcn. Was nützen also jetzt die ..Rechte"'?
Jn bezug auf die Schule hat man cben'alls vor dem Zustande-
kommen der neuen Versaffung tn allen nenen Eebieten die rumänischs
Sprache als obl-ioatorisch festaelegr und hat so durch die Unterdrückung
der Sorache die Entnaüonalisterung an der Wurzel bereüs begonnen.
Dast darin eine Wandlung eintreten soll, davon steht m der Ver-
faffung nicht das gerinqste. ^
Die neue rumänifch« Verfaffung gewährt — wie Sie alte
übrigens auch — freie Ausllbung der N e l i g,t o n: das hindect aber
nicht, datz die Numänen gerade in Siebenbürgcn Kirchen schloffcn,
katholifche Bischöfe vertrieben haben und die Nusubung der reliziöscn
Pflichten in grösterem Maste auch heute noch unmoglich machen.
Die staatsbürLerliche Eleichstellung der Mmderheiten ift sür die


