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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0716
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ziehen, zn verständigen nn!d vorsiestt, daß das milltar:sche Zusammen-
aehen im Bedarfsfalls durch ein« Militärkonvention geregelt wird.
Das System könnte also als vollendet angesehen werden, wenn nicht
zwischen Polen undderTschechoslowakei gewisse
Segensätze klafften. Polen hat nämlich den Vertrag mit der
Tschechoslowak-' niemals ratifiziert und auch in Tschechien desteht
eine erheblich : Abneizung gegen eine allzu enge Bindung an Polen.
Diese Lücke in ihrem Sqstem auszufüllen, ist das
Ziel der französischen Politik und der Reise des
Marschalls F o ch. Als im März Frankreich sich dafür einsstzte,
daß die polnische Ostqrenze durch die alliierten Mächte anerkannt
und damit auch das ostgalizische Land der polnischen Hsrrschait aus-
geliesert wurde, hat Polen sich vervflichten müffen, der Tschecho-
slowakei im Sinne der französischen Wünsche entgegcnzukommen.

Nun besteht im Norden Polens noch eine LLcke in
d«m wohlgsüauten französischen Ostsnstem. Litausn
kann die Veraewaltigung seiner alten Hauptstadt Wilna nicht ver-
schmerzen. zwischen ihm und Polen bestehen tiefe Vegensätze. D i e
französische Politik ist bemüht. auch diess zu be-
ssitigen und den Litausrn in Memel einen Ersatz
fürWilna zu gpben. Der litauische Ministerpräsident Gal -
wanauskas war auch schon nach Prag gereist. Triumph'erend
i konnte die „France Militaire" Lsrichten. dag Litauen demnächst so-
gar eine französische Militärmission erhalten werds. Fndeffsn wurden
die Verhandlungen zunächst abgsbrochsn, wsil erst das Erqebnis dsr
Wahlen, die in Litauen vor der Türs sishen, abqswartet msrden
soll und weil Litauen inzwischen Leim Dölkerbund erneut Protest
wegsn der Entscheidunq über Wilna eingclegt hai. Die französische
Politik wird sich uatürlich bemiihen. auch im Msmslland, das ;a
nun endaültig an Litausn geiallen ist. alle Voraussetzungen für eins
Entdeutschung zu schaffsn. Ob ihre Pläns >m Ostsn gelinqen, ob
das Deutschtum sich dort Lshauptet odsr entmutiqt, dis Iahrhunderts
altsn Stellunasn aufgibt, ob auch dis Oststaaten Deutschland nur
noch als «in Obsekt der Volitik ansehsn und rücküchtslos gsgenuber
dem dsutschen Volk Vergswaltigunqs- unk Vern'btunqspolitik
treib^n, ist <ruch ein Eegenstand des Ringens an der Ruhr. DorL
hat das erstemal seit dsm Iahre 1918 das Dsutschtum wiedsr einen
arohen Kampf aea.en die Entdeutschunc; anfaenommen und dort
fällt für lange Zeit für den Westen wie fur
den Osten die Entscheidung über deutsches Schrcksal.
S ch i ck s a l.

Sas deuWe Volksopser.

Berlin, 27. Avril. Der Reichsausschuß tür das deutsche
Dolksopfer fasite in einer Sibung unter dem Vorsitz des Regie-
rungspräsidenten Momm als Vertreter des Reichskanzlers in
Uebereinstimmnng mit den Vertretern dsr Ländsr. der besetzten Ee-
biete, dsr wirtschaftlichen und lozialen Orqanisaiionen usw,, wichtige
Beschlüsse über die wsitere Verteilung und Verwendung
der Mittel des deutschen Volksovfers. Unter ^->rücksickitigung des
° ausschtiesilich kariiativen Zwecks des deutschen Volkscmfers r'urden
alle durch den feindlichen Einbruch im alt- und nenLeistzten Eebiet
veiursachten Notstände einqeheird beraien. Da dke Svenden zum
deutsckien Volksovser auch in den letzten Wo^-'N ertreulich oeilollen
i find, konnten autzer für die Linderuna der allgemeinen grohen Not
- für den Dienst der allgemeinen Wohlsahrtspflege. für die
ergänzende Fürforge uiiserer politifchen Eefanosnen un^ Verdräng-
! ten, für die Behebung der oeistioen Not, und vor allem für die
s Verschickung weiteror 18 060 K i nd e r i n .<b e f m e zur längcren
Hsilkur ergiebige Mittel zur Verfügung gestellt werden.

ElnsieitSkront vvn Strefeman« btS zu ien Svzkaldemv»

kraten «cbildet, die sich über bie Notwendigkeit der Herbeisühruns von
Berhandlungen klar sei. Die bcsitzenden Stände mühten aber bie grSbte»
Ovier bringen. Diese Korderung stcllten gleichfalls alle Parteie», dte anch
darin übercinstimmten, dah auf Vrnnd der Rede Curzons eine Wieder-
aufnahme von Vcrhandlnngcn möglich sei. Wcnn es inncnvolitisch ge
länge. den Lcmokratischcn Staat aufrecht zu erhalten »nd gegen alle Au-
griffe zu vcrteidigen, dann sci damlt die bcst« Bürgschait für de« wrrk-
lichen Frieöen und dic endgültige Völkerversöbnuug gegebeu.


Senaior peterfen Wer den MreinbruO.

Fraukfurt a. M.. SS. Avril. Bor einem grotzen Zuhörerkreis svrach
Mtttwoch gbend ber Borsitzende ber Dentichen Demokratifchen Reichstags-
fraktion, Senator Dr. Petersen, imAoologlsche» Karten über
»Ruhrcinbruch unb -eutfche Autzcnvolitik". Der Redner fübrte in etwa
«tnstündigem Vortrage aus, dai; tm Lanfe Ler letzten Jatzre aus der
inneren Politik die äutzere herausgewachscn set «nd stch alle iunervolttischen
Dorgänae dcn groken wcltpoltttschen Problemen untcracordnet hätten. Nn
der Hand knavver Skizzierungen wies er nach, ivelche Probleme zum Wclt-
kriege gefübrt hätten, nnd datz Frankreich feit Sudwis XIV. in zähcr
Weife -ie Vorherrschaft über Deutschland anaestrebt babe.
Der Frteden von BersailleS habe keine Lösnng dieker Probleme gebracht.
-a es stnnlos sei. Deutichland an icder Krenze zu zerstückeln nnd übsrall
in den Nachbarstaaten Jrredenta zu ickaffen. Englands schwache Haltnng
und Amertkas Zaubern crmöglichen cZ Frankreich, mit unbetrrbarer Zähtg-
keit die Dcrntchtuna Dcutschlands zn betretken. Es gebe für Dentschland
»nr einen Wca, auS den Derftrickungen des Bcriailler Friedens heranS-
zukommen. daS sei Ler Bersuch, ihn zu crfüllen. Schon Rathenau bahe
1g2N den Krieden als unerfüllbar bezcichnet, unb Wtrth have erklärt, datz
selbst Lei einer Herabsetzuna Ler Bebingnnaen der Frtcbcn noch «nerfüllbar
iet. Auf diesem Boden führe das Kabinett Enno die beutsche Polttik
weiter. Die Etnitellung der Zablnnaen an Belgien nnb Frankreick sei
«ine Kolse dcS Rubrernbrucks. Denischland sei ber « it. stch mit Frank-
reich zu verständigen und Zablnnsen zu leisten. soweit es möglich
fei, es wolle Frankreich Sicherungen segen neuc Krteae aeben und an
Ler Abrüstung Eurovas mitarbeitcn, damit bas Problcm Friedrich Nan -
manns, bie Bcreinlgten Staaten von Eurova, verwirMcht wiirde. Aber
einen futzbrertdeutschei, Bodens erhalte Frankretch
niemals. Unter dcm Druck dicier äutzeren Bcrbältntsie habe sich eine

ErNärungsn des Layerische« Landn»irtschastsmr«isters Wntzelhofer.

Von unserer Munchrner Redaktion.

Münche«, 27. April.

Der bayerische Landwirtschastsminister Wutzslhofer sprrch
in seiner Etatsrede im Lanbiag Lber die deutschs Ernährungslag«
und sührte u. a. aus: Mit der Beseiligung des Getreideumlag«»
systems bekomme di« Landwirtschaft ihre Bewegungsfreiheit
wenigstens hinsichtlich des Eetreideanbaus wieder; dis Ver-
fügungsfreiheit bedeu-te aber noch nicht eine Spekula-
t i o n s fre i h e i t. Jm Jahre 1913 hat das alte Reich nur neun
Zehntel seines Kornbedarfs, knapp zwei Drittel des Fkeischbedarfs
und nur die Hälfte des Fettbedarfs im Inland produziert. Infolge
der Gebietsverluste durch den V-ersailler Vertrag sei die
Ernährungsdecke zu kurz geworden. Durch die Einwirkungen
des Krieges habe sich der Ernteertrag teilwetse Lis zu Zü Prozent
vermindert. Der Versailler Vertrag zwingt uns noch dazn, grogs
Mengen Haustier « an unsere Dertragsgegner abzulieferns Lisher
wurden abgeliesert 120 000 Pferde. 160 000 Rinder, 200 000 Schafe
und 110 000 Kühe des armen Mannes. All diese Umständ«
verursachen eine erhebliche Verminderung der Nahrungs-
mittel; dem deutschen Verbraucher stehen kaum mehr als 60 Proz.
der Nahrunasmittel zur Berfügung, die er im Iahre 1913 oerbraucht
hat. Das Reich wollte den Friedensvertrag erfüllen, es hat deshalb
einen grotzen Teil der Devisen zur Tilgung der Reparationslasten
verwertet zum Schaden der Volksernährung, der
Volksgesundheit, und das alles umsonst. Die Gesamt-
lage inVayernist durchweg etwas besseralsim Reiche. Leider
sind Erzeuger und Verbraucher trotz der Not der Zeit noch nicht zur
Kinsicht gekommen, daß ste zusammenwirkcn müffen. Hinsichtlich der
Z u cke r o e r s o r g u n g soll im kommenden Iahr unter bestimmter
Voraussetzung wieder die freie Wirtschaft eingefuhrt werden.
Die M i l ch v e r s o rg u n g ist im allgemeinen ungLnstig, was
hauvtsächlich auf die schlechte Futterernte der beiden lstzten Jabre
zurückzuführen ist. Der ungllnstige Stand der Milchproduktion be-
einirächtiat aber auch die Erisugung der Milchyrodukte. Die Klaqen
über unqünstige E i e r v e rs o r g ü n g der bayerischen Bedarfsorie
mebren sich. Der Land-wirtschaftsm'nister hat angeordnet, dasi bei
Prüfung der Bedürfnisfrage im Eierhandel mit größier Schärfe
vorgegangen rverden soll. Darüber hinaus hat die bayerische Reqie-
rimg bei der Reichsregierunq den Antraq gestelli. m gleicher Weise
wi« bei Karto-ffeln und Eetreide, Vutter ünd Käss, anch den Nuf-
ka«f von Eiern einer besonderen Erlaubnis zu unterstellen.

LohnSewegung der Vankbeamten.

Berli«, 27. April. Zn einer vom Allgemeinen Verband
Deutscher Bankangestellten einberusensn VersnmNlung
nahm die Berliner Bankbeamtenschaft zu dsm kürzlich im Reichs-
arbeitsministerium gefällten Schiedsspruch Stellung, der die Er-
höhung der Vezüge für April nicht für erforderlich erklärt Es
gelangte einstimmig eine Entschließung zur Annahme, in der gcgen
die „van der Regierung proklamierte und vom Schlichtungsausschuß
befolgte Politik der Lohnstabilisterung" Protest erhoben wird. da
es der Regierung nicht gelungen sei, die Kaufkraft der Mark zu
steigern. Die Organisationen der Vankbeamten werden aufgefordert
sofort in Verlin und im Reiche Vetriebsversammlunaen einzube-
rufen und alsbald Abstimmungen in den Bstrieben iiber die cr-
forderlichen Kampfmaßnahmen vorzuuehmen. Die darauMn '.nter
den Mitgliedern des Deutschsn Bankbeamtenvsreins veranstaltete
Abstirnmumg hat eine große Mebrheit fiirAblehnung d«k
für das deutsche Bankgewerbe gefällten Schiedsfpruchs ergeben.

Llngarn fucht Geldgeber.

Bubltpest, 27 .Avril. Das Ungarische Korrrspondenzbüro meldet
amtlich: Mimsterpräsident Eraf Stefan Vethlen und Finanz-
minister Tibor von Kallay Legeben sich am 29. April nach
Paris und sodann nach London iind Rom. um vor der Repa-
rationskommiss'ion und vor der französischen, englischen und italisni-
schen Regierunq die schwerefinanzielle Lage Ungarns
klarzulegen und um die Vorbedingunasn für eine sväter aufzuneh-
mende ausländische Anleihe zu schaffen: namentlich aber. um die
Aufhebung des durch den Friedensvertrag von Trianon über das
Eesamtvermögen llnqarns verhängten Pfandrechts zu crsuchsn. Der
Ministerpräsident wird auf der Reise von Lsgationsrat Erafen
Khuen-Hedeuvary begleitet sein.

Sie neue Srientkonferenz

Tiirkischtt Wi-erftand gege« alliierte Gelüfte -nf dis D-S
Von uaferem «-«-rresp-nd- »t-n^

Paris. tzst

Ueber dre gestrigen Verhandlungen in L a u s a n - n Zntz^
„Ehicago Tribune" einsn äußerst wertvollen Dsrichr, . /'gschrol-ü'j
oon den französischen Verichterstattern in Lausanns u ^ gr k
wird. Danach erklärt« Jsmed Pascha, dr- u.s-ehen>
könne den Alliiierten in keiner Weise be I ' liZ; e
das deutsche Eigentum im TLrkischen R - ^Arkei k-'A
dieren. Die Alliierten erklärten stch bereit, von der ^fst, ^
Kriegsentschädigung zu verlangen, sie hatten dal-ei ^ p ci

sie wenigstens den einstigen deutschen Besitz an der D a
würden liquidieren lönnen, wie dies der Friedensv ^^Min
schrieben habe. Sie hätten absr inzwischen den Eindr hetraK
daß die Türkei diesen Vertrag als einen Fetzen Pap AÜi'-'ft«
Es sei infolgedeffen äußerst zweifelhaft. "2, .. n t u
dre Bagdadbahn und das andere deutfche rg . wEL
der Türkei bekommen wurden. — Das Dlatt sagt niwl. M.-ntll'
Eelegenheit JsmedPafcha diese Erklärung abguv' ch^ Ao-
geschah dies in bsr gestrigen Sitzung der volkswint'Ea! >
misston, die iibrigens, wie auch alle anderen Kmnm ^
Friedens-vertrag »icht um einen Schrrtt vorwärts 0'»

Amschivvng in Sachfen?

Von unserem Dresdener Mitarbeit-
Noch bevcr der holde Mai qekommsn, sind die ;n

der sächsischen K. P. D. dahin. Täglich jammert si- o-r- ALhr
Preffe Lber die Sabotage der r e ch t e n S. P- Prud'
gewiffer Minister, des sozialistischen Parteivorstandes. Achlag
preffe usw. Jetzt holt si- zu einem ganz bssondern Ab-o^sdst-
Die K. P. D. hatte bekänntlich verlangt, daß die M: jxg 8^'^»
organisationen gemeinsam von beiden LimSpar», sinsa"»^
werdsn sollten, um so leichter die Anhänger der S. v-„r das I-g-.eik
zu können. Da die Genoffen von der sanfteren Soist-zp "i
schauien. beschlossen sie, überall eigene Formatlon ^ ^
und schon vorhandene gsmeinsame ausZUi
K. P. D. wandte fich nun oin die sozialistischs Sieb-^ 'Mrt
die seinerzeit die Derhandlungen mit der K, P-.^'/di-f^

Zn einer gemeinsamen Sitzung stellten die Mitgli-o» di-
mission laut Bericht der kommunistischen Preffe f-st-
munisten mit ihrer Auffaffung recht hätten. da6 mord^,,.lt->
gemeinsamer Abwehroraanisationen vereii'-oa ^

Eroßer Triumvh für die K. P. D.. der aber nicht
denn in dom Organisationsentwurf über die Abweyro u K
den die Soz''al?sten ausgearbeitet haben, kümmern >
gar nicht um diese Erklärung ihrer eiacnen Si-b-A jg d-u^ P
und um das gute Recht der K. P. D. Sie sagen ^
wurf, daß der organisatorische Aufbau genieinsaM ^-lieioE Ig
und K. P. D. unter Anlehnung an die hcstehend-u ck «s- 'jKt
tionen erfolgen solle, aber im nächsten Satz !^^,„gnrsatioU ggd
Bezirken oder Orten, in denen eine gemeinsame L>r.^ §. -p^jper
geschaffen werden kann, ist ein Ausfchuß zwisch-n T,aeh-"/„p-u
K. P. D. zu bilden, der ein gsmeinsam.es ZusaMwen^^M^.,..
Organisationen in der Abwshr konterrevolutionare 1.» hlk

gewährleistet. Die Richilin'en hierfür sind von den .„p, da. ^
leitungen gemeinsam festzulegsn." Es liegt auf der ReS' tze-
zweite Satz den ersten aufhebt und daß die K- P-^ m D- - > ^
sich über Treulofigkeit und Wortbrüchkgkeit der s- ;
fchweren. Die sozialistischen FLHrer werden scho" o
wiffen, daß nirgends wirklich gemeinsame Orgamiari .

kommen. Msr die Kommvnisten in Sachsen k-nnt, w,'chhx m^jiie.p
auf dies schlechte „Geschäft", Lei dem ste regelrecht «b-r sel/st^aö^
werden sollen, nicht einlassen werden. S-e qlbrv-d.s
Organisationsentwurf ausgearbsitet. der gsmeinsawe örtl'?-chas''
sationen vorsieht. Die Erundlaa« soll der Beirieo
sammsnfaffunq iit vorgesehen. Aufnahmen finden.aUf ^ M A v-
lich oder politisch organisierten Nrkeiter nrck einiay ^tzgzi^
schaft. Auch Syndikalisten, Anarchisten, Dnhäng-r^ - d-"
können stch angliedern. Die Altersgrenze ist 17 / , Kekaw^szi-
listen 23) Zahr«. Zweck der Organisation soll --äling
des Faszismns in jcalicher Form. genaue VeobaA^
stischen Bewegung: b) systematische Entwaffnung . ^ P-5'gd-pr
Verbänds und Vsrhinderung von Waffentransport-n- ,Mi-

rung des Aufmarsches der Nationalsozalisten naw Zchub ^ d-r
Einvernehmen mit den Neaierungskommiffaren: "^ia-n/N"

«>l
zil

lkcher proletarischer Veranstaltungen, und o)„^^V^schäfk'.^^gc

a-N

Ärbeitsrschaft (Druckersien usw.). Nuf se 1009. r
mindestens eine Hundertschaft aukqestellt. Auch R^^svn-r.
und Nachrichtenstellen stnd voraesehen. - Das mit
nistenblatt begleitet die Manöver der V. S- P- b'.-.-.^ d-r
drohenden Worten: „Das Ganze ist die ForiseMNb „fanw?.Aslsch-,.
Sabotagetaktik der rechten V. S. P.-Führer. dw saw
Zusammenarbeit der K. P. D. mit der geqenwarr^ ^ M
Regierung Knüppel zwischsn die Beine werf-n^

W. Fortsetzuna.

25 Bräute.

Gin Schelmenroman von Wilhelm tzerbert.

NaLLrock «ervoten

Er sah auf die Uhr, ergriff den Hut und spranaje zwei Stufen
dte Treppe hinunter, um unten mit dem ganzen Anstand, den zu
lehren er gegebenenfalls bereit war, aus dem Hause zu treten.

Susanne stand fünfzig Meter weiter oben vor einem Laden-
fenster und starrte, ohne daß sie es wußte, auf eine Auslage von
Herrenbeinkleidern.

Unter anderen Umständen hätte sie das entsetzt.

Ztzr Eewiffen biß sie fürchterl'ch.

Längst sagte ihr die ahnende Seele, daß es keine Vision gewesen,
daß der Änstandslehrer selbst vor ihr in das Nebenzimmer ge-
flohen war.

O! Nichts anderes als ihre unerbittliche Eefühlslostgleit hatte
ihn da hinaufgetrieben!

Mit diefer Erkenntnis verband sich in ihr die wahnsinnige
Ceelenanast: Wie. wenn er fand, was er suchte? Wenn. während ste
hier in Martern stöhnte, eine andere ihn davontrug? Wenn er sich,
wie das perade bei den edelsten Naturen nachgewiefenermaßen vor-
kam, zur Betäubung an ein Wesen kettete, das ihn dauernd unglück-
lich machte? Wenn eine andere ihn ihr wegschnappte?!

Sie war einen Augenblick willens, hinaufzustürmen und ihn her-
anszuvsrlangsn — als ihr vom Schicksal bestimmtes Eigentum.

Aber lähmend, wie schreckliche Bleigewichte hingen 'ihr immer
wieder die altbewährten Grundsätze ihres eigenen Jnstituts an den
Eliedern.

Doch schwor sie stch, hier Wache zu halten — und wenn sis des-
wegen den Lshrplan ändsrn müßte. Sis Leschloß, nicht zu wanken
und zu weichen. bis er käme.

«... Und stehe da, er kam schon.

Vlitzschnell riß es ihr den Kopf zur Seite. Sie suchte wieder in
die Auslage zu starren, erkannte dort plötzlich die HerrenLeinkleider,
errötete und lief ihm hilflos in die Arme.

' Ernst, und wie sie zu erkennen glaubte, mit einsr gewiffen
Kränkung in den Mienen, grützte er.

„Sie waren eben hier oben?" sragte er dann mit ein:m Ton,
kn dem cin leiser wunder Vorwuri schwang.

„Ach!" entgegnete sie und machte eine scharfe Wendung links in
eine Seitenstraße.

ich war hier oben," flüsterte sie dann.

„Jch anch," sagte er ebenso.

Nun gingen sie hundert Schritte neben einander her — wie
Susanne mit schmerzlichsm Eenuß annahm, in dem bittersten Seelen-
kamvse, den seit dem klaffischen Altertume zwei Menschen durch-
gekämpft hatten.

Dann klappte er die vordere Kremve seines Lreiten Künstler-
hutes herunter, daß sie ssine Stirne beschaitete wis eine Locke Wo-
tans Auge, , 'Ls war ein Verzweiflungsalt," lnirschte er durnpf.

„Bei mir auch!" murmelte sie in gebrochener Verzückung.

Da mit einem Ruck riß er den Hut vom Kopfe. fuhr sich mit
der Rechten durch Lie roten Haare und rief, so laut es die Gaffe
erlaubte: „Bei Zhnen auch?! Was soll das heißen? Soll das
heißen. daß Sie — daß ich — daß wir . . .?"

^ j.Ia!" seufzte sie und blickte Leschämt nach der anderen Seite.

„O!" svrach er da mit einem dramatischen Tone, in dem er
dieses inhaltsrsiche Wort einmal auf einsm Liebhabertheater von
dem Helden aehört hakte. „Dann ist ja alles gut."

Er bot ihr die Hnnd und drückte die ihre. die fie ihm schnell
und willig reichte, so daß sich der Ametyst, den ihr die Schülermnnen
des obsrsten Kurses zu Weffmachten aeschcnkt hatten, schmerzhaft in
die Seitenwand des Ze«gefingers bohrte.

Aber der Schmerz bereitete ihr suße Wonnen. Die männliche
Leidenichaft, die ihn erzaugt hatte, begeisterte und durckstrahlte sie.

„Unser Schicksa! ist r>on dieser St'mks ab ansinander gekettet,"
fuhr Veit nocki imwer unter dem Einfluß der theairalischen Erinne-
rung fort. „Dn bist mein und ich bin dein."

Sie vermochte nur dreimal krampfbaft zu nicken.

„Aber wir müffen zunächst noch auf deine Zöglinge Rücksicht
nehmen."

„Eswiß!" murmelte sie. „Eewist!" Sie stellte sich mit Entsetzen
vor, was die Välge fiir Gesichter schneiden, welche heillossn Witze
fte reißen würden, wenn si>: wüßten. . . o!

Es war unmöalich.

„Wir treffen uns voerst am -ritten Orte — bei Einiritt der
Dunlelheit — mit aller deiner Stellung sckmldigen Vorsicht."

Der Eute! Wie er für sie dachte! Wie er sich in ihre Lage
hinemzudenke» vermochte!

Das kann so rasch nur wabre Liebe. Das kann nur ein Mann,
der sich in diese nüchterne kalte Zeit die schönsten Jdeale herüber-
gereitet hat.

Wenn schon Susanne vielen der Erundsätze untreu werden sollte,
die sie predigte, wenn sie schon mehr der Menschheit als sich selbst
das Opfer brachte und. hciratete, kein anderer war ihrer würdig
als dieser da.

Da bemerlie cr mit siner Art launigem Erschrecken. daß ste
an der Friedhofmauer hinwandelten und gcnau auf jens Vank zu-
steuerten, auf der er w'ederholt mit Frau Mathklde geseffen hatte.

Jn einer Art von Aebsrmut, der ihn mweilsn befiel, setzte er
sich auch mit der neuesten seiner Vräute dorthin, Er schlang den
Arm um sie und gab ihr einen Kuß, bei dem sie heftia errötets und
sich nach allen Seiten umsah. Es war ihr docki. als ob hinter jedem
Weidenbusch ein freches Backfischgesicht frohlockend hervorlugte,
triumvhierend herauskicherte.

„Sie hat mir" — sagte er im Tone tiefster Verachtung und
braute viel Dichtung mii wenig Wahrheit zusammsn — „ste hat mir
eine Witwe angeboten mit siebzigtausond Mark, die Hinterbliebene
cines Oelmannes".

„Schrecklich!" murmelte Susanne en.trüstet und eifersüchtig.


„Ich habe natürlich abgelehnt, obwohl - -
„Obwohl?" fragte ste begierig. .

Er riskierte ein Waqnis. „OLwohl es M'p ^tz»sche>^!,staN?„,
eben zum besten geht. Ich kann kaum mehr mein-A ' MS
dürfniffe befriedigen. Ich hab«, sritdem du mich btz .
lehrer aufnehmen kcnntsst, keinen Berus mehr hei ^ ^

mir wider mein tiefftes Emvfinden, anderswo ai ^ fg»

zu sein ..." ^ah- auö

,.Ä—a—ach!" Sie seufzte in drei Absätz-n, " ..

vor Mitgefühl und WohlLehaaen. „ ,-sr

..Jch habe msin Letztes aufgebraucht . - - . »-«g pp^p-it, p'

Dis Oelwitwe mit den siebzigtausend Marl L^igng-^
ein Schreckgespenst empor. Sie kämpfte mit Mer '
ihrer Genauigkeit, mit ihrem Eeiz.

Absr follte er ihr verloren gehen?! , M-

s-nN



„Könnte ich Jhnen . . ." flüsterte ste zagha"
ihn verletzte und verscheute?! ,,»h l'-v-"

„Könnte ich „d? r" . . ." verbesserte -r s-nst ^ ,,-t«^ ^

„KLnnte ich dir" — fuhr sie noch leise for>- «-«aeN E
die Arme greifen". . . Ä

Er zerrieb den Sand vor seinen FLßen m qsi.^gndem ^gi-
sagie dann dumpf: „Wenn es sein muß! Van « ^ poK " ^

Wslt würde ich etwas nehmen als von dir -— " . tz-d,

es oerade von dir am härtesten." G-'? «n ^

Mitten in diese hoffnungsvolle Entwicklung zgorstnv
ein bog um die Ecks eine Frau mit ro-m-m .

schwawen Trauerhut. w-r- Mit-

„Mathilde!" schrie es in ihm. „Jetzt kann s 9" k ^
Absr die züchtige Scheu Susannens rettete ryu- ' gge
flüfterte ste fast unhörbar. „Jch muß gshen. .^elte -r> ^

„Morgen um diese Stunde wieder hisr!" ^jnip^

Lippen zu bewegen. . aes-nkt-tz,tet-- , -

Sie erbob sich rasch und grußlos und ging.m 6 vetrach.„ »ev
an Frau Mathilde vorbei, die sie sehr arqwohn 'M ^ fje I

„Wer mar das?" fragte sie denn auch sofa* - .j, n'A

ihn gesetzt hatte. ,,nbekang-m „ hi-r ^

„Ich weiß es nicht," antwortete er so un ^^gnken <obe- -e
viele es fertig gebracbt hätten. „Ich b-n b-M-r.kt sp"

seffen. daß ich ihr Kommen und Gehen fast n'w' ^och

„Was wollen Sie hier?" forschte st- me" - . „ M d

und inquisitorffch. jr-ibt

„Ich bin oft hier," «ntgegnete er sanst- »K

Ort, wo wir uns kennsn lernten." alaubte- Lf/uflSq

Ihre Miene verrict nicht, ob sie ihm Las g^^e« e'"L,

mit meincm Seligen die Sache wegen ssmes ^ ob l' gi«,
Ordnung gebracht," erklärte sie gesckiaftsmoß!^. ,,,rnt .stÄ- MS-
Kleiderhandel abgeschloffen hätte. „IK nnd

vorausgesetzt, daß Sie dsn Anzug ebenso m F ^jch -

wie er es getan hat. Kommen Sie mit- , ;ch lall-
. Nein'". wshrie es sich in ihm. „Elcnwst ,-cMjstzuUg >
dir tyrannisieren?!"
 
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