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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0823
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18. Mäk 1923.

Beiblatt der Badischen Post

«ekte 8.

Atts der Stadt.

Aein!

Tin Aufruf von Waltcr Bleem.

/ ^>n und Ruhr sind in Fetndes Hand! ,,

Bolkskampf,

^eitz^^Sleichen die Weltgefchichte noch nie ersah, dnrchtdbt unseres
. st^^^tmark.

L»Us ,?^°usende deutscher Männer, Frauen und Kinder werden non
^riy„ ^?.Eigen hinweg ins Elend getrieben — Millionsn fleigiger
feiern weil der Feind die Arbeit lahmlegt-
und schwere Artillerie bedrohen, Reitpeitsche, Kriegs-
°Nd??eil, Ausweisungsderret und Maschrnengewehrlugel. mih-
euti^n. kerkern, morden friedliche wohrlose
--i ch eMenschen!

, unsere tapferen Volksgenossen, Westfalen, Rhein -
r. S ° ssen, Pfälz e r. leisten heldenhaften, watfenlosen,

'ngrimmigen

Widerstaud!

"'Siilst duihnen helfen? Schande, wenn du es
rs ^ olltest ' '

^ alte Erbfeind will das Reich zerbrechen — das
unsere Väter erstritten, das wir durch vier Zahre gegcn

">e »n» ^ unsere Vater erstritten

. D?v^^Llt verteidigt haben! , q-

«ie^r fted Arm des deutschen Arbeiters soll ihm Fron-
^ i>e, leiste'n - deutsche Bodenschätze sollsn ihm Zins tragen
^tsch^ Ersiudungskraft will er räuberisch ausbeuten!
I' ° ll jhm j, a § gxl; iigen ? !

Nein!

tst dein Kampf, den die Brüder.und Schwestern-rm Westen
d ^ ^ wenn sie ermatten und ermüden, ist s dein llntergang
: ^"e Rettung, wenn an ihrem Trotze

des Feindes Macht zerfchellt!

^ruiu hilf den Brüdern und schwestern an Rhein und Ruhr!

Ä,? s. tragen sie — und was tust du?

L'fi sie vor Hunyer und Siechtum bewähren!

L n. ..__ zu ihnen — istzt

'rst A^sie fühlen, daf; sie uns gehoren

Eib zum Deutfchen Volksopfer!

f .. Nicht locker lassen! - Nicht lau werden'. -- Helfen!
Ä^venden nehmen alle Banlen. Sparkassen, Postämter usw
iLp^die EeschäftssteNe der „Badischen Post" nimmt nach ime

an.

vor

en.Lgegen.

Vaden ais Srenzland.

Bttile der badiichen RhejneLene Leträgt bci Appemveier
18 Irra Wenige Stunden feindkichen Vormarschs haben
?Kvk^.um das badische'Land in der Mitte entzweizufchneiden.

'uhrsn Gebirgswege auf badifchem Staaisgebiet um das Ein-
ll^^gebiet lwrum für einen nennenswerten Verkehr konnen diese
heut?'cht in Frage kommen. Oberland nnd llnterland stehen daher
^tg vur aus grohen llmwegen durch das Nachbarland Wurttem-
, »^iteinander in Verbindiing. . ,.. ....

ii» u'est Tatsache lenkt die Aufmerksamkeit auf die eigentumliche,
hi^^Nzev ungünstige geographische Eestaltung des. Landes Baden
S^Der nördlichste und südlichste Punkt de» Landes sind mehr als
k>is ,."egrade voneinander entsernt, von der Rhemmitte bei Wyhlen
hessifchen Grenze bei Laudenbach sind es 28S Rm. die Ent-
ebstzA Wischen Wyhlen und der bayerischen Erenze bei Dertingen
^ie M.sogar- 284 äm. Zu dieser grotzen Längencniwickelung steht
lÄ L'te in keinerlei Vcrhältnis; sie beträgt zwischen Steinrnstadt
ISniii^heim) und Homberg (A. Ueberlmgen) 139 stw. ist im Durch-
»ber viel geringer und sinkt zwischcn Neubnrgweier und

chiiV-nyeim) und Homberg (A. Ueberlmgen) 139 km, ist im Durch-
»ber viel geringer und sinkt zwischcn Neuburgweier und
. Afonn (Leide im A. Ettlingen) auf 18 krn herunter.

' eine Eesamtfläche des Staatsgebietes von 18 071 gkm (ohne
hew N^eanteil) kommen 1830 Grenze. Wahrend im Reich »or
Ehstt i^sailler Diktat auf 71 güm Fläche 1 Lm Erenze kam, ent-
Baden bereits auf 9,88 ciirin Fläche 1 stm Erenze. Ver-
Äe? 'uan den tatsächlichen Gebietsumfang jeweils mit dem llmsang
^isi ^reises von Lemfelben Flächeninhalt, so ergibt fich tur das
^ U°"te Erenzentwickelung von 2,9, für Baden dagegen von 3,5.
lich grenzt an sechs Staatcn. Die 1530 km Erenze verteilen

sgjgj. Die Grenze gegen Hessen Leträgt 147 Lm. gegen
,-^rn sno ms Vkal, 84t. aeaen das Elsatz 182,

119 und gegen

28g" (Ünterfranken'155, °Pfälz"84). gegen das Elsatz 182,
Schweiz 262. gegen Preutzen (Hohcnzollern) 119 und gegen
v>eii„ .uidi>ra 581 Km Zur Kennzeichnung der Erenzverhältnisse sei
dep Äm erwähnt, datz 8 Eebietsausschlüsse und 11 Einschlüsse srem-
i>r^°bietes bestehen, und hinzu kommt noch das Kondominat Bern-

hez(F°n den'Ä^ädischen Amtsbezirken sind nur 9 keine Grenz-
Wiesloch, Durlach, Baden, Waldkirch, Freiburg, Neustadt.
tei^msien, Schönau und Schopfheim. 16 Bezirke grenzen an Frank-
°d«r an von Franzofen besetztes pfälzisches Gebiet und emige
bix -n. -- Kehl, Offenburg, Karlsruhe und Mannheim — stnd durch
Ar pfsNdlichr Besetzung unmittelbar in Mitleidenfchaft gezogen. An
^rirMerische Pfalz grenzen die Bezirke Mannheim, Schwetzingen,
Zar^'ul' Karlsriche und Ettkingen, an das jetzt französtsche Elfatz
Vühl, Kchl, Offenburg, Lahr, Ettenheim.' Emmendmgen,
S-E M. Staufen, Müllheim und Lörrach. Das Derfailler Diktat
Mf ll^nkreich das Recht, den Vrückenkopf Kehl mit 25 Eemeinden
ter^o ^setzt zu halten. Damit nicht zufrieden, hat es wei-

. Ip^udtfches Gebiet befetzt.

dte Schweiz grenzen 6 Bezirke, 4 an Hohenzollern, .

. EMberg, 3 an das Layertsche llnterfranken, 4 an Hefsen.

Nr Vi srtedlicher Zeit war die autzerordentliche Grenzentwickelung
Dn^adens Wirtschaftsleben eher zum Vorteil wie zum Nachteil.
liegjt Haden führen wichtige internationale Stratzen, und das Länd
^hm- Nhein, der wichtigsten Verkehrsader Mitteleuropas. 41 Eisen-
Sü ^."vien überschreiten die Erenze, und zwar 16 nach Württemberg.
Tch^uep absehbarer Zeit 2 weitere kommen werden, 8 nach der

! v?ie „.'>a>e Industrie -- --„

»H^U'cht ungünstige Absatzbedingungen, die oberbadische Jndustrie
viitt-p"vSs ist von den Rohstoffen und der Kohke weit entfernt und
gar norddeutfche Absatzgebieie liegen für diefes Jndu-
. D.an der Slldwestecke des Reiches recht ungimstig.

! Erenzlage Badens fpiegelt sich anch in der j

ÄtäA '«nrer Bevölkerung dentlich widsr. Jm Jahre 191
O»öi, ^ bie Eebürtigkcii erhoben wurde. waren von der Eefamt-
ix» n °^Utzg über (3 nicht in Baden geboren, und Mar 10,9 ^ in
MtkI^ren dentschen Bundesstaaten und 2.2 ^ im Reichsansland.
My„E'ch auherhalb Badens waren damals 219 570 Perstmen gebaren,
Zayei/Ntfielen auf Württemberg 8l 562, auf Preutzen 50 440. auf
Doh 43 642, auf Hessen 20 085 und auf Elsatz-Lothrmgen 12 388.

44 465 Reichsausländern, von denen übiigens die meisten
*iH,j?>pDaihig waren, stammien aus der Schweiz 16 951, aus Oester-
^isS,Marn g061, aus Jtalicn 10 298. Jm Zahre 1910 lebien je
^schsr ^OOO und 12 000 Personen fchweizerischer, österreichisch-unga-
^iaei.t t'Ä' italienischer Staatsangehörigkeit in Baden. Das ge-
Mt ^ Vsrkehrs- und Wirtfchaftsleben der verflossenen Jahrzehnie
Dtz4 cu!n" ^ustrom Fremder bedingt oder doch verstärkt. ^ahrc

O»stai " in Baden nnr 3,62 die ans anderen deutschen Bun-
stainrnten, und 0,86 Reichsausländer. Die Lostrennung
'ivthIrEichslande hat weiterhin seit 1918 Zehntanfende von Elsatz-
. H "S"n „ach Baden geführt. .

ein - 'st die Eunst der Erenzlage völlig ins Eeaenteil verkehrt,
Eii.^udlicher Nachbar, der nach Recht und Eesetz nichts sragt,
i" vi'ahulinien unterbindet und die Häfen Lefetzt hält. Säiutz-
fchmale Erenzland unter den Kanonen des Feindk^.
"kt- m. den- letzien Iahrhunderten feiner Vergangenheit, wo

zahllose badische Stadte, Dörfer und Schlösser das Opfer fianzösifchen
Jmperialismus geworden sind.

(Aus den Mitteilungen des Statistifchen Landesamts.)

* Ehrt Lie Toten! Die Polizeidirektion macht wiederholt darauf
aufmerksam, datz es verboten ist, auf den Friedhöfen Vlumen nnd
Pflanzen zu pflücken oder Gräber und deren Pflanzen zu
befchädigen. Auch das Rauchen und Mitbringen von Hunden
ist untersagt.

" Von dcr Uriroersität- Dr. Erich Frank hat sich mit einer
Prokevorlesung üoer „Plato und die griechische Akademic" in der
philosophischen Fakultät der hiesigen Universität habilitiert.

Erhöhimg der Erwerbslofsnfätzc. Der sozialpolitische Ausschuß
des Reichstags Lesatzte stch mit der Frage der Festsetzung der Unter-
'tützungssätzs für die Erwerbsl o s e n f ü r f o r g e. Der Vsrtreter
der Reichsrsgierung teilte mit, datz sie eine Erhöhung von etwa
88 Prozent in Aussicht nehme, während ein Antrag der Sozial-
demokraten und der Kommunisten erheblich höher gehen wollte. Die
vorliegenden Anträge wurden einem Unterausschutz überwiesen.
Angenommen wurde cine von ^Zentrumsseite eingebrachte Ent-
chlietzung, welche die Anpassung der Unterstützungssätze an die
Tsieuerung, die einheitliche Regelung des Beschlusses der Bedürftig-
keit, sowie die Förderung der produktiven Erwerbslosenfürforge durch
öfsentliche Aufträge verlangt-

Vorläufrg kem Abbau dsr Zuckerzwangswirtschaft. In den inter-
esfierten Kreissn wird gsgenwärtig lsbhaft die Frage des Abbaus
der Zwangswirtschaft erörtert. An den matzgebenden Stellen be-
'teht jedoch die Anffassung, datz vor 15. Oktober ds. Is. an eine
Aufhebung der Zwangswirtschaft für das laufende Wirtfchaftsjahr
nicht zu dcnken sei. Ob im neuen Zuckerwirtschaftsjahr eine Aen-
derung erfolgen kann, hängt zunächst vom Umfang des Zuckerrüben-
baus und von dem ungefähren Ergebnis der Feststellung des Zucker-
gehalts der Rüben ab.

* Eine OrgelsLicrftunde anlätzlich des Todestages von Mar
Reger (11. Mai), die den dazu Erschienenen einen besonderen
Kunstgenutz bereitete' veranstaltete Freitag abend 8 Uhr in der
Johanneskirche zu Neuenheim Herr Werner Autenrieth. Der
junge Organist, oer durch feine am weitzen Sonntag hier am gleichen
Orte aufgoführte Osterkantate die Aufmerksamkeit und das Jnteresse
weiter musikalischer Kreise auf sich zog, spielte Werke von Regsr,
unter densn das Lhoralvorspiel „Aus tiefer Not" und des „Benedik-
tus" infolge sicherer Behsrrschung des Instruments und prächtiger
Tnstrumentierung zu eindruckvollster Wirkung kamen. Jn der

-opransängerin Frl. Ehrmann hatte der Künsiler eine Kraft
gewonnen, die durch sympathische Stimme und feelenvollem Vortrag
von Reaers „Gebet" und „Mariens Wiegenlied" die aufmerkfam
Lauschenden gefangen nahm. Zu begrützen wäre es, wenn ähnliche
Veranstaltungen — wir hoffen auf folche — rechtzeitig weiteren
Kreisen bekannt und zugänglich gemacht. wiirdenj danküar würden
es gewitz alle jene begrützen, denen solche Aufführungen Stunden
innerer Sammlung und Erholung sind-

* Stadttheater. Am Dienstag wird das Lustfpiel „Das Extem-
porale" wiederholt. Bei den bisherigen beiden Auffiihrungen er-
zielte die Darstellung (besonders Malsns Rektor) den stürmischstsn
Applaus, der stellenweife sogar in Beifallsgetrampel übsrging. Es
sollte niemand verfäumeN' sich diefes Lustsviel anzusehen. Die Vor-
'tellung ist autzer Miete. In der Aufführung von „Hoheit tanzt
Walzer" am Mittwoch singt Eugeni« Casal die Partie der Prinzeffin
Marie. Die Vorstellung ist autzer Miete.

^ Das neue badische Eefrtz- uud Verordnungsblatt enthält Ver-
ordnungen über die Reg ung der Beamtenbezügs für April
und Mai, über die Zusttzndigkeit der Behörden in Bezug auf das
Fortüildtmgsschulgefetz, über dsn Sonderzufchlag auf Arzneien im
befetzten Eebiet, über die 'Arzneitare. uber den Vsrkehr mit Nah-
rungs- und Genutzmitteln, sowie GebrauchsgegenständeN' über das
Hekammenwesen, Lber die Aenderung der Rechtspolizeisrdnung. über
die Bildung der Standcsamtsbeztrke im Amtsgerichtsbczirk Säckin-
gen, über die Gebühren für Eemeinderatsmit.glieder in Angelegen-
heiten der freiwilligen Eerichtsbarkeit, üb'er- das Inkrafttreten des
reichsgesetzsichen Ernndbuchrcchts, über das Knappfchaftswesen und
Lber die Dienstreisekosten.

* Kalter Blitzfchläg. Vei dem Gewitter am 12. Mar absnds
nach 8 llhr -schkug der Blitz m den Kamin des Hauses Kleinfchmidt-
stratze 44, ohne zu zünden. Die herb-eigerufene Berufsfeuerwehr
konnte nur feststellen, datz durch den Vlttzfchlag der Kamin aus-
brannte.

* Einen Zufammenftoh mit einem Wilderer hatte ctn Fcldhiiter
in Kirchheim. als er am 13. Mai abends nach 8 llhr beim Exerz'er-
platz auf seinem Dtenstgange war. Der noch unbekannte Wilderer
legte mit seinem Gewehr auf den Fcldhüter an und gab einen Schutz
ab, der fehlging. BefchrcibuNg des Täters: 30—35 Iahre alt, l,65
bis 1,70 Mtr. grotz, engltsch gestutzten Schnurrbart. trägt dunkel-
grauen Anzug. grauen Hut, Umlegkragen mit Fltegensch'lips. Das
Eewehr (abgeändertes Miliiärgewehr) ist etwa 1 Mtr. lang.

* Polizeibericht »om 12. und 13. Mäi. F est genammen
wurdcn: zwet ledige Schiffer von auswärts wegen Entwendung von
zwei Fatz Venzol im Werte von 1!4 Millionen, ferner ein Bettler.
— Aufgegrisfen wurde ein auf dem Transport daoongelan-
fener FLrforgezögling und ein Trunlenbold. — Zur Anzeige
gelangten: zwei Perfonen wegen Hohdtebstahls, ein lediger Buch-
halter von hier wegen Unterschlagnng einer stlbernen Herrenuhr mit
Bierzipsel, zwei Kraftwazenführer und etn Motorradfahrer wegen
Fahrens ohne FLHrerschein, vier Perfonen wegen groben Unfugs,
25 Ruhestörer, drei auswärtige Mctzger wegen Zuwiderhandlung
gegen dte Fleischverkehrsordnung, drei Ausländer wcgen Ntchtbeach-
tung der Meldevorschrift, 41 Kraftfahrzeugführer wegen zu rafchen
Fahrens und weitere 22 Personen wcgen anderer strafbarer Hand-
lungen. — Eestohlen wurde am 11. Mai, 8.30 Uhr abends, in
der Anlage ein Jagdhund tm Werte von 800 000 M. — Unter-
schlagen hat ein Schuhmacherlehrltng in Kirchheim seinem Arbeit-
geber ein Paar Herrenschnürsch-uhe und eine Milchkanne. Derfelbs
tst etwa 14K Jahre alt, 1,60 Mtr. grotz. hat dunkelblonde Haare,
trägt dunkelblanen Anzug mit blauer Schtldmütze und hat schwarze
Schnürfchuhe- Da er flüchtig gegangen ist, wolle cr beim Vetreten
festgenommen und der Polizet übergeben werden.

A«s Baden.

Jahresversammlung des Sdenwaldklnbs.

V. Schivetziuse«, 14. Mai. Der Obenwalbklub hielt i» Schwetzinsen
seine diesjäbrigc H a u v t v e r s a m m l u n g ab. bie sich unter Teilnahme
vteler tauscnber Personen zu einer starken und einbrucksvollen Kund-
gebung für die dcutsche Heimat und bie bedrängte Pfalz
egstaltete. Jn dem vergangeuen Jahr tst der Odcmvaldklub mit ins-
gesamt Iva Ortsgruvven, in denen 18 08g Mitglieder vereinigt ünd, in
bas süiiftc Iahrzehnt seincs Bestehens eingetreten. Jn ber Hauvtversamm-
luug. bic im Saalc bes Hotel Falkcn stattfaub, und zu ber bie meisten
Ortsgrupven ihre Vertreter gcsandt hatten, wurde besondcrs der Orts-
gruppen tm besetzten Gebict gedacht, die, von dcr Brandung eincs un-
crbttierlichen Kamvfes um das Deutschtum umtobt, alles üaransetzcn, mn
das zu blciben, wäs sie sind, Horte und Stätten deutfchcr und heimat-
licher Gesinnnng. Jn der Bersammlung, dic vom Vorsitzcudcn dcs Hauvt-
vorstandcs, Oberbürgermetster Dr. Glätzing- Darmstadt. gcleitet wurde,
warcn auch ber Bürgcimeistcr Rcinharbt und der Oberamtmann
Strack uon Schwetziiiaeu auwesend, die namcns der städtischcn Bchörden
die Gästc in dcr altcn ehemals kurvfälzischcn Residenzstadt bewillkommtcn.
Der Geschäftsbcricht gab cin ersreuliches Vild von dem Amvachsen
und der eifrigen Betiliguns dcs Odcnwaldklubs, dcr angesichts dcr Be-
drohung, der bie dentschc Südwestmark auSgesetzt tst, erhöhte Bcdcutung
und Würdigung bezweckt. Nn dem Kcstzug. dcr stattfand, betetligtcn sich
viele tausend Personen. Als Tagungsort für ücn nächsten Jahresver-
bandstag. der am 1. J«Ii 1924 stottftndet, wurde Wimpfeu a. N.
gcwählt.

— Weiuheim, 14. Mat. Der hiesige Gemeinberat beschlotz, den Oden
walddichter Abam Karrtllon, zurzeit iu Wtesbaöen, der iabr-
zchntclang hier in Weinheim als Arzt gewtrkt hatle, anlätzlich scines
f 'll. GebuilLigges zum Ghrembürger »er Stadt Weinheim zu er-
neniien.- .. , .

KonzerL des Kölner Liederkranz.

Selbst wenn die Kölner unter anderen politischen tl:nftänden
zu uns gekommen wären und uns etwas vorgefungen hätten, hätte
ein ftrenger Musikkritiker nicht anders urteilen können, als wie er
es nach dem Konzert am Samstag abend tun kann. Es ist wirklich
eine ganz grotze Freude, diesen wohldisziplinierten Ehor mit seinen
fast durchweg guten Stimmen zir hören. Selten trifft man bei
Männerchören eine solch reine Intonation und reine Tongebung,
erstaunt tst man, datz die Kölner trotz ihres Dialektes im Lied cine
>olch ausgezeichnete Äussprachs haben. Kommt dazu noch eine ganz
crhebliche Dosis intelligenter Auffaffung. und wird das Eanze von
einem Ehorleiter wie Peter Haas, der alls Vorzüge eines Männer-
chorleiters in sich vereinigt, zusammengefatzt und 'ins richtigs Licht
gehoben. fo mutz eine folche überaus starke Wirkung zustandekommen.
wie dies am Samstag der Fall war. Sowohl im fchwierigen Kunst-
chor mit der instrnmentalen Vehandlung der menschlichen Stimme,
als auch im leichteren Chor, der mehr auf geschmackvolles Singen
an sich Wert legt — schade, datz man kein einziges richtiges Volks-
lied zu hören bekam —, haben die Kölner Eäste ganz Ausgezeichnetes
geleistet. Eine geradezu glänzende Leistung (erster Tenor) war dic
vokale Begleitung des „Sandmännchen" von Hirsch. Datz das
Pnblikum, das den grotzen Saal der Stadthalle bis auf dcn lctztcn
Platz füllte, auf die Wiedergabe sämtlicher Verse des Liedes
drängte. war eine selbstverständliche Folgerung aus der ausgezeich-
neten Wiedergabe.

Auch die Solistin war aus Köln gekommen. Jhr Platz scheint
aber mehr auf der Bühne als im Konzertsaal zu sein. Für lyrische
Sachen fehlt es ihrer Stimme an der Leichtigkeit der Tongebung,
auch haben ziemliche tonliche Unreinheiten den Eenutz, Len ihre
ionst gute Stimme vermitteln könnte. etwas getrübt. Trotzdem
wurde auch die Sängerin, Frau Elifabeth Platzhei m, ' sehr
gefeiert- In Kapellmeister Engel aus Kdln stand ihr ein aus-
gezeichneter Begleiter zur Seite. —M—

*

An das Konzert schlotz sich ebensalls tn Ler Stadthalle ein Fest--
hankett an- Nachdem der Präsident des KLlner Liederkranzes
einige Worte gesprochen hatte, begrützte Oberbllrgermeister
Dr. Walz die Eäste im Namen der Stadt und der llniversität.
Das Orchester des Hetdelb.erger „Ltederkranz" und die „Ltedertafel"
trugen durch Vorträge zur Unterhaltung des Abends bei. Schlietz-
lich wurden Oberbürgermeister Dr. Walz und Altstadtrat Sen-
dele zu E h r e n m i t g l i e de r n des Kölner Ltederkranzes er-
nannt. Nach etntgen Reden und Toasten, untermischi mit gesang-
lichen Vorträgen, verstrich die Zeit. Jn fpäter Abendstunde gingen
die Sangesbruder auseinander, um stch am Sonntag morgen wieüer
zahlreich am Dahnhof einzufinden. Von Heidelbsrg fchieden die
Kölner Sünger mit den besten Wünfchen und Erützen an die d-nt- '
schen Sangesbriider an Rhein und Ruhr.

Seidewerger Kunsiverein.

Am 11. Mai beging Adolf Hacker, unser Heic.elberger Kunst-
maler, feinen 50. Eeburtstag. Der Kunstverein betrach-
tete es als eine selbstverständliche Pflicht, in seiner Mai-Ausstellung
eine Auswahl der Werke dieses Künstlers zu bringen. Jn Schwar-
zenberg an der Saale (Oberfranken) geboren, zeigte er fchon frllhe
Begabung und Liebe zur Kunst. Er hatte keinen leichten Lebenswsg >
als Elied einer 30köpfigen Famtlie, hatten doch feine Eltern von,
dem kargen Einkommen eines bayerischen Landgendarms 28 Kindcr
zu ernähreit! So blieben ihm Entbehrungen unö Kämpfe bis in
das Mannesalter hinein nicht crfpart. Aber feine Liebe zur Kunst
erlahmte nicht, wcnn ihr auch die Hemmungen, die seine persönliche
und Mnstlerischc Entwicklung begleiteten, eine gewisse harte Note
autdrückien. Nachdem er Lei einem Dekorationsmaler gearbsitet!
«nd die Kunstschulen zu München und Hannover mit Auszeichnungen
besucht hatte, wobei materielle Sorgen mnd Schwieriakeiten cller!
Art seine ständigen Eenoffen waren, kam er mit 36 Iähren auf dis i
Karlsruher Kunstschule, untersiützt durch Stipendien der Stadt
Heidelberg und der Grotzherzogin Luise. Kaspar Ritter, Trübner!
und Hans Thoma waren hier 'neüen anderen seine Lehrer- Später
lernte er kurze jZeit in Berlin bei Lovis Corinth und in Paris bers
Simon und Eastelucco. Was ihm in der Jugend gefehlt hatte,
wnrde thm nunmehr zuteil, steigende Anerkennung und Würdtgung
sciner Kunst. Es ist sicher, datz nicht alles von 'gleicher ELte ist.(
Kann dies aber rerwundern Lei einem Künstler, der jahrzehntelang:
nicht allein um Anerkennung, sondern auch um die einfachsten -
Lebensnotwendigkeiten kämpfen mutzte? Die im Kunstverein aus-,
gestellten Werke vermitteln einen klaren und durchweg guien Ein-,
druck einer Künstlerpersönlichkeit, der es Ernst mit ihrer Kunst ist.^
Lebendige Porträts, oft glänzend in Vortrag und Technik, flott an-
gepackt und charakteristisch, hängen neben ausgczeichneten Akt- ^
bildern. in denen etwas von Corinthicher Erotzzügigkeit in der
Ptnsclführung liegt. Datz er als Heidelberger eine Lesondere Liebc
für die Landschaft hat — namentlich in den letzten Iahren — ist
felbstverständlich. Hier gibt er auch sein Bestes. Ansichten des
Schlosses, kleine Dorfstratzen in Hirschhorn, Wertheim u. a. zeigen
die technische Sicher^it und Eewandtheit Hackers, der oft mit wenigen
Pinselstrichen und FarLflecken reizvolle Efsekte schafft. So können
wir denn wirklich mit freudigem Eenictzen dic Bilder Letrachten und
hofsen, datz dem 50 jährigen noch viele Jahre beschieden sein mögen, '
die ihm das gewähren, was ihm die Jugend versagte-

Johann Hammann (Bensheim), der im Nebensaal ausstellt,
wird stch mit seinen Zeickmungen und farbigen Vlättern viele
Freunde gewinnen. Es ist ein ganz eigenartiger/schwer zu faffender j
Reiz, der fast jedes seiner Blätter auszeichnet. Oft mit ganz
wenigen Strichen an japanische Zeichnungen erinnernd, vermitteln
sie lebendige Einorücke. Zumeist nnterstittzt und erhöht eine autzer- -
ordentlich 'geschickte Papicrtönung dic Wirkung. Ein cinzclnerj
Baum, windzerzaust, ein Waldblick, ein paar Vögel, ein schmales
Boot mit spitzem Segel, immer ist mit Wenigem viel gesagt. Manj
inützte die Blätter einzeln genietzen, sich in sedes. verscnken und-
würde dann erst empfinden können, wieviel Stimmung ein jedcs-
in sich trägt. —i— -

VvNsrdeodLvkwngell vom 14. Asi, 8 Mr morgslls.

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VordorssL«: Vocdsoliiü bovölkt. voroivrelt voek IBecksreclilsno,
küdl vostliobo drs vorärvostliolio ivinäe.

Vkitterunsssnssiolito« bi« Llitt->roelir Wolkix. trockon. ksidl. vorsi-
-soe«tliolis IVinäo.

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troiso nnktrstsnäsr stsrksr Vo-rrölknnx sinck vorlLnüx nocli Hitzäsr--
oclilüso -rn srvnrttzn.

Verantmortltch für den textl'.chen JnSrlt: I n I. K r a e m e r in HeiLel-
bcrg: fsir dcn Anzeisen- und Reklametcfl: C. Clauer, Franlfnrt a. Vl.
Drnck und Vcrlag: I. G. HoltzivartS N a ch f., Frankfurt a. M.

Vrvseriou: klauvtstrs»s 5;

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