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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0828
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noch

und

AL.iesandZen zn den meukrndsn Zuchihäüslern von N«u>
brandenburg zu ?chicken, um mit ihnen zu »erhandeln (!) und
durch disss LieLed'sncrei nnch in AeeLrrchern noch den letzien
von Schuldgesühl zu erstiaen, der fie gesühlsmLgig wenigstsns
an Pflichi und Gejetzlichkeit band.

Aber die innerch IlnWahrl?aftigIeit sozialistischen Dsnkens
Handelns machj nichr etma bei soich-rn verhrlinismäßig belanglosen
Ereignissen des Tages hatt. sondern greift bente schon ties i« das
Eeiriebe des Tiaatrs «in und sorgt in iyrer Weis« Sasür, datz
dieser monumsinalste Zeugs ethischen Gebundewseins — zum min-
desten was Deutschiand anlelangt — im In- und Äuslands
svsiel w':e möglich an Ansehen verliert. Der Änteil, den dic
Sozialdcmakrarie, abgesrhen vcn der inneren Zsrsetzung des Einzel-
menschsn, an der Zersplirterung unseres ganzen Volkes hat, ist wahr-
lich kein gsringer und die Historis spaterer Zeiten wird mit klarerem
Blick' beurteilen, wie schwer das Verbrechen wieat, das heute noch
u.lgcstrast am deutschen Nolke begangen wird. Die ürutalen Ein-
griffe in Verrvattung und Eesetzgebung. die in einseitig sozialiftischem
Sinne uno damit letztrn Endes in staatszerstörerischer Abstcht vor-
nammen merden, weil sie, wo immer nur st« können, jeden Funken
erwachenden Rationalbewußtseins, jeds Rogung gesunden Volks-
empiindsns im Keime zu erstickon vsrsuchen, sollten nun wirklich
endlich jedem Deutschfühlenden die Angen öfsnen darüber, was
für Machensche'ien hier am Werks stnd, um dte Erundfeste« ssines
Staatss zu untsrwühlen. Wenn Hcrr Luppe über dre bave -
r i s ch « R s g i e r u n g h i u w e g im Gcheimen mit Berlrner Stsllen
tonspiriert, um Reichswshr „zur Antsrdrückung «twaiger Rnruhsn"
nach Rnrnberg zu Leordern, so wriß jeder, inwelcher Richtüng
und Absrcht h-er gshandelt wird, der l-sdsnkt, daß dsr Links-
dem.okrat Luppe stch mit seincm Hilferuf ansgerschnst c,n
Seneringsche Geffter wendet. Daß solche Hetmlichkeitsn mit
wirklicher Politik nicht das geringste zu tun haben. erübriat sich
zu betonen. Sie stnd lediglich Dersuche, das devtsche Volk noch
enger in das Netz soffalistischer Jntrigen zu verstricken, um es
schließlich auf diessm Mege zu einem hilflosen Opfer der „Jnter-
nationale" zu machen und damij endgültig zum Svislball selbst-
Lewußterer Völker zu dezradieren.

Man niag gewih im Zweifsl darüber sein, ob diese wohl-rus-
gedachte Rschnung aufaehen wird, man kann absr, nftht im Ameifsl
über den Schaden sein, den ste wirklich anr'chtet., Daß die Hand-
^ungsweise Luppes und Shnlicher Parteimatadorsn' ein weiteres zur
'Entfremdung des bayerishen Volkes dem Rardsn geqenüLer bei-
getragen hat. daß es ein Sibritt aus dem Wege zur (seindlichsrseits
Mir zu erwünschten) Zerstückelung Deutschlands ist. dar-
Lber wird fich heute kein Einfichtigsr mehr hinwegräuschen lastm.

Aber wie lange wollen wir es noch dulden, daß man svstewatisch
-nnssr Volk zerfleischt, daß dic Masten von Hetzern wte cinem
Mcheidemann zum Klastenhaß und Dürgerkrieg ungeftraft
iaüfgexeitscht werd-en. während zu gfticher Zeit jeder Funke natio-
nalen Ehrgefühls und volkshafter lleberzeugung mit Mitteln unter-
(Kruckt wird, die trotz thver offenstchtlichsn Einseitigkett vor
idem Esrechtig-kert heischenden Namcn des „Gesetzes" nichj zurück-
zscheue»? Wir glaüben nicht an die zutiesst amoralische. ni-vellierende
-GedankenkLnstslei des „Sozialismus", wir glaubeü nicht an den
endgültigen Sieg der Erenzsn verwischendcn, vaterlandslosen ..Ee-
finnung", aber es will uns eben deshalb schwer bsgreiflich merden,
baß unser Volk so langsam zum Bewußtsein seiner selbft erwacht.
Wir verstehen es nicht, wsnn, wie in der lehten Montagssttzung des
„Deutschcn" Reichstags, nur ein Teil der „Dsutschsn" Volksrartri
fich eindeutig gegen sin Eesetz ausspricht, das nicht im Intereste
des gesamten deutschen Volkes liegi- Wir verstehen es nicht,
daß geqen volkssremde Jdsologien nicht das gesamte Vürgsrium
sinhellig siir die Verteidiguug volkshaften Emvfindens und
-st a a t s b e w u ß t e n Handelns eintritt. Wir verstehen es nicht,
weil wir die Dinge außen- und innenpolitisch rapide einer Ent-
wicklung zutreiben sehen. aus der die deutschen Träumer vom Alp-
druck der Internationale womöglich erst ermachen — wenn es sür
fie zu spät ist. <?. k).

Ser Aoßen Worte müde.

Der Miherfolg der Rvhrbrsetzung sordert eine gemeinsame Tlktion.


Von unjersm N-Korrespondenten.

jsi Paris, lS. Mai.

Der Loüdoner Korrespondent des „Petit Iournal" konnte fich
tzestern in den Wandelgängen des Unterhauses Lbsrzeugen, daß man
Lort der bloßcn Worte in der Reparationsfrage müde geworden sci
ßund Taten wünsche. England müste einerseits Deutschland
-zu verstehen geben, daß «s seine Schulden bezahlen solle, anderer-
seits aber auch Frankreich und Belgien, daß das Ruhrgebiet
nicht das produktive Pfand sei. an das das belgische und französische
Kabinett geglaubt hätten, Man bedauere lebhaft den fort-
iaesetzten Mißerfolg der Vesetznng, dj« den Deutschcn
Eelegenheit zu der Vehauptung gegeben hätten, daß die Zahlungs-
-Mhigkeit vermindert sei, weil das wichtigste deutsche Industriezebiet
-durch die Besetzung vollkommen unproduktiv gemacht wordeu
sei. Diese Situation könne nur durch eine gemeinsame Ak-
sition der Alliierten entwirrt werden. Gin Minister er-
' klärte dem Berichterstatter des „Petit Iournal", daß der Beschluß
des Kabinetts uner-schütterlich sei, Man müste mit der Reparations-

frä'ge endlich einmal fertrg wsrden. Der Anregung Lord Curzons,
daß Deutschland sin neues Angebot überreichcn möge, solle diesrs
Folge leisten. Wenn aber Deutfchland diesem Wunsche nicht ent-
jprechen wiirde,- mfttzten die Alliierten gemsinsam einen Plan aus-
arbeiten, und Äiesen Deutschland unbarmherzig auferlezen.
Die Erfolge der Ruhrbesetzung werdsn wshl un-
endlich lange auf sich warten lassen. weshalb man
andere Mittel finden müsse, um Reparatronen
und Sicherheiten zu erlangen. Nur eine gsmeinsams
Aktion der Alliierten würde dazu führen, diese beiden Ziel« zu er-
reichen. Der Berichterstatter evklärt. daß Frankreich um ?o größeres
Jntereste an einer Schlichtung des Ruhrkonfliktes habe. domit ens-
lich die Eerüchte verstummen, die es beschuldigen, daß es Lei der
Bssetzung Hintergedanken habe.

den nachsten Wochen und Monaten vsrhängt werden. Da
wollen wir wenigstens für unssrn Teil dafür sorgen, daft m
iNNSrvolitückien ?->b->n ?n N-rnern bie A t M 0 s P ü ^ „ t-

His Lage m Satzern.

Minifterpkäsident Knillrng Lber die Nitver rrdvnng.

Von unserer MüNchcnsr Redaktion.

Münche«, 18. Mai.

Jm Haushaltsausslhuß des Landtags hat am D'ensiag dre
Aussprache über die Noiverordnung der bayerischen
Regierung begcnnsn. In seinön eimle.'tenden Worten sagts
Ministerprästdent v. Ku.illing u. a. solgsndes' ,Wer dis Ent-
wicklung der Derhältniste in Bayern nüch^ern «Nd >in,'ors!ngenom-
men betrachtet. wird n>cht in Abrede stellen könnsn. daß der Sckritt,
zu dem sich die bayerische Rsgrerung -ntsck'osten hat. einsm nnbe-
streitba. ren Bedürfnis enisi-rickt. Er wird aüer. cumal >m
Hinblick auf die Eeschehn'ffs am 1. Mai. auch erkennen miisten. daß
der Zeiton.nkt nir das Vorgehen der Rrgservng gunstkg gswäh.lt «ar.
denn an jenem Tage mußten schließlich jene, die noch Angen hatt n
z« sehen. sich sagen, daß die Dinge nicht mehr so weiiergehen kSNnen,
'VLNN das Volk nicht an dsr Staatsgewalt irre werden und die
ö f f entliche O.r d nung nicht der Eefahr verfallen sollte, einer
Art Anarchie zuzutreiüen. Negierungsmas-nahmen sind dann dcs
Erfolges stcher, wenn die ösfentliche Meinung daranf norbercitet
«nd Larauf eingerichtet ist, die Noiwe'ndigksit und den Zmsck ber
Maßnahme klar zu srkennen. In dieser Hinsicht ist nach deni 1. Mai
zweifellps in weiten Kreisen der Bevölkerung, auch in solchen, die
vorher einer andern Auffastung zunsigten. die Erkenntnis crwacht,
daft eine Regierung. die sich ihrer Sorge um die Aufrechtertzaltung
der öffentlicken Ordnung bewußt ist. stch der Pflickt nicht sntschlogen
kann, der Wisderkehr ähnlicher Vorkommniste mit allen gesetzlichen
Mrtteln vorzubeugen. In dtesem Zusammenhang darf ich nicht
unterlasten zu betonen. daß dte Regierung entaegen allen Aus-
streuungen sich am 1. Mai durchaus im Besitz der erforderlichen
Macktmittel siihlte. um die Lage zu meistern.

Die in der No'verardnung sntbaltenen Bestimmunaen wrsallcn
in zwei Eruppen: Wir haben zunächst die Vestimmung des § I, die
es ermöglichen soll, verwerslichen landesverräterischen llmtrieben
wirksam Leizukommen. Der erste Paragraph sucht dies dadurch tu
erreichen, daß er dem im §-89 R.-Str.-E.-B. bedrohten Kriegsverrat
dsn sogen. B e s a tz u n g s v e rr a t an die Serte stellt; namentlich
aus der Pfalz ist hier ein entschiedenes Singrctfen immer wieder
auf das dringlichste gefordert wordep. Da alle schriftlicken und
mündlicheu Vsrsuchc der baysrischen Rea>eruna, die Reichs-
regierung zu entsprechendem Vorgehen zu ver-
anlassen. Lisher leider zu keinem Erfolg ge-
führt haben, glauLten wtr unsererseiis nicht mehr
länger nntättg zusehen zu dürfen. Wer deutsch fühlt,
erblickt im Paragraph 1 der Verordnung keine unbegründete
Einschränkung der Derordmmg. Wenn die Reichsregierung stch
tbrerseits vielleicht doch noch entschließen würde, sür das ganzö Reich
eine gleichwertige Bestimmung zu erlasten, dann wiirde die bay-
erische Vestimmung gegenstands-los. Die weiteren Bestimmnngen
sollen den polizeilichen Strafoerfolgungsbehörden die rechtliche
Handhabe liesern, um den Answüchsen des Vesammlungs-
wesens unter freiem Hrmmel und dem Mißbrauch der
Straße zu wilden Auf- und llmzügen entgegenzutreten. D!e ein-
zelnen Organisationen. mögen ste kommunistische Aundertschaften,
sozialdemokratische ALwehrabteilunqen, nationalsozialistische oder
andere Sturmtrupps sein, müsten fich also vor Augen halten, daß
sie selbst es stnd, dre entgegen dem Eebot und Verbot der Verord-
mmg den Tatbestand schaffen, auf Grund desten gegen sie nötigsnfalls
vorgegangen wird. Der unerträgliche Unfug mutz aufhören, daß
Privatorganisationen es fich herausnehmen, Polizei- und Staats-
gewalt zu spielen. Die ganze Verordnung ist auf bayerische Ver-
hältniste und Bedürfnisse eingestellt. Es ist der ernste Wille der
Staatsregierung, daß die getroffenen Maßnahmen zum Schutz der
Staatsautorität und der öffentlichen Ordmmg einen wirk-
samen und gerechten Vollzug nach allen Richtungen erfahren. Das
deutsche Volk führt zurzeit einen Schicksalskampf um Sein oder
Nichtsein. Wenn wir auch die Waffen niedergelegt haben und uns
deshalb die Abwehr der frevslhaiten, rechtsmidriaen Bedrückung
durch fremde Gewaltherrschaft versagt ist, so dürfen wir unsern
Eegnern doch nrcht die Freude Lereiten, daß wir uns, ohnmächtig
nach außen, im Jnnernselbst zerfleischen. Wir wtssen
nkcht, welche schweren Eeschehniste über unser armes Deutschland in

-enMches Memmen?

Em angebl'cher Vrrtrag LLer die «matolische« SiseaLahnen.

Don unserem 8-Korrejpondenten.

Parir, 15-

Der Lausanner Korrespondcnt der „Znformaiion" niacht
durchans verständliche Angaben Lber ein deutsch-eng:

ALkommen bezüglich der B a g d a d b a h n. Darnach haii-
di« Schweizer Gesellschaft für orienralische Eifenbatznen. dn -
Deutfchen Bank in Verbtndung steht und mit einem ^ ^ r

iortium. an dessen Spitze fich der naturaliiierte Baron eo de-u
Lesindet, der Abschluß eines Abkommens ftattgefunden, ' r-ec
smglisch-französtsch-italienischen Vertrag über die
-rrientalischen Jnteressen durchaus widerspricht. Dis Deutswe- ^^^>
traxen gemäß Lew Abkommen die Konirolle LLcr die ZurW^^nc'
für orientalische EisenLatzne« dem englischen Konsortium »es. jj^sk
Schroder. Diese Schwcizer Gesellschaft befitzt die Kontroc
beinahe alle anatolischen E i se n bah n e n . die emll d-e
Devtschen erricktet worden waren und zwar insbesondere
Bagdad-Eisenbahn, über die Eisenbahn pgn Merfino j g,e

unduber, die eigentliche anatolische Eisenbahn. F^ner
Gesellichait dr« Häfen von Alexandrette und Ace
Außerdem hat diese deutsch-schwsizer Gesellschaft da? ^ '
Bsrgwerke 20 Km. längs der Eisenbahnsirecke auszu^ure
Abkommen zwischen der englischen und der LeutschfimM/' ,-jrov-'
Grupve ssi auf folgender Grundlage abgeschlosssn wor: A-ssll'

lorisch wird von der englischen Gruppö der deutsch-schwersr
schasi em Vorschuß gegeben. damit die ausgegeLenen,
erngeloft werden können. Di« Türken bekommen aus dw
Eisenbahn uns die Anatoliscke Eisenbahn. die den Deutl.ckc"
und von den Vngiändern angekaust werden könnsn, e-n« solle"-
-sckmeizer Kapitalisten, die aber in Wirklichkett Deutsche
wurden den Rest für den Anteil der Eisenbahnen Ä^Zabnli^
stellen. Die Türken wllrden fich oerpflickten. dic E'-„ ^ ÄU"
von Aidin anznkaufen, damit das gesamte Eisenbahnnen
tolien später in sine Hand gelangt. Die Führung der EE
wurde den Engländern und Deutschen übertiagen werden,
lander wurden aber m dem neuen Konsortium die Maior-' .re.E
Gegen dteses Abkommen wendet stch sclbstverständl-ich ' Msll
weshalb man seine Mitarbeit in Aussicht nahm. Man n aE
10—25 Prozent der Aktien abtretsn. Denselben Ante-I
di« Turken Lekommen. Das ganze Abkommen snthac:. ^ jaN
forMaiion" zufolge LgsondereDorteilefür D °urq-
Jn der ki'nftigen Organisation behalten die Deutsch«n ^^schai-j.
nugenden Anteil. um ihrer Jndustrie Absatzgebtet« ^ Tiirkel A
un-d in einigen Iahren wiederum die Durchdringung oe ^ja v
vollziehen. Da die Deutschen auch der Gruvpe angEtz. ajnie
tnrkischen Rcgierung sine Anleihe für den Ankaui b-E^jnzuE
wahrt, so boffen die Deutschen, von den Türken günst-S« -r>L,„
für den Verkau-f diessr Eisenbahn zu erlangen unb .oi-tal-lch
auch eme Liguidiernng der Züricher Bank für die or> ^1-
ErsenLahnen unter günstigen Bedtngungen nötig «er^gchen
lander bekommen ohne große Geldausgabe die anacou,» m .
bahnen, msbesondere die Vagdadbachn. in ihre HoNsi>,-,sicher ^
andern Unternehmungen, die bisher im Besitze dor .V ^ M
waren. Da fie außerdem später von den Türken die AngM

Aidm ankaufen wollen, so hoffen si«. von dsr Regyruns jtaUü <,

eme genügende Summe zu erlangen um die englischon Ha -
zu entschädigen, di« Lksher die Eisenbah« nach Ard'N legir «
hatten. Ein früherer Beamter des Foreign O i rnnst^ze
Grundlag« zn dem deutsch-englischen Abkommen. ^is E

nehmen muß. daft die englische Regiernng von 'Km

Die AnsiOerhelt in China.

Aelvu^

mngten emen taglrch srch steigernden ro »> ^, pei-

fur die noch nicht aus dsn Händen der RSuberc«" ^emden ,,-js
Europäer und Amerikaner. Auherdem verlangten oie -^chull
sandten sofortigen verstärkten m i l t t äri s« ^«slän^
die Eisenbahnen, um Leben und Eigentum der
gewährleisten. ^ j^

25 Bräute.

Ein Schelmenroman von Wllhelm Herbert.
so. Fortsetzung. NeLLruck »erboie».

Dabei entdeckte er die Schokolade in der Taschc, die ihm Ehristl
Leim Gurksneinmachen zugesteckt hatte.

„Jmmer denke ich an dich" — sagte er mit stillem Vorwurf
nnd legte sie thr auf -das Knie — „und d u bist s o zu mir!"

Mit solchen Gründen schlug man'alle Widersacher.

Sie lächelte. Dann lachte sis. Dann streifi« fie das Papier
von der Schokolode und hielt sie ihm an den Mnnd: „Da, beiß!"

„Mir ist jetzt nicht ums Beißen," antwortete er elegisch.

„So Leiß voch!" drängte sie schelmisch und HSngte den Arm
tn den seinen. „Jch glaub' -dir's ja."

Da biß er eine kleine Eck« ab und steckt« die Tafel ihr in dsn
Munü. Sie schauten einander so ganz dicht in die Augen, kichten sich,
lachten und verschlangen dann ihre Hände ineinander.

„Einfach himmlisch!" dachts Mia.

.Martet nur, Jhr beiden alten Truthühner!" dachte er. „Nun
Leichtet sie."

Das tat sie auch.

„Denk d-ir nur" — erzählte sie mit schäuerndem Erfer unter
AbLeißen und Esten — „sie haben etwas Fürchterliches gegen dich
äusgemacht."

Er zuckte mit den Schultern. „Wer nichts zu fürchten hat, kennt
nichts Fürchterliches."

„Ia!" fuhr sie fort. „Eine Detektivin wollen sie dir auf den
Hals schicken, eine Gsheimdetektivin ..."

„Jedenfalls netter wie ein Geheimdetektiv," sann er und
schmunzelte: „Hu! Das ist ja zum Gänsehauttriegen."

Mabine heißt ste. Muttr kennt sie- Den anderen Namsn wsiß
ich nicht. Am Bretterberg 17/11 wohnt sie. Frau Mathilde gcht
heute zu ihr und hetzt sie auf dich. Du dist ein gewerbsmäßiger
HLiratsschwindler, sagt Frau Mathilde, dem man das Hcmdwerk
legen muß." , ^

Vsit schloß die Augen und sah den Staatsanwalt und dsr
Staatsanwalt hatt« Mat'hildens Gesicht. „Sie ist die Klügsts oon
allen," überlegte er dabei. „Mit ihr muß man rechnen. Aber sie
soll stch ve r rechnen."

Er nahm sich vor, ungesäumt zu Cabina zu gehen. Jn der
Höhle des Löwen lernte man i-hn am besten kennen.

„Jch könnte ja" — sagte «r emst — „derne Mutter imd Frau
Mathilde wegen Ehrabschnsidung verklagen und ste würden jehr
eingesperrt werden."

„Um Gotteswillen!" rief Mia entsetzt. „Eelt, das tust du doch
nicht — mir ju lieb?1"

,Mir zu lieb!" antwortete er innig mit einem schweren Verzicht.
„Nur dir zu lieb — vorläüfig! Es ist gut, daß du d-ie Schlechtizkeit
der Menschen frühzeitig kennen lernst. Hart bleibt es ja für dich,
daß auch deine Mutter sich unter sie mischt. Aber du wirst um so
fester an dem Einzigen hängen, auf den dn dich verlassen kannst —
ich weiß ss "

„Ja!" sagte ste. „Ja!" und schaute ihn bewundernd an. llm
sein rötliches 'Haupt wob die Iunisonne Dulderzlanz.

Zur Befestigunz ihres Elaubene führte er sie noch in das
Cafs, in dem sie schon einmal gewesen waren, und kaufte ihr Schlag-
sahne mit Erdbeeren und nachher Vanilleeis.

Jhr junges Herz schwolgte !n Entzöcken. Er war für si« der
edelste Mensch in Europa und durste von Stund' an damit rechnen,
datz sie ihm alles sagte, was sie hörte, und nickts davon glaubts.

Mehr wollte er vorerst gar nicht und schickte ste dann hinter
Grillparzers geduldigem Rücken mit einem zärtlichen Händedruck weg.

Nun ging er irgendwo in der Vorstadt zu einem kleinen Haar-
schneider und opserte der Rache Schnurr- und Knebelbart. Das
Hanpthaar ließ er stch mit der Einmillimeterzange glatt fezen, so
daß es nur noch wie Eoldstaub über seinem blanken Schädel lag.

Ein Vlick in den Spiegel überzeugte ihn, daß sein Signalement
durchaus nicht mehr anf den stiminte, der da aus dem Elase sah.

So ging er nach dem Bretterberg 17 und stieg in den zweitsn

Stock.

Er lernte in Sabina eine kleine runde, sehr gemirtliche und
saubere Frau mit Sußerst beweglichen Angen kennen, die ihn auf
ein verschossenes Samtsofa setzt« und ihm erklärte, daß sie ganz Auge
und Ohr sei, worauf ste ihm zwanzig Minuten lang ihre Schlguheit
und Geschickllchkeit anpries.

„Wahrscheinlich Ehssachen?" lächette fie hieraus und kniff das
linke Nuge zu.

Er knisf das rschte zu und lächelte: „Getroffen!

„Sehen Sie!" rief fie triumphierend. „Wenn man die Sachs
fo im kleinen Finger hat. Zudem war ich selbst dreimal verheiraiet."

„Sie würden einen Vierten verdienen." sagte er zalant.

„Meinen Sie?" Sie klopfte mit der Hand drei, vier Mal auf
den Tisch. „Meinen Sie?"

„Ihre Fran betrügt Sie." erklärte sie dann.

„Wie Sie einem alles vom Gesicht ablesen!" rief er starr vor Vsr-
wunderüng. „Sie betrügt mich mit einem gewisten Eberhard MLller,
angeblichem Kaufmann, der in Oel und Papier reist ..."

„Wa-a-as?"

,In Oel und Papier reist . . "

„Hören Sie!" unterbrach fie ihn und sieberte fast vor Eifsr.
„Den kenne ich. Den kenne ich aus dem Effeff. Wie sieht «r dann aus?"

„Untersetzter Mann. Eewandtes Auftreten. Rötlichen Schuurr-
und KneLelbart."

* meldet. A i i>

London, 15. Mai. Wie Reuier äus Hanka u . ^ z u l'
der Umgebung der Stadt eine Vand« von etwa tan-en ggg
aus Hunan erschienen. die als Preis ihres Abzuges c
und die Lieferung von Munition fordert. D-e Bew«> „e
Forderungen der RLuber abgelehnt. Die Au»
in großer Sorge und erwarten Unruhen. Tcder o ^

----

„Er ist's!" Jhre Augen glänzten. ,,Da hat sie mEA si«
zu mir geführt. Na, wisten Sie. bas ist ja eine w«!««

Erst yorhin war wieder eine Freundin Lei mir ^
nicht kennen, eine gewiffe Frau Maris Muppe - - -

„Ksine Ahnung!" ^

„Na, natürlich! Wohsr sollten Si« die
er mit einem Heiratsschwiirdel hsreinzulegen." gu-t'

„Was Sie nicht sagsn!" Math>^ac

„Aber nicht sie allein, sondern i-hre Freuudin m U- ^
eine sehr zediegene Witwe in Oel,' das heitzt. 'h^

Oel t-tig." auensche»

„Ia! Ja!" seufzte Bulljahn. ,Das si-eht dem M deM
„Nicht wahr?" Sabina leuchtete und rutschte ^

Na, Brüderchen, dich haben wir ja! Wenn der blo» . „?xn

' - '^ ' ' Sandzusam««

wie alle FLden gegen ihn in meinsr Hand zuiamms. . x-.

Sie, ein Knicks und ich zerdrücke ihn wie einen v- M

„Los mit dem Knicks!" dachte Vsrt uno - a ^

Sis sind ein Genie." . ..xsiirie E

„Das hat mein Dritter auch oft gemernr,
schaute ihn einen Augenblick »ersonnen an. --^7. ,-„iich nmh^
sie -dann geschästseifrig fort — „Sie wisten wahrfck s

von ihm. Alles, auch das Kleinste ist von
mehr! Was haben Sie denn von ihm erfahren- . s^ „

„Na ja!" sagte Bulljahn, zog die Knie auf » yo» -
Hände darüüer. „Wie's eben diese Kcrl« treibmc^^lcn,"'

aus Zuckerbäcker und führt den Sprtznamen
„Tam.erlan! Seltsam!"

Kiic« a

„Ia! Ja! Sein Leüen strotzi von «eltsam e nt.
lang war er Anstandslehrer in einem Madchenp -e->

,.O du Gauner!" . gegenE , ^

„Dann hatte er ein« klein« Wirtschaft draug ^jßt !> xi>
Gefängnis - „Zum letzten Tropfen". «laube . ^^j? O.

.^reilich! Freilich! Ksnnen Sie diese Wcr
ksnne ich gut." .-»e'''

„Nein! Jch war noch nie dort." ., ^ '

Sabina lachte. „Wenn Sie schon einmal m-^ lei,n«n- . /
Bekanntschast gemacht hätten, wurden Sie d > ^ m-Sb'bhr
„Aber wohin denken S-e?" Tr schMelie be-E ^ ^
den Kopf Lber den doch etwas Z«n>agten^sch-.^- AlhaM^^ q>

etwas gewagie» ' A

fort — „hatte er eine Kapellmeisteritell- -^jvelbt ere^ ob
htelt bei Nacht spiritistische Sitzungen. ^jne D

kus auf der Festwiese, in dem seine Glanz

llnterleib ist, die Porträts malt «apie--,

Sabina fegte mit dem Bleistift uber > »enograph^ 'ftlsl'^
oor Tifer. „Wisten Sie" — sagt« sie - »«2 jForlfetzu»« '
 
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