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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0958

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gen der Machiqier der andern. vor aSem Frankrrichs im Westen,
Rußlands im Osten, in Schranken hielt, so lange bestand auch eine
starke Sicherung filr den europäischen Friedem Das ist jstzt
vorbei, und abgesehen von uns selber haben das vor allem die
s kleinen Staaten zu Leklagen, die wohl geborgen innerhalb der euro-
k päischen Eroßstaaten sich ihres Daseins freuen konnten, so lange die
t Eleichgewichts-Verhältnisie nicht erheblich gestört waren, dis aber
> jetzt mit Schrecken wahrnehmen müflen, daß in unserm Erdteil wieder
i ein Kampf um die Vorherrschaft entbrannt ist, dcr nur
entweder zu beständiger Friedensbedrohung oder zum Untergang
aller Freiheit führen kann.

Das ist das Ergebnis einer sshr lesenswerten Untersuchung, die
der Mitherausgeber der „Schweizerischen Monatshefte
fllr Politik und Kultur", Th. Bertheau, in dem Maiheft dieser
- Zeitschrift über die „innere und äußere Lage" der Schwsiz anstellt.
Er srinnert zunächst an den Zust-and der Sicherheit, wie er für die
durch Europa neutralisierte Schweiz von 1815 an, namentlich aber
von 1871 an bestanden hatte, und vergleicht nun damit die Eegen-
' wart seit dem Vertrage von Versailles. Seit dem Umsturz aller euro-
L päischen Verhältnifle, die dieser Vertrag gebracht hat, ist die Schweiz
( einerseits von zwei Lbermächtigen Großstaaten, Frankreich und
p Jtalien, flankiert, andererseits von den zwei ohnmächtigen Ge-
: bilden, die heute Oesterreich und Deutschland darstellen,' die Schweiz
' ist von jcnen beiden Eroßstaaten schon beinahe völlig eingekesselt und
wird es vollends werden, wenn Frankreich un-d Jtalien nur einigs
f" Schritte vorwärts nach dem Bodensee hin tun, die Schweiz ist daher
sozusagen „ä la meroi" dieser beiden Mächte, und die Aussicht, daß
ß dicse betden Großmächte mit ihrem Begehren nach Vergrötzerung vor
^ den Rechten und Lem Besitz der Schweiz Halt machen werden, ist nicht
K allzu groß — man denke an die italienischen Wllnsche nach dem Vesitz
k von Graubünden, an die Entschlossenheit Frankrsichs, Lber das die
i; Westgrenze der Schweiz schlltzende Zonenabkommen von 1815 hinweg-
^zuschreiten! Die Schweiz hat sich dem Druck dsr Mächts auch Lereits
» gefllgt und ist 1920 dem Völkerbuno beigetreten, hat damit also ihre
absolute Neutralität aufgegeben; die Schweiz ist ferner in Gefahr, in
r w i r t s ch a ft l i ch e Abhängigkeit von Frankreich zu geraten, da
x Frankreich ihr die Rheinstraße teils schon gesperrt hat, teils ncch
' weiter sperren kann, und da Frankreich alles daran setzt, den
c Schweizer Handelsverkehr über die französischsn Häfen zu leiten.
i- Th. Bertheau gesteht ganz offen, datz die Schweizer diesen französi-
i- schcn Bestrebungen nicht die nötige innere Abwehrbereitschaft ent-
H gsgensetzen zu wollen scheinen, daß die Sucht, Geld und immer mehr
IEeld zu verdienen, die Schweizer in Eefahr bringt, ihre politische
i'Seele, das heißt den stolzen Unabhängigkeitssinn, zu verlieren.

Und das alles, weil die Schweiz durch das politische System
. Europas nicht mehr geschützt wird! Bertheau weist darauf hin,
k wie auch gerade die Schweiz durch die militärisch« Aktion an Ruhr
^ und Rhein bedroht wird, wie sehr zu befürchten sei, daß disse Akiion
L mit dem Ruin Deutschlands enden werde, und was das für die
^Schweiz bedeuten wllrde! Es wllrde eine Wiederholung der Schick-
§>sale bedeuten, die die Schweiz durch die französischen Revolutions-
!, kriege erfuhr, das heißt: französische Vasallenschaft, nnd er
l'i sieht eine Rettung eigentlich nur unter der Bedingung, daß Europa
bsich aufrafft — wie es 1813 geschah —, und daß Frankreich in sein-s
ursprünglichen Erenzen zurllckgewiesen wird. „Die Schweiz hat ein
^ vitales Jnterefle daran," so sagt er, „daß Deutschland als politischer
k un-d kultureller Faktor zu existieren verma-g"' „die llnab-
tzhängigkeit der Schweiz setzt ein unabhängiges
-KDeutschland voraus"!

>: Wer aber schafft diese „llnabhängigkeit Deutschlands", die auch

^die Schweizer Patrioten ersehnen? Deutschland selber vermag es
Anicht; es ist von innerer und äußerer tödlicher Lähmung befallen.
-Mur Europa kann es. Wo aber ist Europa? Liegt Lberhaupt
i England noch in Europa, und ist nicht der Kontinent heute schon
s rettungslos in französtschen Banden? rs.

Sie „rheinische LepuM".

Berstarkte Propaganda der Franzose«.

Berlin, 5. Mai.

Aus dem Rhetnland wird uns geschrieben: Die Bestrebungen

^amtlicher fra^nzösischer Kre"ise, die auf die Errichtung

abzielen, verstärkten sich in der letzten

i a ni 11 i iy e i i i u n z ö s

r einer rheinischen RepuLlik
r Zeit ^tußerordentlich. So wird jetzt versucht,

, , , , . . diese Propaganda tn

die Krsise der Düsseldorfer Veamtenschaft, und zwar
sowohl der staatlichen wie der kommunalsn, hineinzutragen. Als
LLockmittel wird u. a- die Anqabe gebraucht, daß Düsseldorf der
ßSitz der Regierung sein würde. Die Düffeldorfer Beamten wtirden,
da sie in der Zentralbehörde arbeiteten, das Gehalt einer höhersn
^-EruppL erhalten. Es wird weiter versucht, Listen in der Dllfleldorfer
sVeamtenschaft in Umlauf zu bringen, in denen der einzelne Beamtc
sdurch Unterschrift sein Einverständnis erklären soll, im Falle der
. Ansrufung der Rheinischen Republik seinen Dicnst weiter zu ver-
^sehen. — In der gleichen Richtung bewegt stch auch die franzö-

stsche Pressepropaganda. Dte Franzosen beabstchtigen m
der nächsten Zeit autzer dem „Echo du Rhin" und dem „Deutschsn
Nachrichtenblatt" eine eigens größere Zeiiung in deutscher Sprache
herauszubringen, die in Düfleldorf gedruckt werden soll. Die Zsi-
tung soll als Morgenblatt vierssttig in einer Auflage von 50 000
Exemplaren erscheinen und außer dem Text auch Jllustrationen ent-
halten. Die Besatzungsorgans beschlagnahmten für den Zwsck der
Herausgabe der neuen Propagandazeitung bekanntlich die Druckerei
des DLfleldorfer Zentrumsblattes, des „Düfleldorfer Tagebl.rtts".
Außer dem „Dllfleldorfer Tageblatt", das tnfolge dieser Maßnahme
nicht erscheinen kann, sind die volksparteilichsn „Dllsseldorfer Nach-
richten" sowie die „Rhetnisch-Westfälische Zcitung" verboten, sodaß
Dllfleldorf augenblicklich ohne bürgerliche Zeitungen ist, Da dte
Berliner Blätter sämtlich und von dsn größeren rhcinischen Vlät-
tsrn die „Kölnische sZritung", dte „Kölnische Bolkszeitung" sbenfalls
vcrboten sind, so tst ein Zustand geschaffen, durch den dte Franzosen
dte Vorbsreitung ihrer separatistischen Bestrebungen zu fördsrn
hoffen,

Di'e neuen pofigMhrea.

Eanz wesentliche Erhöhung gegenüber der ersten Borläge.

Eigene Drahtmeldung.

Berlin, 5. Iuni.

Wie berichtet, war mit eiuer Verdoppelong der PostgebIhren
für den 1. Iuli zu rechnen. Die dahingehende Vorlage hat fich jedcch
anceftchcs der katastrophalen Eeldentwertung als ungenügend er-
wiesen, so daz eine neue Vorlage ausgearbeitet wurde, die noch heute
oom Verkehrsbeirat des Schatzministeriums verabschiedet werden soll,
und die gegenübsr der urspriinglichen Vorlage ganz wescntlich
erhöhte Sätze vorfteht. Jm allgemeinen find nach dieser Vor-
lagc die Sätze sür Briese und Postkarten um etwa das
Bier- bis FLnssache, dic fLr Pakete um das Zweifache und die
fiir Telegramme um das Drcifache, sowie endlich die Fernsprech-
gebühren um das Siebenfache erhöhi worden. Die nenen Sätzc ssllen
am l.Juli in Kraft treten. Zm einzelnen betragen die ncnen Eebühren:

Postkarten: im Ortsoerkehr,100 -K, im Fsrnverkehr 200 -1t.

Briefe: im Ortsverkehr bts 20 x 200 -1l, bis 100 § 300 -.tt,
bis 250 A 100 -1t, bis 500 xi 500 -1t.

Briefe: im Fernverkehr bis 20 Z 400 -1t, bis 100 Z 500 -1t,
bis 250 § 600 -1t, bis 500 x 700 -1t.

Drucksachen: bis 25 § 100 -1t, bis 50 ^ 200 -1t, bis 100 ^
300 -ll. bis 250 x 400 -1t, bis 1 IcK 600 -1t, bis 2 stx 700 ^t.

Paketchen: bis 1 800 -1t

Pakete: bis 3 900 -1< in der I. Zone und 1800 tn dor

II. und III. Zone; bis 20 Irzr 5200 tn der I.. 10 400 ,1t in der

II. und 15 600 -1t in der III. Zone.

A u s l a nd s b r i e f e: bis 20 x 1000 -1t, für je weitere 20 ^

500 -1t. Postkarten nach dem Sluslande 600 -1t. Druckfachen

nach dem Auslande fllr je 50 x 200 -1t.

Postscheckgebllhren: Zahlkarten bis 500 ,1t 50 -1t, bis
2 Millionen Mark 1500 -1t.

Telegrammgebühren: im Ortsvcrkshr: 125 -1t Wort-
gebühr, 250 -1t Grnnvgebllhr. aewöhnliche Telegramme 250 -1t Worr
gebllhr und 500 -1t Erundgebllhr.

Fernsprechgebllhren: IahresgrnndgebLhr für cinen

Hauptanschluß innerhalb des 5 kiL-Krsisss tn Ortsnetz-m mit nicht
mehr als 50 Hauptanschlüflen 79 800 .1t, in Ortsnetzsn mit mchr als
150—200 000 Anschlllssen 159 600 -1t. fllr iede weitercn ^O iDO Han:-t-
anschlüfle ern MehrLetrag von 8400 -1t. — Or? s räch»

gebühr: 210 -1t. — F e r n s p r e ch g e b ll h r: bis 5 Iin 210 -1t.
bis 15 630 -1t, bis 25 Icm 1050 -1t, bis 500 Icm 8190 -1t, sür je

weitere angefangene 100 Icnr mehr 1260 -1t.

Der T s u e r u n g sz u sch l a g für sämtliche Fernsprechgebllhren
wird von 2900 Proz. (dem 30fachen) der Grundbeträge auf 20 000
Prozent (das 210fache) erhöht

Me neuen siaMchen TeuerunMuWage.

Berlin, 5- Juni. Dis Verhandlungen im Nsichsfinanzministerium
mit den Spitzenorganisationen der Reichsarbeiter
b.sben in später Nachtstunde zu einer Verständigung geführt. In
Ortskl-afle ct. soll d-er Stundenlohn ohne Ortslohnzulage bei den Hand-
werkern 2250 Mark, Lei den ungelernten Arbeitern 2100 Mark ab
1. Juni betr-agen. Die Höchstgrenze fllr d-ie Ortslohnzulage wurde
awf 70 v. H. vereinbart. Die Äuszahlung wird mög-lichst bes-chleunigt.
Die wei-teren Verhandlungen sllhrten auch wegen dsr Bezüge
der Beamten und Angestellten zu einer Verständizung.
Ab 1. Iuni soll Ler Teuerungszuschl-az 2900 A und -der Frausn-
zuschlag 32 000 Mark betragen.

Zum ReWfchlllgesetz.

Berlin, 4. Juni. Der Bildungsausschuß des Reichstages
nahm bei der Beratung des Reichsschulgesetzes gegen die
Stinimen der Sozialdsmokraten unv Komnnmisten dsn 8 3 Absatz 1
in folgender Fassung an: Die Bekenntnisschulen sind entweder
evangelische, katholifche oder jlldische Volksschulen und als solche
zu bezeichnen. Volksschulen anderer Vekenntnifle sind zulässia,
wenn zur gcmeinschaftlichsn Pfleg« des Bekenntnisses ein« Körper-
schaft öffentlichcn Rechtcs besteht oder errichtet wird.

DrftLscher ÄeichM.

Reichstagspräfident 2öbe LLer die französtsche Erpr. fler-olit'

. Eigene Drahtmeldung.

Verli». 8. Sunr-

Am NeeierunsstisS: ArSeitsminister Dr. Brauns. Am

Präsldent Löbe cröffnct die Sibung um ^-20 "br stellt

spraKe an Lie Abgcorbneten, die M von itzren §:-Zcn eryc st-s-stäftiseu
fest, datz bcr Rcichstag sich bald mit dcr schweren Noilage wcr hcuts-b'"
müsscn, in die weitc Kreise unferes Volkes durch den Zcrfau ^ z«

Mark uud durch die PreiSstcigerungen gcraten sinb und o ..-ghrt bff-
schweren Unruhen in cinzelnen Teilen des Deutschen Rmwes s - jjjk br
Die franzüsrsche Negicrnna bat ibre Ervr e s! erv ge

dew wichtigsten Gebiet der deutschen Wirtschaft kortgefntzr lanSs

sogar noch gcsteigert bis zum gcfeblich maskierten Totschlag » haintt
iährigen Veruricilnngen unserer Lanbslcnte <Pfuirufc.> -si ^ h„a>
nicht erreichcn können, datz unsere Landsleute zusammengevrowc Mtcr
Üat sie die Welle dcs Bölkcrbafses anf das schwerfte emporgepeiliw -
dicfen Verbältnissen leibet nicht nur das befebte Gebiet, sonder hiescn
Land. Um so unerhörtcr ist es, wenn es Menschen ^ »n ^

Tagen rücksichtslos ivre vrivatcn Jntcrcsscn vertrctcn nnd » ^itzen
Pretstreiberet treiben. lStürmische Zustimmung.) ^rci ^grwt-
mutz mit allcr Entschiedenbeit entgegengetreten werdcn. 'Erne müfse^
schcr Bcifall.) Die Regierung wird soforttge Mahnabmcn crgrcn
um der Not zu steucrn und um de« Wuchcr Etnvalt zu tnn. -e. gcfa«:

tag aber mutz auf crnste. schwere nnd verantwortungsvolle Ztr sorgcn-

sein, wenn es geltngen soll. dcr Krise Herr zu wcrdcn und .-,^1«»"^'
dab Enrova nicht in Anarchie versinkt. lLebbafte allgemeinc Z - ,

Das Hans ebrt daS Andenken dcr verstorbcncn Abg. B u > " ^ , -cn

Zur Tagcsordnung bittet der Abg. Müller-Frankcn stS

Präsrdenten, mit der Regierung in Verbtndung zu trcten, dam
tzeutc noch bercit erklärt, eine

soziKldemokratische Jnterpellatisn Lber die Märkentwer.^ull ^

morgen bercits zu beantworten. Jn der Jntervellation 'Pid nut »-r-
sarnmenbruch der Stützungsaktion für die Mark und auf die Izentel'
vundene gcwaltige Preissteigdrung bingewicsen, Sinter wsjw g g,-re
Lobn und Gebalt auherordentlich zurnckgeblicben sind. Dic R.M pzctzältcl'
desbalb zn Matznahmen zur Hcranssebung der Renien, Löbne stinSerUs!,,
zur Anvasiung dcr Bcsibsteuern an die Geldentwertnng. zur -Ze
eines weiteren Wäbrungsfturzes und zur Zentralisjerung uno
des gesamtcn Dcviscnverkebrs aufgesordcrt. »gd

Abg. Köhne» lKomm.) beantragt, die Sitzung a»ssu>e»e ^»0"
Regicrnng aufznfordcrn, noch bcute cine Erklärung üver die »e -xgletue''
Note abzugeben. Er crbcbt Einspruch gegen dtc Auslöfung »er
schen Sundcrtschaften. , - iintersu"

Abg. Remurele lKomm.) beantragt die Eiiisetzung eines
ungs-Nusschufses zur Prüfung der Vorgänge im Rubrgcbiet. ,

Ein Antraa, diesen Punkt sofort auf dic Tagcsordnung ^u
abgelehnt. Gleichfalls abgelebnt mird öer Nntrag Köbncn l»^ deuiwi'
Rcgierung zur Abgabe cincr sofortigen Erklärung über ^-"z-s Fr-rU^
Note zu veranlassen. Nngenommen wird cin Antrog Mülj Z..,,llatiou '
lSoz.s. mit der Regierung weaen der soztaldemvkratischcn Jnterv
Berbindung zu treten. ,-lkak^"

Darauf wird in die Tagcsordnung einnetretcn. Das Sv > ° '
steuergefetz wird an Lcn Stcneransschutz übcrwicien.

Es folst dann die erste Lefung etnes GesetzcntwurfeS üver e«

vorläusiqe Arbeitslosenoerstcherung. mor-

Reichsarbeitsminister Dr. Branns evwficblt die Annabme ^ ciN^
lage. Der Entwurf sucht das Problem grundsätzlich aui ?°P„ge!tN°bwe '
BersicherungSzwanges zn lösen. Versichcrt wsreen nur dic Ak"-
Neu eingcfübrt wirö die Kurzarbeiternnierstützung.

Abg. Anfhänscr <Soz.) bcantragt Ansschuhberatung. q--ijoN
Abg. Eichborn lKomm.) bält die fofortige Einleitnng einer - '
die Arbeitsloicn für unbedinat notwendig. , , <Bal7„

Nach znstimmendcn Ausfübrnngcn deS Abg. S ch w a r,Z e-
.) wird dcr Gefetzentwurf an dcn fozialvolitischcn AusschuU > ,

Vv

Einige Entschlietzungcn znm Rcichssscdlungsgesetz, x.".,miiua».L-
schrift über die Landverteilmig in Deutschland und bci dcr E»t - ^ glert»
erster Linie die Jnansvruchnabme der Latifundien fordcrn. rvcr -
falls angenommen. ^ -.»itSNtiu

Bei der Feftstellung der nächsten Tagesordnung bittet Arb- '

Dr. B r a n n s, -ie sozialdcmokratische Tcnerungsiirtervcllatroi gxtroit

Donnerstag zu besvrechcn, bamit die notwendigen Borbcrcitnnseu jjK er
werden können. Mit den Beamten und den Rcicksarbertern 's'. jg,
Lohirverständrgung erfolgt. Dre Erböhring der Sozialrenten >ei
Das Haus erklärt sich damit einverstandeu. „i-gte-

Nächfte Sitznng Mittwoch L Ubr: Neiwrdnnng der Strafgc t
Vorlagen. Schlntz 6-4 USr-

Die Leipziger Kommmisien ffellsn

Leipzig, 5. Junt. (Eig. Drahtm.) Am Montag wiedsr^^, „ N '
in den sxäten Abendstunden die Ansammlungcn rwu T,-.liöt
stranten -m Stadtinnern Leipzigs, dre dir Poli-ej
Eummiknllppeln auseinandertreiben mußte. Daraufh'U o
in der zehutsn Abcndstunde eine Kommissian von dr - iy.
munisten zum Polizetpräsidium und untsrLr^, . sü<or-

folgende Forderungen: 1. Die Poli.zeimannsthaften si ^ prev
non der Straße zuruckzuziehen, wsil dadurck d-re Msnge^n »i-n
erregt wird; 2. ist ei» proletarischer Sicherhsits-dienst 'Uft.'svste ^
rechterhaltunq der Ordnung zn betrauen Zu diesem Zme-"- Eewe^
Präsident sofort ejne gemeinschaftlrche Aussvrache mit^de-n v
schaftskartell und mit den Verbandsleitungsn der V. T-^' Mg-n

die etM

rinS

iit

rnll'

Zfa.

Roman von Jennq Freisrau Schilling v. Canfiatt.

«. Fortfetzung. Nachdruck verboten.

„Vist mein Freund, Barry, mein bester Freund! Leg dich schön

- an deinen Platz!" — sagte sie zärtkich, und fchob dsn struppiqen
Eesellen dem Oseiteckchen zu.

l ^ Jsa saß jetzt neben ihrer Mutter und erzählte von Birgid und
lthrem schönen Heim.

. Jhre Augen leuchtetsn dabei. „O, Mutti, wie war es so fchön
jdort, wie im Märchen! Und Schmuck hat Birgid, so kostbar, wie ich
r noch keinen sah! Und sö gute Sachen gab es zum Tee, feins Kuchen
-und Konfitüren und belegte Brötchen! Und Varry hat auch be-
kommen. tiichtig satt hat er fich gefreflen!" Jsa lachte, doch dann
wurde ste wteder ernst.

„Birgid ist wohl sehr reich — unermeßlich reich, Mutti! —" ein
-Seufzer folgte den Worten.

„Es scheint so, mein Kind! Absr nicht der Reichtum macht das
Eluck, glaub es mir, Jsa! Das höchste Eut ist gesund zu sein!"

.ZP" sagte das Mädchen, „gesund und rerch und schön! Das tst
das Eluck!"

„Zwsierlei davon ist dir zuteil!" sagte Frau Eellin langsam, und

- ihr dunkler Blrck hrng an der Tochter süßem Eesicht.

„Du bist jung, Jsa, du bist gesund und — sehr schön! Ia, ich
cwiederhole es dir noch einmal mahnend und dringcud sehr schön'

: Jsa! Meine Worte klingen dir sektsam, ntcht wahr? Eine Mutter
ssagt rhrem Ktnd niemals ein Wort, das die Eitelkeit in ihm <mnor-

h°ute ---weil °ck dich warnen möchte,

ffa! Mir rst so bange um dich! — Lange werve ich nicht mchr

. Ler drr sein — das werß ich — das weißt du, mein Liebling-—

und darum fühle ich deine Hand jetzt zittern in der meinen!"

„O. Mutti . . nimm mich mit . . . laß mich uicht so allsin . . ."
Isas S imme brach in bitterlichsm Schluchzen. „Was soll tch in
: dsr Welt ohne drch!" Frau Eellm lachelte müde.

„Glücklich sollst du werden, mein Herzblatt! Nicht so namenkos
?l°»d wie deine Mutter! Deine Zukunft ist gesichert, ,0 lange du
rm Strft blerbst! Du kannst dort ein ruhiges, bchrgliches, sorqen-
ftoses Leben fuhren, um das dich vieke arme Mädchen keneiden

- durften!. . ."

.. was wllrdest du sagen, wenn ich mich morgen verloben
«urde, Muttr? sagte Jsa atemlos und trrumphierend.

-Mit Leutnant Bornhagen, nicht wahr, mein Kind?"

„Aa. Mutti, mit ihm!" —

» ,-Hch würde es nicht zugeben, Jsa!" — Sehr ruhig klang Krau

- Eellrns Strmme durch das dunkle Zimmer. u rn u

zugeLen, Mutter?-Uud warum? —"

^ dann ebsnso elend werdsn wiirdest — wie deine Mutter.

^ch habe mrt Herrn Dr- Bsrgen Lber diese Sache gesprochen, cr

kennt die Bermögenslage Bornhagens genau, er weiß auch, daß er,
da er nichts hat und du nichts hast, seinen Beruf auszeben will, um
eine Heirat zu ermöglichen, genau wie es einstcns dein Vater tat —
um mich

Jsas Augcn öffncten sich weit. „Du hast mir immer gesagt, metn
Vater sei ein stolzer, stattlicher Ofsizier gewesen, Mutti!"

„Das war er auch, als wir uns kennen lerntcn, mein Kind! Aber
da wir bside das nöiige Vermögen nicht hatten, gab er seine Lauf-
bahn als Offizier auf, um in ein Bankgeschäft einzutreten, Er war
sehr sleißig und pflichttreu, und wir heirateten auf das kleine
Anfangsgehalt, das die Firma ihm bot."

Frau Gellin schwieg in Gedanken versunken, und ein schwerer
Seufzer entrang sich ihren Lippen. „Wir hatten beide ntcht gelernt,
mit wenigem auszukommen, wir wußten auch nichts von den For-
derungen Les Lebens. Wir waren beide noch so jung — ich achtzehn
— er 24 Iahre zählend, und die Not klopfte täglich härter an unfere
TLr — mein Elend fing an! — Dann kam e!n Tag, wo dein Vater
atemlos in unsere klerne Mietwohnung stürmte, einen Brief in der
Hand.

Ohne daß tch es wußte, hatte er stch um Hilfe an seinen einzigen,
noch lebenden Verwandten gewandt, ihm seine Notlage geschildert.
Es war dies ein alter Iunggeselle, der vor den Toren Hannovsrs
ein Landhaus besaß, ein uraltes Herrenhaus, das seit Iahrhunderten
der Familie Haßlingen gehörte! Dieser Oheim berief ihn plötzlich
zu sich. und übersandte ihm zugleich eine Anukeisung von 3000 Marl.
Dsin Vater Lbergab mir fast die ganze Summe und reiste ab. Er
schrieb mir nur felten, und feine Rllckkehr verzögerte sich von Monat
zu Monat, endlich hörten seine Vriefe ganz auf.

Du kamst in fener Zeit zur Welt, ünd ich lag lange Zeit krank
darnicder. Als ich wieder gencsen war, reiste ich mit dir nach Han-
nover. Das Eeld, das dein Vater mir gegeben, war fehr zusammsn-
gefchm.olzen, nnd ich mußte alles aufbieten. deinen Vater zu finden,
wenn ich nicht in bittere Not geratcn sollte-

Schon am nächsten Tag nach meiner Ankunft in Hannover fuhr
ich nach Haßlings Haus.

Die Adrefls wußte ich genau durch die Vriefe deinss Vaters. und
ich war erstaunt, wie weit draußen -vor der Stadt das Haus
gelegen war.

Es war Nnfang Novembsr, ein trüber, kalter Herbstnachmittag,
als ich an dem hohcn Eittertor der Einfahrt klingelte.

Ein ältercr Diener in dunklem Anzug öffnete mir und fragte
murrifch nach msinen Wünschcn.

Als ich ihm meinen Namen nannte, sah er mich forschend und
erstaunt an und fllhrte mich schweigend dem Haus zu.

Es lag tief drinnen in eincm wundervollen alten Parl, ein
mnggestrccktes Eebäude, das der Waldefeu üis zum Dach umrankte.
Traiit und heimlich war der große Salon im Erdgeschoß. deflsn Tür
L-r Drensr sllr mich öfsnets. Beklommen trat ich r-n. Dcr Hauch
r.er ocrgangenheit lag llber diesem Raum. Er sprach zu mir aus
oen aUkn Möbeln, den verblichcnen Eobelins, den Schränken un-d

K. P. D. hsrbsiführen. Diese unerhörten Forderungsn.

nisten wurden vom Polizeiprästdenten m-it -er

lehnt, daß es Aufgabe der Polizei kei, Lie öffcntl:che

zu^ gewährleistsu und daß sie mit allcr A

Truhen, den dunklen Eemälden, deren breite Bronzeiabmeu
die Dämmsrung leuchteten. ^ Eefü^ sM

Jch wandte mich plötzlich um, in dem unbehaglichen ,
Beobachtetwerdens, und stand einer großen, schlanken ^

über. ofs°"^ ^

Sie war in Trauer, und mußte ganz lautlos durch dr°
des Nebenzimmers getreten sein. diistm

Sie wirkte auf mich wie kommendes Unheil, wre °

Tchotten. ^ ste

„Darf ich noch ernmal um Ihren Namen bitten c ^
und ihre großen, schwarzen Augen hafteten durchdringend " ^

Kestcht. ^„-„lingeNS-..-eii

„Maria oon Haßlingen, dte Eattin Helmut von be^nfi

auf einen Brief seines Onkels vor sechs Monaten wlAl

wurde! Jhn suche ich! —" war meine Erwiderung- .^r einft.s
Blick baftete forschsnd an der Ünbekanntsn, die rmr farb'A.je
einen Sesssl zum Nicdersitzen bot. Un-d ich sah, wie ld jstgl«
Eestcht fetzt noch farblofer wurde, gleichsam ergraute, »
mtch das Dämmerlicht?— seHü

„Sie behaupten, Helmut von Haßlingens GattlN
begann sie flllstsrnd und doch mit schnetdender Schärf«- -> .stc

Papiere zu diefer Behauotung?" . hgtte ^

„Wir find in London getraut worden, mein ^afln öeö"
Papiere mit sich genommen, als er von Hamburg abreo ' q-K
ich zöoernd. oor

„Mit welchem Recht legen Ste mir all diese Frage»

sprechen, den Onkel Iln^ck'


möchte den Be-sitzer dieses Hauses iprecyen, cen 1«:

sagle ich plötzlich laut und besttmmt, denn ein böhnNwZ' «,lgnn
lag jetzt d-eutlich auf dem kränklich blaflen Eestcht der ^

Es war von einer nahezu grotesken Häßlichleit uno
im Profil an den Kopf eines Kakadu. Das zuruckft.e, <a

die scharf gebogene Nafe, der kleine Kopf auf dem yag
Hals schufen diefen Eindruck. „j m-

„Der Besttzer diefes Hauses Lin ich! Lant Testu^KlvirS
Onkels bin ich zur Erbin ernannt — mein Name lsi , /

Haßlingen, ich bin das letzte lebende Elied der FamM°^

„So wäre der Onkel meines Eatten nicht mehr " ,

„Er starb vor vier Wochen am Schlag — 87 Iahr° '

„Und Helmut — me!n Eatte-wo ist er?'

griff stlltzend nach dcr Lehne des vor m!r stehenden ^^„hte,

Herz fchlug so schnell, daß ich sein Pochen zu horen a ^h e- ^,1»
ich wußte, daß etwas Ensetzensvolles meiner wartete. - i ^ yvr ^
dem Zug der Erausamkeit, des Hohns. der das Eeiia, «^jrii ^
jetzt belebte. Ich war nicht einmal erstaunt, als j»-:

Haßlingen langsam sagte: -

..Mein Vetter, Helmut von Haßlingen, ist seit s'

Er starb am 20, Iuli dieses Jahres- Er hai m-r un-, se(M,
nie davon gesprcchsn, daß er verheiratet ser- --»ren^ - - sgtr.-
mit crhobener Stimme hinzu. (Lortie»-
 
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