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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#1064
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Sm wahres üogürck fnr Suropa.

Die engliiö-e Arbeiterpartei und Frankreichs Ruhrpolitik.

>4

Paris, 22. Juni.

Der Führer. der englischen ArLeitsrparLei, Ramsay Macdo -
»ald, hat dem Derichterstatter der „Ere Nonvelle" Mitteilung über
seine Ansichten LLer die französische Reparations- und
Ruhrpolitik gemacht. Er erklärte, jedermann wisse, daß das
Ruhrunternehmen uichts weiter sei als die Zerstör-ung wirt-
schaftlicher Werte. Er glaubs, wenn die französisch-belgische
Aktion im Ruhrgebiet vollen Erfolg hätte, und Ler deutschen Regie-
rung und dem deutschen Dolkc einc bedingungslose Kapi-
tulation aufgezwungen werde, dann dies auf die Dauer ein
wahres Unglück für Europa sein mürde. Tin derartiger
Ausgang würde dreierlei zur Folge haben. Zunächst würde er alle
militürischen Furien Europas entfesseln und die europäischen Ltaa-
ten zu einem Wettrüstungs- und militärischen Diktaturunternehnten
machen Für ein Land wie England würde dies wirtschaftliche und
industrielle Folgen nach sich ziehcn, die allgemeinen Schwiörigkeiten
Englands aus den Weltmärkten vergröhern und Enalands wirtschaft--
liche Wiederherstellung noch erschweren. Nach Rainsay Macdonalds
Anficht müsse England als. Verhapdlungsgrundlage eine Konfe-
renz zur Prüfung der deulschen Note dürch einen Aus-
schuh von kompetenten Vertretern vorschlagen, die nur den rsin
wirtschaftlichen Gefichtspunkt zu beachten hätten. Wenn einer der
Alliierten einen derartigen Vorschlag ablehne, müsse England im
Einvernehmen mit allen für diese Politik gewonnenen Ländern, vor
allem aber, wenn möglich, mit den Vereinigten Staaten,
vorgehen. Die unmittslbare Frage sei jetzt aber die: Wiederauf-
nahme der Verhandlungen und ein Waffenftillstand im Ruhrgebiet.

Llnier französisther S-reckenshrrrWast.

Reue Greueltaten der eutsesselten Soldateska.

Gclsenkirchen, 22. Zuni.

Zn R eck l i u gha us e n kam es in der vergangenen Racht
wteder zu einem Zusammenstoh zwischen einer um >-12 aus einem
Lsfs kommenden kleineren Gefellfchaft Deutfcher und einem
f ra nzösischen Posten. Hierbei wurde der 26jährige Konditor
Feldhosf dnrch einen Bauchschutz getötet. — Jn der Wirtschaft
GLter in Recklinghausen entstand zwifchen einenr deut -
schen Kriminalbeamten und zwei belgischenSol-
daten ein Streit. Bei der Verfolgung schossen die Belgier und
verletzten einen völlig unbeteiligten 60jährigen Arbeiter
bebe nsgefährlich. — Jn Westhofen bei Münster ist am
111. Juni ein 15>-jährigcs Mädchen von einem franzöfischcn schwarzen
Scrgeanten und einem weitzen Eesreüten vergewaltigt worden.
-- Zn Mark ist ein lOjähriges Mädchen von einem belgischen Sol-
daten vergewaltigt worden. Der Soldat wuroe von seiner
Trupps verhaftet. — Da Plakate der Desatzungsbehörden in Pir-
mase-ms von verschiedenen Plakatsäulen abgerissen worden find,
habxn die Franzosen gestern fieben Schaufenster von Eeschäften
bsfchlagnahml. um darin die Plakate zukünfttg auszu-
häng e n.

VerdächLiges DemerrLi.

l i ch falsch gewesen sein soll. Jn Wirklichkeit habe es fich um die
Sprengung des Bahnkörpers durch eiNen verbrecherischen Anschlag
gehandelt. Das klrteil lautete für jcden aul einen MonaLGe-
fängnis und zwei Millionen Mark Eeldstrafe (!!)
und im Falle der llneinbringlichkeit aufein weiteres Jahr Gefäng-
nis. Die llntersuchungshast wird angerechnet. Die Verurteilten ver-
zichtetefi auf Berufung.

Gegen das herrs-söchti'gr Zrenkreich.

Eine Kundgebung der Dcutsche» Volkspariei in MSnchc».
* Digsne Drahtmsldung.

Mä rchen, 22 Juni.

Zn einer Versammlung des Ortsvereins München der
Deutschen Volkspartei sprach der pfälzische Landtagsabge-
ordnete Burger über die politifche Lage. Er, der seit
kurzem zu den Ausgewiesenen zählt, führte naäi einer stiirmischen
Begrjjhung durch die Versammlung u. a. aus: Frankreich verfolgt
mit allen Eewaltmittcln sein politisches Ziel, vauernd Herr am
Rhein zu sein. Da Frankreich wieder im Besitze Eljah-Loth-
ringens ist, ist es wieder Las alte, durch Jahrhunderte betannte
h err sch sü ch t i ge Frankre.ich geworden, das in der Anwen-
dung jeiner Macht keine Hemmungen, weder durch die
Gesetze der Menschlichkeit, noch der Moral kennt. Oieses Frankreich
lacht dcr internatioualen Aufklärungs- ind Sitt-
lichkeitsprediger. Dieser jZustand gibt nur einc Möglich-
keit: Wenn die Deutschen sich heute zur Gcnüge über den furcht-
baren Ernst dieser Ereigmsse klar geworden find, hilft nur eines:
dem Stolz und der einheitlrchen Zerstörungswut der undern unseren
einheitli.chen Volkswtllen des Sichbehauptcns em-
gegenzusetzen.

Jn der Aussprache gab Major Zasos eine ergreif-nde Dar-
stellung der pfälzischen Verhöltnifie, ebenso der ersts Vorsitzende des
Pfälzijchen Beamtenbundes, Oberinspektor Roth, übcr die links-
rheinijchen Zujtände.

Zranzösis- - nmänif-er SandMvnW.

Dir französtscheu Glänbiger drohen mit Abürnch der Beziehungen.

Havas dementisrt iu einer Mekdung aus Koblenz die von
Wltrer Blättern gebrachte Nachricht vom 18. Juni, datz unter den in
Trier stehenden französtschen Alpenjägern mne Meuterer
aüsgebrochen sei. In Trier seien kcin« zranzo-tzschen Alpeniager mehr.

Eis neuer Zwischenfall.

Münjter, 22. Zuni- Jn der Rähe der Lippe im Amtsbezirk
M«r.r1 find am 21. oormittags — angeblich bei der Patzrevifion —
zjoei belgische Soldaten erfchossen und ein dritter schwer verletzt
«Weu. Die beiden Täter sind entkommen. lleber-Ma rl ift der
verschLrft-e Be lage ru n g szustLNÄ oerhängt worden. E-n-
Aeihe.von Petzjpnen ist als Geiseln festgenommen worden.

Legaüfierte Aushungerung.

P«is.- 22. Jnni. (Eig. Drahtm.) Die Rh e i nlandkom -
Mijjion hat eine neue Verordnung erlassen, wormch all die
Znckerm e nge n in den jZuckerfabriken der franMsche» Desetz-
ungszone als blockiert zu gelten haben, weil Deutschland sich
weigerte, 2ÜS00 Toanen Zucker an die stanzöfische Regierung zu
liefern- Ausgenommen find jene Zuckermengen, auf welche das
Sfaa r g e b i-e t und das besetzte Gebiet! AnfprÄch -haben.

Franzöfifche SKandM'z.

Kiüferslautrrn, 22. Zuni. Vor dem.hiefigen Militärpolizeigerrcht
hatten sich gestern u. a. zu oerantworten: Dr. Rohr als verantwort-
licher Leiter der „Pfälzischen Volkszeitimg" in Kaiserslautern, Max
Äeigner aks verantwortlicher Schriftleiter der „Pfälzrschen Prefie"
in Kaistrslautern und Philipp Pfeiffer von der «Pfälzischen Tages-
zMung" m Alsenz. Den Angeklagtcn wurde die Vsrösfentlichung
elnsr M e ldungüLer die K e s.s«l e x p l os i on eincs von den
Franzosen gLjahrenen Personenzuges zur Last gelegt, Lie angeb-

Paris, 22. Juni-

Die „Zonrnöe industrielle" bcrichtet über einen Konflikt zwischrn
Len französischen Privatgläubigern und ihrsn rumä-
n i s ch e n Schuldnern, der bereits politischen Tharakter an-
genommen habe. Zm vergangenen Jahre sei eine Abordnung rumü-
nifchsr Schuldner nach Paris gekommen, angebiich, um jich mit
dsn französischen Gläubigern zu vergleichen. Sie habe jich jedoch
nicht tatjächlich um die Äufnahme der Beziehungen zu den letzteren
Lemüht und sei dann nach England gegangen, wo fie mit einem
Teil eer englifchen Gläubiger Abmachungen gstroffen habe. Aach
Numänien zurückgekehrt, habe sie von der Regierung die gesetzliche
Ausdehnung 'der Wirkung des mit den englischen Gläubigern
geschlojsenen Abkommens a«ch auf die Gläubiger der anderen Länder
verlangt. Auf die Proteste einer Reihe von diplomatischen Vertre-
tern set dieser tatsächlich eingebrachte Eesetzentwurf von der Rezie-
rung zurückgezogen worden. Kurz danach sei aber ein neuer Ent-
wurs, der ein Moratorium von mindestens zwölf
Zahren vorjah, von Kammer und Senat angenommsn worden.
Vei diesem ganzsn Vorgehen habe es fich nur um dis Ausfllhrung
einer der Bestimmungen des englisch-rumänischsn Vertrages gehan-
dclt- Die sranzösijchen Gläubiger yaben nun mit Unterstützung des
Quai d Orsay am 8. Juni ein Defenjivkomitee eingejetzt. oas
entschlofien ist, soweit ss in seiner Macht steht, sämtliche Handels-
beziehungen zu Rumänien abzubrechen.

Der ößerreichisch-franzöfisKe Sandelsvertrag.

Paris, 22. Juni. (Eig. Drahtm-) Heute vormittag fand aus
dem Quai d'Orjay der Austausch der U n t e rs ch r r f t e n für
den österreichisch-französischen Handelsvertrag
statt. Von österreichischer Seite unterzeichnete der Gesandte Varon
Eichhoff, von stanzöstscher Seite Poincarö unü der Handels- >
mimstcr Di o rt. > "

Sie SevifenkSufe der Zirma SkilMS.

Gc.rcraldirektor Minoux oor dem llnterstrchm»^a«ich»l^
Eigene

Dra htmreb1»L«g

B«rWr,2L

Zn der Freitagfitzung Les ll nt « rfu ch»ir asa
über die Markstützungsaktion wareu gelade» als
der Reichskohlenkommifiar Geheimrat Dr. Stutz, der Präzident,
Eiscn-Lahnzentralamtes Hammer, mit den Negierung^a-,
Hamm, Dornberg und Direktor H o d m anrr, ferirer von
Firma Hugo Stinnes die Herren Hugo Stinnes jmnor
neraldirektor Minoux und Äer Leiter der FinanzabteilunA ^
veram, schlietzlich noch eimnal Redakteur Oeser von der » - b
surter Zeitung. Verhandlungsthema sind die Kohlen- ^
fuhrder Eisenvahn und die Dev i se n k Lnfe der tzi i r
Stinnes. Nach Ler Vereidigung aller Zeugen ergreift als er> -
das Wort Generaldirektor Minoux. Er führt unter anderem a -
Zunächst müchte ich autzerhalb der uns hier beschäftigenden etrag -
Herrn Stinnes fenior entschuldjgen. datz er nicht "N>wsi
ift. Herr Stinnes steht aber auf einen telephonischen Änruf l« f
zeit zur Versügug. Er ift von einer hohen Stelle zu Be>prechuN8 ^
geladen üder die Stützung unserer Währung. Wir yuchn
es bis jetzt unter unsererWLrde gehalten, auf alle Dorwu '
in der Oesfentlichkeit zu andworten, einerseits weil wir
datz vieles von dem, was man gegen uns Meudert, sich in^ren^^

SaH

eignissen von selbst beAreist, anüererseits weil wir hoffteil, dag
uns ernmal Eelegenheit geoen würd«, nrk 1 st oichi die



darzustellen. Herr Stinnes lehnt es mit miniosenhaster

Zu-

g-g

! N

Dem«n-

rückhaltung ab, alles das z-u dementieren, was
nns vorgebraiht wird, wir brauchten dazu einen
iierapparat, der grötzer wäre, als dreses Reichstagsgebäude.

uns-res
ist oow

Minoux spricht weiter: Zunächst der llmfang
Devisenbedarfs. Der Dcvijeub-cdarf unjerer Firma >>.' ^

1. Januar bis 31. Mar gegen insgejamt 2 220 000 Pfund, wah-eu
de: vielen Monat«, monatlich also 441000 Pfund. Jch bin
rert, dies in geheimer Sitzung zu spezifrzreren, kanil a^. ^
h:er keine Gefchäftsgeheimnisse ausplaudern, was vi«"-
der Zweck Ler Uebung wäre.

Abg. Fröhlich (Komm.) schlägt mit der Hand auf den Tis
und ruft: Das geht zu weit. ' .

Vorsitzender Abg. Lange-Hegermann greist u»^

bittet den Redner, etwas wenigcr polemisch zu sprechen.

Minoux spricht weiter: Wenm man seit zwei Iahren 1-^.
Mcrgen, wenn man aufsteht, in den Zeitungen angegrifsen wor ^ ^
ist, so ist es menschlich verzeihlich, wenn man nrcht Mrnz "0
Polemik sprechen kann. Jch betone:

Wir haben einen Devisenbedarf vo« 2 22V 080 Pstmd gehabt,
und zwar snr Eiukäuse, die wir sür Kohlen für die Zndujtrie,
für die Reichsmarine, fiir die Eisenbahnen gemacht

Es handelt sich nm Einkäuf« in England uud in Am- -
rika, EiiÄäufe von Papierholz, Schwefelkies uirn

Kalksteinen. Die Sache spielt sich >o ab, datz wir einen 3sütz-u
dieser Rohftoffe aus dem Auslaude beziehen müfien uiw 8

Teil

Eincn

in auslandischer W.äh^nng bezahlen müssen.^^

Ein neues Kabmett TheM's?

Parie, 22. Juni. (Eig. Drahtm.) Mit der Neubildung des
Lslgijchen Kabinetts durch Theunis ist mit Wahrjchein-
lichkeit zu rechnen. Die Besprechungen im Laufe des gestrigen
Abcnds lietzen die Möglichkeit eines Kompromisses in
der Fraae der Sprachen, der vlamijchen llnioersität Gent sowre
der Mrlitärd ienstzeit als wahrscheinlich crscheinen. so datz
aljo dre Katholiken und die LiberaIen zujammenarbeiten
könnten. Dem neuen Kabinett dürften alle Minister der früheren
Regierung mit drei Ausnahmen angchören.

Frarrkreich meidet de« Völkerbrrnd.

Paris, 22. Juru. (Eig. Drahtm.) Die Saarregicrung hat
die Verordnung vom 7. März zurückgezogen und glaubt
dadurch, jede Lrörterung über ihre Verwaltung auf der nächsten
Tagung des Völkerbundsrates vermeiden zu können.

Teil der daraus hergestellten Waren verkaufen wir im Z » - v
ein anderer Teil geht wieder ins Ausland. Es Lesteht
fchen dem Betrag, Len wir in ausländischen Devijen
haben, und dem, der uns zur Derfügung bleibt aus Erporiceh.u
eine Spannung, die wir durch den Kauf von D-
decken müssen. Ein Hauptexportartikel ist der Z e l lsioi
se-ine Ausfuhr ist im Jnterefie Ler hrimischen Papierwirtsch<rst
drosselt worden. soweit es irgendwi« mvgkich ist. Wr
zukaufen an Devisen rm März 48 S60 Pfund, im April 128 678
und i-m Mai 224 725 Pfumd, das Lede-utet für den Marz /

bis 11 für April 30 für Mai 50 A unseres Dsvisenbedail-- -
Die autzcrordentliche Steigerung im Mai werde ich nachh-r ''
erklären. Was mm den Vvvwurf der Deoifenhanrsterei betrM>.^'
verweife ich darauf, datz trotz aller Währungsuor - ^
Z udn st r i e u n ternehme n nicht gedeihen kan«' "
ordentlich gekeitet wird, ohne einen Vorrat -

Denig-F^

Devifen für zwei Monat« zu kaufen.

TaS-.

über mutz ich jagen, datz wir nicht fiir zwei

Vorrat hatten, gefchweige denn für zwei

B--'

Dic Devisenzentrale hat eine Aufftellung über unsere^ ^

stäude und Schulden für 50
gebinen Zahlen müffen beweifen
Beftand an fremden Devisen von

Tage verlangt. Die der Zentral«. S .
eifen: Am 1. MLrz hatten u»ir / ,.gg

213 000 Pfund, Schulden

Pfund, also ein M anko von 3 7 0 0 0 Pfund, am 4. Apr"

tungen 325 000 Pfund. Zwrjchen dem ch Dpril und dem


rungen ippuno. owriiyen oem 4. Aprii uno oem

kam der llmschwung, am 15. Mai einschlietzlich 58 000 Pfund T-stgüo:
devifen di« auch in den Zahlen vom 1. Mai enthalten sind Vep
409 000, Verpflichtmigen 355 000 Pfmrd, also ein Manko r>on M
Pfund, am 24. Mai 182000 Pfund und 370 000 Pfund Derpi
tungen. Für jeden anderen Tag werden dic Zahlen ähnstch-
denn die Devisenzcntvale hat willkürliche Stichtage gewählt-

Zsa.

Roman von Zsnnq Freistau Schilliug v. Eanstatt.

21. Ksrtiedlnrg. Nachürnck verboten.

i. » ' 4. Zuli.

Jch habe ihn wieder gejehen hente nacht, dcn schwarzeu Schatten
aa meinem Bert, deutlich, ganz deutlich.

Zch bin mit einem Schrei emporgefahren, und meine zitternden
Frnger suchten nach dem Feuerzcug. Äber als ich Lie Kerze entzündet
^itte, j«ih ich nichts in dem grotzen Zimmer, was mich hätte beun-
rnhigen können. Jch lietz die Kerze brennen, bis der Morgen jonnen-
HÄl dsrchs Fenster lachte, dann erst schlief ich ein. Meine Nerven
waren doch jonst jo gesund, mein Schlaf fo tief, so traumlos ... jetzt
Leschlsicht mich oft eine Furcht — eiu Grauen ... wovor? — ich
weitz es nicht! Oder weitz ich es doch? —

Jch will mich nicht selbst belügen. Jch weitz es ganz genau, mich
befällt ein Erauen in Elviras NLHe!

Da steht es geschrieben in diesem kleine« Vuch, uud später werde
M darüber lächeln.

Jetzt lächle ich nicht!

Zch sinne daruber nach, was diefe grenzenlose Abneigung gegen
ste-in mir wachruft!

Jst's allein ihre Hätzlichteit? — Aber.gibt «s nicht tauseud hätz-
Rche Menschen, Li« doch unssie ganze Sympathie, unsere Liebe ge-
winnen?

Es ist uicht ihr Aeutzerstes, was mich so widerwärtig berührt; es
ist nicht ihr Blick, der oft jo voll Nachdenken auf mir ruht — es ist
«M>as anderes- Elvira mag ungefähr 45 Jahre zählen, vielleicht
auch weniger, vielleicht auch mehr!

Sie ist hoch und schlank gewachsen, und auffallend mager. Eine
wächserne Bläfie zeigt ihr Gesicht mit den kleinen, dunklen Nogel-
augen, der grotzen jchmalen Naje, dem znrllckfliehenden Kinn. Jhr
Haar ist dnnkel und straff zurückgestrichen aus der hohen Stirn.

Sie trägt immcr Schwarz. Auffallcnd fchön und mit Sorgfalt
gepflegt sind ihre Hände, jchmale. weitze Hände, deren Linke ein Ring
Mmückt mit länglichem, hellgrünem Stein.

Onkel Theobald hat ihr diefen Ring aus seiner Raritätensamm-
,8mg geschenkt.

Ein eigenartiger Ring — ein ckostbarer Stein mutz es jein, er
Luchtet. weun es dämmert in gelbgrünem Licht, wie das Auge eines
Ranbticrs — einer Bestie! —

- " 10. Juli.

Eester» ging ein furchtbares Eewitter nieder! Ein Blitz fpaltete
vre grotze Eiche im Pari, mit donnerähnkichem Krach stürzte der
machtig« Laum mw , .

Friedrich, der Diener, geht mit todblafiem Gesicht nmher.

„Das gibt ein llnglück, Herr Oberlentnant ... da bereitet stch
was vor!" jagte er zn mir. „Eott jchütze uns!" —

Jch kann Lber scinen Absrglauben nicht eimnal lachen, es ist
Zeit, datz ich abreise...! Ich habe Sehnsucht nach Maria! Sie hat
mir jo lange nicht gejchriebenl

Elvira hatte schon zwei Tage Migräne und bleibt unsichtbar.

Friedrich geht uoch immer mit seiner LeichenLittermiene umher,
aber Onkel Theobald und ich sind vergnügt wie ausgelafiene Zungens
ohne Aussicht.

Wir trinkeu Lei Tijch den teuersten Wein, der iru Keller liegt,
und die Köchin holt die fsinsten Delikatefien ans der Stadt nnd
richtet herrliche Speisen her-

Jch schlafe wieder vortrefflich; meine Neroen sind wieder i» der
Reihe! Welch ein Heilmittel ist doch die Freude! Nie werde ich den
gestrigen Nachmittag vergefien, wo Onkel Theobald mich in jein
Ärbeitszimmer bitten lietz.

Es liegt im Erdgeschotz neben der BiLliothek. Zedes Stockwerk
umfatzt nur 4 Räume, aber diese sind sehr grotz. Jm ersten Stock
liegen das Speisezimmer, das Mnsikzimmer und die beiden Zimmer,
die Elvira bewohnt.

Jm obersten Stock wohnt die Dienerschaft, die aus Friedrich,
dsr Köchin und Elviras Jungfer besteht.

Zm Souterrain liegen die Küche und die Wirtschastsräume; der
Park, der das Haus von allen Seiten umschlietzt, rst groh und noch
älter als das Haus.

Wundervolle Waldbäume sind darin, Eichen, Tannen uud Vlut-
buchen.

Eigentlich ist dieser Garten zu dicht gepslanzt, zu düster, zu
schattig; hier mützte Lust und Licht geschaffen werdsn! Später werde
ich das alles anordnen. wenn ich den Besitz übernehme!

Da steht es, das Unsatzliche, aber es ist wahr!

Onkel Theobald hat mich zum Erben eingesetzt! —

Er hat mir das Testament vorgelesen und es in einem Wand-
jchrank jeines Arbeitszimmers verschlofien.

Es ist ein eigenartiger Wandjchrank, jchmucklos und schlicht,
Bücher füllen ihn-

Wenn man aber oben am Sims an der dritten Rosette dreht,
schiebt sich ein Spalt auf, ein kleines Gefach und da hinein chat Onkel
Theobald seine» letzten Willeu gelegt. Llvira darf nicht varum
wifien!

„Sie joll sich weiter in dem Glauben wiegen, dereinst die Herrin
Lber das grotze Vermögen zu sein!" jagte Onkel Theobald leise. „Datz
sie umsonst auf meinen Tod gewartet hat, ist die Strafe jür Lie
unguten StuudeNj die st« mir bereitet hatl, ^ . .. .,

Jch habe fie soweit bedacht, datz sie vor Mangel gejchützt 'st u
hier eine Heimat behält." . ^

Und dann sagte er mir weiter: ,Zch habe üeschlofien,

Monate eine Zulage von 500 Mark zu geben, Helmut! per

ferner nach Verlin an die Reichsbank mich gewendet, wo «>»' d»
Direktoren mir befreundet ist. Dort will man dich einstellen,
kannst es dort zu etwas bringen, wenn du Fleih und Aus
besitzest!"

Wie glücklich ich brn! - Me

Mit welch guter Botjchast kehre ich zu Maria znrück! Z4 .^ank-
nicht anders, ich habe dem gütigen, alten Herrn die Hand von
barkeit gekntzt! — , A>je

Welch eine Wendung wird nun eintreten in unssrm Leb-", zzet»
will ich fleißig ringen und ftreben, um mich Onkel Thcobaio
traueu würdig zu erweisen! ^str

Eott segne ihn alle Tage! "
eigentlich fer«, und doch hat er
meinen und Marias Weg, der '
gehüllt.

den 20.

Friedrichs Ahnung, datz Unheik Lber dem Haus uegr, " ^

Onkel TheoLald hat hente nacht einen jchweren Schi-jl^.n

gehabt- Die^ganze^re^te ^eit-E-»ich^,..-^-u jchweren

in Todesangst! .. „gA

Der Arzt hat einen Krankenwärter mitgebracht, d-mrt
vielen Nächten wieder mal richtig schlafen kann. Zch ?in jiw

Morgen will ich ausführlich an Maria schreiben, wie wi
freuen! —

jeer-

3» tiefem^S?nmn M ^

^ Geficht .ar .

Tod. Seine Eed'ank^en7-i^^^en anscheinend kurz oor
Vermutungen auf das rastlos, bauten ein Gebände ?oK

f°lS-rung 1n sich zusammÄbra»" ^urch eine andere Schl-S-

Aber etwas blieb

empor und lietz fick Levys Gehirn, wuchs inun« w'-A

verkckwommen noL e»» -ba-h-a, die Frage, die einen Verdoch^
^ i» ficb kckilofi: „Woran starb der jung-

verschwommen noch erst, in sich schlotz: „Woran ,raro w»
nant von Hatzlingen — und was war die Urjache seines^Too^

- , ---—si§

Er sann und "strnn. und eine neue Frage drangte fich il>w

^ (Fort^tzi» ,
 
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