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den verneinenden und zerstörenden Ahriman, der freie Wille des Menschen gegen die
unerbittlichen Gesetze der Materie, der aufstrebende Geist gegen die Fesseln des Fleisches.
Unerschöpflich entströmen seiner von sinnlichen Eindrücken erfüllten Phantasie Bilder,
die sich zu tiefsinnigen und lebensvollen Symbolen erweitern und die religiösen Vor-
stellungen des Orients zu neuem Leben erwachen lassen. Hugo ist kein theoretischer
Denker; er ist der „Träumer", der aus dem „Schlund der Finsternis" geheimnisvolle
Stimmen hört und sich unerschrocken, von der Sehnsucht nach Licht und Wahrheit ge-
quält, in die Betrachtung der Gottheit und des Unendlichen, der in unlöslichen Gegen-
sätzen ringenden und leidenden Menschheit versenkt. Durch seine Anschauung der
Pracht und der Schrecken der Natur, seine Fähigkeit sich über die kleinliche stets
wechselnde Erscheinung der Dinge zu erheben und seine Eindrücke zu poetischen Bildern
und apokalyptischen Visionen zu verarbeiten, seinen unerschütterlichen Idealismus, der
ihn den Menschen bald in verzweifeltem, sehnsüchtigem Trachten nach Oben, bald in sieg-
reichem Aufschwung zur Eroberung der höchsten Güter erblicken lässt, ist Hugo nicht
allein der eigenartigste und grösste moderne französische Dichter, seine Bedeutung reicht
über seine Zeit hinaus; er reiht sich dem Chor jener /Uf ^r<%72^
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heit Hugo zu schildern liebte. Der Gedichtsammlung sind die
vorstehenden Fragmente entnommen. ^ —-- -
Heidelberg, im Februar 1902. F. ED. SCHNEEGANS.
 
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