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ERLÄUTERUNG.
Die hier gelieferte Textprobe besteht aus einigen kleineren Stücken, die dem malaiischen
Moralbuche: .?<%*<%/<% auch bekannt unter dem arabischen Namen
&?/%^z7z, entnommen sind. Es ist das beste moralische Werk der Malaier und
ursprünglich mit malaiisch-arabischer Schrift geschrieben. Die Malaier haben keine eigene
Schrift, sondern brauchen die arabische mit Hinzufügung von fünf Buchstaben, nämlich
3* ^ J), ^ und Üb, um diese Schrift für ihre Sprache brauchen zu können. Obwohl die
malaiische Litteratur, verglichen mit anderen Sprachen des indischen Archipels, sehr
reich ist, so sind doch wenig moralische Bücher darin, und die wenigen, die man hat,
sind noch fremden Ursprungs. So ist dies auch der Fall mit der „.Z&wzy
welche aller Wahrscheinlichkeit nach persischen Ursprungs ist. Der wirkliche Name des
Autors oder Übersetzers ist nicht bekannt. Das Buch giebt den fingierten Namen BOCHARI
an, der ein gelehrter Malaier von Djohor, auf der Halbinsel Malaka gewesen sein soll.
Als die Zeit der Abfassung wird von ihm das Jahr 1012 der christlichen Zeitrechnung
angegeben. Das Buch ist also geschrieben unter der Regierung von Alauddin Schah,
dem Sultan von Djohor, der der Sechzehnte Fürst der Malaier und der Zehnte nach der
Annahme der mohammedanischen Religion war. Zur Zeit seiner Regierung kamen die
Holländer zum erstenmal nach Djohor. A* <-ar. - -*
Um sich einigermassen vom Inhalt einen Begriff machen zu können, geben wir hier
kurz an, wovon die 24 Hauptstücke, in die das Buch eingeteilt ist, handeln:

I. Über die Selbsterkenntnis und den Ursprung
und das Wesen des Menschen.
II. Über die Kenntnis von Gott, dem Schöpfer
alles Bestehenden.
III. ÜberdieKenntnisderWeltunddes mensch-
lichen Lebens.
IV. Über den Tod.
V. Über die fürstliche Würde.
VI. Über die Rechtschaffenheit.
VII. Über gläubige und rechtschaffene Fürsten.
VIII. Über ungläubige Fürsten.
IX. Über Despoten und Despotismus.
X. Über Minister und ihre Pflichten.
XI. Über Schriftsteller.
XII. Über die Gesandten.
XIII. Über die Reichsämter.

XIV. Über Kindererziehung.
XV. Über den Ehrgeiz.
XVI. Über die Vernunft.
XVII. Über die Reichsgesetze.
XVI11. Über die Physiognomik und dieGeberden-
kunde.
XIX. Über die Kennzeichen der Physiognomik.
XX. Über das Verhältnis der Unterthanen zum
Fürsten.
XXI. Über das Verhältnis der ungläubigen
Unterthanen zu den mohammedanischen
Fürsten.
XXII. Über Wohlthätigkeit und Edelmut.
XXIII. Über das Halten von Versprechungen
und Verträgen.
XXIV. Schluss des Buches.

Das Werk hat eine stark mohammedanische Färbung und bietet sehr viele Beispiele aus
der Geschichte. Bei den Malaien steht dieses Buch hoch in Ansehen. Der malaiische Text
mit arabischer Schrift und eine Übersetzung ins Holländische ist im Jahre 182/ in Batavia
herausgegeben von P. P. ROORDA VAN EYSIGA und daselbst gedruckt in der Landes-
druckerei. Er erschien 1864 zum zweitenmal in arabischer und lateinischer Schrift bei
LANGE & Co. in Batavia und 1866 nur mit lateinischer Schrift bei VAN DORP in Samarang.
1870 gab ARISTIDE MARRE in Paris eine französische Übersetzung heraus. Ob es auch
in anderen Sprachen des indischen Archipels vorkommt, ist mir nicht bekannt.
Leyden, im September 1901. H. C. KLINKERT.
 
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