Rudolf Bangel <Frankfurt, Main> [Hrsg.]
Verzeichnis über Gemälde und Studien aus der künstlerischen Hinterlassenschaft des Herrn Georg Schmitgen †, Potsdam sowie andere Werke namhafter Künstler, Antiquitäten, Kunstgegenstände: dabei Möbel, Arbeiten in Elfenbein, Holz, Porzellan, Glas, Fayence, Metall etc., Kupferstiche, japanische Holzschnitte u. a. aus hiesigem und auswärtigem Privatbesitz ; Versteigerung in Frankfurt a. M. ...: Dienstag und Mittwoch den 22. und 23. Mai 1906 (Katalog Nr. 663) — Frankfurt a. M., 1906

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VORWORT.

GeorgSchmitgen wurde im Jahre 1856 in Bernkastel a. d. Mosel
geboren und widmete sich nach absolviertem Gymnasium zunächst
im Geschäfte seines Vaters der kaufmännischen Laufbahn. Frühzeitig
wurde aber in ihm seine Neigung und sein ungewöhnliches Talent
für die Malerei so mächtig, dass er nach München an die Kunst-
akademie übersiedelte und dann vom Jahre 1883 bis zum Jahre 1891
sich dem Studium der Landschaftsmalerei an der Berliner Kunstakademie
widmete. Hier war es besonders das Meisteratelier Brachts, in
welchem er tätig war. Schmitgens Talent wurzelte in erster Linie
in einer ungewöhnlichen Liebe zur mitteldeutschen Landschaft. Seine
Hauptstärke lag von jeher in der Vertiefung, in schwermütige Stimmungen
und in der Auswahl ernster Motive aus seinem Vaterlande. Sein
Aufenthalt in Berlin, den er über sein Studium hinaus ausdehnte,
brachte es mit sich, dass er die Themata für seine Arbeiten, besonders
in seinen jüngeren Jahren, hauptsächlich in den märkischen Land-
schaften fand, und seine Arbeiten aus diesem Motivenkreis fanden
berechtigte Anerkennung durch die ungewöhnliche Gemütstiefe, ihr
feines, zartes Kolorit, sowie die lebhafte Empfindung, die aus ihnen
spricht. Seine Studienreisen führten ihn auch in andere Teile Mittel-
deutschlands und seine Darstellungen des deutschen Waldes, deutscher
Flach- und Mittelgebirgslandschaften, von denen ihm eine zeitlang
besonders der Taunus und die sonstige herrliche Umgebung Frankfurts,
sowie auch sein heimatlicher Hunsrück und die Eifel begeisterten, sind
ebenso zahlreich wie reizvoll. Überall spricht aus ihnen ein ernstes,
liebevolles Studium der Natur und eine oft mit ungewöhnlicher Kraft
zum Ausdruck gebrachte Wiedergabe, mit Verzicht auf jede Über-
treibung in Farbe, Zeichnung und Motivausschnitt. In späteren Lebens-
jahren verlegte er sein Arbeitsfeld, seiner inneren Natur entsprechend,
wiederholt auch an die Gestade des deutschen Meeres und an die
Südküste Norwegens und Schwedens, sowie auf die dänischen Inseln.
Hier fand er in den schwermütigen, wuchtigen Felsenlandschaften
und in den leuchtenden Stimmungen sommerlicher Abende ein reiches
Feld künstlerischer Tätigkeit und Anregung. Aus diesen seinen
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