Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

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entgehen/ oder aus welchen er sich, mit dem christlichen
Beystand anderer, wieder heraus helfen kann, wenn er
darein gerathen ist. Alle beyde bedauerten sehr, daß die
Bauersleute bey solchen Gelegenheiten oft allein des-
wegen den größten Schaden leiden müssen, weil sie nicht
wissen, wie sie sich Helsen sollen; und weil sie zu wenig
irrst und Muth haben, guten Rath zu befolgen; beson-
ders, wenn man ihnen neue Mittel vorschlagt, die sie
nicht von ihren Vorfahren gelernt haben. Ueber die-
sem Gespräch fiel dem jungen Herrn ein, daß er ein
gar besonderes Buch von der Universität mitgebracht
habe, welches das Noch- und Hülfs-BüchleLn heisse,
und worum allerley Mittel gegen die Unfälle, die dem
Menschen und dem Vieh begegnen, beschrieben waren.
Dieses suchte er herbey, um zu sehen, ob nicht auch darinne
stünde, wie man hindern solle, daß die Gestorbenen nicht
eher begraben würden, bis man sicher sey, daß sie im
Grabe nicht wieder auswachen könnten? Und sie fan-
den nicht allein dieses in dem Norh - und Hülfsbüch-
lem, sondern auch vielmehr Dinge, welche, wie der
Herr Pfarrer meynte, seinen Zuhörern gar nützlich seyn
könnten. Sie beschlossen daher, nach einigen Tagen
die Gemeinde zu versammeln, und ihr fürs erste das
Capitel von den Begräbnissen daraus vorzutragen, und
dann zu hören, ob die guten Leute wohl willig seyn
möchten, sich das ganze Büchlein bekannt machen zu
lassen. Der Herr Pfarrer wohlgemut!) hatte sonst
schon die Gewohnheit, daß er dazu gieng, wenn die
Hausväter der Gemeine zusammen kamen, sich über
wichtige Dorfs - Angelegenheiten zu beratschlagen,
und die Gemeinde sah dieses recht gern: weil er als ein
erfahrner Mann ost guten Rath zu geben, und durch sein
liebreiches Wesen die Gemüther in Einigkeit und Frie-
den zu erhalten wußte. Dießmahl trat er nun aus und
tbat folgende Anrede an die versammelten Hausväter.
Vier-
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