Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

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len; weil wir ihm so gar wenig gleichen. Und sagt nicht
die heil. Schrift selbst: Niemand ist gut, als der
Einzige Gort ? Wie konnten denn wir schwache Men-
schen alles gur machen und selbst so gut seyn, wie Er?
— Ist da nicht ein Spruch dem andern zuwider?
Schenkt mir eure Aufmerksamkeit nur noch eine
kleine Weile, meine Freunde: so werdet ihr einse-
hm, daß die Worte Gottes, da er sprach : Lasset uns
Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sey,
dennoch eintreffen, und daß die heil. Schrift nicht wi-
der sich selbst rede.
Nicht wahr? meine Lieben! Ein Kind, wenn
es auf die Welt kommt, weiß und versteht gar nichts?
Es kommt erst mit den Jahren zu Verstand, und alte
Männer und Frauen sind gemeiniglich verständiger
und wissen mehr, als die muntre Jugend? Und kommt
dieses nicht daher, daß sie ihr Lebenlang mehr gese-
hen, gehört, erfahren, auch selbst überlegt und nachge-
forscht haben? Sind nicht einige unter euch dadurch
klüger und geschickter als andere geworden, weil sie
unter Leuten gewesen sind, und sich etwas in der Welt
umgesehen haben ? Und zeigt dieses nicht, daß wir Men-
schen nach und nach immer verständiger werden können,
als wir vorher waren? Es kommt nähmlich blos dar-
auf an, daß wir nicht, wie die unvernünftigen Thiere,
in den Tag hinein leben, sondern bey allem, was wir
tbun, fleißig überlegen, wie es am besten zu machen sey?
Woher und warum es so und nicht anders kommt?
Daß wir Acht haben, was darauf erfolgt, wenn wir
dieß oder jenes thun ? Daß wir oft aufmerksam be-
trachten, worum diese und jene Sachen mit einander
Übereinkommen, oder wie sie unterschieden sind? Was
jede Sache für Nutzen oder Schaden bringe?
Wem? wir fleißig so nachdenken über alles, was wir
sehen, hören und selbst vornehmen: so pflegt unser
Ver-
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