Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

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du dich lange martern und quälen, daß du sie verdienest.
Aber die meisten erinnerten sich daran, daß ja der
Mensch dazu erschaffen sey, daß er immer bester
und besser werde in seinen Sachen; und da dachten
sie: bekommst du auch den Preis nicht, so nutzt es
dir doch und ist Gottes Wille, wenn du suchst, deine
Wirthschast und deinen Feldbau zu verbessern, mit dei-
ner Frau gut zu leben und deine Kinder gut zu erzie-
hen. Junge Bursche und Mädchen meinten: wenn
sie sich so aufführten, als müßten sie den Preis ver-
dienen, und sie bekämen ihn nicht: so lernten sie doch
dabey einmahl ehrlich durch die Welt zu kommen; und
was jedes sonst dabey dachte. Weil sie nun gemerkt
hatten, daß in dem Noch - und Hülfsbüchlein
welches der gnädige Herr der Schule und den Kin-
dern geschenkt hatte, mancher gute Rath zu finden
wäre: so baten sie nicht nur den Herrn Pfarrer, daß
er es der Gemeine, wenn es ihm gefällig wäre, vor-
lesen uns auslegen mochte; sondern sie trachteten auch
darnach, es selbst zu Hause lesen zu können. Es tra-
ten daher sechs, acht und mehrere zusammen, die sich
das Büchlein von dem Schulmeister, oder von den
obersten Schulknaben abschreiben ließen; nur daß sie
da die Bilder nicht mit bekamen. An den langen
Winterabenden versammelten sich dann mehrere, auch
Weiber und junge Leute, bey einem, der gut lesen
konnte, und lasen darinne und besprachen sich darüber.
Viele waren auch so klug, daß sie dem Büchlein ge-
horchten, und hatten großen Nutzen davon; wie man
hernach sehen wird. Das ganze Noch - und Hülfs-
büchlein folgt mm hier selbst, mit allen Bildern,
wie es der Herr von Mildheim in die Schule gege-
ben hatte.
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