Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

Page: 127
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lange Zeit kein Fuhrmann daselbst aus: weil der Ort
in der ganzen Gegend wegen seines schlechten Biers
übel berufen war. Die Einwohner selbst giengen auf
die nächsten Dörfer, wenn sie des Sonntags einen
Krug trinken wollten, und die Wirthe zum goldnen
Löwen wurden einer nach dem andern bankrut: daß
zuletzt niemand mehr das Wirthshaus, welches der
Gemeinde gehörte, in Pacht nehmen wollte. Nun kam
der tzr. Magister Freundlich als Pfarrernach Gchre-
bers. Dessen Vater war Hof - Brauer bey dem gnä-
digen Fürsten gewesen, und da hatte fein Sohn das
Brauen von Grund aus gelernt. Wenn er nun sei-
nen Bauern, wenn sie etwas bey ihm zu thun hatten,
ein Glas von seinem Haustrunk vorsetzte, verwunder-
ten sie sich, wo er das gute Bier her hätte? Denn
sein Vorfahrer im Amte hatte auch immer schlechtes
Bier gehabt und gesagt: es läge an der dortigen Luft,
daß man kein gutes zuwege bringen könne. Hr. M.
Freundlich merkte aber bald, daß es daran lag, daß
die Leute das Brauen nicht verstünden, oder unordent-
lich damit umgiengen. Er dachte nun, es wäre seiner
Amtswürde, als eines Seelsorgers, nicht zuwider,
wenn er seine Pfarrkinder gut Bier brauen lehrte: da
ihnen doch der liebe Gott gure Gerste wachsen ließ,
und da es dem Bauersmanne bey seiner Arbeit, wohl
zu gönnen ist, daß er sich durch einen guten Trunk labe.
Der Hr. Magister ließ also den Gastwirth und die
Brauknechte vor sich kommen, und ließ sich von ihnen
alles erzählen, wie sie mit der Brauerey umgiengen,
um zu sehen, was sie für Fehler dabey machten. Her-
nach sagte er ihnen, wie sies anders machten müßten,
und gieng selbst einigemal ins Brauhaus, um zu
sehen, ob sies recht machten.
Da fand er nun zwar, daß das Brauhaus ordent-
lich auf einen trockenen Boden, mit der Vorderseite gegen
Witter,
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