Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

Page: 317
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Krankheit sich so geschwind heilen ließe, wie etwa der
Schneider einen Lappen auf ein Loch flicket. Denn
der Arzt kann die Arzeney nicht gerade an den kranken
Theil z. E« an die Lunge, die Leber, ins Blut hinbrin-
qen; er müßte ja sonst den Leib aufschneiden: sondern
ße kommt in den Magen, wird darinne ordentlich ver-
dauet, das beste davon gehet in den Milchsaft, aus
diesem ins Blut, und wird durch den Umlauf des
Bluts in dem ganzen Leibe und allen Gliedern herum
geführt. Sie kann also nur ganz allmahlig helfen,
indem sie nach und nach die Safte verbessert: eben fs
wie einem kranken Baume nicht auf einmahl zu helfen
ist; sondern wenn man Mistlache an die Wurzel
meßt, es eine gute Zeit dauert, bis die nahrhaftem
Säfte in den Äederchen des Baums in die Höhe stei-
gen, und den Zweigen neue Kraft mittheilen. Muß
man doch bey einem Beinbrüche und bey äußerlichem
Wunden oft lange Geduld haben, bis die Heilung
folgt: desto mehr sollte man bey innerlichen Krank-
heiten Geduld haben, da der Arzt nicht in den Leib
sehen kann; desto accurater sollte man seine Vorschrif-
ten befolgen und nicht sogleich, wenn die Besserung ver-
zögert, zu einem andern Arzte laufen, oder einnehmen,
was die Nachbarn, Gevatter und Freunde anrathen,
welche nichts von der Sache verstehen.
Dabey ist jedoch zu merken, daß es mit der Ge-
sundheit beschaffen ist, wie mit einer Mühle. Der
Müller wird gewiß nicht eher daran flicken und repa-
riren, bis etwas daran entzwey gegangen oder verrückt
ist. Also muß man auch keine Arzney brauchen, es sey,
welche es wolle: bis man es nöthig hat. Und dieses
ist besonders mit dem Aderlässen und purgiren oder
LaxLren zu beobachten. Das Aderlässen ist ein sehr
gutes Mittel bey Schlagflüssen, gefährlichen Wunden,
Entzündungskrankheiten, Blutspeyen und andern
Noch-
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