Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

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einen Balken in der Scheure (Stadel.) Zum guten
Glücke wäret eben Feyerabend und die Leute kamen vom
Felde nach Hause. Christians Frau und Kinder kämm
also auch, und da sie ihren Vater hangen sahen, schlu-
gen sie die Hände über dem Kopse zusammen, rauften
sich die Haare aus und schrieen: ach! daß sich Gott
jm Himmel erbarme! der Vater hat sich erbenkt.
Das Geschrey kam auch ins Dorf: Nachbar Chri-
stian hat sich erhenkt! Da lief alt und jung zusam-
men, ihn zu sehen: aber keiner that das Werk der
Barmherzigkeit an ihm, daß er ihn abgeschnitten
hatte; weil sie meynten, sie griffen damit dem Schin-
der ins Handwerk und würden unehrlich. Endlich
kamen der Herr Pfarrer und Schulmeister des Orts
auch dazu und brachten einen fremden Barbier mit, der
sie eben besucht hatte. Diese drey waren klüger,
als die ganze Gemeine. Der hochwürdige Herr stieg;
die Leiter hinauf, rief den andern beyden zu, ff:
sollten den Gehenkten halten, daß er nicht auf du:
Erde falle, und schnitt mit seinem Taschenmesser die
Halfter entzwey. Darauf brachten sie den armen
Christian ins Bett, und machten ihn wieder lebendig.
Die Bauern standen dabey und sperrten vor Verwun-
derung die Mäuler auf, wie obiges Bild zeiget.
Christian wurde aber wieder gesund, und hatte nun
gern das Leben für den Pfarrer und Schulmeister ge-
laßen, so lieb hatte er sie. Als hernach die Sache
vor den König kam, wurde der Pfarrer und Schul-
meister von ihm sehr gelobt und beschenkt, und diu
Bauern wurden gestraft, daß sie ihren Nachbar nicht
sogleich abgefchnitten hatten, wie es Gott und der:
König haben will.
Die Art, wie man einen Erhenkten oder Erwürg-
ten wieder lebendig macht, ist aber folgende:

i) Wer
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