Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

Page: 423
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antwortet er auch selbst eigenhändig. Um 8 oder halb 9 Uhr
kommen die LabinetSs Agathe, und tragen ihm die An-
aelegenheiten von allen Städten und Dörfern des Landes
vor, und er giebt ihnen über alles Bescheid. Um rv Uhr
kommen die Generale und andere Stabsoffiziere und be-
richten ihm die Angelegenheiten der Armee, bis um 11
Uhr. Alsdann reitet er auf die Parade, laßt die Solda-
ten exerciren, oder besieht die neuen Gebäude, die er ma-
chen läßt, oder geht ein wenig spazieren. Um 1 Uhr setzt
er sich zur Tafel bis halb 4 Uhr, wo er durch Gespräche
mit seinen Gästen das Gemüth aufzuheitern sucht. Nach
dem Essen spricht er mit Leuten, die etwas zu bitten ha-
ben, oder denen er besondere Geschäfte aufträgt. Alsdann
kommen die Labmets - Räthe wieder, und legen ihm
die Antworten und Befehle vor, die sie abgefaßt haben,
und der König sieht alles durch, ob es recht und gut ist,
und schreibt alsdann seinen Namen darunter. Um 6 Uhr
ist er damit fertig, und vergnügt sein Gemüthe durch die
Flöte, die er wunderschön bläset, oder durch andere Mm
sik. Von 7 bis 8 Uhr geht er im Sommer spazieren,
und im Winter läßt er sich neue Bücher vorlesen, um noch
immer weiser und gelehrter zu werden, als er schon ist.
Non 9 bis io Uhr führt er muntere Gespräche mit et-
lichen klugen und gelehrten Männern, die er zu sich kom-
men läßt. Alsdann sieht er noch die Rechnungen durch
von allem, was in seinem Hause für Essen und Trinken,
Bediente, Pferde, u. s. w. aufgehet. So lebt er alle Tage
im Jahre, wenn er nicht auf Reisen ist. Er thut aber
keine andere Reisen, als nur in seinen Ländern, um die Re-
gimenter zu mustern und zugleich selbst zu sehen und zu er-
fahren, ob die Städte und Dörfer an Wohlstand zunehmen,
und wie ihnen weiter aufzuhelfen sey; so daß er auf der
Reise fast noch mehr arbeitet, als zu Hause. Bey so vielen
und großen Geschäften kann es nun nicht ohne Verdrüß-
lichkeiten abgehen. Da laufen Berichte ein von Unglücks-
fällen, welche ganze Gegenden zurücksetzen, daß sie die Ab-
gaben nicht bezahlen können. Wasserfluthen zerstöhren
Damme und Brücken, daß Tonnen Goldes auf einmahl zur
Wiederherstellung aufgewendet werden müssen. Treulose
Einnehmer betrügen die herrschaftlichen Cassen, oder drü-
cken die Unterthanen. Gottlose Beamte beugen das Recht.
Schlimme Unterthanen übertreten die Gesetze, schlagen,
raufen und morden einander aus Zorn und Feindschaft,
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