Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

Page: 435
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auch den Sonntag ein Pfund Fleisch im Topf gehabt, sind
keinem Menschen was schuldig geblieben, und haben dem
gnädigen Fürsten zwey Bursche zum Leibregimente geliefert/
wie Eichbaume und Kerzen gerade. Der dritte dient als Kut-
scher, und das Mädchen sorgt nun für die Kuh, daß meine
F.Lese den ganzen Tag spinnen kann. Nun hat mich die ehr-
bare Gemeine zum Flurschühen gemacht: da kann ich auch
einen Groschen zurück legen, für die Zeit, wenn die Beine
einmahl den Graukopf nicht mehr tragen wollen. Ja, glaub
er mir, !Herr, wer auf dem Lande nur arbeiten will, der hats
gut. Die Arbeit reißt nicht ab; ein Paar Schuh und Strüm-
pfe halten zehn Jahr, wenn man sie nur Sonntags anzieht/
und ein Kittel auf den Leib ist bald gesponnen. Er könnte mir
wie viel bieten, ich sollte mit meiner «Liese in die Stadt zie-
hen, und vornehm und reich werden. Ich lobe mir mein
Dörfchen fein, und mag in keine Stadt hinein!" So er-
zählte Toms seine Geschichte.und pfiff auch noch ein Stück-
chen dazu. Nun erzählten noch zwey oder drey Nachbarn
ihre Lebensläufe, aus welchen allen ich die Lehre abmerkte:
Daß es mit dem Bauernstände eben die Beschaffenheit
habe, wie mit allen andern Ständen. Wie mans da
treibt, so hat mans; und wer seine Sachen besser
macht, dem werden sie besser.

So viel las der Herr Pastor den erwählten Män-
nern und Weibern aus der Reisebeschreibung des
Herrn v. MildheLm vor. Darauf sagte er zu ihnen:
" Ihr guten Leute, ich soll euch nun eröffnen, daß unser lie-
ber Herr haben will, daß ihr das Urtheil sprechet, wer die
vor seiner Abreise ausgestellten Preise bekommen soll,
veberlegt daher erst zu Hause recht wohl, welche von un-
fern Miteinwohnern sie am besten verdienen, und erin-
nert euch dabey fleißig an die Geschichten, die ich euch
jetzt vorgelesen habe. Versprecht mir aber, es nieman-
den zu sagen, wem ihr eure Stimmen geben wollt, bis
auf den Sonntag über acht Tage, da das Belohnungs-
fest recht feyerlich gehalten werden soll.

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