Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

Page: 441
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/becker1789/0449
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
44r

Das Grab umschließt
Vom wahren Christ
Den Staub nur: sein Geist lebet
Ewig glücklich dort/ wo ihn
Keine Noch umschwebet.
Drum laßt uns hier.
So lange wir
Auf dieser Erde wallen.
Besser werden/ daß wir Gott
Immer mehr gefallen!
(Wahrend dieser Verse wurden die drey Leichen in die Grä-
ber gesenket; hernach fuhr der Herr Pastor also fort.)
Ihr weinet alle/ meine Lieben! Und ich kann die
Thränen fast auch nicht mehr zurück halten. Aber laßt
uns nun doch weiter nachdenken! Sollte uns der allgü-
tige Kott nicht auch etwas Gutes durch diese betrübten
Todesfälle erzeigt haben? Wir wissen/ daß denen/ die
Gott lieben/ alle Dinge zum Besten dienen/ und mir
scheint es in der That/ er habe uns dadurch Gelegenheit zu
der besonders schönen Tugend geben wollen/ andern bey-
zustehen, wenn man selbst Ln L^orb ist. Laßt uns
die betrübte/ ihres Versorgers beraubte Wirtwe/ und den
gebeugten Hausvater/ der Frau und Kind verloren hat,
zuerst trösten, ehe wir an unfern eignen Verlust denken.
Wer es kann/ stehe ihnen bey/ wenn sie vor Traurigkeit
nicht wissen, wie sie sich rächen und helfen sollen: so ist die-
ser Trauerfall unfern Seelen heilsam, die Thränen, dis
wir vergießen, erweichen unsere Herzen, daß sie gütiger,
liebreicher undGott wohlgefälliger werden. Euch, ihr bey-
denHochbetrübten, hat derVater imHimmel dieses schwe-
re Leiden zugeschickt, damit ihr stärker werdet in der Ge-
duld, im Vertrauen auf ihn, und in dem Glauben, daß er
doch alles wohl macht/wenn auch seineWegeunerforschlich
find. Nehmet diesenGlauben vomGrabe eurer nun seligen
Lieben mit hinweg, so wird die Wunde eures Herzens bald
aufhörcn zu bluten; und fanget sogleich an, eure zerstörten
Ee § Haus-
loading ...