Becker, Wilhelm Gottlieb [Editor]
Neue Garten- und Landschafts-Gebäude — Leipzig, 1798-1799

Page: 13
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an welches auf beiden Seiten ein Cabinet stöfst. Gehet man durch das zur Rechten, so gelangt man
in das gewöhnliche Wohnzimmer und von da, in der nehmlichen Seitenlinie, noch in ein anderes, aus
■welchem man rechts einen Ausgang zum Stall hat, welcher Gang von der Hofseite mit kleinen Säulen
unterstützt ist. Gehet man aber aus diesem Zimmer zur Linken hinaus, so tritt man in den Ilausgang,
wo sich die Hauptthüre des Hauses gegen den Hof öffnet. Will man aber von da nach dem Saale
zu n^ehen, so mufs man das dazwischen liegende kleine Gemach zum gemeinschaftlichen Durchgang
wählen. Dieses ist gewölbt und macht den Grund des Observatoiiums. Zur Rechten ist ein Einfand
in das zuerst erwähnte Wohnzimmer, und zur Linken kömmt man in einen Raum, wo sich das
heimliche Gemach befindet. Gehet man aber aus der Hausflur links nach der Treppe, so kann man
von da in den Keller, und unter den obern Stufen zum Abtritt der Dienstboten kommen. Aus dem
Treppenhause öffnet sich nun eine Thüre in den Gang nach dem Kuchengebäude, bei dessen Betretun"
man sogleich auf eine abwärts und aufwärts führende Treppe stöfst, deren letztere auf den Boden und
erstere in den Küchenkeller führt. Zur Rechten findet man die Thüre zur Küche, an welcher, neben
dem kleinen Durchgang, ein Speisegewölbe angebracht ist. Gleich hinter der Küche befindet sich eine
Stube für den Koch oder die Köchin; und hinter dieser ist ein grofser Wagenschuppen, der sich mittelst
einer grofsen Thüre nach dem Hofe zu öffnet.

Der rechte Stallflügel enthält, gleich beim Eintritt aus dem Verbindungsgange, ein kleines
Vorhaus, und neben demselben ein Stübchen für den Knecht oder Kutscher, welches geheizt werden und
zum Trocknen der nassen Pferdedecken dienen kann. Der Stall ist auf fünf Stände eingerichtet. In
dem hintern Behältnifs ist eine Treppe, die auf den Boden führt und eine kleine Geschirrkammer.

In dem auf dieser Platte dargestellten Grundrifs des Observatoriums sieht man in den vier
Schäften die Rauchfänge hinaufsteigen; auch bemerkt man zugleich die Austritte und den innern Raum.
Man gelangt in denselben mittelst einer Treppe, weh he sich in einem runden Tische, der in der Mitte
fest stehet, durch das Tischblatt, ohngefähr v> ie bei einer Fallthure, öffnet. Das umschliefsende Viereck
macht die Fläche des Dachs bis an die Zocke aus.

Das Ganze ist sehr einfach und giebt eine angenehme Ansicht. Wollte man den Küchen-
garten vom Lustgarten trennen, so konnte diefs durch eine anschliefsende Mauer sehr gut bewerk-
stelligt werden.



Dreizehnte Platte

a und b.

Ein L a n d h a u s im Prachtst y L

a. Der Künstler hat sich die Ansicht dieses Gebäudes an einem Gewässer gedacht. ■—■ Man
sieht hier eine Facade in der gröfsten Einfachheit mit einem Unterbau verbunden. Dieser Unterbau
hat gerade unter der darauf stehenden Nische eine Menge gedrängter Säulen, welche als ein decorirtes
Ffahlwerk betrachtet werden müssen. Wollte man nicht so viele Kosten darauf verwenden, und nur
eine um die andere stehen lassen, so würde das Gebäude zwar nichts an seiner Festigkeit verlieren;
aber das Eigenthümliche dieses Gedankens gienge dann freilich verloren.

Um das Miize Gebäude herum befindet sich ein Umjranir, welcher mit einem eisernen Gelän-
der umgeben ist. Die Nische gewährt den Bewohnern einen trocknen Raum, wo sie mit einer zahl-
reichen Gesellschaft der freien Luft und schönen Aussicht geniefsen können. Es kann sogar offene
Tafel darin gehalten werden. An beiden Seiten befinden sich zwei Sphinxe, welche durch einen
schwarzen Anstrich ein fremdartiges Ansehn erhalten würden. Die beiden runden Einbindungen, welche
in dem Zwickel angebracht sind, den die Nische und der Sims übrig läfst, können zu irgend einem
Zweck gebraucht und von innen geöffnet und erleuchtet werden.

Der Sims, welcher in gerader Linie fortläuft, und sich in der kleinen Rücklage von ungefähr
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