Becker, Wilhelm Gottlieb; Tauber, Andreas [Hrsg.]; Pursh, Frederick [Hrsg.]; Block, Ludwig Heinrich von [Hrsg.]
Der Plauische Grund Bei Dresden: Mit Hinsicht Auf Naturgeschichte Und Schöne Gartenkunst ; Mit fünf und zwanzig Kupferblättern — Nürnberg, 1799

Seite: 40
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will überlieht man hc ganz in ihrer glücklichsten Lage. So ist sie auf beige-
fügtem Kupferblatte gewählt, und ich glaube der allgemeinen Beistimmung
gewiso zu seyn, dass üe von da aus als eine Landschaft von seltener Natur*
fchönheit erscheint.
Die anmuthige Krümmung des Wassers ist schon an hch selblt ein wohl-
thuender Anblick; aber noch weit mehr gewinnt die schöne spiegelnde Maße
durch die Brechung des Wehrs , das mehr einem natürlichen, als einem künst-
lichen Fall gleicht. Der nach der Strasse hinüber laufende Bechen, der benimmt
iß dem Flossholz zu wehren, dass es nicht in den Mühlgraben trete, noch
an das Ufer (ich lege, ist ebenfalls ein malerischer Gegenßand zum Vorgrund>
zumal da er nur eine Strecke der ganzen Parthie einnimmt. Die linke Seite des
Ufers ist dicht mit Bäumen bewachsen, über welche nur hie und da ein nackter
Felsenblock vorblickt, und über dem Wehre tritt ein mit Baumen und Büschen
bewachsener kleiner Landstrich, gleich einer Halbinsel, in die ilch krümmende
Weisseritz ein, der Henöthiget, eine so bogige Richtung zu nehmen. So rei^
zend diess alles schon in einer Ebene wäre , so gewinnt doch das Ganze unend-
lich durch das vortrefliche rechte Felsengerippe, das bis zum Anfang des Re-
chens in der nämlichen Krümmung der 'Weisseritz folgt, und gerade nur so viel
mit einzelnen Bäumen und S trän ehern geschmückt ist, als die malerische Wir-
kung erfordert, um die grösseren Maden zu unterbrechen, den Formen derselben
mehr Anmuth zu geben, und verschiedene Farbentöne in dieselben zu bringen.
Die Strasse, die sleh zwischen dem Felsen und Wasscr herumdreht, macht die
sonst schaurige Gegend lebhaft und munter; und die einzelnen Gebäude, die
hinten von der Höhe der Bergwand, so freundlich gelegen, herabblicken, er-
innern zugleich an die Wohnbarkeit der umliegenden Gegend und an die thäti*
gen Wirthe des oben zur rechten liegenden Dorfes.
Wie leicht wäre nicht diese reizende Parthie in eine Sceiie von höherer Wir-
kung umgeschaffen , wenn he in der Verbindung des ganzen verschönerten Thals
bedeutender werden sollte, damit der Wanderer sähe , ihre Anmuth sei vom Be-
litzer gekannt und geschätzt. Das Ganze, dünkt mich, scheint hch vortressich
zu einem Denkmal zu eignen, wras der Beßtzer des Thals entweder einer <re-
liebten Person, einem redlichen Diener, einem würdigen Lehrer, oder auch
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