Bédacier, Catherine
Wahrhaffte Liebes- Und Helden-Geschichte Heinrichs, Hertzogen der Vandalen — Ulm, 1722 [VD18 13950371]

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alleCreutziger, welche in diesem traurigen Zug
nicht umkommen waren / zuruck kommen sähe,
so fiele Sie fast in eine Verzweifflung, keine
Nachricht von Ihren lieben Heinrich zu hören;
Kein einiges Schiff, kein einiger Mensch von
seiner Flotte ist dem Schiff-Bruch oder der
Hand der See-Räuber entgangen; Sie wartete
derowegen/leyder unwissend ? wie es um Ihn
stünde / eine geraume Zeit, wo nicht ruhig, doch
wenigstens mit einer grossen Standhafftigkeit,
auf die Zurückkunfft Ihres Gemahls und Ihres
Sohnes / aber als Sie davon gar nichts erfah-
ren / und der König von Franckreich sechsten sich
schon wiederum loß gekauffet hatte / so schickte
Sie an alle Höfe von Europa, ohne daß ein ei-
niger Mensch von seinem Schicksaal Ihr Nach-
richt geben konte. Es ist unmöglich außzudru-
cken, was Sie über den Verlust Ihrer Hoff-
nung empfand / Sie ergäbe sich dem Schmertzen,
die Thränen und Seuffzer waren Ihre einige
Zuflucht wärend der ersten Jahren; Aber end-
lich ^weilen Sie ein standhaftes / und zu einer
tapffern Entschliessung tüchtiges Gemüthe hatte,
so bestärckte Sie sich auß Ihrer Verzweifflung
sechsten, und beschlösse zu leben, um den Sohn,
den Sie noch übrig hatte, tüchtig zu machen,
das Volck zu regier»/welches Sie anbetete, um
Ihrer mit i^eüät angefüllter Gelindigkeit wil-
len, derer Sie sich gegen demselben gebrauchete.
Ihre Schönheit und Ihre Tugend, davon der
Ruhm schon erschollen, suchten viele grosse
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