Bédacier, Catherine
Wahrhaffte Liebes- Und Helden-Geschichte Heinrichs, Hertzogen der Vandalen — Ulm, 1722 [VD18 13950371]

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gegen denenselben nichts als Sanfftmuth und
Mitleiden / und machte sich eine Freude denen
Armen zu Helffen. Er wolte einsmahls alle
Sclaven - davon seine Gefängnüsse angefüllet
waren, sehen/ und dieses geschähe auch mitgros-
sem Pracht. Er saß auf einem prächtigen
Thron/ und er sechsten schimmerte von kostba-
ren Steinen. Es war kein eintziger unter ihnen/
dessen Nahmen und Land er sich nicht benach-
richtigte / und dem er nicht seine Pein verringerte;
Aber da er den Heryog Heinrich sähe/so em-
pfände er über diesem Anschauen in seinem Ge-
müthe etwas gantz besonders. Dieser grosse
Fürst / ob schon Seine Kleider zerrissen / die
Haare gantz verwirrt / und vor lauter Verdruß
fast gantz weiß / seine Augen auch so beschaffen
waren/ daß man Seinen Schmertzen darinnen
abgebildet sehen konte / behielte doch eine Groß-
muth in seinem Angesicht / welche den neuen
Sukan erstaunen machte ; Er hatte Ihn gern
vor allen andern frey gemacht/ aber in Betrach-
tung/ daß diese allzugroffe Liebe gleichsam eine
Ungerechtigkeit wäre / begnügte er sich zu befeh-
len / daß man Ihn meinen besondem Ort setzen
sollte/ allwo man Sorge hatte/ Ihn wohl-an-
siandig zu kleiden; Diese geringe Gnade erweichte
den HertzSg der Vancislen ; Er wäre von Ge-
gen-Erkannrlichkeit und Liebe gegen dem
gerühret / und nachdem Er ibm demüthigst/ sei-
nes damahligen Standes gemäß/davor danckete/
so wolte Er wiederum hinauß gehen / da derjun-
- Le
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