Bédacier, Catherine
Wahrhaffte Liebes- Und Helden-Geschichte Heinrichs, Hertzogen der Vandalen — Ulm, 1722 [VD18 13950371]

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M(o)(A

Ort zu suchen/ allwo Er seinen Vorwitz und
Liebe vergnügen könte: Nachdeme Er sich nun-
mehr dann einmahl in diesem Ladiner vergebens
umdrchete, so näherte Er sich der Thür / ohne daß
Er sich dabey stehen zu bleiben getrauete / auß
Furcht/durch die andere Damen deß Gefolges der
^snme wahrgenommen zu werden, welche Er in
einem Gehsltz, nicht ferne von diesem Ort, hö-
rete; Endlich nach einer viertel Stunde seiner
Unruhe, bemerckte Er hinter dem Ladiner, in
einem wilden und ungebauten Ort, eine verbot«
tene Thür / allwo man nicht allein hören, son-
dern auch die Persohnen durch die Ritzen sehen
tonte, welche die Länge der Zeit darein gema-
cher hatte; Voller Freude über diese Erfindung/
berauschte Er sich gleichsam einige Augenblick in
dem Anschauen dieser Printzcffm, Sie läge auf
einem zarten Bethe, ein leichter Flor mit Gold
und natürlichen Blumen durcharbeitet, bedeckte
kaum denHalß, welcher auch unerachtet der so
zarten Jugend der ^arime vollkommen schön
war. l^lime hatte ihren Kopff in Ihrem Schooß/
und auß einer ihr erlaubten Freyheit machte sie
Scherzweise auß Ihren Haaren kleine Rollen/
welche von der schölten graulechten Silber-Farbe
waren / die so tauglich ist die Schönheiten deß
Gesichts in die Augen leuchten zu machen ; Diese
Fräulein redete etwas, welches unser Liebhaber
nicht verstehen kome, weilen Er das, was vor-
her gegangen / nicht wußte! Ach l^jime! ant-
wortete die Printzeffin / wie ist es so leicht Rath
C 2 zu
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