Bédacier, Catherine
Wahrhaffte Liebes- Und Helden-Geschichte Heinrichs, Hertzogen der Vandalen — Ulm, 1722 [VD18 13950371]

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verliebte Außdrücke brachte Sie in Ihrer grossen
Freude hervor; Und doch konte Sie sich nicht
entschliessen / solches an den Tag zu geben.
Vielleicht daß Sie Ihre Wollust bezähmen wol-
le , oder welches noch mehr glaublich / daß Ihr
Stand Siezu dergleichen Mißtrauen verleitete?
Anderseits unser junge Sclav/ mitten in der
grösten Evfersucht der Liebe gantz ersoffen/ wohl
wissend / daßdiePrintzejsinin eine Kirche gehen
solle / wovon alleManns-Persohnen/ nach der
Gewohnheit / außgeschlossen waren / vertraute
sich einem alten Weib / welches sich in vielerley
Sachen mischte/ und bekam durch Geld von
Ihr ein Weiber-Kleid / dann wann man zu be-
zahlen hat / und freygebig dabey ist/ so findt
man in dergleichen Unternehmungen nicht leicht
Widerstand. Er versicherte dieses Weib / daß
der blosse Vorwitz ihn zu diesem Vorhaben ver-
leitete ; Sie stellte Ihm dargegen die nicht gar
zugeringe Folgen vor / die darauß kommen wür-
den / angesehen hier um das Leben zu thun wäre;
Aber weilen Er jung und verwegen war / so wür-
digte Er nicht einmahl einige Absicht auf die Ge-
fahr zu haben. Orl war ungemein schön in
diesem Kleid/ und nachdem Er sein Gesichte mit
einem Flor bedeckte / so mischte Er sich mit un-
ter das Frauenzimmer der ^rime, weiche bey
dem Eingang der^r.me in die Kirche in so gros-
ser Anzahl waren/ daß Ihm solches nicht schwer
fiele ; Biß hieher palLerte nichts seinem Ge-
schlecht ungewöhnliches; Aber weiter Er an die-
sem
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